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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Württemberg (Finanzen. Heerwesen. Unterrichtswesen)

abteilung für Gelehrten- und Realschulen, die Universität u. s. w. Unter dem Finanzministerium stehen: die Oberfinanzkammer (mit drei Abteilungen: Domänendirektion, Forstdirektion und Bergrat), die zwei Abteilungen des Steuerkollegiums, die Staatskassenverwaltung und Oberrechnungskammer und das statistische Landesamt. Die Gemeindeverwaltung ist durch das Verwaltungsedikt vom 1. März 1822, die Gesetze vom 6. Juli 1849 und 21. Mai 1891 festgestellt. Die 1911 polit. Gemeinden oder Schultheißenämter zerfallen, je nachdem sie über 5000, über 1000 und unter 1000 E. zählen, in drei Klassen. Die Verwaltung der Gemeinde wird unter Aufsicht und Geltung des Oberamtes durch den Gemeindevorsteher oder Schultheiß (in Städten Stadtschultheiß, Oberbürgermeister genannt) und den Gemeinderat, dem ein Bürgerausschuß zur Seite steht, geführt. In politisch-administrativer Beziehung ist W. in 4 Kreise (s. oben) eingeteilt. Jeder Kreis hat als Provinzialstellen eine Kreisregierung und zwei Landgerichte. Die vier Kreise zerfallen zusammen, mit Einschluß der Haupt- und Residenzstadt (Stadtdirektion) Stuttgart (s. d.), in 64 Oberämter, die den Kreisregierungen untergeordnet sind und zu deren Wirkungskreis alle Gegenstände gehören, die weder den Gerichts- noch den Finanzbehörden zugeteilt sind. Dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten untersteht auch das Staats- und Hausarchiv sowie das Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen.

W. hat drei Ritterorden: den Orden der württemb. Krone (s. Kronenorden und Tafel: Die wichtigsten Orden I, Fig. 5), Friedrichsorden (s. d. und Taf. II, Fig. 4), Militärverdienstorden (s. d.); außerdem den Olgaorden (s. d.). Die Landesfarben sind Schwarz und Rot. Das Staatswappen zeigt im gespaltenen Schild rechts drei schwarze Hirschstangen und links drei schwarze leopardierte Löwen auf goldenem Grunde; eine Bandschleife unter dem Schild trägt den Wahlspruch "Furchtlos und treu". (S. Tafel: Wappen der wichtigsten Kulturstaaten, Fig. 11.)

Finanzen. Das Budget für 1897-98 ergiebt 74764593 M. Einnahmen und Ausgaben. Zu den Einnahmen gehört: der Reinertrag des Kammerguts mit 26619425 (darunter Eisenbahnen mit 15165000, Posten und Telegraphen mit 2336142, Bodensee-Dampfschiffahrt mit 2000 M.), die direkten Steuern mit 16363525, die indirekten Steuern mit 14966 50, der Anteil W.s an den Zöllen, der Tabakssteuer, der Verbrauchsabgabe für Branntwein und des Zuschlags dazu und den Reichsstempelabgaben mit 16093440, Zuschuß aus der Restverwaltung 80059 M. Unter den Ausgaben sind hauptsächlich zu erwähnen: 2000901 M Civilliste, 131485 Apanagen, 20300506 Staatsschulden, 4301616 Justizdepartement, 166003 Departement des Äußern, 8282973 Departement des Innern, 11055134 Departement des Kirchen- und Schulwesens, 3828682 allgemeine Finanzverwaltung, 427921 Landstände (einschließlich der Staatsschuldenverwaltung), 19821876 M. Matrikularbeiträge. Die Staatsschuld beträgt 468766000 M., darunter 403069646 M. Eisenbahnschuld.

Heerwesen. Das Militärwesen ist durch die Militärkonvention zwischen dem Norddeutschen Bunde und W., die 25. Nov. 1870 zu Berlin abgeschlossen wurde, geordnet. Die württemb. Truppen bilden das 13. Armeekorps des deutschen Heers mit dem Sitz des Generalkommandos in Stuttgart. Das Armeekorps umfaßt 2 Divisionen (Nr. 26, Stuttgart; Nr. 27, Ulm) mit je 2 Infanteriebrigaden (Nr. 51-54) und je 1 Kavalleriebrigade (Nr. 26 und 27), ferner 1 Feldartilleriebrigade (Nr. 13), dem das Trainbataillon Nr. 13 unterstellt ist, und 1 Pionierbataillon (Nr. 13). Die Gesamtstärke beträgt 2 Grenadierregimenter (Nr. 119 und 123), 8 Infanterieregimenter (Nr. 120-122,124-127,180), 2 Dragonerregimenter (Nr. 25 und 26), 2 Ulanenregimenter (Nr. 19 und 20), 2 Feldartillerieregimenter, je 1 Pionier- und Trainbataillon und das Landjägerkorps. Die württemb. Eisenbahncompagnie ist als 4. Compagnie zum preuß. Eisenbahnregiment Nr. 2 nach Berlin, das Infanterieregiment Nr. 126 zum 15. Armeekorps nach Straßburg im Elsaß abkommandiert. Die Reichsfestung Ulm ist größtenteils auf württemb. Gebiet; die Ernennung des Kommandanten steht dem Kaiser zu.

Das Kriegsministerium umfaßt sieben Abteilungen: das Centralbureau, die Militärabteilung, Ökonomie-, Waffenabteilung, Kriegszahlamt, Justizabteilung, Militärmedizinalabteilung. Ferner bestehen ein Oberrekrutierungsrat und der Generalstab.

Unterrichtswesen. Jedes Kind ist vom 7. bis zum 14. Jahre zu dem Besuch einer Schule, die aus der allgemeinen Volksschule entlassene Jugend, soweit sie nicht höhere Schulen besucht, 2 Jahre lang zum Besuch einer Fortbildungsschule verpflichtet. In jeder Gemeinde von über 30 Familien muß eine Volksschule bestehen. Die Zahl der Lehrerstellen an denselben beträgt (1894) 4705. Die evang. Volksschulen stehen unter der Aufsicht des Konsistoriums, die katholischen unter der des Kirchenrates. W. hat 4 evang. und 2 kath. Schullehrerseminare, 2 Lehrerinnenseminare (eins für Volksschulen und eins für höhere Mädchenschulen), 3 Waisenhäuser, verbunden mit Unterrichtsanstalten (Stuttgart, Markgröningen, Ochsenhausen). Höhere Lehranstalten sind: die Universität Tübingen (s. d.) mit dem evang. Seminar (Stift) und dem Wilhelmsstift für kath. Theologen, die Technische und die Tierärztliche Hochschule in Stuttgart, 4 niedere Seminarien für evangelische, 2 niedere Konvikte für"kath. Theologen, 12 Gymnasien, 2 Lyceen, 63 Lateinschulen, 3 Realgymnasien, 5 Reallyeeen, 1 Reallateinschnle, 6 Realschulen mit 4 und 11 Realschulen mit 2 obern Jahreskursen, 63 niedere Realschulen, 1 Bürgerschule, 18 Schulen, welche für höhere Lehranstalten vorbereiten, 11 öffentliche höhere Mädchenschulen, außerdem das Katharinenstift und das Olgastift in Stuttgart, eine Turnlehrerbildnngsanstalt und eine damit verbundene Musterturnanstalt in Stuttgart. Ferner bestehen: die Baugewertschule, die Kunstschule und die Kunstgewerbeschule in Stuttgart, die landwirtschaftliche Akademie in Hohenheim, die Ackerbauschulen in Ellwangen, Ochsenhausen, Kirchberg und Hohenheim, die Weinbauschule in Weinsberg, landwirtschaftliche Winterschulen in Gmünd, Schwäbisch-Hall, Heilbronn, Leonberg, Ravensburg, Reutlingen, Ulm und Rottweil, Haushaltungsschulen in Stubersheim, Erbach, Aulendorf, Schrozberg, Herrenberg, Langenau; ein Konservatorium für Musik und eine Hebammenschule in Stuttgart: endlich 5 Staatsirrenanstalten, in Winnenthal, Zwiefalten, Schußenried, Weißenau und Tübingen. Eine große Anzahl armer und verwahrloster Kinder ist in von Vereinen unterhaltenen Anstalten (24) untergebracht. Staatsanstalten für Taubstumme und Blinde sind in Gmünd,