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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wiener Schlußalte - Wiesau
Wiener Schlußakte, s. Wiener Kongreß.
Wiener Trank oder Tränkchcn, auch Wie-'
uer Wasser (Inlu^um 8ennÄ6 compo8itum, In-
i'usum IllXHtivum Vi6nn6ii86), eine brannc Flüssig-
leit, nach dem Arzneibuch für das Deutsche Reich
ein Aufguß von 1 Teil Sennesblättern mit 7 Tei-
len Wasser, in dem nach dem Abseihen 1 Teil Ka-
liumnatriumtartrat und 3 Teile Manna gelöst sind.
Nach dem Absetzen und Abgießen wird die Flüssig-
keit auf 10 Teile gebracht. Der W. T. ist ein in
vielen Gegenden sebr beliebtes Abführmittel.
Wiener Vertrag, ein 30. April 1725 zwischen
dem Kaiser Karl VI. und Philipp V. von Spanien
geschlossener Bündnisvertrag, in dem Spanien die
Pragmatische Sanktion (s. d.) anerkannte und der
Kaiser diesem seine Hilfe znr Wiedererlangung von
Mcnorca und Gibraltar zusagte.
Wiener Währung oder Scheingeld, eine
ältere österr. Valuta, die dort in den I. 1811-58
durch eine Art Staatspapiergeld (Einlösungs- und
Anticipationsscheine zu 2 und 1 Fl. Nennwert) mit
Zwangsumlauf vertreten war. ^ie verlor bald so
am Preise, daß 5 Fl. W. W. oder "Schein" ^ 2 Fl.
"Münze", d. i. Konventionsgeld, festgesetzt wurden.
Laut Patent vom 27. April^1858 sind Verbindlich-
keiten in W. W. in dem Verhältnis von 100 Fl.
W. W. ^ 42 Fl. jetziger Währung umzurechnen.
Wiener Wald, Sandsteingebirge in Nieder-
österreich, ein Ausläufer der Alpen, welcher bis an
die Donau reicht, erstreckt sich von SW. nach NO.
bis Wien, wo es mit dem Kahlenberg (s. 0.) endigt.
Die höchsten Punkte sind: der Schöpft (893 m), das !
Eiserne Thor bei Baden (831 m), der Hcrmanns-
kogel (542 m), der Kahlenberg (483 m) und der
Leopoldsberg (449 m). Das Gebirge zeichnet sich
durch schöne Wälder aus und enthält in seinen zahl-
reichen Thälern Villen von Wienern. S. Karte:
Wien und Umgebung.
Wiener Wasser, s/Wiener Trank.
Wiener Weiß, soviel wie Schlämmkreide (s. d.).
Wieniawski (spr. wje"), .Heinrich, Violinvirtuos
und Komponist, geb. 10. Juli 1835 in Lublin, be-
suchte das Pariser Konservatorium und machte seit
1850 erfolgreiche Konzertreisen durch Europa, 1872
-74 auch durch Amerika. Er war 1875-77 Pro-
fessor am Konservatorium zu Brüssel, dann begab
er sich wieder auf Reisen. Er starb 31. März 1880 in
Moskau im Hospital. W. komponierte zwei Violin-
konzerte und niedrere Solostücke für Violine.
Wienthalbahn, Teil der im Bau befindlichen
Wiener Stadtbahnen, welche, meist als Tiefbahn von
der Station .Hütteldorf der Westbahn ausgehend,
längs des Wienflusses über .hietzing, Schönbrunn,
Rudolfs-Vrücke u.s.w. bis zum Hauptzollamtc geht
mit einer Fortsetzung zum Praterstern. Die W.
i 11,4 km) wird als Hauptbahn ausgefübrt, doch
dangt der Bau von der Fertigstellung der Wicnfluß-
regulierung ab. S. Plan: Wien, Stadtgebiet. !
Wieprz (spr. wjeprsch), rechtseitiger Nebenfluß
der Weichsel, entspringt im Süden des russ.-poln.
Gouvernements Lublin und mündet nach einem
nordwestl., zuletzt westl. Lauf von 252 km etwas
oberhalb der Festung Iwangorod.
Wier, Pflanzenart, s. ^08t6in.
Wier, Joh., s. Weyer. lliches).
Wierden, künstlicher Hügel, s. Deich (Geschicht-
Wieringen, niedcrländ. Insel des Zuidersees, zu
Nordholland gehörig, durch einen schmalen Meeres-
arm von dieser getrennt (s. Karte: Niederlande),
hat 2612 E.; Acker- und Flachsbau, Schafzucht, Woll-
handel, Fischerei. Der Hauptort ist Hipolitushoef.
Wiertz, Anton, belg. Maler, geb. 22. Febr. 1806
zu Dinant, gest. 18. Juni 1865, besuchte die Akade-
mie zu Antwerpen und gewann 1832 den Rompreis
nebst fünfjährigem Reisestipendium. In Rom ent-
stand das bedeutende Werk: Kampf um den Leich-
nam des Patroklus. Die nächsten kolossalen Bildn-
waren: Empörung der Engel, Tod des heil. Dionys,
ein Triptychon (Christus im Grabe, Eva und Sa-
tan), ein neuer umgearbeiteter Patroklus, Die
Flucht nach Ägypten'und sein Meisterstück: Der
Triumph Christi (1848). Der wachsende Ruhm des
Künstlers verschaffte ihm endlich, mittels Staats-
unterstützung, ein den Dimensionen seiner Bilder an-
gemessenes Atelier zu Brüssel, das nach seinem Tode
als Musce Wiertz eingerichtet wurde. Nachdem
er die 1.1848-53 auf Erfindung und Vervollkomm-
nung seines "matte Malerei auf Leinwand" benann-
ten technischen Verfahrens verwendet hatte, begann
eine neue Periode feines Schaffens. Aus dieser
Periode sind hervorzuheben: Die letzte Kanone, Der
lebendig Begrabene, Die Dinge der Gegenwart vor
den Menschen der Zukunft, Napoleon in der Hölle,
Die Errungenschaften der Wissenschaften, Die belg.
Dame, Wiedersehen im Himmel, Christus, Der Kampf
der Parteien. Größere Bilder sind Polypbem und der
Leuchtturm von Golgatha. W. leistete zugleich als
Bildhauer Tüchtiges. Wie seine Malerkompositionen
trugen auch seine litterar. Leistungen das Gepräge
von Geistesschärfe und Gemütstiefe. Außer vielen
kunstkritischen Aufsätzen und zwei Abhandlungen
über die "I'einwi-L m^to" verfaßte er zwei gekrönte
Preisschriften, ein Lob des 'Rubens (1840) und
"tv^r^ct^i68 con8titutis8 c!o 1a. ^)llintui'6 üamAnde"
(Brüss. 1863). W. ragt hervor unter den Künstlern
der belg. Schule sowohl durch den Schwung seiner
Phantasie und die humanistische, soeiale Ricytung
seines Strebens, als durch meisterhafte, wenn auch
äußerst naturalistische und vielseitig abstoßend wir-
kende Behandlung sowie durchdachte Einkleidung
seiner Stoffe und den echt vläm. Stempel seiner
Technik. Die Ausführung seines Willens, wonach
aus dem Nachlasse an Gemälden ein besonderes
Staatsmuscum gebildet werden sollte, wurde 1867
von der belg. Regierung mit den Erben vereinbart.
- Vgl. Labarre, .Vnwin^ >V. (Brüss. 1866).
Wierzbolow, s. Wirballen.
Wiefa, Dorf mit Rittergut in der Amtshaupt-
mannschaft Annaberg der sächs. Kreishauptmann-
schaft Zwickau, an der Einmündnng der Schma in
die Zsckopau, hat (1895) 2541 E.', darunter 150
Katholiken: Baumwollspinnerei, Weberei, Spitzen-
klöppelei, Granit- und Amethystbrüche, eine Sma-
ragdgrube, Holzhandel. Zu W. gehört das Bad
Wie'senbad (s. d.).
Wiefau, Dorf und Badeort im Bezirksamt
Tirschenreutb des bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz, am
Südabhang des Fichtelgebirges, an den Linien
München-Regensburg-Hof, W.-Eger (26,5 km)
und der Nebenlinie W.-Tirschenreuth (11,i Km) der
Vayr. Staatsbahnen, hat (1895) 1113 E., darunter
28 Evangelische, Posterpedition, Telegraph, Pfarr-
und Kreuzkirche, vier erdig-alkalische Säuerlinge
mit hohem Eisengehalt (Sprudel-, Otto-, Wiesen-
und Neue Quelle), ein König Otto-Bad (s.d.); Thon-
warenfabrik, Dampfsägewerk und Vasaltbrüche. In
der Nähe die Ruinen der Burgen Weihenstein und
Falkenberg.