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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Westermann, George - Westerwald
Westermann, George, Verlagsbuchhandlung
in Braunschweig, gegründet 15>3<^ von George
Wcstermann (geb. 23. Febr. 1810 in Leipzig, gest.
7. Sept. 1879 in Wiesbaden), ging 1879 über an
dessen Erben nnter Leitnng des Sohnes Friedrich
West ermann (geb. 11. Febr. 1840), der 1889
alleiniger Besitzer wurde. Der Verlag ist besonders
bekannt durcb die Wörterbücher von Thibaut, Mole,
Brown-Martin, Flügel, Rost, Schulatlanten von
Lange - Lichtenstern und Diercke, Schulbücher von
Viebosf und Herrig, "Westermanns Illustrierte
deutsche Monatshefte" (s. d.), enthält aber außer-
dem noch geographische, geschichtliche, belletristische
Werke, das "Archiv für das Studium der neuen
Sprachen" (1848 fg.; gegründet 1846) u. a. Mit
dem Verlagsgeschäft sind verbunden: Buckdruckerei
(20 Pressen), Stein-, Kupfcrdruckerei, Ätzanstalt,
^tereotvpie, kartographische Anstalt; 105) beschäf-
tigte Personen.
Westermanns Illustrierte deutsche Mo-
natshefte, in Vraunschweig im Verlag von George
Westermann erscheinende Familienzeitschrift belle-
tristischen und populärwissenschaftlichen Inhalts.
Sie wurde 1856 von George Westermann gegründet
und von Anfang an gemeinsam mit Adolf Glaser in
Berlin geleitet, mit Ausnahme der 1.1878-84, wo
Friedrich Spielhagen an der Spitze des Blattes stand.
Seit 1879 ist Friedr. Westermann Mitherausgeber.
Western Islands (spr. eiländs), s. Azoren nnd
Hebriden.
Westernorrlands Län oder Hernösands
Län, administrativer Bezirk im nördl. Schweden,
umsaht die beiden Provinzen Medelpad und Anger-
manland, mit Ausnahme von zwei dem Westerbot-
tens Län gehörenden Kirchspielen, und zählt auf
25485 likni (wovon 1421 Wasser) 1896: 220541
E. Von der Festlandoberfläche sind 3 Proz. Acker-
land, 3 Proz. Wiesen und 67 Proz. Wälder. Holz-
ausfuhr und Ackerbau sind Hauptnahrungszweige.
Es giebt 464 Km Eisenbahnen; auf den zahlreichen
Gewässern ist aber der Verkehr sehr lebhaft. Städte
smd Hernösand und Sundsvall.
Westerplatte, Seebad bei Neufabrwasser (s. d.).
Wefterfchelde, s. Schelde.
Westerstede, Amt und Bauersckaft in Olden-
burg, s. Bd. 17.
Westersteder Eisenbahn, schmalspurige, 7 Km
lange Privatbahn von der Station Ocholt der oldenb.
Staatsbahnlinie Bremen-Leer nach Westerstede (1876
eröffnet). Den Betrieb führt die oldenb. Staatsbahn.
Westerton, Alexander of, f. Alexander.
Wefterwald, im weitern Sinne derjenige Teil
des niederrhein. Gebirgslandes, welcher zwischen
dem Rhein im W., der Sieg im N., der Labn
im O. und S. der Eifcl gegenüber liegt, im engern
Sinn aber nur der nordöstl. und mittlere böcbste
Teil des Gebirgsabschnittes, der auch der Höbe W.
oder Kalte Eich genannt wird (s. Karte: Nhein-
p r o v i n z u. s. w. II. Südlicher Teil). Er erhebt
sich oft mit schroffen, felsigen Böschungen aus den
Thälern der Lahn, des Rheins und der Sieg und
trägt einzelne Züge und Kuppen. Die Scbeitel sind
mit Felsblöcken übersät, die oft wahre Felfenmeere
bilden. Gewöhnlich schließt eine Gruppe solcherKegel-
bcrge ringförmig eineEinsenkung ein, die dann meist
sumpfig und mit Torfmoor oder einem See erfüllt ist.
Der Hohe W., der höchste und rauhcste Teil, zieht
vom Edcrkopf südwestwärts über Vurbach bis zu der
in die Sieg fließenden Nister bei Hachenburg als
eine kahle, öde Basaltfläche. Die höchsten Gipfel des
ganzen Gebirges sind der Saalberg oder Salz-
burg er Kopf, an der Südspitze von Westfalen,
655 in, und der Fuchstauten bei Willingen,
657 in hoch. Vom Eaalberge zieht ein Rücken
lWelschegeheeg 695 m) auf der Wasserscheide zwi-
schen Sieg und Lahn nach NO. als Verbindungs-
glied mit dem Sauerland, während das Plateau
sonst nach allen Seiten abfüllt. Die durchschnitt-
liche Höhe des Hohen W. beträgt über 500 m, die
der ihn umgebenden Platte nur mehr 300-400 in;
nur im EW., zwischen Lahn und Rbein, schwillt der
Montabaurer Wald oder die Montabaurer
Höbe noch zu 546 m an und fällt dann steil zum
Rbein ab. Ähnlich baut sich in der nordwestl. Ecke,
zwischen der Sieg und dem Rhein, das Sieben-
gebirge (s. d.) mit bedeutender relativer Höhe aus
dem Rheinthal auf.
Der geolog. Aufbau wechselt in der Richtung von
W. nach O. Die dem Rhein zugekehrten Teile be-
stehen zumeist aus Devon (Koblenzschichten) und
schließen Becken mit Diluvial- und Tertiärschichten
ein; letztere entbalten Braunkohlen und vorzüglichen
Thon, welcher in dem sog. Kannenbäckerland Anlaß
zu einer bedeutenden Thonwarenindustrie gegeben
bat. Die nordwestlichste Ecke, das Eiebengebirge,
bestebt im S. aus Trachyt und Dolerit und im N.
aus Basalt. Auch sonst ist Basalt ziemlich verbreitet,
wie sich auch am Rande des Neuwieder Beckens
und bis Westerburg lün vulkauische Tuffe finden.
Der östlich von der Straße Montabaur-Hachenburg
gelegene Teil mit dem Mittelpunkt Westerburg ist
zum großen Teil aus Tertiär mit reichhaltigen
Braunkoblenlagcrn und mit Trachvt- und Nasalt-
konglomeraten und aus zahlreichen Basaltkegeln
zusammengesetzt. Der südöstlich davon gelegene
Gebirgsabschnitt, das Becken von Limburg und die
Gegend zu beiden Seiteu der Labn bis gegen
Wetzlar aufwärts, besteht, abgesehen von Diluvial-
ablaaerungcn, aus den Schichten des Devons und
Ilmerearbons mit zahlreichen diabasischen Eruptiv-
gesteinen. An nutzbaren Mineralien und Erzen fin-
den fieb noch Kupfer und Eisen, welch letzteres be-
sonders im Devon zwischen Altenkirchen und Siegen,
über die Sieg hinaus bis Olpe und in mehr als
100 Gruben im Nassauischen, südlich und nördlick
der Lahn, besonders bei Runkel und Hadamar, aus-
gebeutet wird.
Die Rauben und Feuchtigkeit des Klimas, ge-
steigert durch die vielen Versumpfungen, ist im
W. der Vegetation, besonders dem Waldbestand
nickt günstig. Das Gebirge ist daher kabl, nur die
Abbäugc auch des Hohen W. sind wie die Berg-
fläcben gegen den Rhein hin fast überall mit
Waldungen bedeckt. Trotz des langen schueereicken
Winters werden ziemlich viel Kartoffeln, Hafer,
Gerste, Kohl, Flachs und Heu erbaut und aus-
gezeichnet sind die Gcbirgsweiden und Wiesen. An
der Lahn dagegen blüht der Obstbau und in ge-
schützten Lagen dieses Thales gedeiht sogar die
Rebe. Der Südabhang des Gebirges ist fast industrie-
los, der nördliche dagegen gehört zu den industriell-
sten Gegenden Deutschlands. - Vgl. Kneebuscb,
Führer durch den W. u. s. w. (Dortm. 1886); Führer
durcb den untern W. (Neuwied 1892); Schulze-
Roehler, Betrachtungen eines Landwirtes über den
obern W. (Wiesb. 1893); Heyn, Der W. und seine
Bewohner l Marienberg im Westerwald 189Z)-
Westerwaldführer i2. Aufl., Eobura. 1595".