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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Westfalen (Provinz)
Sommerroggen, Hafer und Heidekorn hervor. Mit-
ten dnrch den Bezirk zieht sich von Brilon über Arns-
berg, Iserlohn, Limburg und Altena nach Schwebn
ein Kaltsteinlager, das sich dnrch üppigen Pflanzen-
wuchs kennzeichnet. Die Waldungen bestehen über-
wiegend aus Laubholz (402702 Iia); das Siegener
und" Sauerland liefern viel Holz und die meiste
Gerberlohe im ganzen Staate. Unter den land-
wirtschaftlichen Erzeugnissen nehmen Roggen (be-
baute Mäche 1896: 234897 Ii^) und Hafer^160730)
die erste Stelle ein; demnächst folgen Kartoffeln
(86286), Weizen(77 351),Buchweizen,Hülsenfrüchte,
Öl- und Gartengewächse, Hanf und ausgezeichnet
schöner Flachs. Doch deckt der Getreidebau nicht den
starken Bedarf; auch Obst wird nicht hinreichend ge-
wonnen, Tabak weniger als in den andern Provin-
zen. Der Wiesenbau wird besonders im Süden ge-
pflegt, der Kunstwiesenbau im Siegenschen. Der
Ernteertrag belief sich 1896 auf 323 936 t Roggen,
113939 t Weizen, 28141 t Gerste, 205574 t Hafer,
796325 t Kartoffeln und 505230 t Wiesenheu.
Sehr ansehnlich ist die Rindvieh-, die Schweine- und
in manchen Gegenden die Ziegenzucht; strichweise
wird auch starke Bienenzucht getrieben. Der Vieh-
bestand betrug 1. Dez. 1892: 133171 Pferde,
603305 Stück Rindvieh, 316327 Schafe, 638308
Schweine, 206817 Ziegen und 73086 Bienenstöcke.
Ein Landgestnt befindet sich zu Warendorf.
Bergbau. Den Hauptreichtum bilden Steinkohlen
(1896: 32271271 t im Werte von 218,5 Mill. M.)
und Eifen. Im nördl. Teile liegen kleinere Stein-
tohlenablagerungen in jüngern Gebilden. Wichtiger
ist das Lager am Ibbenbürener Steinkohlengebirge.
Eins der fünf größten Steinkohlenlager des preuß.
Staates ist das Ruhrkohlenrevier (s. Rheinisch-West-
fälisches Kohlenbecken) im Ardeygebirge. Für den
übrigeu Bergball sind das Siegensche, die Umgegend
von Vrilon llnd Olpe sowie die Graffchaft Mark die
Hauptbezirte. W. liefert vou allen Provinzen am
meisten Eisenerze (1896: 1223 251 y, ebenso nächst
Schlesien und der Rheinprovinz am meisten Zink-
erz und nächst der Provinz Sachsen am meisten
Kupfererz, von allen Provinzen am meisten Schwefel-
kies (1896: 108 954 t); ferner Blei-, Nickel- nnd
Antimonerz. Sehr bedeutend ist auch der Stein-
bruchsbetrieb in Kalk- und Ballsteinen, Gips, Mar-
mor (bei Olpe) und Dachschiefer (bei Olpe uud
Siegen) sowie der Salinenbetrieb. Die Provinz
hat mehr als 30 Mineralquellen, darunter Dribnrg,
Lippspringe, Mollcnkotten, Oeynhansen u. s. w.
Industrie und Gewerbe. Dem Reichtum an
Erzen und Kohlen entsprechend ist die Industrie
sehr bedeutend. Obenan stehen die Bearbeitnng des
Flachses zu Garn und Leinenzeugen, die sonstige
Textilindustrie lind der Eisenhüttenbetrieb sowie die
Eisenverarbcitnng und die Maschinenfabrikation.
Der eigentliche Sitz der Leinenindnstrie ist schon
seit dem 14. Jahrb. zwischen der Lippe und Weser.
Im Ravensbergischcn, in und um Bielefeld (s. o.),
welches schon damals der Handelssitz für Garn und
Leinwand war, wird die berühmte feine Leinwand
gefertigt. Anch die Wollweberei, Strumpf- und
Bandfabrikation, Tnck- und Baumwollbranche ist
bedeutend. Im Reg.-Bez. Arnsberg ist die Metall-
warenfabrikation, namentlich im Westen in der Graf-
schaft Mark und im Siegenschen, ausgezeichnet. Be-
kannt hierfür sind besonders die Orte Iserlohn,
Lüdenscheid, Altena, Hagen und die Enneper Straße
(s. d.j. Die Eisenindustrie liefert vorzügliches Roh-
eisen, Gußwaren zweiter Schmelzung, Schmiedeeisen
uud Stahl; an Fabrikaten Eisenbahnschienen, Eisen-
bahnbedarfsartikel, Handelseisen, Feineisen, Profil-
eisen, Schmiedestücke und Maschinenteile, Platten
und Kesselbleche, Feinblech und Weißblech, Draht und
andere Eisensorten. Die sonstige Hüttenindustrie pro-
duziert Silber, Kaufblei und Glätte, grobe Kupfer-
waren, ferner Zinkplattcn und Zinkbarren, Nickel
und Nickelwaren, Blaufarbwerksprodukte, Schwefel,
Ouecksilber, Schwefelsäure, Eisenvitriol, Kupfer-
vitriol. Der Bergbau, die Hütten und Salinen be-
schäftigten 1882: 97 735 (1895: 137938) Arbeiter,
wovon 95491 auf den Reg.-Bez. Arnsberg kamen,
die Metallverarbeitung 43113 (65273) Mann,davon
36441 im Reg.-Bez. Arnsberg; in den Maschinen-
banwerkstütten arbeiteten 16558 (24191) Mann, da-
von 11750 im Reg.-Vez. Arnsberg; in der Tertil-
indnstrie 28520 (37 269) Mann, davon 9292 im
Reg.-Bez. Minden; in der Papier- und Leoerfabri-
katl'on 7398 (9186), in der Industrie der Holz- und
Schnitzstoffe 19366 (26048) Arbeiter. Sämtliche
102168 Gewerbebetriebe (ohne Gastwirtschaft, Ver-
kehrs- und Handelsgewerbe) beschäftigten 339271
(494332) Arbeiter, und zwar die 47916 Betriebe
des Reg.-Vez. Arnsberg 224011 Arbeiter.
Handel und Verkehrswesen. Der Handel bringt
anßer den zahlreichen Fabrikaten anch Holz, westfül.
Schinken, Würste, Pumpernickel u. s. w. zur Aus-
fuhr. Die vorzüglichsten Handelsstädte sind Biele-
feld, Iserlohn und Dortmund; Stapelplätze für Ge-
treide Beverungen und Minden; der Hauptwollmarkt
ist Paderborn. Handel und Verkehr wird gefördert,
außer durch die fchiffbaren Flüsse und zahlreichen
guten Landstraßen (1891: 6844 lim Kunststraßen),
durch ein sehr dichtes Eisenbahnnetz, dessen Knoten-
punkt Hamin ist, und das 1897/98 eine Gesamtlänge
von 2330 km hatte, darnnter 2137 kin Staats- und
193 Kin Privatbahnen. Oberpostdirektionen bestedcu
zu Dortmund, Minden und Münster.
Uuterrichtsweseu. An Vildungsanstalten bestehen
die Akademie zu Münster (s. d.>, 21 Gymnasien,
10 Realgymnasien, 7 Progymnasien, 3Nealprogvm-
nasien, 1 Oberrealschule, 3 Realschnleu, 1 Ge-
werbe- und 1 Fachschule für Maschinentechnik, zahl-
reiche höhere Stadt- und Knabenschulen, 24 höhere
Mädchenschulen (darunter 16 städtische), 8 Schul-
lehrerseminare, 7 Seminare und andere Bildungs-
anstalten für Lehrerinnen, 3 königl. Präparanden-
anstaltcn, ferner 2 Landwirtschafts- und 5 Acker-
bauschulen, 1 Wiesenban-, 1 Molkereischule, 1 Huf-
beschlaglehrschmiede, 2 Bergschnlen, 1 Baugewerl-
schule, 1 Eisenhüttenschule, 1 Hebammenlehranstalt,
verschiedene gewerbliche und ländliche Fortbildungs-
schulen. Eine Schöpfung des ehemaligen Oberpräsi-
denten Freihcrrn von Vincke (s. d.), dem die Pro-
vinz viel zu danken hat, ist die 1847 gegründete von
Vinckesche Provinzial - Blindenanstalt mit einer
evang. Abteilung zu Soest und einer katholischen zu
Paderborn. Provinzial - Taubstummenanstalten be-
steben zu Buren, Langhorst, Soest und Petershagen.
Verfassung und Verwaltung. Die Provinz zer
fällt in drei Regierungsbezirke:
Regierungsbezirke
...
Städte ^


N
haltnngen!
Einwohner

Münster Minden. Arnsberg
7253,02 5259,87 7696,35
28 29
244 457 797
15
81457 81 250 136 21'!
107 962 110828 289533
594 501 586130 1520 789
82 111 I9i