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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zarewitsch - Zarpath
^jarewitfch (russ.), bis zur Zeit Peters d. Gr.
der Sohn des Zaren, häufig falsch angewendet als
jetziger Titel des rusf. Thronfolgers, der abcrZesare-
witsch (s. Zar), seine Gemahlin Zesarewna heißt.
Zarewna, ehemals Tochter des Zaren.
Harge (althochdeutsch xln-Fa), soviel wie Ein-
fassung, Rand oder Nahmen, z. B. einer Thür,
Tischplatte, Kachel u. s. w.
Bei Streichinstrumenten und Guitarren nennt
man Z. die den Boden und die Decke des Schall-
kastens miteinander verbindenden Seitenwände.
Zarigrad, Z arcgrad, Zargrad ("Zarell-
stadt"), slaw. Naine von Konstantinopel.
Zariza,s Zar.
Zarizyn. 1) Kreis im südlichstell Teil de^> russ.
Gouvernements Saratow, rechts an der Wolga,
hat 7733,4 ^m, 10980!" (5., darnnter Kleinrussell
<21 Proz.) und deutsche Kolonisten (in Sarepta);
Acker-, Melonenbau, Viehzucht, Fischerei, 460
Fabriken. - 2) Kreisstadt im Kreis Z., recbts an
der Wolga und an der Eisenbahn Grjasi-Z., der
Wolga-Don-Babn (Z.-Donskaja) und an der
Eisenbabn Z.-Tichorjeztaja (im Ban), hat (1897)
55914 E., einen Kreml, Neste alter Befestigung,
sieben Kirchen, eine Moscbee und eine israel. Bet
schule, Gvmnasiunl, Vtädchenprogyinnasium, Thea-
ter, zwei Zeitungen, Etadtbank, Filialen der Rns-
sischen Reichs-, der Wolga-Kama-Kommerz- nnd
der Asow-Dorischen Konlmerzbank; 108 Fabriken
mit 1,30 Mill. Rubel Produktion, bedeuteuden Fluß-
bafen und lebhaften Handel mit Getreide und Vieh.
In Z. findet der Übergang der Güter von der Wolga
zum Don und umgekebrt statt.
Iarltno, Giuseppe, ital. Musittheoretiter, geb.
22. März 1517 zu Chioggia bei Venedig, wurde
Geistlicher, studierte die Musik bei Hadriau Willaert
und folgte 1505 seinem Mitschüler Ciprian de Nore
als Kapellmeister all der Markuskirche. Diese Stelle
bekleidete er bis zu seinem 14. Febr. 1590 erfolgten
Tode. Z.s Kompositionen, hauptsächlich Kirchen-
werke, zeigen im ganzeil weniger Erfindung als
Meisterschaft in der Faktur. Als Theoretiker dagegeu
nimmt Z. an Vielseitigkeit des Wissens wie auch all
Gewandtheit der Darstellung die erste Stelle in
seinem Jahrhundert ein. In seinem Hauptwerke
nl8tiw2i0ni Iinrinonicl^" (Vened. 1558) teilt er
ill Gesprächsform auch vieles über die damalige
Musikpraris mit; seiue "Diliwsti'anwni liarmo
nicliL" (ebd. 1571) behandeln ganz nach der ältern
scholastischen Weise die gricch. Tongeschlechtcr, die
harmonischen Verhältnisse der Intervalle u. dgl.,
wodurch Z. mit den damaligen mnsikalischen Refor-
mern (unter anderm mit Vincenzo Galilei) ill Streit
geriet. Er wußte I>ni- und Us>11 (als harnlonische
Gegensätze) scharf zu unterscheiden nach arithmet.
Proportioneil und war der erste Theoretiker, welcher
das Schwingungsverhältnis der großen Terz fest-
stellte. Zur Ergänzung seiner frühern Schriften wie
auch zur Widerlegung der Gegner ließ Z. die "8upM-
mßnti inukicali" (Vened. 1588) erscheinen, worauf
seine sämtlichen Schriften 1589 zu Venedig ill vier
Händen gedruckt wurden.
Zarncke, Friedr., Germanist, geb. 7.Juli 1825 zu
Zahrenstorf bei Brüel in Mecklenburg-Schwerin, stu-
dierte seit 1844 zu Rostock, Leipzig und Berlin. 1848
ordnete er zu Baumgartenbrück bei Potsdam die
Meusebachsche Bibliothek und vermittelte ihren Ver-
tanf an die königl. Bibliothek zu Berlin. 1850 be-
gründete er in Leipzig das noch jetzt bestehende kri-
tische 5)rgan "Litterar. Centralblatt für Deutschland".
Sommer 1852 habilitierte sich Z. all der Leipziger
Universität mit einer Arbeit über den "Deutschen
(5ato" (Lpz. 1852). Ihr folgte die Ausgabe deo
"Narrenschiffs" (Lpz. 1854) von Scb. Brant, für
die Behandlung der Litteratur des 15. und 10. Jahrh,
mustergültig. An dem damals entbrennenden Streite
über das Nibelungenlied nahm Z. als Gegner der
Lachmalmschen Kritik teil durch die Schrift "Zur Nibe
lungenfrage" (Lpz. 1854), durch eine Ausgabe der
Dichtung (ebd. 1856: 0. Aufl. 1887) und durch die
"Beiträge zur Erläuterung und Geschichte des Nibe-
luugenliedes" (in den "Berichten" der Königl. Sächsi-
schen Gesellschaft der Wissenschaften, ebd. 1856). 1858
erfolgte Z.s Ernennung zum ord. Professor an der
Universität zu Leipzig, wo er 15. Okt. 1891 starb. Zahl-
reicke Auffätze erschienen von ihm in den "Berichten"
der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaf-
ten, so "Über die I^^tatio ml lidrum antihuum 6tc."
ll.865), den altsächs. "Heliand" betreffend, "über die
Trojanersage der Franken", über das althochdeutsche
Gedicht "Nu8piI1i" (1866), über den althochdeutschen
"Gesang vom heil. Georg" (1874), zum "Annoliede"
(Lpz. 1887). An dem mit Wilh. Müller gemeinsam
veröffentlichten "Mittelhochdeutschen Wörterbuch"
bearbeitete Z. die erste Hälfte des 2. Bandes (Lpz.
1863). Seit 1874 beschäftigte ihn die Sage vom
Priester Johannes, über die er anßer fünf akade-
mischen Programmen zwei große Arbeiten in den
"Abhandlungen" der Königl. Sächsischen Gesellschaft
der Wissenschaften herausgab (Lpz. 1870 u. 1879)'.
ebenda erschien 1870 "Der Graltempel. Vorstudie
zu einer Ausgabe des jüngern Titurel" und sein
interessantes, an neuen Entdeckungen reiches Wert
"Christiall Neuter, der Verfasser des Schelmuffsky,
sein Leben und seine Werke" (ebd. 1884), das seit-
dem eine Ncihe von Zusätzen in den "Berichten" der
Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschafteil
erfuhr. An der Goethe-Philologie nahm Z. scholl
durch sein Programm "über den fünffüßigen Iam-
bus mit besonderer Rücksicht anf seine Behandlung
durch Lessing, Schiller und Goethe" (Lpz. 1805)
teil, dann namentlich durch Untersnchungen über
Goethe-Bildnisse (meist ill der Beilage zur "Allgc
meinen Zeitung", 1877-88), voil^denen er 1888 in
den "Abhandlungen" der Königl. sächsischen Gesell
schaft der Wissenschaften ein "Kurzgefaßtes Verzeich-
nis der Originalaufnahmen von Goethes Bildnis
(auch separat, Lpz. 1888) mit 15 Tafeln und nahezu
200 Abbildungen herausgab. Seine quellenmäßigen
Studien über die Geschichte der deutschen Univer^
sitäten legte er nieder ill "Die urkundlichen Quellen
zur Geschichte der Universität Leipzig" (Lpz. 1857),
"Die deutschen Universitäten im Mittclalter" (ebd.
1857), "^.eta i'oewrnin nnivc^8itatl8 kUiclii 1^,-
8l6N8i8" (ebd. 1859), "Die Statutenbücher der Uni-
versität Leipzig" (ebd. 1801), "Cansa Nicolai Winter.
Ein Bagatellprozeß bei der Universität Leipzig um
die Mitte des 15. Jahrh." (ebd. 1890). Z.s letzte
Arbeit war die prächtige Geschichte seiner unmittel-
baren Vorfahren: "Aus dem Leben des Großvaters
und dem Jugendleben des Vaters. Den Geschwi
stern erzählt von Bruder Friedrich. Als Manuskript
gedruckt" (Lpz. 1891). Nach seinem Tode erschien:
?Kleine Schriften. Bd. 1: Goethe-Schriften" (Lpz.
l897). - Vgl. Fr. Vogt, Friedrich Z. (in der "Zeit-
schrift für dentsche Philologie", XXV); E. Zarncke,
Friedrich Z. (Berl. 1895). ^
Zarftath, Küstenstadt in Phönizien, s. Sarepta.