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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wörperfahrt - Wort
Magdeburg und Wittcnberg, focht bei Leipzig und
zeichnete sich 1814 bei Craonne und vor Paris aus.
1815-18 befehligte er die rusf. Truppen bei dem
Befatzungshccr in Frankreich und nahm am Kon-
greß zu Aachen teil. In der Folge war er bis
1854 Gencralgouverncur von Nenrußland uud
Bessarabicn, leitete im Juni 1826 neben Ribeau-
pierre die Verhandlungen zu Akjerman und befehligte
1828 nach Mcnschikows Verwundung das Bc-
lagerungshcer vor Varna. 1844-54 war er zu-
gleich Statthalter von Kaukasien, nahm 18. Juli
1845 Dargo, die Hauptfestc ^chamyls, wofür ibm
die russ. Fürstenwürdc verliehen wurde, eroberte
1847 Salti und 1848 Gorgebil. Beim Ausbruch
des Krieges mit der Türkei 1853 brachte er, selbst
krank, durch feine Unterfeldherrn den Türken bei
Basch-Kadytlor eine Niederlage bei. 1856 wurde
er zum Fcldmarschall ernannt, übernahm den Posten
eines Gouverneurs von Odessa und starb daselbst
30. (18.) Nov. 1856. In Tiflis und Odessa sind ihm
Denkmäler errichtet. - Vgl. Schtscherbinin, Bio-
graphie Mich. Sem. W.s (russisch, Petersb. 1859).
Sein einziger Sohn, Fürst Semen Michailo-
witsch W., nahm an den kaukas. Kämpfen teil und
führte das Kommando des 10. Armeekorps im Rus-
sisch - Türkischen Kriege von 1877 und 1878. Er
starb im Mai 1882 in Petersburg.
Ein Großneffe des Grafen Semen Romanowitsch
W., der Obcrceremonienmeister Graf Iwan Wo-
ronzow-Daschkow (so benannt nach dem letzten
männlichen Sprossen der Fürstcnfamilie Daschkow,
dem 1807 verstorbenen Fürsten Paul Michailowitsch
Daschkow), geb. 1791, war 1824-32 russ. Gesandter
in München und Turin und vertrat später wieoer-
bolt den Grafen Neffelrode als Minister des Aus-
wärtigen. Er starb 21. l9.) Juli 1854 in Pcterbof.
- Sein Sohn, Graf Illarion Iwanowitsch
Woronzow-Daschtow, russ. Generallieutnant,
geb. 3. Juni (27. Mai) 1837, nahm an den Kriegen
im Kaukasus, iu Turkestan sowie gegen die Türkei
1877 - 78 teil, wo er die Kavallerie bei Rustschuk
kommandierte, aber bald nach Petersburg gesandt
wurde, um die Garde zu mobilisieren. Im Juni 1881
wurde er zum (5l?ef der Staatsgestüte ernannt und
im August darauf zugleich zum Minister des kaiserl.
Hofs und der Staatsdomänen fowie zum Kanzler
der russ. Orden. Dieser Stcllnngen wurde er 1897
entboben und zum Mitglied des Reichsrats ernannt.
In den anonmnen "Briefen über die gegenwärtige
Lage Rußlauds" irussisch und deutsch, Lpz. 1888) vcr-
sasüe er das 10. Kapitel über die Hebung des russ.
Bauernstandes.
Nber das Geschlecht der W. vgl. ^Vrcliiv IcnMxa
Voi-oncovÄ (Archiv des Fürsten W., hg. von P. I.
Bartenew, Bd. 1-40, Petersb. 1870-95).
Wörperfahrt, f. Tabelle zum Artikel Fehn-
und Moorkolonien.
Worringen, Flecken im preuß. Reg.-Bez. und
Landkreis Köln, links am Rhein, an der Linie Köln-
Eleve der Preuß. Staatsbahnen, ist Dampferstation
und bat (1895)5682 katb.E., Post,Telegraph; Braue-
reien, Dampfmüble, Kalkbrennereien und Ziegeleien
und bedeutenden Zuckerrübenbau. In der Näbc
der waldige Worringcr Bruch. - Bei W. wurde
5. Juni 1238 die Schlacht geschlagen, in welcher
.herzog Iobann von Brabant mit seinen Verbün-
deten die Partei Graf Rcinolds von Geldern be-
siegte und der Kölner Erzbischof Sigsried von Westcr-
burg in Gefangenschaft geriet. Diese Schlacht ent-
schied den Limburger Erbfolgekrieg (1282-88) zu
Gunsten Brabants. <S. Limburg, Herzogtum.)
Wörrstadt, Marktflecken im Kreis Öppenheinr
der Hess. Provinz Rheinhessen, an der Linie Mainz-
Alzey der Hess. Ludwiqsbahn, Sitz eines Amts-
gerichts (Landgericht Mainz), hat (1895) 2358 E.,
Post, Telegraph, evang. Kirche; Weinbau. In der
Umgegend werden röm. Altertümer gefunden.
Worfaae(spr.-soh), Jens Jacob Asmussen,dän.
Altertumsforscher, geb. 14. März 1821 zu Veile iu
Iütland, widmete sich zu Kopenhagen theol., dann
jurist. Studien, die jedoch bald von dein Interesse
für vaterländische Geschichte und Altertümer über-
wogen wurdeu. 1838-43 war W. Assistent deim
königl. Museum für nordische Altertümer, 1847
wurde er Inspektor, 1861 Direktor sämtlicher Denk-
male des Altertums im dän. Staate. Im Okt. 1855
erhielt er eine Docentenstelle für vaterländische Al-
tertumskuude an der Universität zu Kopenhagen,
die er bis 1866 bekleidete. Seitdem wirkte er'als
Direktor des Museums für nordische Altertümer,
des ethnogr. Museums sowie der Sammlung auf
dem Schlosse Roseuborg; auch war er 1874-75 Kul-
tusminister in dem Fonnesbechschen Ministerium.
Er starb 15. Aug. 1885 auf dem Gute Hagestedgaard
in der Nähe von Holbek. W. hat eine Reibe gelehr-
ter Arbeiten über die Altertümer und ältere Geschichte
des europ. Nordens veröffentlicht. Dahin gehören
vor allem: "Danmarks Oldtid oplyst ved Öldsager
og Gravhöie" (Kopenh. 1843: deutsch ebd. 1844),
"Blekingske Mindesmärker fra Hcdenold" (ebd. 1846',
deutfch u.d.T. "Zur Altertumskunde des Nordens",
Lpz. 1846), "Minder om deTanske og Nordmändene
i England, Skotland og Irland" (Kopenh. 1851;
deutsch Lpz. 1852), "Afbildninger fra det kongelige
Museum for Nordiske Öldsager" (Kopenh. 1854',
neue Bearbeitung u. d. T. "Nordiske Oldsagcr i det
kongelige Musenm i Kjöbenhavn", ebd. 1859), "Den
Dauste Erobring af England og Normandiet" (ebd.
1863), "Om Slcsvigs eller ^önderjvllands Oldtids-
minder" (ebd. 1865), "De Danste^ Cultur i Vikinge-
tiden" (1873), "Nordens Forhistorie cster sanitidige
Mindesmärker" (1878 u. 1881 -. deutsch Hamb. 1878),
"Optegnelser om Rosenbcrg-Samlingen 1858-83"
(Kopenh. 1886). Von seinen kleinern Schriften haben
besonderes Interesse: "Danevirke" (Kopenh. 1848;
deutsch ebd. 1848), Iyllands Danstbed" (ebd. 1850),
das von Schorn als "Protest eines Iütländers ge-
gen Jak. Grimms neues deutsches Volksrecht" (ebd.
1850) ins Deutsche übersetzt ward. - Vgl. Eophus
Müller, Mindetale ovcr I. I. 'A. W. (in den "Aar-
böger for nordist Oldtyndighet", 1886).
V/'orZI.tia., f. Wm-sinerland.
Worsborough (fpr. wöhrsbörö), Stadt in der
engl. Grafsckaft Portshire, West-))iiding, bei Barns-
ley, hat (1891) 9905 E.; Stt'inloblengruben, Eisen-
werke, Pulvermühlen und Steinbrüche.
Woreikla, linker Nebenfluß des Dnjepr in den
ruff. Gouvernements Kursk, Charkow und Poltawa,
fließt südwestlich, dann südsüdwestlich und mündet
nach 448 km, nicht schiffbar. An seinen Ufern fand
die Schlacht von Poltawa (s. d.) statt.
Worsma, Dorf im Kreis Gorbatow des russ.
Gouvernements Nishnij Nowgorod, hat 3032 E.,
vier >iircken; berühmte Stahlindustrie.
Worstedftuffs (spr. wusted-), wollene Zeuge aus
Norwich (s. d.).
Wort, im allgemeinsten Sinne in der Gram-
matik jede Lautvereinigung, die eine Vorstellung be-