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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zollern - Zollkredit
nischen Zeitung" aufgenommen. 1879 und 1880
unternahm er, um sich über die Möglichkeit deutschen
Kolonialcrwerbes zu uuterrichtcu, eine Reise um l
die Erde. Das Ergebnis dieser Reise war ein zwei-
bändiges Werk: "Rund um die Erde" (Köln 1881).
1881 und 1882 dnrckreiste Z. ganz Südamerika nnd
Westindien und veröffentlichte "Die Deutschen im
brasil. Urwald" (2 Bde., Stuttg. 1883) und "Pampas
und Anden" (ebd. 1884). Ende 1882 war Z. Kriegs-
bcrichterstatter der "Kölnischen Zeituug" wäbrend
des engl. Feldzugs in Ägypten. Nachdenl Z. 1883
den deutschen Kronprinzen durch Spanien und nach
Rom begleitet hatte, wurde ihm 1884 der Auftrag
zu teil, die vou Nachtigal erworbeucn Kolonien in
Westafrika zu erforscheu. Z. durchzog zunächst Togo-
land, dann Kamerun, wo er im Osten des Kame-
rungebirges im Auftrag Dr. Nachtigals im Jan.
1885 mit acht kleinen Königreichen vorbereitende
Sclnllwertrage abschloß, entdeckte den Batanga- oder
Njongflusi, und befubr ibn landeinwärts bis zu den
Neven-Dn^tont-?l'ällen,kebrte dann aber vom Kongo
aus fiebertranknack Deutschland zurück. 1888 bereiste
Z. Deutsch-Neuguiuea und 1889 Deutsch-Ostafrika
als Begleiter Wissmauns. In Neuguinea war es Z.
als erstem Weiften gelungen, ins Innere des Landes
vorzudringen und den Gipfel des Finisterregebirges
is. d.) zu ersteigen. Dabei wurde der Ottoberg im
Bismarckgebirge entdeckt, sowie das Krätkegebirge
mit dem Zollerberg. Z. lebt seit 1890 wieder in
Deutschland. Er veröffentlichte nocb i "Die deutschen
Besitzungen an der westafrik. Küste" (4Tle., Stuttg.
1885), "Deutsch-Neuguiuea und meine Ersteigung
des Finistcrregebirges" (ebd. 1891).
Zollern, das hobeuzollernsche Stammschloß,
s. Hobenzollern.
Zollfeld biesi früher die Ebene nördlick von
Klagenfurt in Karnten, zur Bezirksbauptmannsckast
Klagenfurt gehörig, wo jeder neue verzog vonKarn-
ten, nachdem er auf der Karnburg die Huldigilng
empfangen, auf dem Herzogsstuble, einem nock
vorhandenen steinernen Sitze, dem ältesten Denk-
mal .^ärntens, feierlich die!^eben erteilte und Recht
sprach. Die röm. Funde iu der (legend lassen in Z.
die Stelle erkennen, auf der einst die Stadt Vii-nnnm
stand.- Vgl. 3Noro, Der Mrstenstein in karnburg
und der Herzogstuhl amZ. (Klagenf. 1>><>2); Hauser,
Die Ausgrabuugeu am Z. (ebd. 1880).
Zollgebiet, das vou einerZollgrenze ls.d.) um-
schlossene (Gebiet eiues Landes, das nickt immer mit
dem Staatsgebiet zusammenfüllt', vielmebr finden
häufig Zollausfchlüsse (s. d.) und ^ollanfchlüsse statt.
Über die Zollaus- und -Anschlüsse im Teutschen
Reichsgebiet s. Zollverein, Deutscher.
Zollgewicht, s. Centner.
Zollgrenze oder Zolllinie, die Grenze eines
Zollgebietes gegen das Ausland' sie fällt dort, wo
Zollausscklüsse (s. d.) oder -Anscklüsse besteben, nickt
mit der ^andesgrenze zusannuen. ^^o das Zoll-
gebiet durch das Meer begrenzt wird, bildet die den
Wasserspiegel begrenzende ^inie des Bandes die Z.
Das Gleiche gilt, wo das Zollgebiet an andere Ge-
wässer grenzt, sofern deren Stand von Ebbe und Flut
abbängig ist. Über die Bewachnng der Z. s. Grenz-
wache. (S. auch Grenzbezirk und Binnenlinie.)
Zollhinterziehung, s. Defrauoation.
Zollikofer, Georg'Ioachinr, deutscher Kanzel-
redner, geb. 5. Aug. 1730 zu St. Gallen, studierte
in Utrecht und wurde 1751: Prediger zu Murteu in
der Schweiz und 1758 Prediger bei der reform. Ge-
meinde zu Leipzig. In dieser Stellung blieb er bis
zu seinem Tod, 22. Jan. 1788. Er selbst gab lLpz.
1769-88) vier Sammlungen "Predigten" (6 Bde.)
beraus, die mehrmals aufgelegt wurden. Nach seinem
Tode erschienen die von ihm "Hinterlassenen Pre-
digten" (9 Bde., ^!pz. 1788-1804). "Z.s sämtliche
Predigten" l15 Bde.) erschienen in Leipzig l1789-
1801). Auch gab Z. ein neues Gesangbuch heraus
u. d.T. "Neues Gesangbuch, oder Eammluug geist-
licher Lieder und Gesänge" (Lpz. 17(il> u. ö.). - Vgl.
Claudius, Zollikofer (^pz. 178!;; 2. Aufl. 1788):
Garve, über den Charakter Z.s (ebd. 1788).
Zolling, Theophil, Schriftsteller, geb. 30. Dez.
1819 in Scafati bei Neapel, studierte Geschickte und
Pbilosophie in Wien, Heidelberg und Berlin. In
Paris war er 1876-80 als Feuilleton-Korrespon-
dent der "Nenen freien Presse" thätig; 1881 über-
nabm er die Redaktion der Berliner Wochenschrift
"Die Gegenwart". Z. veröffentlichte ein komisches
Epos "Die Jungfrau vom Stuhl" (Lpz. 1875,
anonym) und die gesammelten Zeitungsfeuilletons
u. d. T. "Reise um die Pariser Welt" (2 Bde.,
Stuttg. 1881), sowie die Romane "Der Klatsch"
lLpz. 1889), "^rau Minne" (ebd. 1890), "Coulissen-
geister" (ebd. 1^91), "Die Million" (Berl. 1892),
((Bismarcks Nackfolger" (Lpz. 1894). Der Kenntnis
Kleists diente er durch die Monographie "Heinrich
von Kleist in der Sckweiz" (Stuttg. 1881) und eine
kritische Ausgabe vou Kleists Werken (4 Bde., in
Kürsckners "Dcutscker Nationallitteratur").
Zollkartell, eiu zwischen zwei oder mehrern
Staaten abgeschlossener Vertrag, wonach sich die
verbündeten Teile in der Aufrechterbaltung ibres
Handels- und Zollsystems und bei der Unterdrückung
des Schleichbandels (s. d.) gegenseitig uutcrstützen.
Zollklarierungsfcheine, s. Klarieren.
Zollkontrolle, der Inbegriff der zur unmittel-
baren Sicherstellung des Staates gegen verbots-
widrige Ein-, Aus- oder Durchfuhr (f. Kouterbande)
sowie gegen Zollhinterziehung (s. Defraudation)
bestebenden Vorfckriften und Einrichtungen. Die
wichtigsten Mittel der Z. sind das Ansageverfahren,
der Begleitschein, der Begleitzettel, das Ladungs-
verzeichnis, der ^cgitimationsschein, der Warenver-
scklusi. <Z. die Eiuzelartikel, ferner Grenzbezirk und
Transportausweis.)
Zollkredit, die Stundung fälliger Zölle im
Gegensatz zur Stunduug fälliger Verbrauchssteuern,
die als Steuerkredit bezeichnet wird. Z. wird
nur solchen Kaufleuten, Fabrikanten und Gewerb-
treibenden gewabrt, die die Vermutung hinreichen-
der Sicherbeit für sich haben; auch ist seiue Gewäh-
rung der Regel nach an einen Mindestbetrag von
jäbrlichen Abgaben sowie an entsprechende Sicher-
heitsleistung geknüpft. Die Regelung der Zollkredit-
frage ist in Deutschland den Einzclstaaten über-
lassen; die längste Kreditfrist beträgt drei Monate.
Über die kreditierte Summe übergiebt der Zahlungs-
pflichtige ein fog. Krcditanerkenntnis, worin
er die Schuld anerkennt und innerhalb der Kredit-
frist gegen Rückgabe des Anerkenntnisses zu zahlen
verspricht. Die Zollbehörde führt über die kredi-
tierten Summen ein sog. Kreditconto und ein
Kreditregister. (S. auch Kontierung.) Seit 1891
kann bei Kriegsgefahr die sofortige Einzahlung aller
kreditierten Beträge verlangt werden. Weingrosi-
bändler, die stets ein Mindestmaß von 35000^3
fremden Weines im freien Verkehr auf Lager haben,
können für den aus dem Auslande eingeführten Wein