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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wochenfest - Wohlau (ehemaliges Fürstentum)
nießen. Hat sich nach dem dritten Tage noch kein
Stuhl eingestellt, so gebe man ein Klystier von war-
mem Wasier oder 1-2 Eßlöffel Ricinusöl. Beson-
dere Sorgfalt ist auf die Reinigung der äußern
Genitalien sowie auf den häufigen Wechsel der Un-
terlagen zu verwenden; auch mrch der Wochenschweiß
sehr vorsichtig abgewartet werden. Jede Wöchne-
rin soll womöglich ihr Kind stillen, da die Milch
sekretion den günstigsten Einfluß auf den Nückbil-
dungsprozeß der Gebärmutter ausübt. Die Dauer
des Bettliegens soll mindestens neun Tage betragen,
und zu ihrer gewohnten Lebensweise soll die Wöch-
nerin nicht vor Ablauf der sechsten Woche zurück-
kehren. Zwar ist auch unter erschwerenden Verhält-
nissen eine normale Rückbildung der Gebärmntter
möglich, oft treten dabei aber auch Störuugen
(Puerperal- oder Wochenbettkrankheiten)
ein, die einen dauernden Nachteil hinterlassen. Hier-
her gehören namentlich fieberhafte Entzündungen
der Gebärmutter und ihrer Umgebung (s. Kindbett-
sieber), Blutflüsse, Erkrankungen der Blase und des
Mastdarms, Neuralgien, die verschiedenen Form-
und Lageveränderungen der Gebärmutter mit ihren
lästigen Folgen, die thrombotische Verstopfung der
Schenkelblutader (sog. weiße Schenkelgeschwulst) und
viele andere krankhafte Zustände. - Vgl. von Am-
mon, Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindes-
pflege (35. Aufl., von Winckel, Lpz. 1895); Burck-
hardt. Das Buch der jungen Frau (4. Aufl., ebd.
1894); Crede, Gesunde und kranke Wöchnerinnen
(ebd. 1886); M. Drew, Die Wochenpflege (ebd. 1894);
Fehling, Die Physiologie und Pathologie des W.
(2. Aufl., Stuttg. 1897).
Wochenfest (hebr. OKa^ K^ciilünwtd), bei den
Hebräern das Pfingstfest, weil es sieben Wochen
nach Anfana. der Gerstenernte gefeiert wurde (am
6. und 7. Swan). (S. Pfingsten.)
Wochenfluß, f. Wochenbett.
Wochenmarkt, s. Markt
Wodan, der niederdeutsche, Wuotan der hoch-
deutsche Name desjenigen Gottes, den die Skan-
dinavier Odin (s. d.) nannten.
Wodanstaa (Wuotanstag), s. Mittwoch.
Wode, in Mecklenburg Name sür den Knecht
Ruprecht.
Wodehoufe (spr. wohdhaus), Bezirk in der östl.
Provinz der Kapkolonie, mit 5439 hkm und (1891)
28950 E., darunter^5399 Weiße, liegt nahe der südl.
Grenze des Oranje-Freistaates und unmittelbar west-
lich vom Tembuland. Inmitten des hochgelegenen
Landes erheben sich die 1860 iu hohen Stormderge,
an deren Südostabhange und im Thale des Indre
Steinkohlenlager von großer Ausdehnung und leich-
ter Abbaufähigkeit entdeckt wurden. Hauptort ist
Dordrocht mit 962 E.
Wodehouse (spr. wohdhaus), John, s. Kim-
berley, Graf.
Wodena, Stadt in Macedonien, f. Vodena.
Wodjanoj, auch Wodj ani k (russ.), der Wasser-
mann, als Gespenst des Volksglaubens.
Wodka (russ., im Genitiv Wooki, entstellt
Wutki), der Branntwein. Das Wort ist die demi-
nutive Form von nmlH, das Wasser, bedeutet also
eigentlich Wässerchen.
Woedtke, Erich Felix Franz Victor von, deutscher
Verwalwusssbeamter, geb. 9. April 1847 in Sydow
im Kreise Schlawe, studierte in Greifswald, Heidel-
berg und Berlin die Rechte, wurde 1874 Gerichts- ve
assessor, dann Staatsanwalt in Mohrungen, trat E
1876 als Regierungsassessor znr Verwaltung über
und arbeitete bei den Regierungen in Köslin, Brom-
berg und Königsberg. 1881 wurde er als Hilfs-
arbeiter in das Handelsministerium berufen, 1882
Regierungsrat, 1884 Geh. Regierungsrat und vor-
i tragender Rat im Reichsamt des Innern, 1889 Geh.
^ Oberregierungsrat, 1896 Abteilungsdirektor da-
selbst; daneben leitet er das kaiserl. Oberseeamt und
war auch längere Zeit noch im preuß. Handelsmini-
^ sterium beschäftigt. Besondere Verdienste erwarb cr
sich bei der Vorbereitung und Ausführung der social-
polit. Gesetze. Er gab auch viel benutzte Kommen-
tare zum Krankenversicherungsgesetz (4. Aufl., Verl.
1893), zum Unfallversicherungsgefetz (4. Aufl., ebd.
1889), zur Unfallversicherung für land- und forst-
wirtschaftliche Betriebe (2. Aufl., ebd. 1888) und
zum Invaliditäts - und Altersversicherungsgefetz
(gemeinsam mit R. Bosse, 3. Aufl., Lpz. 1891) so-
wie Textausgaben dieser Gesetze heraus.
Woeste, Charles Fröderic Auguste, belg. Staats-
mann, s. Bd. 17.
Wogenbrecher, soviel wie Wellenbrecher (s. d.).
Wogulen, ugrisches Volk, meistenteils an der
östl. Seite des nördl. Urals <s. Karte: Sibirien 1.
Übersichtskarte), in den russ. Gouvernements
Perm und Tobolsk seßhaft, sie erreichen der Sigwa
uud der nördl. Soswa entlang Beresow am Ob,
ihre Hauptsitze liegen jedoch an der Soswa, der
Loswa und der obern Konda. Sie reden drei
Mnndarten nach ihren Wohnsitzen. Das Volk nennt
sich und seine Nachbarn, die Ostjaken, Manj-si, d. b.
Man-Volk, von einem Flusse Man, der mythologisch
Wichtigkeit hat als Schauplatz der wogul. Sintflut.
Die W. waren einst weiter im Westen und Süden
verbreitet und kamen 1499 unter die russ. Herrschaft.
Obgleich man feit Herberstein gemutmaßt hatte, daß
die Ungarn von den ugrifchen Völkern herstammen,
wurden die W. doch erst durch den ungar. Reisenden
Anton Reguly (1843-45) erforscht, dem der sinn.
Gelehrte Aug. Ahlquist nachfolgte (1855). Aued
später wurden die W. noch von ungar. Gelehrten
besucht, so 1889 von Munkacsy und Papai.
Sprache der W. ist samt der ostjakischen mit dev
ungarischen verwandt, die gesamten Ugern bilden
aber das östl. Glied der sinn. Völker. Gegenwärtig
treiben die W. Jagd und Fischfang, über ihre Ge
schichte und Sprache geben namentlich Fischers
Sibir. Geschichte (2 Tle.', Petersb. 1768) und Lehr-
bergs Untersuchung zur Erklärung der ältern Ge-
schichte Rußlands (ebd. 1816) Nachrichten. Das
Hauptwerk ist jedoch ^ vo^ii löiä 68 n^p (Land
nnd Volk der W., Pest 1864), das P. Hunfalvv
aus Regulys Nachlaß bearbeitete und herausgab.
Ferner hat P. Hunfalvy die von G. Popow ange-
fertigte Übersetzung des Matthäus- und Markus-
Evangeliums herausgegeben und danach eine aus-
führliche Grammatik nebst Wörterbuch bearbeitet
(Pest 1872). - Vgl. auch Ahlquist, Unter den W.
und Ostjaken (Helsingf. 1883); ders.,überdieSprache
der W. (ebd. 1891-94)-. Hunfalvy, Die Völker des
Urals (Budapest 1888).
Wohlau, ehemaliges unmittelbares Fürstentum
Niederschlesiens, umfaßt jetzt die Kreise W. und
Steinau mit zusammen 1226,49 <ikm mit nur (1890)
68 931 E. W., eiu Fürstentum unter den Piasten, bil-
dete unter Konrad VIII. (gest. 1492) zum erstenmal
ein selbständiges Herzogtum, welches dieser mit Öls
vereinigte; 1586 erhielt es Johann Georg, zweiter
Sohn des Herzogs Georg II. von Vrieg, von dem