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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Windmühle - Windombill
lung gegen die herrschende Windrichtung. Die amerik.
Windräder dienen größtenteils als Motoren für
Pumpwerke und leichtere landwirtschaftliche Maschi-
nen, auch für kleinere Mahlmübleu; sie werden auf
turmartigcm, hölzernem oder eisernem Gerüst oder
auf Dächern schon stehender Häuser aufgestellt. Die
bekanntesten derartigen W. sind die des Amerikaners
H alladay, nach dessen System die in Fig. 2 und 3
der Tafel abgebildeten W. von Karl Neinsch in Dres-
den gebaut sind. Die Schaufeln id sind hier in einzelne
Gruppen, Segel genannt, eingeteilt, welche je um
eine Achse drehbar sind und aus der gestreckten Lage
(Fig. 2) in die geneigte (Fig. 3) gebracht werden
können. Bei der Notation des Windrades sind die
Gewichte d, deren jedes Segel eins besitzt, infolge
der Wirkung der Zentrifugalkraft bestrebt, mit grö-
ßerer oder geringerer Gewalt nach außen zu fliegen,
je nachdem das Nad durch den Wind mehr oder
weniger schnell gedreht wird. Durch den nach außen
gerichteten Zug der Gewichte 1) werden die Segel
um einen entsprechenden Winkel zurückgelegt, so daß
die Geschwindigkeit des Rades selbstthätig reguliert
wird. Ein Hebel mit dem Gewicht s: bewirkt, daß
die ^egel nicht immer in der zurückgelegten Stellung
verharren, während ein zweiter Hebel, der durch
den Draht ä mit dein Erdboden in Verbindung
steht, angezogen, das Nad zum Stillstand bringt;
t' ist die ^teuerfahne zur Einstellung der Schaufel-
scheibe gegen die Windrichtung. Auf der Wind-
radachse sitzt eine Kurbelscheibe, welche bei der
Drehung des Nades eine nach unten führende
Kurbelstange auf und ab bewegt. Bei dem großen
von A. Pieper in Moers am Nhein ausgeführten
amerik. Windrad (Fig. 7), das für Mahl- und
Schneidemühlen u. s. w. als Motor dient, wird die
Drehung des Nadcs durchHilfsrüder bewirkt. Das
fahrbare Windrad (Fig. 8, nach einer Kon-
struktion von Fr. Filler in Emsbüttel-Hamburg)
eignet sich zur Entwässerung von Baugruben, von
Flußläufen bei Flußregulierungen u. s. w.
Eine zweite Art amerik. Windmühlen bildet das
Eklipse-Windrad (Fig. 5). Dieses System hat
einen Kranz fester Schaufeln ^ und verwendet zur
Negulierung der Geschwindigkeit eine zweite Steuer-
fahne c, welche kleiner ist als die Hauptsteuerfahne d
und in einer dem Windrad parallelen Ebene liegt.
Die Fahne <- ragt über das letztere hinaus und wird
infolgedessen von: Wind direkt getroffen. Das Ge-
stell t', welches das Lager o für die Windradachse
und die Befestigung für die Steuerfahne d bildet,
besteht bei diesem System aus zwei Teilen, von
denen derjenige mit dcr Hauptsteuerfahne d bei ge-
wöhnlichem Wind die Windradachfe mitnimmt. Bei
starkem Wind oder Sturm werden jedoch onrch den
Winddruck gegen die Fahne c diese und das Schaufel-
rad eine mehr oder weniger gegen die Windrichtung
geneigte Stellung annehmen, wodurch die Wirkung
des Windes auf das Windrad abgeschwächt wird.
Bei der Drehung des Windrades gegen die Steuer-
schaufel 1) wird ein mit einem verstellbaren Ge-
wicht ä beschwerter Hebel gehoben, der in dein Maße,
wie der Sturm nachläßt, durch sein Zurücksinken das
Windrad früher oder später in seine normale Lage
zurückführt. Die Ausrückung der Eklipfe-Winoräder
erfolgt mittels eines Drahtes, der neben der Pump-
stange nach unten geht. Das Windrad von
Leffel (Fig. 6) bat einen doppelten Speichenkranz
a, an dessen Umfang windschiefe Vlcchschaufeln be-
festigt sind. Dio Negulierung der Geschwindigkeit
erfolgt von unten aus durch Zug an einer Kette,
wodurch der Gewichthebel ä mehr oder weniger gc-
boben wird und die mit ihm in Verbindung stehende
Steuerfahnc !i mehr oder weniger von der Nichtung
der Nadachse abweicht. Diese Abweichung bewirkt
eine entsprechende Stellung des Windrades gegen
die Windrichtung. Es existieren noch eine Anzahl
Windmühlen, welche den genannten mehr oder weni-
ger ähnlich sind. Außer den W. mit horizontaler
Achse sind auch solche mit vertikaler Achse gebaut wor
den. Einige derselben tragen um das mit gekrümin-
ten Schaufeln ausgerüstete Laufrad einen besondern
Lcitradkranz; derartige Windräder hat man Wind-
turbinen genannt. Bei der in Fig. 9 abgebildeten
Windturbine von Wolf ist ^ das eigentliche Wind-
rad, N das Leitrad, dessen Schaufeln verstellbar
sind (die punktierte Lage ist die Arbeitsstellung). -
Vgl. Neumann, Die W. (Wenn. 1881); Hollenberq,
Die neuern Windräder (Lpz. 1885).
Windmühle, ein in einem besondern Gebäude
aufgestelltes Müblwerk, welches durch ein Windrad
betrieben wird. Bei den deutschen oder Bock-
windmüblen muß die ganze Mühle, bei den
holländischen oder Turmwindmühlen nur
der obere Teil nach dem Winde gedreht werden.
Neuere holländische W. haben auch große amerit.
Windräder, die sich mittels Hilfsrä'dern selbstthätig
nach dem Winde drehen. Die Paltrockwino-
mühle hat die Bauart und Einrichtung einer ge-
wöhnlichen Vockwindmühle, ist aber nicht auf einem
Bocke drehbar, sondern auf einer Anzahl (etwa W)
unter dem Gehäuse angebrachter eiserner Nollen,
welche auf einem Schienenkranze lausen, der auf
einem massiven, gegen 1 in hohen Unterbau auf-
liegt. Die Paltrockwindmühle findet sich mehr im
Osten Deutschlands. Näheres s. Windmotoren und
die dazu gehörige Tafel, Fig. 1, 4 u. ?. - W. ist
auch Name einer Art Feuerwerksstücke.
Windofen, ein von außen geheizter Stuben-
ofen; auch ein kleinerer, oft tragbarer Schmelzofen,
bei dem das Feuer nicht durch ein Gebläse angesackt
wird, sondern durch einen Luftzug, der entsteht, so-
bald das Feuer angezündet ist.
Windombill, später allgemein Sherman-
b ill genannt, das von den Vereinigten Staaten von
Amerika 14. Juli 1890 erlassene Silbcrgesetz, dnrcb
welches die Blandbill (s. d.) aufgehoben und an deren
Stelle bestimmt wurde, daß das Schatzamt monat-
lich 4,5> Mill. Unzen Silber zum Marktpreise erwer-
ben solle, solange dieser unter dem Münzungssatze
(129,29 Cents für die Unze) stände. Die Zahlung
erfolgte in einer neuen Art von Papiergeld ('Ii oa^ni v
not68), die in Beträgen von 1 bis 1000 Doll. aus-
gegeben wurden, in Gold oder Silber einlösbar sein
und gesetzliche Zahlungskraft haben sollten, wenn
nicht ausdrücklich anders bedungen wäre. Bis zum
1. Juli 1891 sollten von dein angekauften Silber
monatlich 2 Mill. Unzen zu Silberdollars ausge-
prägt werden; dann sollte die obligatorische Prägung
aufhören, außer insoweit sie für die Einlösung der
Schatzamtsnoten erforderlich erschien. Die Wir-
kung des Gesetzes war für die amerik. Münzpolitik
eine unheilvolle. Die erwartete Steigerung de5
Silberpreises hielt nur ganz kurze Zeit an; das
Gold dagegen wurde in großen Mengen dem Schatz-
amt entnommen, so daß die gesetzliche Reserve von
100 Mill. Doll. Gold nicht mehr zu erhalten war.
Präsident Eleveland setzte daher seine ganze Auto-
rität ein, das Gesetz abzuschaffen. Nachdem das