Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

751
Willkomm (Heinr. Moritz) - Wilmanns
terleben" (3 Bde., Lpz. 1839) und in den Skizzen ans
dem Volksleben: "Grenzer, Narren und Lotsen"
(ebd. 18-12). Von seinen zahlreichen spätern Ro-
inanen und Dorfgeschichten verdienen besonders
"Die Familie Ammer" (3 Bde., Franks. 1855),
"Reeder und Matrose" (1857), "Moderne Sünden"
(3 Bde., 1861), "Ein Stiefkind des Glücks" (3 Bde.,
180?) u. s. w. hervorgehoben zu werden.
Willkomm, Heinr. Moritz, Botaniker, Bruder
des vorigen, geb. 29. Juni 1821 zu .Herwigsdorf,
studierte zu Leipzig Medizin und Naturwisfensckaft
und unternahm 1841 eine Reife zur botan. Erfor-
schung Spaniens, von der er 1816 zurückkehrte. W.
studierte bierauf noch bis Ende 1819 zu Leipzig und
ging dann abermals nach Spanien. Er wurde 1855
aufterord., iu demselben Jahre ord. Professor der
organischen Naturgeschichte an der Akademie Tha-
randt, 1868 ord. Professor der Botanik und Direktor
des Botanischen Gartens in Dorpat, bielt sich sodann
einige Jahre auf den Balearen und in Spanien auf
und war 1871 - 92 Professor der systematischen!
Botanik und Direktor des Botanischen Gartens an !
der Universität Prag. Er starb 26. Aug. 1895 auf ^
Schloß Wartenberg bei Niemes in Böhmen. Alv ^
Früchte feiner zwei ersten Reisen auf der Pyre- ,
näischen Halbinsel erschienen "Zwei Jahre in Spa-
nien und Portugal" (3 Bde., Lpz. 1847), "Wan-
derungen durch die nordo'stl. und centralen Pro
vinzen Spaniens" (2 Bde., ebd. 1852), "Die Kalb-
iusel der Pyrenäen" (ebd. 1855), die Beschreibung
von Spanien und Portugal (ebd. 1862) für Steinv
und Hörschelmannv "Handbuch der Geographie und
Statistik" und "Die Strand- und Steppengebiete
der Iberischen Halbinsel" (ebd. 1852). Eine Frucht
seiner dritten Reise nach dem Südwesteu Europas
ist das Buch "Spanien und die Balearen" (Berl.
1876). Diesen geogr. Arbeiten reihen sich an:
"5>6rwm Ü0i'll6 ni^)3ni(9.6" (Lpz. 1852), "I<oii08
l)IlNitiU'NM IWVlN'NM 6t i'cN'iorUM Illuiopae cNi^ti'O
ccciättnt^i". ^rao^ipue Hißpmnak" (2 Bde., ebd.
1852-61, mit 166 Tafeln), "Anleitung zum Stu- !
dium der wissenschaftlichen Botanik" (2 Bde., ebd.
1851) und vor allem "?roäi'oinn8 rloi"6 nißMnicae"
(mit Lange, Professor in Kopenhagen, 3 Bde., Stuttg.
1861-80) sowie das große Kupferwerk "II1u8tic^
tion68 tloi'^o Ili3^"niÄ6 insu^rumtiue i^a^Hiium"
(2 Bde., Stuttg. 1881-92, mit 183 kolorierten
Tafeln). Ferner schrieb er: "Führer ins Reich der
deutschen Pflanzen" (Lpz. 1863; 2. Aufl. 1882),
"Deutschlands Laubhölzer im Winter" (Dresd. 1859;
3. Aufl. 1880), "Die Nonne, der Kiefernspinner und
die Kiefernblattwespe" (ebd. 1859), "Die mikroskopi-
schen Feinde des Waldes" (Heft 1 u. 2, ebd. 1866
-67), "Forstliche Flora von Deutschland und Öster-
reich" <Lpz. 1871-, 2. Aufl. 1886), "Etreifzüge durck
die baltischen Provinzen", Tl. 1 (Dorp. 1872), "Der
Böhmer Wald und seine Umgebungen" (Prag 1878>,
"Bilderatlas des Pflanzenreichs" (3. Aufl.,' Eßlin
gen 1895), "Die Wunder des Mikroskops" (5. Aufl.,
Lpz. 1896), "Grundzüge der Pflanzenverbreitung
auf der Iberischen Halbinsel" (ebd. 1896).
Willkür, soviel wie freies Ermessen'. im Mittel-
alter waren W. die durch Autonomie der Städte
oder freien Landschaften (z. B. der Friesen) geordne-
ten lokalen Rechte. Willkürliche Strafen kommen in
der ^m'oliul^ (s. d.) und dem fpäteru Gemeinen Reckt
bäufig vor. Man versteht darunter die absolut uu-
destimmte Strafe, bei welcher die Zumessung für
jeden einzelnen Fall dem richterlichen Ermessen über-
lassen ist. Dergleichen Strafen kennt das gelteude
Recht nicht nur nicht mehr, sie sind vielmehr fogar
untersagt, denn nach §. 2 des Neichsstrafgesetz-
buchs kann eine Handlung nur mit der strafe be-
legt werden, welche gesetzlich bestimmt war, bevor
die Handlung begangen wurde. Das Einführungs-
gesetz für Elsaß-Lothringen in Art. 11 verordnete, dasi,
wenn in andern Strafgesetzen als das Strafgesetzbuch
Strafen festgesetzt sind, die als willkürliche bezeichnet
werden, die zu bestrafende Handlung eine Übertre-
tung (s. d.) sei. - Vgl. Vinding, Handbnch des Straf-
rechts, Bd. 1 (Lpz. 1885); Olsbausen, Kommentar
zum Strafgesetzbuch (4. Aufl., 2 Bde., Berl. 1892).
Willmann, Otto, Pädagog, f. Bd. 17.
Willmanstrand, sinn. Stadt, f. Wilmanstrand.
Willoama, austrat. Stadt, s. Broten Hill (Bd. 17).
Willowmore (spr. willomohr), Bezirk in der
Midlandprovinz der Kapkolonie, mit 9060 hkm und
<1891) 9020 E., darunter 4337 Weifte, liegt nördlich
von den Zwartebergen, ziemlich nahe der Südküstc
von Melville. Die Gegend ist meist gut bewässert uud
fruchtbar und produziert vorzüglichen Tabak. Sehr
ausgebreitet ist die Zucht von Merinoschafen. Der
Hauptort W. hat 828 E.
Wills, William Gorman, engl. Dramatiker,
geb. 1828 in der Grafschaft Kilkenny in Irland,
stndierte an dem ^rinit^ O0II636 und der Kunst-
akademie in Dublin und arbeitete kürzere Zeit mit
Erfolg als Porträtmaler in Dublin und in London.
Nachdem feit 1866 feine Dramen "'1^6 man ot
^ii-Ii"" und "Hinkn" an verschiedenen Londoner
Tbeatern zur Aufführung gekommen waren, begrün-
dete W. seinen Ruf als Dramatiker durch das Trauer-
spiel "^Kai-1"8 tke ^n-8t.", das seit 1872 die Runde
durch ganz England machte. 1873 veröffentlichte er
die ebenfalls sehr erfolgreiche Tragödie "I^i^ene
^ium", 1874 "^13.1')' Hu0LN 0' 8cot8", 1875
"ljucliinAnain", 1876 ".I^ne sliore", 1878 das
auf Goldfmiths "Vicai'oi'^Vakeükiä" gegründete
Schauspiel "Oliviu", fodann die Schaufpiele "^leU
l^>v)nn8" und "Vanä6i'ä6c1i0ii", letzteres eine Be-
arbeitung der Sage vom Fliegenden Holländer,
das histor. Drama "Zed^Lmooi'" (1881) und "^lau-
ciian" (1885). Als Novellist hat er sich durch die
Romane "^N6 ^vit^'s ßviä^nc^" und "^oticß to
(Mt" bekannt gemacht.
Wilmanns, Wilb., Germanist, geb. 14. März
1842 in Iüterbog, studierte in Berlin, war 1861
-67 Lehrer im Haufe des Barons C. von Echeel-
Plesfen, 1867-74 am Grauen Kloster. Im Sommer
1874 wurde er als Professor für deutfche Sprache
und Litteratur nach Greifswald berufen, 1877 nach
Bonn verfetzt. W.' Thätigkeit galt namentlich der
Erforschung der altdeutschen Dichtung und Littera-
turgeschichte. Er schrieb unter anderm: "Leben und
Dichten Walthcrs von der Vogelweide" (Bonn 1882),
"Beitrüge zur Geschichte der ältern deutscheu Littera-
tur" (4 Hefte, ebd. 1885-88,' darin "Der alweuy'cke
Reimvers" und "Untersuchungen zur mittelhochdeut-
schen Metrik"). Sein "Walther von der Vogelweide"
(2. Aufl., Halle 1883) ist die beste erklärende Ausgabe
eines altdeutschen Klassikers. Grammatische Arbeiten
von ibm sind eine "Deutsche Schulgrammatik" (2Tle.,
8. Aufl., Verl. 1891; Tl. 2, 9. Aufl. 1896), "Die
Orthographie in den Schulen Deutschlands. Zweite
umgearbeitete Auflage des Kommentars zur preuß.
Schulorthographie" (ebd. 1887), eine Schrift zur
Rechtfertigung und Kritik der heuti^n pn'^ß. Sckill-
orthograpbie, an deren Herstellung W. wesentlichen