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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Westfälischer Kreis - Westgermanen

die Oberpfalz; Karl Ludwig, dem Sohn des Pfälzer Kurfürsten Friedrichs V., wurde die Rheinpfalz und mit ihr eine neu geschaffene achte Kurwürde zu teil, Hessen-Cassel die reiche Abtei Hersfeld und die Grafschaft Schaumburg. Mecklenburg-Schwerin wurde für die Abtretung von Wismar mit den Stiftern Schwerin und Ratzeburg entschädigt. Die nur noch nominell zum Reich gehörenden Vereinigten Niederlande und die Schweiz wurden als gänzlich unabhängig anerkannt. Eine allgemeine Amnestie wurde erlassen und Rückgabe allen Besitzes nach dem Stand von 1618, soweit nicht der Friede selbst Änderungen verfügte, bestimmt, nur für die kaiserl. Erbländer nahm man das J. 1630 an.

In religiöser Beziehung mußte das Restitutionsedikt (s. d.) endgültig vom Kaiser aufgegeben, der Augsburger Religionsfriede von 1555 neu anerkannt und auch den Calvinisten dessen Rechtsschutz zuerkannt werden. Volle Gleichstellung der Bekenntnisse war anerkannt; alle sollten gleiche Rechte genießen, für den Besitzstand in geistlichen Landen wurde das J. 1624 als Normaluhr allgenommen. Die Unterthanen hatten der Religion des Landesherrn zu folgen, jedoch stand ihnen das Recht der Auswanderung zu. Religionsfragen durften auf den Reichstagen nicht durch Majoritätsbeschlüsse, sondern nur durch friedliche Einigung entschieden werden. Der Kaiser konnte ohne die Stände keinen Schritt in der auswärtigen Politik thun, jeder Reichsstand hatte völlig freies Bündnisrecht mit jeder fremden Macht, nur durfte er sich nicht gegen Kaiser und Reich richten. Durch den 1653-54 tagenden Reichstag wurde der W. F. zum Reichsgesetz erhoben. Die Verurteilung des Friedens durch Papst Innocenz X. in der Bulle "Zelo Dominus Dei" vom 3. Jan. 1651 blieb ohne Einfluß. Die endgültige Ausführung der Friedensbestimmungen zog sich noch längere Zeit hin, bis im zweiten sog. Friedensexekutionshauptabschied von Nürnberg 26. Juni 1650 der Abschluß gefunden wurde.

Vgl. Négotiations secrètes touchant la paix de Munster et d’Osnabrug (4 Bde., Haag 1725); Gärtner, Westphäl. Friedens-Cantzley (9 Tle., Lpz. 1731-38); von Meiern, Acta pacis Westphalicae publica oder Westfäl. Friedenshandlungen und Geschichte (6 Bde., Gött. und Hannov. 1734-36); ders., Acta pacis executionis publica (2 Bde., ebd. 1736-37); Moser, Erläuterung des W. F. (2 Bde., Erlangen 1775 fg.); Pütter, Geist des W. F. (Gött. 1795); von Senckenberg, Darstellung des W. F. (Frankf. 1804); Woltmann, Geschichte des W. F. (2 Bde., Lpz. 1808).

Westfälischer Kreis, einer der sechs Kreise, in die 1500 das Deutsche Reich geteilt wurde, umfaßte das Land zwischen Niedersachsen, den Niederlanden, Thüringen und Hessen, sowie ansehnliche Landesbezirke jenseit des Rheins und wurde zum Teil vom Niederrheinischen Kreise durchschnitten, zu dem auch das vom W. K. eingeschlossene kurkölnische Herzogtum Westfalen gehörte. Seiner am Rhein gelegenen Gebiete wegen hieß er auch Niederrheinisch-Westfälischer Kreis. Im ganzen bestand der Kreis aus 42 Reichsfürstentümern, darunter Cleve, Geldern, Jülich, Berg, Oldenburg, Minden, Mörs, Ostfriesland, Verden, Siegen; 7 Reichsstiften, darunter die Bistümer Münster, Paderborn, Osnabrück, Lüttich, und 30 Reichsgrafschaften, darunter Mark, Ravensberg, Lingen, Tecklenburg, Hoya, Diepholz, Diez, Hadamar, Dillenburg, Schleiden, Wied, Sayn, Schaumburg, Lippe, Bentheim, Steinfurt, Gerolstein u. a., ferner eine Anzahl kleinerer Herrschaften. Dazu die 3 Reichsstädte Köln, Aachen und Dortmund und 5 Reichsritterschaften, zusammen 87 Territorien mit einem Areal von 57430 qkm (wovon 14206 auf dem linken Rheinufer lagen), mit einer Bevölkerung von 2900000 E. Die Kreistage pflegten in Köln abgehalten zu werden. Kreisausschreibende Fürsten waren der Bischof von Münster und neben ihm abwechselnd die Kurfürsten von Brandenburg und zur Pfalz als Erben der Herzöge von Jülich und Cleve. Im Lunéviller Frieden 1801 verlor der Kreis seine sämtlichen Westrhein. Gebietsteile an Frankreich, und 1806 wurde mit der Auflösung des Reichs auch die Kreisverfassung aufgehoben.

Westfälischer Merkur, täglich zweimal zu Münster i. W. erscheinende Zeitung, Organ der Centrumspartei. Verlag: Westfälische Vereinsdruckerei in Münster i. W.; Redacteur (seit 1891): Paul Weilbächer. Der W. M. erschien seit 1822 im Verlag der Coppenrathschen Buch- und Kunsthandlung zu Münster, anfangs dreimal wöchentlich, seit 1830 täglich. 1870 erwarb Kaplan Böddinghaus das damals liberale Blatt und bald trat es mit großer Schärfe in den Kulturkampf, was dem Besitzer wie den Redacteuren zahlreiche Geld- und Gefängnisstrafen zuzog. 1883 trat ersterer seine Rechte an eine Aktiengesellschaft ab, die 1892 auch die Coppenrathsche Buchdruckerei erwarb.

Westfälisches Bauernhaus, s. Bauernhaus und Tafel: Bauernhäuser II, Fig. 7.

Westfälisches Gericht, s. Femgerichte.

Westfälisches Niederstift, s. Westfalen.

Westfälische Tiefebene, s. Münstersche Bucht und Westfalen.

Westfälisch-Minden, s. Minden.

Westfalkland, s. Falklandinseln.

Westfield (spr. -fihld), Stadt im County Hampden im nordamerik. Staate Massachusetts, westlich von Springfield, am Westfield-River, mit Bahnen nach fünf Richtungen, hat bedeutende Fabrikation von Peitschen, Peitschenteilen und von Cigarren, zwei Papiermühlen und zählt (1890) 9805 E.

Westfinnisch, s. Finnische Sprache und Litteratur.

Westflandern, belg. Provinz, grenzt im O. an Ostflandern, im N. an die Nordsee, im W. und S. an das franz. Depart. Nord, hat auf 3235 qkm (1896) 781261 (388885 männl., 392376 weibl.) E., d. i. 241,5 E. auf 1 qkm. Hinter den hohen, nur bei Nieuport-Ostende und Heyst geöffneten Dünen liegt ein Streifen Marschland, dann folgt bis an die flandr. Höhen Sand- und Lehmboden, der aber durch intensive Kultur äußerst ergiebige Ernten trägt. Noch wichtiger ist die Viehzucht. Kanäle durchziehen dic Landschaft. Von der erwerbsthätigen Bevölkerung sind etwa 37 Proz. in der Industrie, vor allem in der Leinweberei und Spitzenmanufaktur, 32 Proz. in der Landwirtschaft beschäftigt. Hauptstadt ist Brügge, wichtiger aber Ostende, Ypern, Kortrijk, Rousselaere und Thielt. Geschichte s. Flandern.

Westfrancien, s. Neustrien.

Westfränkisches Reich, s. Fränkisches Reich.

Westfriesen, s. Friesen.

Westfriesische Mundart, s. Friesische Sprache und Litteratur.

West-Galloway, schott. Grafschaft, s. Wigton.

Westgermanen, die um Christi Geburt zwischen Rhein, Donau und Oder ansässige Gruppe german. Völker (s. Germanen), aus denen nachmals die Deut-^[folgende Seite]