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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zelle (Pflanzenzelle)
und Wurzel zeigt und trotzdem aus einer einzigen
Z. besteht. Man bezeichnet derartige Organismen
nach I. von Sachs auch wohl als nichtcelluläre,
was auch gewiß vom phystol. Gesichtspunkte eine ge-
wisse Berechtigung hat; auf der andern Seite ist je-
doch festzuhalten, daß der gesamte Körper einer
solchen Alge in allen morpholog. Eigenschaften mit
einer Z. übereinstimmt und daß zwischen cellulären
und nichtcellulären Pflanzen ein ganz allmählicher
Übergang besteht.
Die Vermehrung derZ. geschieht ausschließlich
durch Teilung bereits vorhandener Z. somnig eklinw
ö oeliula). Bei den einzelligen Organismen trennen
sich die beiden Tochterzellen sofort nach erfolgter
Teilung. Bleiben diese und ihre weitern Abkommen
dagegen dauernd im Zusammenhang, so entstehen je
nach der Richtung der Teilungswände Zellfäden,
Zellflächen oder Zellkörper. Innerhalb der
höhern Organismen werden ferner durch verschie-
dene Differenzierung bestimmter Zellgruppen die
den verschiedenen Funktionen entsprechenden Ge-
tums- oder teilungsfähigen Z., von ihm werden alle
Stoffmetamorphosen eingeleitet und in ihm finden
alle die verschiedenen auf den pflanzlichen Organis-
mus Wirkendell Reize ihren Angriffspunkt. Als
sichtbares Zeichen der Lebensthätigkeit des Plasma-
körpers kann auch die sog. Plasmaströmung an
gesehen werden, die in sehr verschiedenen Pflanzen-
teilen zu beobachten ist, sie kann durch die Eingriffe
bei der Präparation zum Stocken gebracht, aber auch
erst hervorgerufen oder doch erhöht werden. Diefe
Strömung beweist auch, daß jedenfalls der größere
Teil des Plasmakörpers eine flüssige Konsistenz be-
sitzt; von Pfeffer wurde aber neuerdings nachgewie-
sen, daß die äußern Partien des Plasmakörpers, die
infolge ihrer größern Durchsichtigkeit auch wohl als
Hyaloplasma bezeichnet werden, durch eine grö-
ßere Zähigkeit ausgezeichnet sind und zum Teil in
ihrer Konsistenz dem festen Aggregatzustande sehr
nahe kommen.
In jugendlichen Z. (Fig. 1) übertrifft der Plasma-
körper an Masse die andern Bestandteile der Z. meist
webe ausgebildet (s. Histologie). Eine eigenartige
Entwicklung haben die Organe vieler höherer Pilze,
die durch Verschmelzung von Zellfäden entstehen
is. Pseudoparenchym). Bei der Sporenbildung der
Ascomyceten und in einigen andern Fällen beobachtet
man ferner eine befondere Art der Zellvermehrung,
die freie Zellbildung, bei der die im Innern der
Mutterzelle entstehenden Tochterzellen von diefer und
meist auch voneinander getrennt bleiben.
Die Pflanzenzelle besteht im allgemeinen aus
drei Teilen: der die äußere Abgrenzung bewirkenden
festen Zellmembran (ni in Fig. 3), dem mehr
flüssigen Plasmakörper oder Protoplasten
lp) und dem in eine oder mehrere Vakuolen einge-
schlossenen Zellsaft (v). Diese drei Teile sind jedoch
keineswegs als gleichwertig anzusehen, vielmehr hat
man den Plasmakörper als den alleinigen Träger
der Lebensthätigkeit innerhalb der Z. zu betrachten.
Während es z. V. Z. giebt, die wie die Schwärm-
sporen vieler Algen und Pilze einer Membran voll-
ständig entbehren und sich dennoch normal weiter
entwickeln, fehlt der Plasmakörper keiner wachs-
febr, allmählich tritt er aber immer mehr zurück und
bildet in ausgewachsenen Z. gewöhnlich nur einen
dünnen, aber stets völlig geschlossenen Schlauch zwi-
schen Zellmembran und Zcllsaft, den Primordial-
schlauch. Die chem.Zusammensetzung des Plasma-
körpers muß natürlich, da dieser das eigentliche La-
boratorium der Z. darstellt, eine sehr verschieden-
artige sein; gewöhnlich nimmt man aber an, daß
die Gruppe derEiweißkörper beim Aufbau des Proto-
plasten die wichtigste Rolle fpielt. Innerhalb des
Plasmakörpers unterfcheidet man nach den neuern
Untersuchungen zunächst den Zellkern oder Cyto-
blast <1c, Fig. 1-4), einen meist rundlichen Körper,
der sich häufig schon in der lebenden Z. durch stärkere
Lichtbrechung von dem umgebenden Plasma abhebt,
in schwierigern Fällen durch Färbungsmethoden sicht-
bar gemacht werden kann. Seine chem. Zusammen-
setzung ist noch wenig erforscht, doch scheint in ihm
eine mit den Eiweißstoffen verwandte, sich von die-
sen aber durch den Gehalt von Phosphor unter-
scheidende Verbindung, das Nuclein, sehrverbreitet
zu sein. Der Zellkern findet sich meist in Einzahl