Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

984
Zinn
stein (s. d., mit 78,6 Proz. Z.) Wichtigkeit. Nach Vor-
kommen und Gewinnnng des allgemein Zinnerz
genannten Zinnsteins unterscheidet man Seifen-
zinnerz (Wasch zinnerz, Zinns and, Bari lla)
oder Bergzinnerz. Ersteres wird auf sekundären
Lagerstätten (Seifen), die durch die zerstörende Wir-
kung elementarer Ereignisse aus Erzlagerstätten ent-
standen sind, gefunden und entweder direkt oder nach
einem Abschlämmen beigemengter Nebenbcstaudteile
durch Reduktion mit Kohle im Flammofen bei starker
Glühhitze auf H. verarbeitet. Das Bergzinuerz da-
gegen, weil meist fein eingesprengt in der begleitenden
Gesteinsart und untermengt mit vielen andern Mi-
neralien, insbesondere Erzen, bedarf vor seiner Zu-
gutemachung auf Z. verschiedener Vorarbeiten. Die
zu Tage geförderte, oft kaum 1 Proz. Zinnstein hal-
tende Gcsteinsmafse (Zinnzwitter) wird, wenn
das Fördergut sehr hart ist, behufs leichterer Zer-
kleinerung über freiem Feuer aebrannt, dann gepocht
und durch Schlämmen und Verwaschen auf Herden
der specifisch sehr schwere Zinnstein von den leich-
tern Nebenbestandteilen gesondert. Dieser Rückstand
(Schlich), noch nicht reich genug und zu sehr ver-
mengt mit schädlichen Erzen, kommt zum Rösten,
damit Schwefel und Arsen verflüchtigt und die da-
mit verbundenen Metalle in specifisch leichtere Oxyde
umgewandelt werden, die durch darauf folgendes
Schlämmen oder durch Behandlung mit Salzsäure
aus dem Röstgut entfernt werden können.
Bei einem Wismutgchalt der Schliche gewiuut
man dieses Metall aus den saureu Laugen. Durch
diese Arbeiten vermag man die Schliche sehr hoch zu
konzentrieren, nicht aber von beigemengtem Wolf-
ramerz zu reinigen. Dieses Erz macht die Zinn-
schliche streng flüssig, und das darin enthaltene Me-
tall, Wolfram, wirkt legiert mit Z. ungünstig auf
dessen Eigenschaften. Deshalb versucht mau zuerst
das Wolframerz von dem Zinnzwitter durch sorg-
fältige Handscheidung zu trennen; da dies aber nur
unvollkommen gelingen kann, so glüht man an
Wolframerz zu reiche Zinuschliche mit alkalifchen
Zuschlügen in Flammöfen und laugt aus der ge-
glühten halbgeschmolzeuen Masse das in Wasser lös-
liche wolframsaure Natrium aus und trennt dadurch
Wolfram von dem unlöslichen Zinnstein.
Die so vorbereiteten Zinnerze werden entweder in
Flammöfen (England) oder in kleinen Schachtöfen
< wachsen, Böhmen) aufZ. verarbeitet. Bei dem Ver-
schmelzen in Flammöfen vermengt man das Schmelz-
gut mit einem Neduktiousmittel (Steinkohlen, An-
thracit) und den Zuschlägen, die zur Vcrschlackung der
mit den Schlichen zum Verschmelzen gelangenden
Nebenbestandteile nötig sind; bei dem Verschmelzen
der Schliche im Schachtofen, wobei die Schliche mit
dem Brennmaterial direkt in Berührung sind, giebt
mau in der Regel als Flußmittel nur Schlacken, die
bei gleicher Arbeit früher entstanden sind. Die Ver-
schmelzung, sowohl im Flamm- als Schachtofen, lie-
sert eiu uureiues Z. und eine Schlacke, in der sich Kiesel-
erde, Erden und fremde Mctalloxyde des Schliches
und der Zuschlüge vereinigt haben. Die Schlacke ent-
hält noch viel Z., insbesondere in Form von kleinen
Körnern (Dörner, Saigerdörner, Zinn-
pausche), mechanisch eingeschlossen. Dies zu ge-
winnen, pocht und verwäscht man entweder die
Schlacken, oder man verschmilzt sie über dem Schacht-
ofen auf Z. und eine reinere Schlacke. Letztere wird
teils abgesetzt, teils dem Zinnschlichtschmelzen zurück-
gegeben; das aus der Schlacke erschmolzene oder ge-
wascheneZ. (S ch lackenziuu)wird mit dem auödeiN
Erz (Erzzinn) gewonnenen, weil beide meist noch
stark verunreinigt sind durch einen Gehalt an Eisen,
Kupfer, Wolfram, behufs Reiuigung nochmals umge-
schmolzen. Das Umschmelzen und Raffinieren ge-
schieht nach engl. Methode in eisernen Kesseln, in denen
das geschmolzene Z. durch Eindrücken von frischem
Holz gepolt (gegart) wird, ähnlich wie beim Raffi
nieren des Kupfers. Durch das Polen, Aufkochen
und die damit erzielte energische Einwirkung der at-
mosphärischen Luft werden beigemengte fremde Me-
talle oxydiert und ausgestofteu. Diese oxydischen
Massen (Gekrätze) schwimmen auf dem flüssigen
Z. und werden entfernt. Man läßt dann das Me'tall
bis zu einer gewissen Temperatur erkalten und schöpft
es nach und nach aus. Die oberste Schicht liefert
das reinste Z. (Kornzinn). Auf deutschen Werken
reinigt man das Z. durch das sog. Pauschen, in-
dem man das unreine geschmolzene Z. durch glühende
Kohlen hindurchlaufeu läßt, wobei au letztern eine
leichter erstarrende Zinulegieruug zurückbleibt, da-
gegen reineres Z. abfließt.
Die Gesamtproduktiou an Z. betrug 1896
etwa 70000 t im Werte von 115 Mill. M. Die
Produktion von England, die höchste in Europa,
srüher etwa 10000 t, betrug 1896: 6000 t, während
die geriuge Gewinnung in Deutschland und Öster-
reich kaum in Betracht kommt. Etwa 60000 t
liefern die überseeischen Länder, und zwar Australien
(hauptsächlich Neusüdwales, Queensland und Tas-
manien) 8000 t, Japan 2000 t, Banka und Billitou
14000 t, den Rest von etwa 44000 t die Straits
Settlements, namentlich die Halbinsel Malaka.
In Deutschland wurden 1896 nur 826 t im Werte
von 952068 M. gewonnen (f. auch Deutschland sund
Deutsches Reich, Bergbaus. Infolgedessen wurde
in demselben Jahre für 17," Mill. M. Nohzinn ein-
uud uur für 1,i Mill. M. ausgeführt. 100 KZ ge-
walztes Zinn kosteten im Großhandel 1897: 142 M.
Da das Z. von den schwächeru Säuren nur wenig
angegriffen wird, fo ist es besonders für Hausge-
räte wichtig und eignet sich dazu ganz besonders
durch die Leichtigkeit, mit der es sich in jede Form
gießen läßt, und durch seine silberähnliche Farbe.
Bis Aufang des 19. Jahrh, waren aus Z. gegossene
Teller, Schüsseln, Kruge u. s. w. allgemein in Ge-
brauch. (S.Zinngusiwaren.) Mit der steigenden Bil-
ligkeit und Eleganz der Porzellan- und Steingut-
geschirre siud aber derartige Hausgeräte immer sel-
tener geworden, und die Zinngießerei (s.d.) be-
schränkt sich jetzt auf wenige Gegenstäude. Dagegen
verzinnt man noch jetzt kupferne und eiserne Geräte,
um sie vor der Einwirkuug von Flüssigkeiten zu
schützen. Verzinntes Eisenblech heißt Weißblech.
Das Verziuucu des Eisenblechs, in neuester Zeit
zum Teil durch das Verzinken ersetzt, geschieht in be-
sondern Weißblechhütten durch Eintauchen des durch
Säure gereinigten Blechs in geschmolzenes Z. Ver-
ziunte Blechgefäße werden meist aus Weißblech-
tafelu gefertigt. Man benutzt ferner das Z. in Ge-
stalt ganz düuuer, gewalzter und mit Hämmern
fein ausgeschlaaener Bleche, sog. Zinnfolie oder
Stanniol (f. Blech), teils zu Verzierungen aller
Art, auch iu gefärbtem Zustande, teils in Form
von Zinnamalgam zum Belegen der Spiegel. Zinn-
foliehämmer befinden sich besonders in der Umgebung
von Nürnberg und Erlangen. Mit Blei in verschie-
denen Verhältnissen legiert, giebt das Z. leicht-
flüssige Legierungen, die zu Haushaltungsgeräteu,