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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zara - Zarew
ßen, Schweden und die Generalstaaten erkannten den Kaisertitel sofort an, die anderen Staaten folgten bald. Im jetzt üblichen Titel wird Z. als gleichbedeutend mit König gebraucht, z. B. Z. von Polen. Außer den Zartümern von Sibirien, Kasan und Astrachan kommen im großen Kaisertitel noch vor als solche Tannen (Krim) und Georgien. In Georgien gab es christliche Z. von Karthalinien und Kachetien sowie Z. von Imeretien. Bis zu Peter d. Gr. hieß die Gemahlin eines Z. Zariza, der Sohn Zarewitsch, die Tochter Zarewna. Jetzt heißen die Prinzen und Prinzessinnen des Kaiserhauses bis zum zweiten Grade der Verwandtschaft Großfürsten und Großfürstinnen mit dem Titel kaiserl. Hoheit, alle Weilern Fürsten und Fürstinnen von Geblüt mit dem Titel Durchlaucht, wobei jedoch die Urenkel eines Kaisern den Titel Hoheit führen, der durch die Primogenitur vererbt. Der Thronfolger führt außerdem den Titel Zesarewitsch und seine Gemahlin Zesarewna. Vom russ. Volk wird der Kaiser stets Z. genannt, in der Umgangssprache aber gewöhnlich Gosudaŕ, d. i. Herr. Der Ausdruck Weißer Z., bělyjŕ za (mongol. zagan chan) stammt aus der Mongolenzeit und bedeutet soviel als unabhängiger, nichttributpflichtiger Z.
Zara. 1) Bezirkshauptmannschaft in Dalmatien, hat 1635,88 qkm und (1890) 66725 (32070 männl., 33755 weibl.) E. in 5 Gemeinden mit 93 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Arbe, Pago, I. und Zaravecchia (s. Karte: Bosnien u. s. w.). - 2) Z., serbo-kroat. Zadar (lat. Jadera), Hauptstadt des österr. Kronlandes Dalmatien, bis 1873 Festung, auf schmaler Landzunge am Kanal von Z., der durch die Inseln Ugliano und Pašman vom Adriatischen Meere geschieden wird, ist Sitz des Statthalters, Landtags und Landesausschusses, der Bezirkshauptmannschaft, eines kath. Erzbischofs, des Metropoliten, eines griech.-orient. Bischofs, Oberlandes-, Landesgerichts, Bezirksgerichts (1054,07 qkm, 49711 E.), einer Handels- und Gewerbekammer und der 96. Infanteriebrigade und hat (1890) 11496, als Gemeinde 28230 meist ital. E., in Garnison 2 Bataillone des 22. Infanterieregiments "Graf von Lacy". Unter den vier Thoren sind zu nennen die Porta di Terraferma, von Sanmicheli aus Verona, das Thor San Grisogono und das Marinethor (Porta marittima) aus der Römerzeit, unter den Plätzen der Herrenplatz (Piazza dei Signori), mit der schönen Hauptwache, der Loggia publica, wo die öffentliche Bibliothek Paravia aufgestellt ist, und dem Rathaus, sowie der Grünzeugplatz (Piazza delle Erbe), der als Marktplatz dient, mit dem Bischofspalast. Unter den Kirchen zeichnet sich der Dom aus (der heil. Anastasia, der Schutzheiligen der Erzdiöcese Z., geweiht), im 13. Jahrh. im lombard. Stil vom Dogen Dandolo als dreischiffige Basilika mit schöner Façade erbaut, eins der merkwürdigsten Bauwerke des Mittelalters in Dalmatien. Er enthält einen Ciborienaltar (1233), venet. Chorstühle und Gemälde von Palma dem Jüngern und Carpaccio. In der Kirche San Simeone ruhen die Gebeine des heil. Simeone, des Schutzpatrons der Stadt, in einem silbernen Sarge. Erwähnenswert sind noch die Kirchen San Grisogono, die des Nonnenklosters Sta. Maria, die Franziskanerkirche und der als archäol. Museum benutzte Tempel San Donato (9. Jahrh.). Die Stadt hat eine mit dem erzbischöfl. Centralseminar vereinigte theol. Lehranstalt, ein griech.-orient. Seminar, ein ital. Staats-Obergymnasium, ital. Staats-Unterrealschule, Hebammenschule, Theater, zwei Kasinos, einen vom Feldmarschalllieutenant von Welden 1829-30 angelegten Volksgarten (Giardino pubblico) und die anläßlich der Kaiserreise 1877 hergestellte Riva (Quai) Francesco-Giuseppina; die serbo-kroat. Lehrerbildungsanstalt ist in Borgo Erizzo, einem 2 1/2 km von der Stadt entfernten albanes. Dorfe. Der wichtigste Industriezweig ist die Fabrikation von Marasquino; ferner hat Z. Elektricitätswerk, Dampfmühle und Glasfabrik. Unter den Cisternen ist die der Cinque Pozzi (Fünf Brunnen) ein Meisterwerk der hydraulischen Baukunst (1574 wahrscheinlich nach dem Plane Sanmichelis ausgeführt); ursprünglich als Getreidevorratskammer erbaut, wurde der Raum erst später zur Cisterne bestimmt. Seit Mai 1838 werden die Cisternen durch eine Wasserleitung versorgt. Der Hafen an der Nordostseite der Stadt kann Kriegsschiffe mittlerer Größe aufnehmen. Z. war lange, bevor es unter Kaiser Augustus als Jadera röm. Kolonie wurde, eine Stadt der Liburier. Nach der Zerstörung Salonas (7. Jahrh.) durch die Avaren wurde Z. Hauptstadt des Landes und 1202 von den Venetianern mit Hilfe der franz. Kreuzfahrer erobert, später jedoch diesen wieder entrissen. Die Venetianer tauften 1409 die Grafschaft Z. für 100000 Goldgulden vom König Wladislaw von Neapel zurück; 1797 kam sie mit Venedig an Österreich. 1805 trat Österreich die Stadt zur Einverleibung in das Königreich Italien an Frankreich ab, 1809 wurde sie zu den illyr. Provinzen geschlagen und kam erst 1813 wieder an Österreich. - Vgl. Hauser und Bulić, Il tempio di S. Donato in Z. (Zara 1884); Bianchi, Antichità romane e medievali di Z. (ebd. 1883); ders., Z. cristinaia (2 Bde.); Jackson, Dalmatia, Bd. 1 (Oxf. 1887).
^[Abb.]
Zarabanda, Tanz, s. Sarabande.
Zaragoza, s. Saragossa.
Zarajsk, russ. Stadt, s. Sarajsk.
Zaranka, Landschaft, s. Drangiane.
Zarate, Antonio, span. Dramatiker, s. Gil de Zarate.
Zarathushtra, s. Zoroaster.
Zaravecchia (spr. -weckja), Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft Zara in Dalmatien, Sitz eines Bezirksgerichts (183,12 qkm, 6286 kroat. E.), hat (1890) 796, als Gemeinde 6286 E., einen guten Hafen und lebhaften Schiffsverkehr. - Z., das alte Biograd, liegt an der Stelle der alten Residenz der kroat. Könige, die zugleich Bischofssitz war und 1127 von den Venetianern zerstört wurde.
Zaregrad, s. Zarigrad.
Zarew (spr. -rjóff). 1) Kreis im nördl. Teil des russ. Gouvernements Astrachan, in den: Winkel, den die Wolga bei ihrer Wendung nach Südosten bildet, von der Achtuba durchflossen, im übrigen Steppe, in der die Seen Elton, Gorkoje, Moguta liegen, hat 24297 qkm, 158544 E., darunter Kleinrussen (60 Proz.), Mordwinen, Tataren; Acker-, Melonenbau, Viehzucht, Fischerei, Fuhrwesen, Salzgewinnung, zehn industrielle Anlagen. - 2) Kreisstadt im Kreis Z., links an der Achtuba, hat (1893) 7130 E., Post. Telegraph, zwei Kirchen, eine Moschee, Stadtbank, Z. steht auf den Ruinen von Sarai, der alten Residenz der Chane der Goldenen Horde (s. Kiptschak).