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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wester - Westerland
lMüuch. 1776), "Bayr. Beiträge zur schönen und
nützlichen Litteratur" (ebd. 1779^81); ferner "Jahr-
buch der Menschengeschichte in Bayern" (2 Bde.,
ebd. 1783), "Vayr.-Histor. Kalender" M Vdchn.,
1787 fg., mit Kupfern), "Beiträge zur vaterländi-
schen Historie, Geographie, Statistik und Landwirt-
schaft" (10 Bde., 1785-1818), "Akademische Reden
und Abhandluugen" (Münck. 1779), "Geschichte der
vayr. Akademie der Wissenschaften von 1759 bis
1807" (2 Bde., ebd. 1805-8). Eine Sammlung sei-
ner "Sämtlichen Werke" erschien nach seinem Tode
<10 Bde., Kempt.1831-N8). - Vgl. Gandcrshofer,
Erinnerungen an Lorenz von W. lMünch. 1830);
Klnckhohn, Aus dein bandschriftlicken Nachlasse
Lorenz von W.s (2 Bde., ebd. 1882): ders., über
Lorenz von W.s Leben und Schriften (Bamb. 1890).
Wester, s. Westerhemd.
Westeras, uralte Stadt im schwed. Lün West-
manland, an der Mündung der Svarta in den
Mülarsee, wo sich ein Hafen befindet, an der Privat-
bahn Stockholm-W.-Arboga, ist Sitz des LandeS-
bauptmanns und eines Bischofs, bat (1893) 8504
(5. und ein ehemals befestigtes Schloß. Die got.
Tomkirche, eingeweiht 1271, später erweitert und
1850-60 restauriert, hat den höchsten Turm (97 m)
in Schweden, der 1693 erbant wurde. Es bestebt
zu W. ein Gymnasium, bischöfl. Bibliotbek von
mehr als 12 000 Bünden, darunter die von Arel
Orcnstjerna geschenkte kurnlainziscbe Büchersamm-
lung, ein Rathaus, ein Lazarett, Wasapark; Schiffs-
werfte, lebhafte Schiffahrt und Handel mit Gurkeu,
Korn, Eisen, Messing, Vitriol u. s. w. Auf dem
Reichstag zu W. setzte Gustav I. Nasa 1527 die
Einführung der Reformation in Schweden durch;
auf einem zweiten Reichstag zu W. wurde 1514 die
Krone für erblich im Hause Wasa erklärt.
Westeräs Län, s. Westmanlands Län.
Wefterbauer, preuß. Gemeinde, s. Bd. 17.
Westerbotten, schwed. Provinz, längs dem Ufer
des nördl. Teils des Bottnischen 'Dteerbusens, jetzt
unter die Län W. und Norrbotten verteilt, mit
180000 E. auf 45500 <ikm. Der südl. Teil hat
magern, sandigen Boden, die nördl. Thäler sind
fruchtbar, obgleich des Klimas wegen nur spärlich
angebaut. Waldbau ist die Hauptnabrnngsquelle,
Sägemühlen giebt es an den Strömen: Torneä-,
Kalir-, Lulcä-, Piteä-, Skelleftcä-, Umcaelf il. a.
Westerbottens ^än oder Umeä Län, admi-
nistrativer Bezirk im nördl. Schweden, umfaßt die
südl. Teile der Provinzen Westerbottcn und Lapp-
land sowie die Kirchspiele Nordmaling und Vjur-
holm der Provinz Ängermanland und zählt auf
58 947 gkiu <lvovon 3218 Wasser) 18931 128 617
E., d. i. 2 auf 1 lilvi". Von der Festlandoberfläche
sind nur 2 Proz. Ackerland, 3 Proz. Wiesen und
40 Proz. Wälder, das übrige Gebirge und Ödland..
Hauptnahrungszweige sind Viehzucht und Wald-'
wirtschaft. Eiseubabncn giebt es nicht. Städte sind
Umea und Skelleftea.
Westerburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Wiesbaden, bat 317,36 ci^m llnd (1895) 28 380
(14073 männl., 14307 weibl.) E., 1 Stadt und 81
Landgemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis W. und
Hauptort der standesberrlichen Graffchaft W., in
400 m Höbe, ain füdwestl. Abbang des Wester-
waldes, an der Nebenlinie Altentircheu-Limburg der
Preuft. Staatsbahnen, bestebt aus der alten Ober-
stadt auf dem Schloßberg, mit dem alten Schlosi der
Grafen von Lciningen, und der neuern Unterstadt
im Thal des Schafbachs, ist Sitz des Landrats-
amtes und hat (1895) 1235 E., darunter 67 Katho-
liken und 86 Israeliten, Post, Telegraph, Stadt-
tirche, 1219 erbaut und 1516 neu hergestellt, Ruine
einer Pfarrkirche, landwirtschaftliche Schule; Ger-
bereien, Mahl-und Ölmühlen, Sägewerke, Ziege-
leien, Basaltsteinbrüche, Braunkohlengruben; Som-
merfrifche. In der Nähe Ruinen des Klosters Seligen-
stadt und der Burg Weltersburg; 7 kni im S. auf
dem Blasiusbcrge (388 m) die St. Vlasiuskapelle,
alter Wallfahrtsort; am Fuß des Berges die Dorn-
burg mit uuterirdifchen Eisbildungen. W. kam nach
dem Aussterben des alten Wcsterburger Geschlechts
an die Grafen von Leiningen (s. d.).
Westeregeln, Alkaliwerke, s. Staftsurt.
Westerems, s. Ems.
Wester-Enger, Vauerschaft, s. Enger.
Westergaard (spr. -gohr), NielsLudw., dän.
Orientalist, geb. 27. Okt. 1815 in Kopenbagen, wid-
mete sich 1833 zu Kopenhagen erst altnord., dann
ind. Sprachstudieu, setzte letztere 1838-39 in Bonn,
Paris, London und Oxford fort und bereiste 1841
-44 Indien und Persien. Nach seiner Rückkehr
wurde er Professor der ind. Philologie in Kopen-
bagen, in welcher Stelluug er 9. Sept. 1878 starb.
Uuter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Nalii-
<(^ Uii^ulu; Zaiisci-itae" (Bonn 1841), "Sanskrit
Fornllcrre" nebst "Sanskrit Loesebog" (Kopenh. 1846),
die kritische Ausgabe des "Zendavesta" (ebd. 1854)
uud des Vundebesh (ebd. 1851), die Abhandlungen
"De "loste Titsrum i den indiskc Historie" und
"Buddhas Dödsaar" (ebd. 1860; beide deutsch Bresl.
1862) und Arbeiten über die pers. Keilinschriften.
- Vgl. den Nekrolog von Wilh. Thomscn, deutsch
von A. Vezzenbergcr im 5. Bande der "Beiträge zur
Kunde der indogerman. Sprachen" (Gott. 1880).
Westergötland, Provinz Schwedens, im N.
von den waldigen Höhen Tiwedens begrenzt, im
W. voin Wenersee und der Götaelf; östlich stößt
sie an den Wettersee und an das Hochland Smä-
land, südlich an Halland. W. zerfällt in admini-
strativer Hinsicht in Göteborgs Län, Elfsborgs Län
und Skaraborgs (Mariestads) Län; die Gesamt-
fläche beträgt 18 574 l^km, wovon 969 <ikin Wasser,
mit 60000N E. Die Natur der Laudsckaft ist fehr
ablocchselud, die Ebenen überwiegen. Sehr frucht-
bare Gegeudeu sind die sog. "Falbygden" und
"Guldkroken", während die Gegend östlich von
Alingsas, "Svältorna", fast ganz unfruchtbar ist.
Einzelne Höhen von Bedeutung sind Halleberg,
Huuneberg, Kinnetullc und Billingen. Die Be-
wobner beschäftigen sich hauptsächlich mit Ackerbau,
Waldwirtschaft und Webeindustrie.
Wefterhemd (vom lat. v^ti"; althochdeutsch
W ester), das weiße Kleid, womit in der alten Kirche
der Täufling betleidet wurde; in der prot. Kirche ein
weißes Tuch, das wäbrend des Taufgebcts und
Segens über den Täufling ausgebreitet wird. (S.
Taufe.)
Westerkappeln, preuß. sslecken, s. Bd. 17.
Westerland, Dorf im Kreis Tondern des preuß.
Reg.-Vez. Schleswig, auf der Insel Sylt (s. d.) und
iluweit der Nordsee, mit Dampfstraßenbabn nacb
^tnnkmarsch l4,2 kni, Haltestelle der Dampfschiffe
von Hoverschleuse), hat (1895) 1266 E., Post,
Telegraph, evang. und kath. Kirche und ist ein fehu
besuchtes Seebad (1896: 10 757 Kurgäste), eins
der stärksten der Nordsee, mit neuem Kurbaus, zahl-
reichen Hotels und Hospiz.