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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wilhelm (Prinz von Baden) - Wilhelm I. (König von England)
Commandeur der bad. Truppen und nahm als Prä-
sident der Ersten Kammer auch thätigen Anteil an
den öffentlichen Angelegenheiten. Am 16. Okt. 1830
vermählte sich W. mit der Tochter des Herzogs Ludwig
vonWürttemberg, Prinzessin Elisabeth (geb.27. Febr.
1802, gest. 5. Dez. 1864). Er starb 11. Okt. 1859.
- Vgl. Denkwürdigkeiten des Generals der In-
fanterie Markgrafen W. von Baden aus den Feld-
zügen von 1809-15 (hg. von Röder von Diers-
burg, Karlsr. 1864).
Wilhelm, Ludw. Aug., Prinz von B a d e n, Bru-
der des Grohherzogs Friedrich, preuß. General der
Infanterie, geb. 18. Dez. 1829 zu Karlsrnhe, erhielt
seine Iugendbildung in Karlsruhe und trat 1849 in
den preuß. Militärdienst ein. Im Deutschen Kriege
von 1866 übertrug ihm der Großherzog die Füh-
rung der bad. Felddivision. Den polit. Ansichten
seines Bruders huldigend, der nur insolge der Pres-
sion Österreichs und der Nachbarstaaten in den Krieg
gegen Preußen eintrat, ging sein Bestreben im Felde
dahin, unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Seine
Haltung gegenüber dem Kommandanten des 8. Ar-
meekorps^ Prinzen Alexander von Hessen, und seine
militär. Operationen in den Tressen bei.Hundheim,
Werbach, Gerchsheim (23., 24., 25. Juli) riefen eine
u. d. T. "Aktenmäßige interessante Enthüllungen
über den bad. Verrat" (Wien 1866) veröffentlichte
Schrift hervor. Die offizielle Gegenschrift: "Der
Anteil der bad. Fclddivision an dem Kriege 1866 in
Deutschland" (3. Aufl., Lahr1867), suchte den Prin-
zen zu rechtfertigen. Im Deutsch-Franzosischen
Kriege von 1870 und 1871 befehligte W. die 1. bad.
Infanteriebrigade. Er beteiligte fich mit diefer an
den Operationen des Generals von Werder und zeich-
nete sich in dem Treffen bei Dijon 30. Okt. und bei
Nuits 18. Dez. aus. 1871-73 gehörte er dem ersten
Deutschen Reichstag an, in dem ersich an die Deutsche
Neichspartei anschloß. Erstarb 27. April 1897. Sei-
nen Namen sührt das 4. bad. Infanterieregiment
Nr. 112. Prinz W. war seit 11. Febr. 1863 vermählt
mit der Prinzessin Maria von Leuchtenberg, geb.
16. Okt. 1841. Die Kinder dieser Ehe sind: Prin-
zessin Maria, geb. 26. Juli 1865, seit 2. Juli 1889
vermählt mit dem Erbprinzen Friedrich von Anhalt,
und Prinz Maximilian, geb. 10. Juli 1867, konigl.
preuß. Rittmeister.
WilhelmIV.,HerzogvonBayern(1508-50),
ältester Sohn des Herzogs Albrecht IV. und seiner
Gemahlin Kunigunde, kam, da er hei seines Vaters
Tode (1508) noch unmündig war, unter Vormund-
schaft, übernahm nach seiner Volljährigkeit (1511)
die Regierung, und zwar, den Forderungen seines
Bruders Ludwig nachgebend, 1515-45 mit diesem
gemeinschaftlich. Vom Papst durch Verleihung
von Hoheitsrechten über die Geistlichkeit und von
Einkünften aus kirchlichen Instituten des Landes
gewonnen, war er ein heftiger Gegner der Refor-
mation und trachtete selbst nach der Kaiserkrone.
An der Spitze des Schwäbischen Bundes vertrieb
W. 1519 seinen Schwager, Herzog Ulrich (s. d.) von
Württemberg, aus dessen Erblande. 1534 entsagte
er seiner Opposition gegen Habsburg und erkannte
Kaiser Karl V. an, dem er, gelockt durch die Aussicht
auf die Pfälzer Kurwürde, 1546 seine Hilfe gegen
dcn Schmalkaldischen Bund zusagte. Als er sich
aber in seinen Hofsnungen getäuscht sab, trat W.
wieder in Opposition zu dem Kaiser. 1549 berief er
die Jesuiten an die Universität Ingolstadt und starb
1550. Ihm folgte über ganz Bayern sein Sohn
Albrecht V. - Vgl. Drufsel, Die bayr. Politik im
Beginne der Reformationszeit (Münch. 1888).
Wilhelm, Angust Ludwig Max Friedrich, Her-
zog von Braunschweig (1830-84), geb. 25. April
1806, der zweite Sohn des Herzogs Friedrich Wil-
helm (s. d.) und der Prinzessin Maria Elisabeth
Wilhelmine von Baden, die nach der Schlacht bei
Auerstedt mit ihren beiden Söhnen 18. Okt. 1806
nach Schweden, dann über Dünemark und Hamburg
nach Karlsruhe, endlich nach Bruchsal floh, wohin
auch ihr Gemahl im Aug. 1807 kam und wo sie
20. April 1808 starb. Die Prinzen kamen nun unter
die Obhut ihrer Großmutter, der verwitweten Mark-
gräsin Amalie Friederike von Baden. 1809 wurden
sie nach England gebracht und der Aufsicht ihrer
Großmutter, der verwitweten Herzogin Auguste von
Braunschweig, Schwester Georgs III., übergeben.
1814 kehrten die Prinzen nach Braunschweig zu-
rück; nach dem Tode ihres Vaters (1815) wurde
der nachmalige König Georg IV. von Groß-
britannien ihr Vormund. Prinz W. besuchte 1822
die Universität Göttingen und trat 1823 in preuß.
Militärdienste. Durch Vergleich vom 13. Jan. 1824
trat ihm sein Bruder Karl das Fürstentum Ols in
Schlesien ab. Nach dem Aufstande in Braunfchweig
7. Sept. 1830 und der Vertreibung des Herzogs
Karl (s. d.) übernahm Prinz W. 28. Sept., auf An-
suchen der Stände, provisorisch und 20. April 1831
definitiv kraft eigenen Rechts, im Einverständnis mit
den Agnaten, die Regierung. Es folgte nun eine
Periode ruhiger und ungestörter konstitutioneller
Entwicklung. In den Fragen der deutschen Eini-
gung und der Sache Schleswig-Holsteins stand der
Herzog immer in der Reihe der patriotischen und
opferbereiten Fürsten. Da W. unvermählt blieb, so
wünschte er für den Fall des Erlöschens seines Hau-
ses dem Hause Hannover die Erbfolge im Herzogtum
zu erhalten, während ein großer Teil der Bevölkerung
diesem Ziele widerstrebte. Das mit dem Landtage
vereinbarte Regentschaftsgesetz vom 16. Febr. 1879
regelte für den Fall der Erledigung des Throns
die ordnungs- und verfassungsmäßige Verwaltung
des Landes. W. starb 18. Okt. 1884 in seinem
Schlosse Sibyllenort in Schlesien; seine Leiche wurde
25. Okt. im Dom zu Braunschweig beigesetzt. Den
größten Teil seines Privatvermögens erbte testa-
mentarisch der Herzog von Cumberland; die in Schle-
sien gelegenen Allodialgüter. erhielt König Albert von
Sachsen; das Fürstentum Ols, ein preuß^ Thronlehn,
fiel an die Krone Preußen zurück.
WilhelmI., der Eroberer, König von Eng-
land (1066-87), geb. 1027 oder 1028 als Sohn
des Herzogs Robert II. (s. d.) des Teufels von der
Normandie und der Arlotta, einer Kürschnerstocbter
aus Falaise, wurde noch als Kind 1035 der Nack-
folger feines Vaters. Umgeben von eigenwilligen
Großen wuchs er heran, kaum zwanzigjährig
mußte er 1047 sein Herzogtum gegen eine Em-
pörung verteidigen. Mit England bestand da-
durch eine nahe Verbindung, daß König Eduard
(s. d.) der Bekenner als Flüchtling längere Zeit
in der Normandie geweilt hatte. 1051 - 52 er-
schien W. als Gast in England, und bei dieser
Gelegenheit soll ihm der kinderlose Eduard das
Erbe seiner Krone versprochen haben. Die nächsten
Jahre brachten Kämpfe mit dem König Heinrich I.
von Frankreich; mit dem Siege erlangte W. 1059
zugleich die Herrschaft über Maine und Bre-
tagne. Als Graf Harold (s. d.), der mächtigste