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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zeitblocksystem - Zeitgeschäfte
nenzeit li. d.) zu verwandelir ist. ^ Z. in der Rechts-
spräche s. Auflösende Bedingung.
Zeitblockfystem, s. Blocksignalsystem.
Zeitblom, Bartholomäns, Ulnier Maler, ur-
kundlich 148 l^ 1517 genanut, war ein Schüler und
Mitarbeiter Scküleins, über dessen von uiederläud.
Kunst beeinflußter Richtung hinaus er zu einenl
selbständigern, national-deutsckell Stil gelangte.
Die dramat. Kraft ilnd Leidenschaftlichkeit der frank.
Meister gebt ibm ebenso wie Schülein ab, dafür
streift er oft an das Erbabene. Mebrere Altäre von
seiner Hand findet man in der Altertümersammlung
zu Stuttgart beisammen, einige große Altarflügel
in der Galerie daselbst, einen großen Ecknitzaltar in
Blaubeuren, vier Tafell^mit der Legende des beil.
Valentin in der Augsburger Galerie, eine herrliche
Beweinung Christi im Germanischen Musenm zu
Nüruberg. Das von zwei Engeln gehaltene Schweiß'
tuch der Veronika (s. Tafel: Deuts ch e K u n st V1,
Fig. 7) befindet siä) im Berliner Museum.
Zeitbock, s. Schaf.
. Zeitdifferenz, Uhrendifferenz, der Unter-
schied der Ubrstände von zwei Orten der Erde. Nur
die auf dem nämlichen Meridian (s. d.) der Erde ge-
legenen Orte baden einerlei Zeit. Je weiter östlich
ein Ort von einem andern liegt, um so weiter ist
seine Ieit gegen die dec letztern vorgeschritten, da
für ihn die Sonne und üderhanpt jedes Gestirn
früher kulminiert und zwar um den Betrag der
.Längendifferenz beider Orte. Da die Erde sich inner-
balb 24 Stunden um :;60" drebt, beträgt die Z.
zweier um 1^ in Länge auseinander gelegener Orte
auf der Erde genau 4 Zeitminuten. Zur Aus-
gleichung der Z. sind ueuerdiugs, wie schon früher
iln innern Eisenbabndienst, für gewisse Gebiete von
der Ortszeit absebende Normalzeiten eingeführt
worden. (S. Eisenbahnzeit und Kartei Einbeits-
u n d O rtszeit, Bd. 17.) Um auch im inter
nationalen Verkehr (namentlich im Telegraphen-
und Eisenbahnwesen, Dampfschiffsvertebr u. s. w.)
diese Differenzen aufzubeben, bat man die Idee
angeregt, für den Weltverkebr eine Univcrsalzeit
(s. d.) festzustellen. (S. auch Datumdifferenz.)
Zeiten (grammatisch), s. Tempus.
Zeitfahrkarten, s. Eisenbabntarise.
Zeitgeschäfte, ilu weitesten Sinne Lieferungs-
geschäfte (s. d.)'. iln engerll Sinne solche in Form
eines Kauf- i^tauf allf Kontrakt) oder sonstigen
Anschaffungsgcschäfts über Waren (s. Termin-
geschäfte) oder Wertpapiere (s. d. und Effekten)
abgeschlosscnell Geschäfte, bei denen eine Lieferungs-
frist fest bestimmt ist, wenn nach dem Abschluß die
Geschäftsbedingungen massgebend sind, welche von
dem Vorstand der betreffenden Börse für Z. festge-
ftellt sind (Vör s e n t e r nl i n g e s ch ä f t). Die Z. in
Effekten an deutscken Börsen sind nicht dazu be-
stimmt, ein effektivem Bedürfnis (effektive Lieferung
oder Abnahme) dem einen oder andern Kontrabenten
zu befriedigen (wiewohl auch solche Geschäfte in der-
selben Form vorkommen), sondern dieneil der Speku-
lation, der es nur auf Gewinnung der Differenz an
tommt (s. Differenzgeschäfte". Die leibte Art, mit
relativ geringem Einsatz in großen Summen abzu
schließen, macht bei der Beweglichkeit der Kurse die
Z. uickt bloß für Spekulanten und ilne Gläubiger,
sondern auch sur das große Publitum gcfährlich.
Diesem Börseuspiel dem Publikumm soll das im
Deutschen Börsengesetz vom 2^. Juni 189(i vorge-
sehene B o rse n regi st e r (s. Terniingeschäfte) steuern.
Personen, welche sich bei Z. der oben bezeichneten
Art, und für die zugleich eine Feststellung von
Terminpreisen durch amtliche Börsenorgaue er-
folgt, beteiligen wollen, baden sich in das vom
Handelmregistergericht zu führende Börsenregister
nach Namen, Stand und Wohuort eintragen zu
lassen, und die Eintraguug ist im "Neichsanzeiger"
und in denjenigen öffentlichen Blättern bekannt zu
machen, welche für die Veröffentlichung der in das
.Handelsregister aufgenommenen Eintragung be-
stimmt sind. Man glaubt so Personen von Z. fern zu
halten, welche aum derVeröffentlichuug ihrerBeteili-
gung au Z. Gefabr für Kredit- oder Standesverbält
nisse befürchten müssen. Durch ein Zeitgeschäft in
einem Geschäftszweige, für den nicht beide Parteien
zur Zeit des Geschäftsabschlusses in einem Börsen-
register eingetragen sind, wird ein Sckuldverhältnis
nicht begründet, auch dann nicht, wenn das Geschüft
im Ausland geschlossen oder zu erfüllen ist. Dam
Gleiche gilt von Erteilung und ubernabme von Auf
trägen sowie von Vereinigungen zum Abschlüsse von
Z. Die Unwirksamkeit umfaßt auch bestellte Sicher-
heiteu und Schuldanerkenntniffe, wäbrend eine Nüct-
forderung desfen, wam bei oder nach völliger Abwick-
lung des Geschäfts zur Erfüllung desselben geleistet
ist, nicht stattfindet. Parteien, die im Inland weder
Wohnsitz noch gewerbliche Niederlassung babeu.
brauchen uicht eingetragen zu sein. Gegen Ansprüche
aus Z. bat die im Börseuregister eingetragene Partei,
sowie die, welche der Eintragung nicht bedarf, den
Einwand des reinen Differenzgeschäfts (s. d.) nicht.
Darüber hinaus siud Waren und Effekteu, in denen
Z. abgeschlossen werden wollen, beschränkt. Die be-
treffenden Waren und Wertpapiere müssen von den
Börsenorganen dazu zugelassen sein. Ferner kann
der Bundesrat den Terminhandel von Bedingungen
abhängig macken oder in gewissen Waren oder Effek
ten ganz untersagen. In Anteilen von Bergwerks-
und Fabritunternebnumgen, wie in Getreide und
Mühlcnfabrikaten ist er verboten, in Anteilen an-
derer Erwerbsgefellfchaften uur erlaubt, wenn das
Kapital mindestens 20 Mill. M. beträgt. Über
Spekulation auf Hausse (s. d.), Baisse (s. d.), die
Lösung des Engagements durcb ein Gegengeschäft
s. Termingeschäfte.
Die Z. werden in London (f. seUling- ä^) und
Paris auf Mitte (nuMo) und Ende (ultimo) des
'Nionats, auf deumcistelldeutscheuBörseu regelmäßig
l>m- ultimo des laufeuden Monats, in den letzten
Tagen des Monats auch p6r ultinio des nächsten
Monats abgeschlossen. Deshalb nennt man sie auch
Nltimogeschäfte und spricht vou Ultimoregulie-
rung (s. Ultimo). Die Tage, welche als ultimo gelten,
werden von den Börsenorganen oder der Handels-
kammer festgesetzt.
Das Zeitgeschäft wird entweder schlechtbin ziel'
ultimo geschlossen (Kauf auf Firlieferung, Geschäft
por nltimo fir, Fixgeschäft), oder es wird auf
tägliche Lieferung gekauft (Kauf p"r ultimo täglich),
oder auf Ankündigung verkauft (Verkauf pcn- ultimo
täglich mit Ankündigung). Im zweiten Fall hat der
Käufer vom Tage des Kaufabschlusses ab bis ultimo
das Neckt, die Lieferuug zu dem gebandelten Kurse
an jedem läge, der Verkäufer die Abnahme ultimo
zu fordern. Im dritten Fall kann der Verkäufer die
Abuahme all jedem Tagc, der Käufer die Lieferung
ultimo fordern. Die Z. können endlich auch per
ultimo fir und von einem bestimmten vorbergeben-
den Tage ietwa meclio) täglich geschlossen werden.