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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Westfälisch - Westfälischer Friede
Sitz des Oberpräsidenten und der Provinzialver-
waltung ist Münster. Die Angelegenheiten der evang.
Kirche bearbeitet das Konsistorium zu Münster. Für
die katb. Kirche bestehen die Bistümer zu Münster
und Paderborn, deren Bezirke anch nach Rheinland
n. s. w. (s. Bistum) hinübergreifen. In den Reichs-
tag (s. die Artikel der Regierungsbezirke) entsendet
W. 17, in das Abgeordnetenbaus 31 Mitglieder,
im Herrenhause ist es durch 18 Mitglieder vertreten,
davon i) erblich berechtigte, 6 auf Lebenszeit und Z auf
Präsentation berufene. Militärisch gehört die Provinz
zum 7. Armeekorps (Generalkommando und Kom-
mando der 1<">. Division in Münster), dem auch der
Osten und Nordosten des Reg.-Bez. Düsseldorf
(14. Divisiou) zugeteilt ist. Das Berg- und.Hütten-
wesen unterstebt dem Oberbergamt zu Dortmund, im
Herzogtum W., den Grafschaften Wittgenstein-Witt-
genstein und Wittgenstein-Verleburg, dem Fürsten-
^tum biegen und
den Ämtern Bur-
bach und Neuu-
tircken dem Ober-
bergamt zu Bonn.
W.'bildet den Ober-
landesgerichtsbezirk
Hamm i s. d.). Die
Provinzialordnung
(s. d.) ist 1. April
1887 in Kraft ge-
treten.-DasWap-
p en der Provinz ist
cin springendes silbernes Roß im roten Felde; die
Provinzialfarben sind Weiß-Rot.
Litteratur. Lübke, Die
in W. (Lpz. 1853); Die Kunst- und Geschicktsdent-
mäler der Provinz W., hg. vom Westfälischen Pro-
vinzialverein für Wissenschaft und Kunst (Stück 1
u. 2, Münft. 1881 - 86; fortgesetzt u. d. T. Die
Bau- und Knnstdenkmüler von '^'., bearbeitet von
Ludorff, 1887 fg.); Löbker, Wanderungen durcb
W. (ebd. 1883); Schücking und Freiligratb, Das
malerische und romantische W. t4. Ailfl., Paderb.
1897); Beckbaus, Flora von W. (Viünst. 18W);
Weddigen, W. Land und Leute (Paderb. 18i>6).
Westfälisch, s. Deutsche Mundarten nebst Karte.
Westfälische Eisenbahn, preuß. Staatsbabn
unter der vormaligen, 1880 aufgelösten tönigl.
Direktion der Westfäl. Eisenbahn zu Viünster (bis
1855 zu Paderborn), umfaßte die der Köln-Minden-
Thüringer Verbindungs-Eisenbahngesellschaft 184l>
genehmigte, 1818 vom Staate übernommene Strecke
Hamm-Paderborn-Warburg-Landesgrenzc (1851-
53 eröffnet), die 1855 erworbene Münster-Hammer
C'ifenbabn, die demnächst nach Rheine fortgesetzt und
zugleich von Rbeine aus mit Osnabrück und Salz-
bergen verbunden wurde, die Strecke Altenbeken-
Höxter-Landesgrenze,Welvcr-Dortnnmd,Ottbergen-
^vNho'nn und Dortmund-Etertrade (Emscherthal-
bahn, s. d.). Am 1. April 1895 wurden die Linien der
5'bemaligen W. (5. den Eisenbahndirektionen zu Cassel,
<5'sscn und Münster i. W. unterstellt.
Westfälische Gerichte, s. Femgerichte.
Westfälische Landeseisenbahngefellschaft,
1. Bd. 17.
Westfälische landwirtschaftliche Verufs-
genosfenschaft zu Htünster, s. Land- und forst-
wirtschaftliche Berufsgenossensckaften.
Westfälische Pforte, lat. ?oi^ V^tplialica,
Berglücke (bei den Anwohnern Scharte) in dem
Nordrande des Wesergebirges (s. d.), im preuß.
Reg.-Bcz. Minden, durch welche die Weser in das
Flachland tritt, ein ziemlich geräumiges Thal, wel-
ches der Fluß, die Landstraße am linken und die
Köln-Mindener Eisenbahn am rechten Ufer aus-
füllen. Die beiden Eckpfeiler sind rechts derIakobs -
bcrg, 181 in ü. d. M., 110 in ü. d. Weserspiegel,
und links der Witte kindsb erg lf. d.). hier wer-
den die sckönen, braungeaderten Sandsteine, Porta-
steine, gebrocken und Portacement gewonnen.
Westfälischer Friede, der 1lii8 in den zum
westfäl. Kreis gehörenden Städten Münster und
Osnabrück geschlossene Friede, durch den der Dreißig-
jährige Krieg geendigt und ein neues System in
(5'uropa begründet wurde. Er war die Grundlage
aller uackfolgenden Friedensschlüsse bis zur Fran-
zösiscben Revolution und wurde insbesondere in
Deutschland al5 das vornehmste Grundgesetz der
deutschen Staatsverfassung angesehen. Schon gegen
Ende des I. Kil^ waren zu Hamburg Prälimina-
rien festgesetzt, die besonders den Ort und die Art
der Konferenzen betrafen. Die wirklichen Friedens-
verhandluugen singen erst 1644 an und wurden zu
Osuabrück zwischen den kaiserl., reicksständischen
und sckwcd. Gesandten, zu Müuster zwischen dem
Kaiser, Frankreich und andern fremden Mächten,
sedocb immer in gewisser Verbinduug, betrieben.
Die ödesten Rang- und Titelstreitigkeiten, durch
welche für den Gesandtenkongres; eine diplomat.
Etikette gesckaffcn werden follte, verzögerten noch
lange die Eröffnung des Kongresses. Während der
Verbandlungen wurde der Krieg fortgesetzt, bis zu-
letzt König5mart 15. Fuli 1618 die Kleinseite von
Prag eroberte. Die5 gab den langen, schwierigen
Iinterbandlnngen den Ausschlag, und es wurde nun
der Friede 21. Okt. 164.^ zu Münster uuterzeichnet,
wohin kurz vorher anch die Bevollmächtigten von
Osnabrück, die früher zum Schluß gekommen waren,
sich begeben batten.
Durcb den W. F. erbielt die ganze Epoche der
Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges
ibren Abschluß. Der W. F. brachte zunächst be-
deutende Territorialveränderungen (s. Historische
Karte von Europa I, 4 und Historische Karte
von Deutscklaud II, 5): Frankreich erhielt die
volle Oberboheit über die Bischofstädte Metz, Toulund
Verdun, die es thatsächlich schon seit 1552 besaß, so-
wie den österr. Besitz von Elsaß, vor allein den Suud-
gau, die Landvogtei über Hagenau und damit über
die zehu vereinigten Reichsstädte im Elsaß. Deutsch
blieben Stadt und Bistum Straßburg und eine
Anzabl Reichsgrafen und Reichsritter; dafür faßte
Frankreich auf dem rechten Rheinufer durch das
Besatzungsreckt von Breisach und Philippsburg
Fuß. Schweden erhielt die wichtigsten Plätze und
Küstenstrecken an der Ostsee i Vorpommern und die
Odermündung mit Stettin, die Inseln Rügcn, Ilse-
dom und Wollin, sowie Wismar und die Stifter
Bremen und Verden. Die Gebiete blieben jedoch
Reichslande; Schweden erhielt für sie Sitz und
Stimme im Reichstag. Außerdem sollte es vom
Reick eine Kriegsentschädigung voll 5 Mill. Thlrn.
bekommen. Für B rand e n bürg blieb der hafen-
arme 'liest von Hinterpommern und als Ersatz für
Vorpommern die Bistümer Halberstadt, Minden
und (5ammin, dazu die Anwartschaft auf Magde-
burg , das sedock uoch bis zum Tode s1680) des da-
maligen Administrators, des sächs. Prinzen August,
in dessen Besitz blieb. Bavern debielt die Kur und