Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

662
Westerwaldbahnen - Westfalen (Königreich)
Westerlvaldbahnen. 1) Obere Westerwald-
bahn, vom prenß. Staate erbaute, 1885 und 1886
eröffnete Nebenbahn von Hadamar über Westerburg
undHachenburg nach Altenkircken (56,6l(in), anStelle
der der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn (s. d.) 187')
genehmigten 33esterwaldbahn Eschhofcn-Hadamar-
Hachenburg-Troisdorf. 2) Untere Westerwald-
bahn, 1873 genehmigte, 1884 eröffnete Strecken der
ehemaligen Rheinischen Eisenbahn (s.d.), von Engcrs
nach Altenkirchen, von Grenzan nach Höhr (Grenz-
bansen) und von Sicrshahn nach Staffel (93,3 km),
nach deren Erwerb vom preusi. Staate vollendet.
Die W. bilden seit 1. April 1895 einen Teil des
Eisenbahndirektionsbezirks Frankfurt a. M.
Westerwik (Vcstervik), gewcrbfleißige Stadt
an der schwed. Ostküste im Kalmar Län, an dcn
Linien Norsholin-W. (118 Km) und W.-Hultsfred,
hat (1893) 6810 E., Ruinen der Burg Stäkeholm;
bedeutende Ausfubr von Holz, Korn und Eisen,
ferner ^chiffswerfte, mebrere Fabriken und Dam-
pferverkehr mit Wisby.
Westeuropäische Zeit, s. Eisenbahnzeit.
Westfalen, der westl. Teil des alten, von Karl
d. Gr. dem Frankenreiche einverleibten Herzogtums
Sachsen, reichte, durch die Engern an der Weser von
dem Lande der bis zur Elbe wohnenden Qstfalen
getrennt, westwärts bis nahe an den Rhein uud
hatte hier die ripuarischen Franken zu Nachbarn,
im Norden die Friesen, im Süden, von der Sieg
und Edcr an, die Hessen. Bei der Auflösung dev
Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Hein^
richs des Löwen 1180 verlor sich der Name Östfalen
gänzlich; der Name W. erhielt sich, ging jedoch teil^
auf das neu gebildete Herzogtum W., teils aus
den spätern Westfälischen Kreis über. Im 1.1180
nahm der Erzbischof von Köln, Philipp von Heins
berg, das Bergland an der obern Ruhr und Lenne,
das Eüder- oder Sauerland, in dem seine Vorgänger
schon in der frank. Zeit einzelne Güter erworben
hatten (Soest, Werl, Medebach, Attcndorn u. s. w.>,
völlig in Besitz, vereinigte es als W e stfälische o
Niederstift mit dem Erzbistum Köln und erhielt
von Friedrich Barbarossa für das Gebiet der Diö-
cesen von Köln und Paderborn den Titel eines
Herzogs von Engern und W. mit allen her-
zogl. Rechten. Unter Erzbifchof Konrad von Hoch
staden (1238-61) wurde die neue Besitzung nacb
Nordosten bin durch Brilon, Erwitte und andere
früher paderbornsche Güter vergrößert, mehr noch
1368 durch Erwerbung der Graffchast Arnsberg.
Zwar verlor Erzbischof Dietrich 1449 die Stadt
Soest (s. d.), doch durfte sein Nachfolger Ruprecbt
nach dem die Soester Fehde beendenden Haupt-
vergleich von 1464 dafür die um diese Zeit ver-
fallenen Lehnshcrrschaften und Schlösser Frede-
burg und Vilstein dem Herzogtum W. einverleiben,
das als Zubehör des Erzstifts Köln nicht zum West-
sälischen, sondern zum Niederrheinischen Kreise ge-
hörte. W. hatte später dem Namen nach Arnsberg
zur Hauptstadt, wurde von einem Statthalter regiert,
der seit 1442 Landdrost hieß, und zerfiel in die vier
Quartiere Rhüden, Werl (mit der Grafschaft Arns-
berg), Bilstein und Brilon. W. nmfaßte zuletzt
3744 hkin mit 130000 E. Durch den Reichsdepu-
tationshauptschluß von 1803 wurde es dem Hause
Hcssen-Darmstadt statt seiner Westrhein. Besitzungen
zugewiesen, von diesen: aber 1815 an Preußen ab-
getreten. <S. Historische Karten von Deutsch-
land 1 und II.) Der Name Rote Erde, mit dem W.
schon seit alter Zeit bezeichnet wurde, beruht vermut-
lich auf der von den ausgebreiteten Eisenerzlagern
herrührenden roten Färbung des Erdbodens, der sich
in W. an vielen Stellen findet. (über die westfäl.
Mundart f. Deutsche Mundarten.) - Vgl. Scibertz,
Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtums W.
(4 Bde., Arnsberg 1^39-75); ders./Quellen der
westfäl. Geschichte i3 Bde., ebd. 1857-69); Erhard,
Ii6L68tH Iil8t,0i'iH6 ^VostlaiiaL (Bd. 1 u. 2, Münster
1847-51), mit der Fortsetzung: Westfäl. Urkunden-
buch (Bd. 3-6, ebd. 1871-97); Ooäsx trliäitionuin
ebd. 1872-92); Nord-
boff, Das Westfalenland und die urgeschichtliche
Anthropologie (ebd. 1890); Iansen, Die Herzogo-
gewalt der Erzbischöfe von Köln in W. (Münck.
1895); Keller, Die Gegenreformation in W. und
am Niederrhein. Aktenstücke und Erläuterungen
(3 Tle., Lpz. 1881-95).
Westfalen, ein von Napoleon I. nach der Be-
siegung Preußens durch Dekret vom 18. Aug. 1807
gegründetes K önigreich, das aus einem Teile der
durch den Frieden zu Tilsit dem Kaiser zugefallenen
preuß. Provinzen im Westen der Elbe und der Be-
sitzungen der Kurfürsten von Hessen und Hannover
und des Herzogs von Vraunschweig als Vasallen-
staat Frankreichs gebildet wurde. Das Königrcicb
hatte ein Areal von 381W cikm mit 1946343 E.
Napoleon gab W. seinem jüngsten Bruder Arome
Bonaparte'(s. d.), der dem Lande 15. Nov. 1807
eine nach dem Muster des franz. Kaiserreichs zuge-
schnittene Verfassung verlieh. W. wurde in acht De-
partements eingeteilt, alle provinzielle Eigenart,
alle Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit be-
seitigt, die Leibeigenschaft aufgehoben, franz. Recht
und franz. Verwaltungsformen eingeführt. Die
thatsächlich ganz ohnmächtigen sog. Reichsstände
setzten sich zusammen aus 100 Abgeordneten, die von
dcn Departementskollegien gewählt werden sollten.
Die Einheitlichkeit in Recht und Verwaltung hätte
einen segensreichen Einfluß ausüben können, wenn
nicht das Land durch die übermäßige Steuerlast,
durch die drückende Militärkonskription niederge-
halten worden wäre. Die Hälfte der Domänen hatte
Napoleon sich vorbehalten; wiederholt erlaubte er
sich willkürliche Eingriffe in die westfül. Regierung.
Mit jedem Jahre wuchs die Verschuldung und da5
Defieit, besonders als der Minister von Vülow durck
dcn Freiherrn von Malchus ersetzt wurde. Von der
steigenden Erbitterung im Lande gaben dic Anfstände
Kunde, die 1809 ausbrachen, in Marburg unter dem
Freiherrn von Dörnberg (s. d.), im Magdeburgischen
unter dem Obersten Emmerich; Schill und der Herzog
von Vraunschweig brachen in westfäl. Gebiet ein. Im
Frühjahr 1810 vergrößerte Napoleon das Königreich
durch Überlassung fast des ganzen Harmovns, dock
schon imDezember wurdedas eben erworbene und ein
großer Teil des eigentlichen W. wieder abgetrennt
und die gesamten ^lordseelande, vom Rhein nördlich
! der Lippemüudung an bis zur untern Elbe, dem
^ Kaiserreich Frankreich einverleibt. Von den 1813
neu ausgchobenen Truppen gingen schon im Herbst-
! fcldzug zwei Husarenregimenter zu den Preußen
! und Russen über. Am 30. Sept. mußte Ieröme vor
dem Streifkorps Tfchernyscbews aus Cassel flüchten.
Auf kurze Zeit zurückgekehrt, verließ der König dann
auf die Kunde der Schlacht von Leipzig für immer
das Land, nicht ohne vorher mehrere Millionen bar
Geld und einen großen Teilder Kostbarkeiten aus den
Schlössern und viele Schätze des Museums nach