Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

855
Wuoksen - Würfel
anstalt mit Irrenanstalt, städtische Sparkasse; Ger-
bereien, Färbereien, Ölfabriten, Margarine-, Eeinent-
nnd Torsstreufabrik und Dampfsägewerk.
Wuokfen (anch Wuoren, Vuoksi), wasser-
reicher Fluß im sinn. Län Wiborg, entströmt am
Südrande des zum Saimaseesnstem gebörigen Lap-
pawesi, bildet beim Durchbrechen der Strandhdhen
mebrere Wassersülle, darunter den Imatra (s. d.),
verläuft dann bogenförmig und mündet bei Ker-
holm in den Ladogasee. Die Hauptwassermasse geht
aber seit Anlage des Kanals Kivisalnii (1857) stid-
östlich durch den See Suvanto bei Taipale in den
Ladogasee. Auf dem letztern Wege ist der W. 150,
auf dem erstern 163 km lang. Seine seeartigen Er-
weiterungen im Mittel- und Untertans nebinen 71.^
'lkm ein.
Wuorani, VolWamm, s. Galla. - .z .-
Wuotan, s. Odin.
Wuoxen, s. Wuoksen.
Wupper, iin obern Lanse Wipp er genannt,
ein rechtsseitiger Nebenfluß des Rheins in der preuß.
Rheinprovinz, entsteht bei dem Torfe Kierspe nn-
weitVteinertsbagen im Sauerland, nur 15 km vom
Rhein, in den sie oberhalb Rheindorf zwischen Köln
nnd Düsseldorf rechts mündet, macht aber so viele
tleine Krümmnngen, daß ihr Lans im ganzen 105 Km,
ibr Flußgebiet 1100qkm beträgt. (^. Wnppertbal."
Wupperfeld, Stadtteil von Barmen (s. d.).
Wupperthal, das gewerbreichste und bevöl-
lertste Thal von ganz Deutschland, in der preusi.
Rheinprovinz, seinem kleinern obern Teile nach zum
Reg.-Bez. Köln, seinem Hanptteil nach znm Reg.-
Bez. Düsseldorf gehörig, durchschneidet in Hufeisen-
form das oftniederrhein. Vergland und hat seinen
Namen von dem Flusse Wupper (s. d. und Karte:
Rheinisch-Westfälisches bohlen- und In-
d n striegebiet, beim Artikel Rheinisch - Westfäli-
sches Kohlenbecken). Das Thal ist eng und tief, am
breitesten, etwa 1 km, zwischen Barmen und Elber-
feld. Bei Imbach, oberhalb Oftladen, tritt die Wup-
per in die Ebene, aber schon von Burg an ist sie sür
tleine Fahrzeuge schiffbar. Bei ihrem starken (befalle
und dem reichen Wasserzufluß von 37 Nebenbächen
treibt sie ans einer Strecke von 5:3 km Länge gegen
400 Mühlen, Schleif- und.Hammerwerke. Außerdem
dient sie, namentlich in der Gegend von Barmen
und Elberfeld, den verschiedensten technischen Zwecken,
besonders dem Betrieb der Färbereien. Unter W.
im engern ^inne versteht man die 10 km lange
Strecke der Städte Barmen und Elberfeld, der größten
Städte des Thals. Diefe Thalstrctte wurde wegen
des früher daselbst herrschenden Pietismus alc>
"Mnckerthal" bezeicknct. Bei Müngsten überschreitet
die Babn von Remsckeio nach Solingen das W. auf
der höchsten eristierendcn Thalbrücke.
Wupperthalbahn, Nebenbahn von Krähwint-
ler Brücke über Kreb^ögr, Dahleran und Beyenburg
nach Barmen (Rittcrshauien), 1l),^ km lang und
1886-8^ eröffnet, prcuft. Staat5babn.
Wurali, Pfeilgift, f. Eurare.
Würbenthal/ezcch. Voi-dno, Stadt in der österr.
Bezirksbauptmannschaft Frendentbal in Österrei-
ch isch-Schlesicn, an der Linie Ebcrsdorf-W. (22 km)
der Osterr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts
(113,02 tikm,8i)57 (5.), hat (1890) 2587, als Gemeinde
2779 deutfche E., Fachschule für Holzindustrie; zwei
Flachsspinnereien, eine Weberei mit mebr als 1400
Arbeitern, Fabriken für Tischtücher, Draht und
Drabtstifte, Glas und chem. Produkte, ^n der Um
gebung, insbesondere bei Ludwigsthal (847 E.), aus-
gedebnte (^isenbergwerko und Hütten des Teutschen
Würde, s. Anmut. sOrdens.
Wü^deruttgseid, s. Schä'tzungseid.
Wurf, die freie Bewegung eines mit einer An-
sangsgeschwindigkcit behafteten Körpers unter dem
Einflnß der Schwerkraft. Erteilt nian einem Kör-
per eine Geschwindigkeit v vertikal aufwärts, so
steigt derselbe in verzögerter Vewegnng so hoch, als
er hätte fallen müssen, um die Geschwiudigkeit v zu
erlangen, und fällt nachber frei herab. Erhält aber
der Körper die Geschwindigkeit v vertikal abwärts,
so bewegt er sich so weiter, als ob er bereits die der
Endgeschwindigkeit v entsprechende Fallhöhe zurück-
gelegt hätte. (S. Fall.) Nun werde dem Körper in
horizontaler Richtung die Geschwindigkeit v erteilt.
Die alsdann eintretende Bewegung wird nach Galilei
verständlich, wenn man annimmt, daß die gleich-
förmige horizontale, dem Veharrnngsgefetz ent-
sprechende Bewegung mit der Geschwindigkeit v
gleichzeitig mit der Fallbewegung und nnabhängig
von derselben vorgeht. Die beschriebene Bahn ist
eine Parabel mit vertikaler Achse. Die Geschwin-
digkeit eines sckicf gegen den Horizont geworfenen
Körpers kann man in einen vertikalen und horizon-
talen Teil zerlegen. Die eingangs erwähnte Ver-
tikalbeweguug fetzt sich dann mit einer gleichförmi-
gen horizontalen Bewegung zusammen, woraus
übrigens kein neuer Fall hervorgeht. Der allge-
meinste Fall der Wurfbewegung ist die Centralbe-
wegnng (s. d.). Die Lehre vom W. wird in der Balli-
stik >,s. d.) weiter verwertet. (S. Flugbahn.)
Wurfbatterien, früher glatte Mörserbatterien,
die beim Vaubanschen Angriff zur Zerstörung großer
Gebäude und zur Beunruhigung der Befatzung dien-
ten. Neuerdings mit gezogenen Haubitzen und
Mörfern armiert, bringen sie das wesentlich ver-
besserte und sür den Festungskrieg sebr wichtige
Steilfeuer gegen verdeckte Ziele, namentlich folche in
den feindlicben Stützpunkten und Artilleriestellungen
Wurfbeil, s. Streitart. sznr Wirkung.
Wurfbrett, längliches mit Handgriff und Gru-
ben zum Einsetzen von Speeren, Wurfhölzern u. s. w.
versehenes, oft reich gcfchnitztes Brett, das von vie-
len Völkern, besonders den Australiern und Eskimo,
aber auch in Mittel- und Südamerika zur Erhöhung
der Schwungkraft benutzt wird.
Würfel, in der G eometrie ein von sechs Oua-
draten begrenzter Körper (s. Parallelepipedon). ^
über W. als Krystallform s. Heraeder.
Im Spiel ist der W. ein sechsseitiger Körper ans
Elfenbein, Knocken oder anderm Material, der anf
seinen leiten mit Punkten oder Augen die Zahlen
1 bis l> in solcher Anordnung enthält, daß die Zab-
len der zwei gegenüberstehenden Seiten 7 ergeben.
Der Erfindung dcr W. rühmen sich die Lydicr. Aber
auch die Ägypter kannten sie bereits in sehr früher
Zeit, und unter den im Homerischen Epos beschrie-
benen Belnstiguugen sind, neben den kriegerischen
und gymnastischen Übnngen, das Würfel- oder
Astragalenfpiel, das Ballfpiel und das Brettspiel
die bauptsächlichstcn. Das Astragalenspiel, zu den:
natürliche oder nachgebildete Knöchel igrch. ^ti-a-
Mios), die nickt mit Zahlen verseben waren, benutzt
wurden, war in Griechenland namentlich als Kinder-
spiel sehr beliebt. Bei den Römern wurde das
Hasardspiel mit W. wiederholt verboten. Der schlech-
teste Wurf hieß (^nis, der beste Venus. Auch in galli-
schen und german. Gräbern fand man steinerne W.,