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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zapfenhäuser – Zar

Zapfenhäuser, s. Teichwirtschaft.

Zapfenlager, s. Zapfen und Lager (technisch).

Zapfenrose, soviel wie Schlafapfel (s. Rose).

Zapfenstreich, bei der Kavallerie Retraite, das mit der Trommel oder dem Horn (Trompete) gegebene Abendsignal, nach dem sich alle Soldaten in ihren Kasernen oder Quartieren und im Lager bei ihren Hütten (Zelten) einfinden müssen. Meist geht dem Z. ein anderes, Locken genanntes Signal eine Viertelstunde vorher. Abgeleitet wird das Wort von dem Tannenzapfen, der früher ein Wahrzeichen der Gastwirtschaften bildete und abends abgestrichen, d. h. abgenommen werden mußte; nach andern auch von dem Kreidestrich, der zu bestimmter Zeit früher über den Zapfen der Fässer gezogen werden mußte, als Zeichen, daß ein weiterer Verkauf von Bier und Branntwein nicht stattfinden dürfe. – Bei Feierlichkeiten und im Biwak großer Truppenabteilungen wird der Z. nicht bloß von den Spielleuten der Wachen, sondern von denen aller Truppenteile, mit Zuziehung der Musikkorps, ausgeführt und heißt dann Großer Z. In Festungen und Feldlagern wurde in frühern Zeiten als Signal ein sog. Retraiteschuß abgegeben.

Zapfenträger, soviel wie Nadelhölzer (s. d.).

Zapfmaß, s. Aichmaß.

Zapolya (spr. sá-, Szápolya), ungar. Familie slawon. Ursprungs. Stephan Z., Woiwode von Siebenbürgen, einer der Feldherren des Königs Matthias Corvinus von Ungarn, wurde nach der Eroberung von Österreich, die zumeist durch ihn erfolgte, Statthalter daselbst. Nach des Königs Matthias' Tode 1490 setzte er die Wahl des Jagellonen Wladislaw II. durch, den er auch gegen dessen Bruder, den Prinzen Albert, unterstützte. Er starb im Jan. 1499. – Sein Sohn Johann Z., geb. um 1487, wurde nach dem Tode Ludwigs II. 1526 von einer Partei zum König von Ungarn gewählt. Anfangs behielt sein Gegner Ferdinand von Österreich die Oberhand, und Z. mußte sich nach Polen flüchten. Aber mit Hilfe der Türken brachte er 1529 einen großen Teil Ungarns mit der Hauptstadt Ofen sowie Siebenbürgen in seine Gewalt. Als er 1540 starb, wurde sein wenige Tage vorher geborener Sohn Johann Sigismund auf das Gebiet jenseit der Theiß und Siebenbürgen beschränkt. Unter diesem siegte die Reformation vollständig, so daß schon der siebenbürg. Landtag von 1555 die vollständige Religionsfreiheit zum Staatsgesetz erheben konnte. Sigismund Z., der 1571 starb, war der letzte männliche Sprößling des Geschlechts.

Zaponlack, Zaponin, s. Bd. 17.

Zaporožcy, s. Saporoger.

Zapote (mexik. Tzapotl), eine Anzahl verschiedenen Familien angehöriger tropischer Früchte, besonders aus der Familie der Sapotaceen.

Zapotēca (Zapoteken), ein Volk eigener Sprache, das östlich von dem sprachverwandten Volk der Mixteca (s. d.), durch diese von mexikanisch redendem Gebiet getrennt, von dem Hochland von Oaxaca bis herab zur Küste des Pacifischen Oceans bei Tehuantepec wohnte. (S. Tafel: Amerikanische Völkertypen, Fig. 14 u. 15, beim Artikel Amerikanische Rasse.) Die Z. waren ein Volk eigener hochentwickelter Kultur, traten aber schon frühzeitig mit den Mexikanern in enge Verbindung. Hauptstadt war Zaachilla, von den Mexikanern Teotzapotlan genannt, unweit Oaxaca, in fruchtbarer Ebene gelegen. Einen bestimmenden Einfluß übte, neben dem König, ↔ der Oberpriester aus, der in dein heutigen Mitla (s. d.) lebte, wo sich Reste herrlicher Bauwerke erhalten haben. Auch an sonstigen Altertümern ist das Zapotekenland reich. Charakteristisch sind Figurengefäße, mit einem sonderbar verschnörkelten Gesicht (s. Tafel: Amerikanische Altertümer II, Fig. 1), das von Wülsten umränderte Augen und einen Schlangenrachen zeigt. Auch Metallgegenstände, Kupferäxte, halbmondförmige Messer aus Kupferblech, Fingerringe und Schmucksachen aus Kupfer, Silber und Gold werden gefunden.

Zappi, Giovanni Batista Felice, ital. Dichter, geb. 18. März 1667 zu Imola, wurde zu Bologna schon im 13. Jahre Doktor der Rechte und begab sich dann nach Rom, wo er als Rechtsgelehrter und Dichter glänzte. Er war einer der Stifter der Akademie der Arkadier, in der er den Namen Tirsi Leucasio führte. Eine phantastische Zierlichkeit ist allen seinen Gedichten eigen, besonders den Canzonen und Madrigalen. Seine Talente erwarben ihm auch die Gunst Clemens' XI. Er starb 30.Aug. 1719. Seine Gattin Faustina Z., die Tochter des Malers Carlo Maratti (s. d.), war durch Schönheit, Maler- und Dichtertalent ausgezeichnet. Mehrere ihrer kleinern Gedichte wurden von Herder übersetzt. Beider Gedichte erschienen Venedig (2 Bde.) 1723 u. ö.

Zaptié (grch. saptiè), die militärisch organisierte, aus ausgewählter Mannschaft ergänzte türk. Stadt- und Landpolizei. Es giebt berittene (Swari) und Z. zu Fuß. In der Regel bildet die Z. in jedem Wilajet ein Regiment und in jedem Sandschak ein Bataillon; die Zahl der Compagnien richtet sich nach dem örtlichen Bedarf. Die Gesamtstärke der Z. Im türk. Reich beträgt 14000 Mann.

Zar, oft fälschlich Zaar oder Czar geschrieben, in den ältesten slaw. Handschriften «cesar», «c'sar» (aus dem lat. Caesar), hieß bei den Slawen ursprünglich der byzant. Kaiser in der «Kaiserstadt» Zarigrad (Konstantinopel). Das Wort bedeutet im Altslawischen soviel als König oder Kaiser. In der slaw. Bibel wird basileús stets mit Z. übersetzt, Cesar (Kaisar) durch Kesar. – Anfang des 10. Jahrh. nahm der bulgar. Fürst Symeon diesen Titel an, worauf er mit der bulgar. Krone verbunden blieb. In Serbien legte sich ihn 1346 der König Stephan Duschan bei. Ebenso nannten die Südslawen den Kaiser des Deutschen Reichs sowie die türk. Sultane. – In den russ. Chroniken werden die byzant. Kaiser Z. genannt, ebenso die Chane der Mongolen, welche über Rußland herrschten. Der Titel der russ. Fürsten war ursprünglich Knjaz und Velikij knjaz (s. Großfürst). Letztern Titel erhielten die Fürsten von Moskau als Statthalter der Mongolen. Als sich vom Reich der Goldenen Horde einzelne Unterchane unabhängig machten, führten auch sie den Titel Z. So gab es einen Z. von Sibirien, von Kasan, von Astrachan. Nach der Vernichtung der Goldenen Horde 1480, wodurch die Großfürsten von Moskau unabhängig wurden, nannte sich Iwan III. in auswärtigen Beziehungen Z., aber erst Iwan IV. ließ sich 1547 zum Z. krönen; von da an wurde der Titel Z. der Haupttitel der moskauischen Herrscher. In Westeuropa wurde Z. durch Imperator übersetzt, in Rußland jedoch nannte man den röm. Kaiser Zesar (cesar). Nach Beendigung des Nordischen Krieges nahm Peter d. Gr. 1721 den Titel Imperator (= Kaiser, Imperatriza = Kaiserin) an, nachdem er übrigens denselben bereits 1710 bei Bestätigung der liv- und esthländ. Landesprivilegien gebraucht hatte. Preu-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 923.