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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Xabea - Xanthogensäure

Gruppe der Griechen behielt den Buchstaben ξ in verschiedenen Variationen der Form an seiner ursprünglichen 15. Stelle bei. Die westl. Gruppe dagegen ließ ihn bloß als Zahlzeichen stehen, gebrauchte aber für den Laut ks das Zeichen x, das die 24. Stelle erhielt, während dasselbe Zeichen in der andern Gruppe für ch (chi) verwendet wurde. Zu der westl. Gruppe gehört auch das Uralphabet der italischen Schrift. X wurde daher im lat. Alphabet für ks verwendet; alle von ihm abgeleiteten europ. Alphabete brauchen dieselbe Form. Als Zahlzeichen bedeutet das griech. Ξ 60 (dagegen X 600). (S. Schrift.)

Als Abkürzung steht X (zugleich das lat. Zahlzeichen für 10) in röm. Schriften u. s. w. für Denarius, weil derselbe aus 10 As bestand. In der Mathematik zeigt x die unbekannte Größe an. Auf ältern franz. Münzen bezeichnet X den Prägort Amiens, im kanonischen Recht den ersten Teil der Dekretalen.

Xabea, span. Stadt, s. Javea.

Xalapa, mexik. Stadt, s. Jalapa.

Xalisco, mexik. Staat, s. Jalisco.

Xang, Geld und Gewicht in Siam, s. Bat.

Xänorphĭka (grch.), s. Gambenwerk.

Xanten, Stadt im Kreis Mörs des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, 2 km vom linken Rheinufer, einst unmittelbar am Rhein, an der Linie Wesel-Boxtel der Nordbrabantisch-Deutschen Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Cleve), hat (1895) 3435 E., darunter 206 Evangelische und 46 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, ein altes Thor (Clever Thor), ehemalige Kollegiatkirche zu St. Victor, eine prächtige got. Basilika in Tuffstein (1263‒1512), mit fünf Schiffen und zwei Türmen (65 m) im Übergangsstil, evang. Kirche, Rathaus mit röm. Altertümern, Rektoratschule, höhere Mädchenschule, kath. Lehrerinnenseminar; Brauereien und Ziegeleien. – X. ist wahrscheinlich das röm. Ulpia Castra oder Tricesimae (Standquartier der 30. Legion), in dessen Nähe Vetera Castra gestanden haben soll, wo im Kriege der Bataver unter Claudius Civilis gegen die Römer 69 und 70 n. Chr. mehrere Schlachten geschlagen wurden. Im Nibelungenliede kommt X. als Heimat Siegfrieds vor. Was als Trümmer seiner Burg bezeichnet wird, sind unzweifelhaft die Ruinen eines Benediktinerklosters, das urkundlich 1116 gestiftet, 1250 mit Cisterciensern besetzt und 1586 von den Spaniern zerstört wurde. Am 12. Nov. 1614 wurde zu X. ein vorläufiger Teilungsvertrag in der jülich-cleveschen Erbfolgeangelegenheit zwischen Brandenburg und Pfalz-Neuburg geschlossen. (S. Jülich, Geschichte.) – Vgl. Beissel, Die Baugeschichte der Kirche des heil. Victor zu X. (Freib. i. Br. 1883).

Xanthalīn, Alkaloid des Opiums, eine bei 206° schmelzende Base von der Zusammensetzung C37H36N2O9 ^[C<sub>37</sub>H<sub>36</sub>N<sub>2</sub>O<sub>9</sub>], deren Salze gelb gefärbt sind.

Xanthelasma oder Xanthom (grch.), eine Hautkrankheit, die in der Form kleiner linsen- bis fingernagelgroßer gelblichweißer Flecken oder Knötchen auftritt und am häufigsten an den Augenlidern, den Wangen, den Ohrmuscheln, der Nasen- und Nackenhaut vorkommt. Die Behandlung besteht am besten in der chirurg. Entfernung der kleinen Geschwülste.

Xanthi, Eskidsche, Handelsstadt in Thrazien im türk. Wilajet Adrianopel, unweit der Mündung des Nestos (Karasû) sowie des am Ägäischen Meere gelegenen Golfs Porto-Lago, an der Bahn Saloniki-Dedeaghatsch, mit 10000 E. und guten griech. Schulen, ist Sitz eines griech. Erzbischofs und treibt bedeutenden Handel mit Tabak. In der Nähe die Ruinen von Abdera.

Xanthĭa fulvāgo L., Schmetterling, s. Eulen und Tafel: Schmetterlinge Ⅱ, Fig. 8.

Xanthian Marbles, s. Xanthos.

Xanthīn, eine sehr stickstoffreiche organische Verbindung von der Zusammensetzung C5H4N4O2 ^[C<sup>5</sup>H<sup>4</sup>N<sup>4</sup>O<sup>2</sup>], die neben dem Hypoxanthin (s. d.) in kleiner Menge in allen Geweben unsers Körpers, namentlich in den Kernen der Zellen, dann in vielen Sekreten, wie im Harn und Blut vorkommt und aus dem Guanin (s. d.) durch die Wirkung der salpetrigen Säure entsteht. Es bildet eine weiße amorphe Masse, ist in Wasser fast unlöslich und geht sowohl mit Basen als auch mit Säuren Verbindungen ein. Es steht in naher chem. Beziehung zum Caffeïn und Theobromin, die als Trimethyl- und Dimethylxanthin aufzufassen sind. – Vgl. E. Fischer, Über die Konstitution des Caffeïns, X.s, Hypoxanthins und verwandter Basen (Berl. 1897). – X. heißt auch der gelbe Farbstoff der Hochblätter, s. Blattfarbstoffe.

Xanthippe, die Gattin des Sokrates (s. d.), wird von gleichzeitigen und spätern Schriftstellern als Typus eines zänkischen und launenhaften Eheweibes dargestellt, weshalb ihr Name zur Bezeichnung eines bösen Weibes sprichwörtlich geworden ist. Eine halb scherzhaft, halb ernst gehaltene «Ehrenrettung der X.» hat Zeller versucht (in den «Vorträgen und Abhandlungen», 2. Sammlung, Lpz. 1877). – X. ist auch der Name des 156. Planetoiden.

Xanthĭum L., Spitzklette, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit nur wenigen Arten in der subtropischen und gemäßigten Zone, einjährige Kräuter mit gelappten oder tief gezähnten Blättern und Blütenköpfchen, von denen die weiblichen nur zwei, die männlichen dagegen zahlreiche eingeschlechtige Blütchen mit grün gefärbtem röhrenförmigem Perigon enthalten. Die Blätter der Hüllkelche haben an der Spitze hakenförmige Stacheln. In Deutschland kommen vier Arten vor, von denen drei jedenfalls eingeschleppt worden sind. Die Früchte hängen sich wie die Kletten leicht an andere Gegenstände an. Insbesondere gilt dies von X. spinosum L., das von Südrußland aus über einen großen Teil Europas verschleppt worden ist. Es wurde zunächst durch Kosakenpferde 1830 zugleich mit der Cholera in die Bukowina gebracht (daher Choleradistel genannt) und von da aus verbreitete es sich in die Balkanhalbinsel sowie nach Ungarn, Galizien und der Donau entlang nach Deutschland. Gleichfalls eingeschleppt sind X. italicum Moretti und X. macrocarpum DC., das letztere aus Gärten verwildert. Die vierte Art, X. strumarium L. (Kopfklette), ist zwar schon lange in Deutschland einheimisch, dürfte aber auch als eingewandert zu betrachten sein. Das Kraut und die Wurzeln dienten früher zum Gelbfärben; schon die Römer sollen dieselben zum Blondfärben der Haare benutzt haben. Ebenfalls zum Gelbfärben werden X. macrocarpum und X. indicum Roxb. (Cochinchina) verwendet.

Xanthogenāte, die Salze der Xanthogensäure (s. d. und. Schwefelkohlenstoff).

Xanthogēnsäure, Xanthonsäure, eine in freiem Zustande sehr unbeständige organische Säure, deren Kaliumsalz, CS(OC2H5)(SK) ^[CS(OC<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)(SK)], bei der Einwirkung von alkoholischer Kalilösung auf Schwefelkohlenstoff entsteht. Dieses Salz scheidet sich aus der Lösung in schön gelb gefärbten Krystallen aus. Es