Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

824
Wolfsvenn - Wolgahöhen
Eisenbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht
Kaiserslautern), hat (1895) 1098 E., darunter 144
Katholiken, Posterpedition, Telegraph, evang. nnd
kath. Kirche; Fabrikation von Baumwollzeugen,
Dampfsägewerk, Gerbereien, Weinban und nahebei
zwei Burgruinen. - 3) Burg bei Landshut (s. d.).
Wolfsvenn, Gebirge, s. Hohes Venn.
Wolfszahn, eine Zahnform für Sägen (s. d.).
3NolfszähneV,Schlangenfamilie, s.Fangzähner.
Wolga, bei den Alten I^lia oder Omos, der
Hauptstrom Rußlands und hinsichtlich seines lan-
gen Laufs von 3570 km der bedeutendste Strom
Europas, entspringt etwa 335 Km vom Finni-
schen Meerbusen unter 57 1(V nördl. Br., in der
Nähe der Düna im Kreis Ostaschkow des Gou-
vernements Twcr, auf einer Sumpfebene des Wal-
daiplateaus bei dem Dorfe Wolgino-Werchowje, in
einer Höhe von 203,r.m ü.d. Finnischen Meerbusen.
Ursprünglich ein Bächlein, passiert sie die Seen
Kleiner Werchit, Grofter Werckit, Stersh, woselbst
die Runa einmündet, welcbe vielfach als Nrsprung
der W. aufgefaßt wird, Wesselug, Peno und Wolgo;
unterhalb des letztern ist der bekannte Beischlott der
obern W. errichtet, ein Echleusenwerk, mittels dessen
Wassermengen von 400 Mill. edm gesammelt wer-
den. Nnterhalb des Bassins mündet die Selisharowka,
der Abfluß des Seligersees. Die W. setzt weiterhin
ihren obern Lauf in südöstl. Richtung über Rshew
bis Subzow fort, wo sie das welleuförmige Tiefland
erreicht, welches sie bis Sarepta nicht wieder verläßt.
Auf dieser weiten Strecke fließt sie erst ostwärts über
Twer, Rybinsk, Iaroslawl, Kostroma und Nishnij
Nowgorod an der Mündung der Oka, und zwar bis
dahin in ruhigem Lanfe, dann mit verhältnismäßig
stärkerm Gefalle hinab in die tiefe Thalsenknng von
Kasan. Hierauf wendet sie sich plötzlich südwärts
und geht, durch die Kama verstärkt, nach Simbirsk.
Unterhalb dieser Stadt macht die W. eine scharfe Bie-
gung nach Osten unter dem Einfluß der Shegulew-
schen Berge (s. d.), biegt aber bald, nachdem sie auf
die Sokoljiberge gestoßen ist, wiederum nach Westeil
um. Diese Biegung wird als Schleife oder Bogen
von Samara (russ. ^amln-^k^u Inku) bezeichnet.
Weiter folgen die Städte Samara und Saratow.
Das rechte Ufer ist nacb wie vor hügelig. Von
Kamyschin an feblen dem Strome alle Nebenflüsse.
Derselbe berührt hier östlich den Eteppenboden, der
ihn bis zur Mündung begleitet, nur daß sein recktes
Ufer bis Zarizvn und Sarepta, während auf dem
linken sich flache Wiesengründe ausbreiten, immer
noch steil, sein Tbalrand bei Sarepta noch 130 m
hoch bleibt. Bei Sarepta wendet sich die W. plötz-
lich gegen Südosten, wälzt zwischen durchweg flachen
und niedrigen Ufern langsam ihre ungeheure
Wassermasse in vielen Armen, deren erste bedeutende
Spaltung nördlich an Zarizyn beginnt und deren
nördlichster Achtnba heißt (320 Km Länge und
schiffbar im Frühling und Anfang de^ Sommers),
ein Labyrinth von Sand- und Sumpfinseln, Schilf-
und Wiesengründen bildend, durch den horizontalen
Boden der salzigen Steppe und ergießt sich 53 km
unterhalb Astrachan in einem 110 Km breiten Delta
mittels zweier Hauptmündungen, des Großen und
Kleinen Tschulpan, und zahlreicher Nebenmündun-
.qen, die meist versandet sind, in das Kaspische Meer.
Bemerkenswert unter den Nebenläufen und Armen
sind der Busan und der Bachtemir. Sehr merk-
würdig ist das überaus geringe Gefalle, das im
ganzen nur 229,5. m beträgt. Durcb 3^ schiffbare
und 157 nicht schiffbare Nebenflüsse fallen mebr als
20 Gouvernements in den Bereich seines 145.8922
ykm umfassenden Stromgebietes. Bei Twer ist der
Strom 200 m breit, unterhalb der Kama 700-
2700 ni, unterhalb Saratow 4200 m, bei Zarizyn
8000 m; bei Hochwasser ergießt sich die W. hier mit-
samt der Achtuba auf mehr als 200 Km. überhaupt
ist das Hochwasser der W. ein sehr bedeutendes.
Unter den Nebenflüssen sind die bedeutendsten von
links die Twerza, Mologa, Scheksna, Kostroma,
Unsha, Wetluga, Kama; von rechts die Oka, Sura,
Swijaga und Sarpa. Bei Twer ist die W. eisfrei
222 Tage, bei Astrachan 254. Der Eisgang ist
jedes Iabr ohne Ausnahme stark, zu Zeiten und
stellenweise sehr verbeerend. Eigentliche Strom-
schnellen (russ. poroFi) hat die W. nicht, aber eine
große Menge von Sandbänken und seichten Stellen,
die ihren Ort häufig wechseln. Schiffbar ist die W.
von der Mündung der Selisharowka bis zum Kaspi-
schen Meer, also aus einer Strecke von 3280 km.
Dampfschiffe gehen von Twer an; der bedeutendste
Hafen ist Rybinsk (s. d.). Man zählte 1895 auf dem
ganzen Strome 46 950 Schiffe und 80 696 Flöße
mit einer Last von 30,2 Mill. Pud; auf dem ganzen
Stromgebiet der W. 64547 Schiffe, 114127 Flöße
mit einer Last von 741,6 Mill. Pud. Die Passagier-
dampfer der W. sind nach amerik. Muster gebaut
und reich ausgestattet. Drei Kanalsvsteme, das
Wyschne-Wolozsche, das Tichwinsche und das Ma-
rienkanalsvstem bewirken die Verbindung mit Pe-
tersburg, während der Kanal des Herzogs von
Württemberg die W. auch mit der Dwina in Ver-
bindung setzt, so daß von allen Anlanden des Haupt-
stroms eine ununterbrochene Schiffahrt bis zur Ost-
see, dem Weißen Meere und dem Kaspischen See
unterhalten werden kann. Die Verbindung mit
dem Schwarzen Meere wird durch die Wolga-
Don-Eisenbabn hergestellt. Auch ist die obere
W. mit der Moskwa durch die kanalisierte Sestra
verbunden. Die Fischereien sind die Quelle außer-
ordentlicher Reichtümer. Doch beginnen erst von
Simbirst an die beständigen Fischereien oder
Watagen, die sich am zahlreichsten unterhalb
Astrachan, an den Mündungen und nächstdem an
der Achtuba finden. Die häufigsten Fische sind:
Störe, Hausen, Welse, Sterlete, Seekarpfen, Sew-
rjugeu, Weißlachs; in den letzten Jahrzehnten
wächst die Bedeutung der Fische minderer Sorte,
wie Heringe, die eine große Rolle in der Volks
ernährung spielen. - Vgl. Müller, Stromsystem
der W.(Berl. 1839); Legre'lle, I^o Voi^. Not68 "ni-
l^ Nu88i6 (Par. 1877); Ragosin, Die W. (russiscb,
3 Bde., Petersb. 1880 u. 1881); Roskoschny, Die
W. und ihre Zuflüsse (Lpz. 1887); Boguslawskij, Die
W. als Verkehrsweg (russisch, Petersb. 1887);
Lender, Der Wolgaführer (russisch, 4. Anfl. 1892);
Wischnjakow, Die Quelle der W. (Petersb. 1893);
Rasmadse, Die W. Von Nishnij Nowgorod bis
Astrachan (russisch, Kiew 1896).
Wolga-Don-Gisenbahn, 74 Km lange Bahn
im Gel.net der russ. Südoftbahnen, von Zarizyn-
Stadt nach Donskaja (Kalatsch), wurde 5. März
1862 eröffnet (f. Rufsische Eisenbahnen).
Wolgahöhen, ein Hügelland, welches sich am
rechten Ufer der Wolga von Nishnij Nowgorod und
Kasan bis Zarizyn und im Westen bis Tambow
hinzieht. Die Iergeni (s. d.) erscheinen als die na-
türlichste Fortsetzung derselben. Die W. erstrecken
sich in meridionaler Richtung auf etwa 1170 km.