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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Windmonat - Windmotoren
'Windfabne stets senkrecht zur Windrichtung einge-
stellt wird. Die Zusammendrückung, welcke eine mit
oer Platte verbundene Feder erleidet, wird durch ein
über Rollen geleitetes Gewicht im Gebäude sichtbar.
Dann kamen Platten zur Verwendung, die um eine
horizontale Achse drehbar sind und um so stärker
aus ibrer vertikalen Lage abgelenkt werden, je stärker
der Wind ist (Fig. 4). Eine Pereinigung dieser
Platte mit einer Windfabne bildet die verbreitete
Wildsche Windfahne.
Neuerdings hat man die
Platte durch eine leichte
Kugel (Fig. 5) ersetzt,
die an der Spitze eines
Stabes sitzt, der am
untern Ende ein Ge-
wicht trägt. Handelt
es sich nur darum, die
mittlere Strömungsge-
schwindigkeit für einen
!angern Zeitraum zu
kennen, so verwendet
man sog. Anemo-
meter. Das empfind-
derselben ist ein
Glimmer oder aus
Aluminium hergestell-
tes Windmühlenräd-
Fig. 2.
v metcr.
X lichste dei
^ aus Glin
chcn, das mit einer von der Windgeschwindigkeit
abhängigen Geschwindigkeit rotiert, so das; aus der
Anzahl der während des betreffenden Zeitraums ge-
"nackten Touren, die durch ein Zählwerk registriert
werden, die Durchschnittsgesckwindigkeit des Windes
sich berechnen lästt. Am gebräuchlichsten ist R obin -
sons Schalenkreuz (s. d.). Der von A. von
Ottingen erfundene Nindkomp o neu tcn inte-
grat o r zerlegt ununterbrochen die Windströmungen,
n-ig. :^
die eine Windfahne und ein Robinsonsches Schalen-
kreuz nach Richtung und Stärke aufzeichnen, in Kom-
ponenten und addiert nach Art eines Planimcters
die gleichgerichteten Komponenten, so das; man für
jeden Zeitraum genaue Werte der mittlern Richtung
und Stärke des Windes ableiten kann. Anemo-
graphen oder Wind auto grapheil sind Verbin-
dungen von Windfabne und Windstärkcmesser, die
' eine selbstthätige Aufzeichnung der jeweiligen Wind-
richtung und Windstärke bewirken. Solche selbst-
! thätige Registrierapparate sind in großer Zahl kon-
struiert worden.
Windmonat, der November (s. d.).
Windmotoren, W indräder, Kraftmaschinen
zur Ausnutzung der Windkraft. Anfangs wurden
die Windräder, die als eine dentsche Erfindung gel-
ten, nur zum Betrieb von Mahlmühlen verwendet,
weshalb der Name Windmühle (s. d.) auf sämt-
liche W. übertragen wurde.
Die älteste, jetzt nocb gebräuchliche Form der W.
ist die der Bockmüblcn oder deutschen Wind-
mühlen ls. Tafel: Windmotoren, Fig. 1). Die
vier Flügel" der Windmühle bestehen aus den Wind-
ruten oder Armen, den senkrecht zu diesen stehenden
Windsprossen (hölzernen Qucrstäben, die durch die
Ruten bindnrchgesteckt sind) und der über den Sprossen
! liegenden Bcdecknng (Leinwand oder dünne Bret-
! tcr). Bei alten Bockmühlen sind die Flügel meist
! eben, docb inacht man sie jetzt auch vielfach bobl
oder windschief, weil man dadurch eiue bessere Aus-
nutzung des Windstroms erzielt. Die Windruten
! sind durch den Achfenkopf gesteckt, und die in seiner
^ Verlängerung auf zwei Balken des Hauses cl
^ ruhende Flügelwelle !5 trägt ein hölzernes Stirnrad
d, welches meist mit Triebstockverzahnung versehen
ist und in das auf senkrechter Achse sitzende Laternen-
gctriebe c eingreift, dadurch den Mahlgang und das
übrige Gangwerk der Mühle in Betrieb setzend.
Das ganze Haus ruht bei c auf dem starken hölzer-
nen Bock und ist um denselben nach der Windrich-
tung drehbar. Auf der entgegengesetzten Seite des
i Flügelrades fübrt eine Treppe nach dem Innern
! der Miwle; unter dem Podest dieser Treppe steht
! ein schräg nach unten zu gehender Balken bervor,
der Sterz oder Stert t', durch den die Mühle ge-
dreht wird.
Die zweite Art der ältern Windräder zeigen die
Turm- oder holländischen Windmüblen, bei
welchen entweder der obere, den Hauptbetrieb ein-
schließende Teil für sich drehbar auf einem Gerüst
über der Mühle steht, wie in Fig. 4 der Tafel, oder
die auf dem turmartigcn Hause befindliche Haube,
welche die Flügelwelle mit dem Antriebskammrad
umschließt, allein drehbar ist. Bei derartigen Wind-
mühlen findet man vier, fünf und mehr Flügel, die
bei größerer Anzahl am Umfang mit Versteifungs-
stangen verbunden sind; die Flügel sind fast immer
mit windschiefen Flächen ausgeführt. Die Drehung
der Turmköpfe erfolgt bei manchen derartigen Müh-
len selbstthätig dnrch ein kleines HilfsWindrad,
welches, in der Achsenricbtung der Flügelwellc an-
geordnet, das Bestreben bat, sich stets so zu stellen,
daß seine Achse senkrecht zur Windrichtung liegt,
also das Hauptflügelrad mit seiuer Fläcbe gegen
den Wind gewendet ist. Die Flügelräder ^ (^ig. 4)
stecken in der Regel in eisernen Achsenkreuzen^ wäb-
! rend die Flügelachse l> mit dem Kaminrad <' gegen
! die horizontale Ricbtung geneigt ist, um dadurck
^ die Flügel besonders vorteilhaft gegen den Wind
zu stellen. Die Königswelle ä wird durcb das Kamm-
> rad c mittels eines zweiten Zahnrades angetrieben
^ und überträgt die Kraft nach dem Mühlenbaum.
! Die neuern Windräder, nach ihrem Ursprung
! amcrilaniscb e genannt, besitzen nicht einzelne
! Flügel, sondern einen aus vielen gleichen einzelnen
! Schaufeln gebildeten Ring: außerdem tragen sie fast
, allgemein Steuerscbeiben zur selbstthätigen Einstel-