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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zollkreuzer - Zollstrafrecht
den eisernen (d. h. fortlaufenden) Z. bewilligt er-
halten.- Vgl. Voll, Zoll- und Stenerniederlagen,
Zollerleichternngen n. s. w. (2. Aufl., Verl. 1889).
Zollkreuzer, Segelfahrzeuge, gewöhnlich Kutter
oder kleine Dampfer, die an den Küsten den Zoll-
wachtdienst versehen. Sämtliche Z. führen in Deutsch-
land die Reichsdienstflagge (s. Flaggen und Tafel:
Flaggen des Deutschen Reichs, beim Artikel
Deutschland). In Preußen sind die Z. einem O b er-
kreuz Zollinspektor unterstellt.
Zollkrieg, der Zustand, in dem sich zwei Staaten
befinden, die Retorsionszölle (s. d.) gegen einander
anwenden.
Zoll-Kurierposten, in China, s. Postwesen.
Zolllinie, s. Zollgrenze.
Zolllot, s. Centner.
Zöllner, .Heinrich, Komponist, Sohn von Karl
Friedr. Z., geb. 4. Juli 1854 zu Leipzig, studierte da-
selbst dieRechte und zugleich am KouservatoriumKoin-
Position. 1878 wurde er Universitätsmusikdirettor in
Dorpat, 1885 siedelte er nach Köln über, wo er als
Dirigent des Kölner Männergesangvereins und als
Lehrer thätig war. 18l10 wurde Z. zum Dirigenten des
Deutschen Liederkranzes in Neny ork erwäblt. Z.schriek
mehrere große Chorwerke, uuter denen "Die.Hunnen-
schlacht", "Das Fest der Rebenblüte", "Columbus",
"Hymnus der Liede" und das Oratorium "Luther"
zu nennen sind; außerdem die Opern "Fritjof" (1884),
"Faust" (188?) und die Duologie "Im Jahre 1870"
(1895; I. "Bei Sedan"; 11. "Der Überfall"), sowie
zahlreiche Lieder für Männerchor und Solostimmen.
Zöllner, Joh. Karl Friedr., Phvsiker und Astro-
nom, geb. 8. Nov. 1834 zu Berlin, studierte zu Ber
lin und Basel Physik und Naturwissenschaften.
Seit 1862 in Leipzig, habilitierte er sich 1865 an
der dortigen Universität. 1866 wurde er außer-
ord. und 1872 ord. Professor der Physik. Astronomie
an der Universität Leipzig. Er starb 25. April 1882
in Leipzig. Die "Grundzüge einer allgemeinen
Photometrie des Himmels" (Berl. 1861) enthalten
unter anderm die Beschreibung eines neuen Instru-
ments zur Messung dev Lichts und der Farbe der
Gestirne (Astrophotometer). Diesem folgten die
"Photometrischen Untersuchungen mit besonderer
Rücksicht auf die physische Beschaffenheit der Him-
melskörper" (Lpz. 1865). Sein Lehramt in Leipzig
eröffnete Z. mit einer Antrittsvorlesung "Über die
universelle Bedeutuug der mechan. Principien" (ebd.
1867); hierauf lieferte er in verschiedenen Abhand-
lungen der Königlich Sächsischen Gesellschaft der
Wissenschaften, deren Mitglied er 1869 wnrde, Bei-
trüge zur Kenntnis und Erforschung der physischen
Beschaffenheit der Sonne und Gestirne und kon-
struierte spektroskopische Instrumente zur Beobach-
tung der Sonnenprotuberanzen und zur genauern
Ortsbestimmung der Spektrallinien.
Sein Werk "Über die Natur der Kometen. Bei-
träge zur Geschichte und Theorie der Erkenntnis"
<Lpz. 1872; 3. Aufl. 1883) enthält eine phnsik. Theo-
rie der Kometen und gleichzeitig, in Anlehnung an
Kant und Schopenhauer, eine kritisch-plnlos. Revi-
sion derjenigen Principien, aus deuen sich die bis-
herige Naturerkenntnis entwickelt hat. In dieser
Schrift wird als allgemeines Grundgesetz aller
physik. Erscheinungen das von Wilh. Weber 1846
sür die Elektricität entwickelte Gesetz gegen die Ein-
wendungen von Thomson, Tait und Hclmholtz ver-
teidigt. Eine weitere Ausführung diefer Argu-
mente, sowie unter anderm die Ableitung der all-
gemeinen Gravitation aus den elektrischen Grund-
träften der Materie befindet sich in den "Wissen-
schaftlichen Abhandlungen" (Bd. 1-4, Lpz. 1878
-81). Gleichzeitig wird hierin von Z. die Not-
wendigkeit einer begrifflichen Erweiterung der drei-
dimensionalen zu einer vierdimensionalen Raum-
anschauung verteidigt und zur Erklärung sog. spiri-
tistischer Erscheinuugen Physik. Natur benutzt, welche
Z. in Gegenwart des Amerikaners Slaoe beobach-
tete und in den "Wissenschaftlichen Abhandlungen"
ausführlich beschrieb. Z. gab auch die nachgelassene
Schrift P. Schusters: "Giebt es unbewußte und ver-
erbte Vorstellungen?" (Lpz. 1879) heraus.
Zöllner, Karl Friedr., Komponist, geb. 17. März
1800 in dem Weimar. Dorfe Mittelhausen bei All-
stedt, studierte in Leipzig Theologie, ging aber unter
Schichts Leituug bald zur Musik über, wurde Gesang-
lehrer der verschiedenen städtischen Schulen in Leipzig
und entwickelte ein kräftiges Talent in Kompositio-
nen für Männerchor lMüllerlieoer, Zigeunerlieder).
Nach feinem Tode, 25. Sept. 1860, bildete sich aus
verschiedenen Gesangvereinen ein Zöllnerbund,
auf dessen Betrieb ihm auch im Rosenthal zu Leipzig
1868 ein Denkmal errichtet wurde. smctrie.
Zöllnersches Photometer, s. Astrophoto-
Zollniederlagen, s. Niederlagen und Entrepöt.
Zollordnung, die Gesamtheit aller Bestimmun-
gen und Einrichtungen, die die Zollerhebung bc-
trefsen. Die Gesetzgebung hierüber ist in Deutsch-
land Reichsangelegenbeit, die Erhebung und Ver-
waltung der Zölle fällt unter die Befugnisse der be-
treffenden Bundesländer. (S. Zollbehörden.)
Zollparlament, die ehemalige Volksvertretung
des Zollvereins (s. o.) seit 1867, bestehend aus dem
Norddeutschen Reichstage und einer Anzahl von Ab-
geordnetender süddcntschen Staaten. Das Präsidium
des Z. stand Preußen zu, die Berufung erfolgte nach
Beoürfms. (S. auch Deutschland und Deutsches Reich,
Zollpfund, s. Centner. ^Geschichte.)
Zollquittungen, s. Exportbonifikation.
Zollregal, das auoschlieftliche Recht der Staats-
verwaltung zur Erhebung von Zöllen. Ursprüng-
lich ein Hoheitsrecht des Deutschcu Kaisers, umfaßte
es die Beaufsichtiguug und Überwachung des Zoll-
wesens behufs Verhütung ungerechter Zollerhebung,
das Recht der Zollerrichtung auf dem eigenen Ge-
biete und Übertragung dcsselbeu auf andere, das
Recht, Gruuoherren die Zollerhebung auf ihrem
Gruude zu gestatten, und schließlich das Recht, Zoll-
freiheiten zu gewähren. Mit der Entwicklung der
Landeshoheit ging das Z. vom Kaiser an die Landes-
herren über. ^sabnn.
Zollrestitutionsverfahren, s. Vormerkver
Zollrückvergütung, s. Exportbonifikation und
Zollstab, s. Bankmaßstab. Mcksteuer.
Zollstrafrecht, die Summe der gesetzlichen Be-
stimmungen, die die Verfolgung von strafbaren
Verletzungen der Zollgefetze und der zu deren Aus-
führung erlassenen Vollzugsvorschriften zum Gegen-
stande haben. Die für solche Verletzungen ange-
drohten Strafen heißen Zollstrafen, die zwar in
der Regel Geld- oder Geldwertstrafen, unter Um-
ständen aber auch Freiheitsstrafen sind. Dem deut-
schen Zollstrafsystem liegt das Princip einer Drei-
teilung der von ihm umfaßten strafbaren Hand-
lungen insofern zu Grunde, als es unterscheidet
zwischen Handlnngen, welche ein bestehendes Ein-,
Aus- oder Durchfuhrverbot verletzen (Konterbande,
f. d.), folchen, die eine Gefällentziehung oder Gc-