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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wickram - Wiclif
liegendiekupferreichenvügelvoliEronebanemitdelu
605 m hohen Crogban. Die wichtigsten Flüsse sind der
Slaney und der Avoca. Das Klima ist feucht, im
ganzen jedoch gesund. Der Ackerbau liefert die ge-
wöhnlichen Produkte, im Osten auch Weizen. Be-
deutender ist die Rinder- und Schafzucht sowie die
Fischerei. Von Mineralien und Erden werden Bau-
steine, Schiefer, Kall und Mergel gewonnen. Von
Wert sind auch die Torflager. Die Grasschaft sckickt
zwei Abgeordnete in das Parlament. - Die .^> aupt -
stadt W., an der Mündung des Vartry, Station
der Eisenbahn Dubliu-W.-Werford, mit 13273 E.,
bat Seebäder, einen kleinen Hafen; Alebrauerei und
Aussubr von Erzen. Bedeutender ist Arklow (s. d.).
Wickram, Jörg, Dichter, gründete 1549 in sei-
ner Vaterstadt Eolmar im Elsaß eine Meistersinger-
scbule und wurde Herbst 1554^)tadtschreiber in Burg-
beim im Brcisgau. Sem Geburts- und Todesjahr
sind unbekannt. W. begann mit Fastnachtsaufzügen
in der Art Gcngenbachs ("Das Narrengiesien",1537;
"Der treue Eckart", 1538). Seine sehr breiten, über-
mäßig detailreichen Dramen ("Der verlorene Sobn",
1540', "Tobias", 1550; "Knabenspiegel", 1554) atmen
denselben gut bürgerlichen, aber besckränkt plüliströ -
sen Sinn, der sich nur für Ehe und .Rinderzucht in-
teressiert, wie die Erzählungen "Der jungen Knaben
Spiegel" (1551), "Von guten und bösen Nachbarn"
<1556); Liebesverhältnisse bei Standesuntersckied
schildert "Gabriotto und Reinhard" l1551) und der
"Goldfaden" (1557; erneuert durch Elem. Brentano
1809). Durch diefe viel gelefenen Bücher ward
W. der Vater des deutfchen Profaromans. Aucb
seine Schwanksammluug, das "Rollwagenbüchlein"
(1555; bg. von H. Kurz, Lpz. 1865; von Pannier in
Reelams "Universalbibliothek"), fand viele Nach-
ahmer. W. bearbeitete unter anderm Albrechts von
Halberstadt mittelhochdeutsche Übersetzung von Ovids
Metamorphosen (1515). - Vgl. Scherer, Die An-
jäno>e des deutschen Prosaromans und Jörg W. von
Eolmar (Straßb. 1877); E. Schmidt im "Arcbiv
für Litteraturgeschichte", Iabrg. 8, ^). 317.
Wickrath, Flecken im Kreis Grevenbroicb de5
preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, an der Niers und der
Linie M.-Gladbach-Aachen der Preusi. Staat^-
babnen, hat (1895) 55W E., darunter etwa 2400
Katholiken und 230 Israeliten, Post, Telegraph
' katb. Kirche, königl. Landgestüt; Färberei, Baum-
wollspinnereien und Fabrikation von Kleidern,
Kravatten, Sauerkraut, Leder-, Leinen- und Baum-
wollwaren.
Wiclif, Iobn, der bedeutendste Vorläufer der
Reformation. Wie die genaue Schreibart seines Na-
mens (Wyeliffe, Wiclef, Wyelif u. s. w.; doch
ist W. die wahrscheinlichste), so ist auch Ort und Jahr
seiner Geburt unsicher; gewöhnlich nimmt man das
Dorf Wielif in der Grafschaft 3)ork und das Jahr
1324 an. W. studierte in Oxford Tbcologie, wurde
Vorstand vom I^Ilioi-^oU^^e, erhielt 1361 die
Pfarrei Fillingbam in der Grafschaft Lineoln,
1368 diejenige von Ludgershall in der Graffebaft
Buckiughanl und 1374 die zuLutterworth iu Leieester,
obne jedoch sein Verhältnis zur Universität Orford
zu löfen, wo er als Doktor der Theologie Vorlesun-
gen hielt. 1366 verteidigte er das Verfahren König
Eduards III., der dem Papste den Lehnvtribut ver-
weigerte, 1369 die Besteueruug der Kirchengüter
durch die Kroue und 1374 wurde er mit einer königl.
Gesandtschaft nach Brügge geschickt, um mit dem
päpstl. Nuutius über die Beschränkung der "Pro-
Vrockhaus' Konversations-Lcxikon. 14. Aufl.. XVI.
Visionen" zu verhandeln; auch gegen die Verderbnis
des Klerus und namentlich gegen das Treiben der
Bettelmönche richtete er seine scharfe Opposition.
Deshalb wurde W. zur Verantwortung vor eine
geistliche Kommission geladen, aber das Verhör im
Febr. 1377 in der Paulstirche in London endete mit
einem lauten Skandal zwischen dem Herzog von
Lancaster, V.s Gönner, und dem Bischof von Lon-
don. Auck ein zweites, infolge des Eingreifens des
Papstes abgehaltenes Verhör (1378) blieb ohne Er-
folg. Nun aber verlegte W. seine Thätigkeit immer
mehr auf das rein kirchliche Gebiet und trat immer
tübner und entschiedener als Reformator auf. Er
bestritt die päpstl. Oberherrschaft, den Eölibat, die
Transsubstantiation, die priesterliche Schlüsselgewalt
und die Notwendigkeit der Ohrenbeichte, kurz, er
forderte die Wiederherstellung der reinen christl.
Lehre auf Grund der Heiligen Schrift und die Bil-
dung einer von Rom unabhängigen, demokratisch
aufgebauten Nationalkirche. Diese Forderungen
gingen indessen seinen bisherigen Beschützern unter
dem hohen Adel und selbst der Universität Oxford
zu weit; auch gelang es, dem jungen König
Nickard II. den Verdacht einzuflößen, als sei W.
mitschuldig an dem Bauernaufstande Wat Tylers
^s. d.). 1382 verdammte eine kirchliche Notabeln-
versammlung in London (das durch ein Erdbeben
gestörte sog. 'Erdbebenkonzil) W.s Lehren. W. selber
wurde von Orford auf seine Pfarre Lutterworth
verwiefen, wo er nun seine cngl. Bibelübersetzung
vollendete. Einer Aufforderung Papst Urbans VI.
zur Verantwortung nach Rom leistete er keine Folge.
W. starb 31. Dez^ 1384. Das Konstanzer Konzil
erklärte ibn 4. Mai 1415 für einen Ketzer, verdammte
45 Artikel W.s und befahl seine Gebeine zu ver-
brennen, was 1428 geschah.
Nach W.s Tode wuchs die Zahl seiner Anhänger,
doch gelang es dem Klerus mit Hilfe des weltlichen
Arms, die Wielifiten, die man als Lollharden
(s. d.) brandmarkte, allmählich mit Feuer und
Schwert auszurotten. 'Nur in einigen Familien er-
hielt sieb seine Lehre bis zur Zeit der Reformation;
dagegen fand sie in Deutschland und in Böhmen
neue Anhänger, wo namentlich Huft (s. d.) voll-
ständig uitter W.s Einfluß stand. Die zahlreichen
Schriften W.s befinden sich meist noch uugcdruckt
zu Orford, Cambridge oder im Britischen Museum.
1882 hat sich in England eine Wiclifgefellfchaft ge-
bildet, um seine lat. Werke herauszugeben. Bis
1895 sind 15 Einzelschriften erschienen. Früher
waren bereits der "'IVialo^u"" (Lond. 1869) und
"I)o <Mc-io M8toi-a1i" (Lpz. 1863, beide von Lechler)
uud "W.s lat. Streitschriften" von Vuddensicg (ebd.
1883) erfchienen. Eine Auswahl seiner engl. Schriften
veranstaltete Arnold u. d. T. "ssiect Nn^1i8ii norks
ot' ^V." (3 Bde., Lond. 1869-71), und die übrigen
noch ungedruckten engl. Werke gab Matthew (ebd.
1880) heraus. Ein Verzeichnis sämtlicher Schriften
W.s findet sich bei Shirley, (^tÄlo^ue ok td6 ori-
^inlli noi'I(8 s)NV. (Lond. 1865). Von der Bibelüber-
setzung , die W. uach dem Texte der Vulgata 1383
vollendete und die hernach von Purvey revidiert
wurde, gab zuerst Erowley 1550 den Prolog heraus,
sodann Lewis (Lond. 1731), Baber (ebd. 1810) und
Bagster (ebd. 1841) das Neue Testament in der
revidierten Form und eudlich Wilson (ebd. 1848)
dasselbe in der ursprünglichen Gestalt. Die voll-
ständige Bibelübersetzung W.s, jc in zwei Kolttlllncn
die ursprüngliche und revidierte Gestalt neben-
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