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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Winchester (Erfinder eines Mehrladers) - Winckelmann
gegründet. Außer demselben besitzt die Stadt ein!
Grafschaftshospital, Gefängnis, Markthalle, Stadt-
bibliothek, ein Musemn n. s. w. - W. war in alter
Zeit Hauptstadt von Wesser, dann seit Egberts
Krönung daselbst (827) von ganz England. 652
zum Bischofssitz erboben, nahm die Stadt den Rang
einer Metropole ein und zählte noch später viele
Klöster, 90 Kirchen und Kapellen, während jetzt nur
9 Kirchen und eine Benediktinernonncnabtei mit
einer kath. Schule (Hidehonse) besteben. Als nach
der normann. Eroberung London sich znr königl.
Residenz erhob, begann der Verfall.
Winchester (spr. winntschestr), Erfinder eines
Mehrladers mit Magazin im Vorderschaft (1860).
Das System ist gegen Ende des Feldzugs 1870/71
auf franz. und im Russisch-Türkischen Kriege auf
türk. Seite verwendet worden.
Winchefter-Bushel, s. Bushel.
^Vinokester (loliVFS (spr. winntschestr kol-
ledsck), die älteste und eine der angesehensten unter den
t'ul'lie 8ekool8 (s. d.) in England, die von Bischof
Wykeham 1387 gegründet ist. - Vgl. H. Marshal,
>V. lü. ^vitli i)r080 luiä voi'8" coiiti'iduti0ii8 d^ olä
^Vv^6liiimi8t8 (Lond. 1893).
Winckel^ Franz von, Frauenarzt, geb. 5. Juni
1,^37 zu Berleburg in Westfalen, studierte 1856-60
als Eleve des Friedrich-Wilhelms-Iustituts zu Berliu
Medizin, wurde dann Assistenzarzt an der königl.
Universitäts-Frauenklinik zu Berlin, 1864 ord. Pro-
fessor der Gynäkologie und gerichtlichen Medizin in
Rostock, 1872 Direktor des königl. Entbinduugs-
iustituts in Dresden, 1883 ord. Professor der Gynä-
kologie und Direktor der Universitäts-Frauenklinik
in München. Außer zablreichen Abhandlungen in
den Fachjournalen veröffentlichte er: "Die Patho-
logie und Therapie des Wochenbetts" (3. Aufl., Berl.
1878), "Klinische Beobachtungen znr Pathologie der
Geburt" (Rostock 1869), "Die Krankheiten der weib-
lichen Harnröhre und Blase" (2. Aufl., Stuttg.
1885), "Lehrbuch der Frauenkrankheiten" (2. Aufl.,
Lpz. 1892), "Lehrbuch der Geburtshilfe" (2. Aufl.,
ebd. 1893), "Die Pathologie der weiblichen Serual-
organe" (ebd. 1878-81,^mit 42 Lichtdrncktafeln),
"Die königl. Universitäts-Frauenklinik in München
in den 1.1884-90" (ebd. 1892). Auch giebt er die
neuen Auflageu der bekauuten verdienstlichen Schrift
von Ammon: "Die ersten Mutterpflichten und die
erste Kindcspflege" (neue Aufl., Lpz. 1894), heraus
und übernahm nach dem Tode von R. von Volk-
mann in Gemeinschaft mit von Bergmann und Erb
die Redaktion der neueu Folge der Volkmannschen
"Sammlung klinischer Vorträge".
Winckell, George Franz Dietr. aus dem, Schrift-
steller im Fache des Forst- und Jagdwesens, geb.
2. Febr. 1762 auf den: Rittergute Priorau bei Bitter-
feld, studierte in Leipzig die Rechte, wandte sich aber
später der Forstwissenschaft zu und wurde im anhält.
Forstdicnst angestellt. Doch legte er 1802 seine Stelle
nieder und verwaltete 1812-32 die Forsten des
Freiherrn von Thüngen in Franken, woranf er sich
in Schieran bei Dessau niederließ. Hier starb er
31. Mai 1839. Sein weit verbreitetes Hauptwerk
ist das ausgezeichnete "Handbuch für Jäger und
Jagdliebhabcr" (3 Tle., 1805-6; 5. Aufl., von
Tsckudi, 2 Bde., Lpz. 1878).
Winckelmann, Johann Joackim, Begründer
der wissenschaftlichen Archäologie und der Geschickte
der alten Kunst, geb. 9. Dez. 1717 zu Stendal in
der Altmark, war der Sohn eines armen, aus Scble-
sien stammenden Schusters. Nachdem er unter den
entmutigendstcn Verhältnissen die Schule durch-
gemacht hatte, bezog er 1738 die Universität Halle
und studierte Theologie. Die Verbindung mit dem
Kanzler von Ludewig brachte ihn in das damals
blühende Studium der deutschen Reichsgeschichte
hinein, das er 15 Jahre lang eifrig betrieb, während
er in seinem geliebtesten Studium, den "ionischen und
attischen Charitinnen", damals und später durch-
aus Autodidakt war. Hierauf versuchte er es, nach
einem knrzen Intermezzo als Lehrer in einer ad-
ligen Familie, in Jena mit Medizin und Mathe-
matik; aber Armut nötigte ihn, eine Stelle als
Erzieher des in der Folge schwärmerisch von ihm
geliebten Lambrecht <in Nadmersleben bei Magde-
burg) auzunehmen. Nachdem er dann seit 1743
fünf Jahre Konrektor zu Seehausen in der Altmart
gewesen war, trug er dem Grafen Heinrich von Bunan
auf Nöthnil', bei Dresden seine Dienste an und war
als Hilfsarbeiter bei der umfaugreicheu deutschen
Kaiser- und Rcichsgeschichte sowie an der Katalogi-
sierung der großen Bibliothek des Grafen fünf
Jahre lang tbätig. Die Dresdener Galerie erweckte
seinen Sinn für bildende Kunst, und der Umgang
mit Lippert, Hagedorn und besonders mit dem Ma-
ler Öser machte rasch den etwas späten Schüler zum
Meister. Sein seit frühester Jugend gehegter Wuusch
einer Reise nach Rom lebte jetzt mit erneuter Kraft
wieder in ihm auf. Er knüpfte deshalb Unterhand-
lungen an mit dem päpstl. Nuntius Archinto, um an
der Bibliothek des Kardinals Passionei eine Anstel-
lung zu erbalten, deren uuumgängliche Bedingung
der Übertritt zur röm. Kirche war. Diesen letzten
Schritt that er jedoch erst nach fünfjährigem innerm
Kampfe. Die Frucht eines nun folgenden unabhängi-
gen Jahres in Dresden (1754-55) war seine erste
Schrift: "Gedanken über die Nachahmuug der griech.
Werke in Malerei und Bilohauerkuust" (3 Bde.,
Dresd. und Lpz. 1755; 2. Aufl. 1756), der er im "Send-
schreiben" einen Angriff und in der "Erläuterung"
eine Apologie unter der Maske eiuer dritten Person
nachsandte. Beide Schriften sind ungleich schwächer
als der erste Essay, der fast alle seine spätern Ideen
im Keime und seinen berrlichen Stil schon fast ganz
entwickelt zeigt. Diese Schrift war der Beginn seines
Ruhms, und sie verschaffte ihm durch die Fürsprache
des königl. Beichtvaters Pater Rauch eine Pension
von 200 Thlrn. zur Reise nach Rom.
Zuerst lebte W. iu Rom (seit Nov. 1755), wo
ihm Rafael Mengs das künstlerische Verständnis
der Denkmäler erschloß, in freier Stellung. Dann
wobnte er als Bibliothekar des Kardinals Archinto
in der Cancelleria und gewann das Vertrauen des
gelehrten und liberalen Kardinals Passionei, des
Besitzers der reichsten Privatlnbliothek Roms; mit
dem berübmten Gemmensammler Phil. von Stosch
in Florenz trat er in Korrespondenz und katalogi-
sierte nach dessen Tode 1757 sein Kabinett. Einen
bedeutsamen Wendepunkt in W.s Leben und Ar-
beiten führte sein Eintritt in das Haus des Kardi-
nals Albani, des ersten Knnstkenncrs und Samm-
lers seiner Zeit, herbei. W. lebte seit 1758 in dessen
Palast und Villa als Bibliothekar und Freund.
Mehrfache Reisen nach Neapel (zuerst 1758 mit dem
juugen Grafen Brühl, dann 1762 mit dem Maler
Füßli und Volkmann, 1765 und zuletzt 1767), wohin
ihn die Ausgrabungen von Hcrculaneum und Pom-
peji zogen, veranlaßten sein "Sendschreiben von
den bercnlaniscben Entdecknngen" (Dresd. 1762), die