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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zschopau - Zubehör
polit. Rationalismus zu schassen. Dem dienen ebenso
die histor. Versuche, die "Nayr. Geschichten" (4 Bde.,
Aarau 1813-18) und "Des Schweizerlandes Ge-
schichten für das Schweizervolk" (Aarau 1822 u. ö.)
wie die bistor. Novellen "Bilder aus der Schweiz"
(5 Bde., ebd. 1824-26), enthaltend "Der Flüchtling
im Jura", "Der Freihof von Aarau" und "Addricy
im Moos" (mit Illustrationen von H. Weißbrod, ebd.
1873). Sein polit. Erziebungsideal im Kleinen zeich-
net "Das Goldmacherdorf" (Aarau 1817 u. ö.).
Die radikale religiöse Aufklärung vertritt die Ge-
schichte des Galeerensklaven "Alamontade" (Zür.
1802). Den größten Beifall aber erwarben sich mit
Recht die minder tendenziösen Erzählungen "Der
Kreole", "Ionathan Froct", "Abenteuer einer Neu-
jabrsnacht", "Tantchen Rosmarin", "Florette", "Der
tote Gast"', didaktischer wieder sind "Die Brannt-
weinpest" (Aarau 1837) und "Meister Jordan" (ebd.
1848). Das verbreitetste und wirksamste aber aller
seiner Werke, als dessen Verfasser er sich erst spät
bekannte, sind seine "Stunden der Andackt" (Aarau
1809-16; neue Aufl., besorgt von Emil Z., 6 Bde.,
ebd. 1871-73: hg. von Grisebach, 8 Bde., Gera
1390), der vollkommenste Ausdruck des modernen
Rationalismus. Seine "Gesammelten Schriften"
iAarau 1851-54) umsafsen 35 Bände, eine Aus-
wahl der "Novellen und Dichtungen" (10. Aufl.,
cbd! 1856) 10 Bände. Eine Art Selbstbiographie
gab Z. in der "Selbstschau" (Aarau 1842; 7. Aufl.,
2 Bde., ebd. 1877). - Vgl. Münch, .Heinrich Z., ge-
schildert nachweinen vorzüglichen Lebensmomenten
und seinen ^chriften (Haag 1831); Emil Zfcbokke,
Heinrich Z. (3. Aufl., Berl. 1875); I. Keller, Beiträge
zur polit. Thätigkeit Z.s in den Revolutionsjahren
1798-1801 (Aarau 1887); Wernlv, Vater Heinrich
Z. (ebd. 1894).
Zfchopau, linter Klftuß der Freiberger Mulde
in Sacksen, entspringt am Ficktelberg, gebt nordwärts
über Wolkenstein, Zschopau, Flöba und Mittweida
und mündet, 105 km lang, nnterbalb Waldbeiin.
Eine elektrische Vollbabn im Zscbopauthal von
Waldheim nacb Flöba ist im Bau.
Ifchopau, Stadt in der Amtshauptmannschaft
Flöba der säcks. Kreisbauptmannschaft ^wickau,
links an der Zschopau und der ^inie Ebemnitz-
Annaberg der ^ächs. Staatsbabnen, Sitz eines
Amtsgericbts (Landgerickt Cbemnitz), bat (1895)
<"962 E., darunter 63 Katholiken, Postamt zweiter
Kla^e, Telegraph, Fernsprecheinricktung, Bismarck-
denkmal (1897), Martinskirche l1750), Rathaus,
Schloß Wildeck, 932 von Kaiser Heinrich I. erbaut,
Lehrerseminar, Neb- und Facbzeicbenschule, private
Musikschule, Stadtbibliothek, Korrektions- und Ver-
sorgungsanstalt, städtifcbe Sparkasse, Wasserleitung,
Gaswerk, Vieb- und Schlachtbof: Eifengießerei,
Baumwollspinnereien und -Zwirnereien, Baumwoll-
und Wollwebereien, Holzschleiferei, Holzpapier-,
^iöbel- und Tuchfabrikation, Handweberei (seidene,
wollene und halbwollene Tücber ilnd Kleiderstoffe),
Obst- und Beerenkelterei, Großbandel mit Pilzen,
Kram- und Viebmävtte.
Zsitva (spr.scküttwa", linkerNebenfluß der Donau
und Neutra in Ungarn, entspringt bei Velkapole im
Komitat Bars und fließt südsüdwestlicb durch die Ko-
mitate Bars, Neutra und Komorn; bei Martos ver-
einigt sicb ein Arm mit der Neutra, bei Zsitvatö
oder Zsitvatorok (d. i. Mündung der Z.) mündet
der Fluß in drei Armen in die Donau. Hier wurden
vom 20. Okt. dis zum 11. Nov. 1606 Friedens-
unterhandlungen zwischen den Abgesandten des
Kaisers Rudolf 1l. und des Sultans Achmed I.
gepflogen, infolge deren der Friede auf 20 Iabre
geschlossen wurde.
Zsitvathalbahn, Privatbahn (44,64 km) im
Betrieb der Ungar. Staatsbahnen von Nagy-Su-
räny über Zsitva-Ujfalu nach Kis-Tapolcsany. Sie
ist 1894 und 1895 eröffnet.
Zfombolya (spr. schom-), ungar. Name der
Stadt^hatzfeld (s. d.) in Ungarn.
Zuaven, eigentlich Zuauas, ursprünglich Ka
bylenstämme im Dschurdschuragebirge des Depart.
Constantine in Algerien, die, im Rufe der Tapfer
keit stehend, seit langen Zeiten den Fürsten der Ber-
bcrei Kriegsdienste leisteten, woher der Name in
Nordafrika zur Bezeichnung von Söldnern diente.
Nach der franz. Besitznahme von Algerien 1830 ord-
nete General Clausel die Errichtung zweier Ba-
taillone aus Eingeborenen an, die den Namen Z.
erhielten und denen franz. Offiziere und Unter-
offiziere zugeteilt wurden. Diese Truppe behielt die
malerische, dem Klima gut angepaßte türk. Tracht,
erwarb rasch den Ruf großer Kriegstüchtigteit und
lockte viele Franzosen zum Eintritt. 1833 hatte
das Zuavenregiment nur noch zwei Compagnien
Eingeborener, unter denen sich aber noch je 12 Fran-
zosen befinden mußten. Zu Abo el-Kader desertier-
ten viele eingeborene Z., so daß man beide Elemente
trennte und seit 1839 die Z. nur aus Franzosen
rekrutierte, während man die Eingeborenen in die
1842 voll Bugeaud errichteten Regimenter alger.
Tirailleurs (Turkos, s. d.) versetzte. Das Regiment
wurde 1831 auf 3 Bataillone verstärkt. 1852 trennte
Napoleon III. diese Bataillone und errichtete aus
jedem ein Regiment; auch die Kaisergarde erhielt bei
ihrer Wiederherstellung ein Regiment Z. von 2 Ba-
taillonen. In der Krim und in Italien, auch in
Meriko sowie neuerdings in Tunesien und Tongting
baben sie treffliche Dienste geleistet. Gegenwärtig be-
stehen 4 Regimenter Z. (s. Französisches Heerwesen).
Zubehör oder Pertinenz, eine zu einer andern
Sache, der Hauptsache, so in Beziehung stebende
Sacke, daß das Rechtsschicksal der Hauptsache in
gewissen Richtungen auf die Pertinenz erstreckt wird.
Folgende Unterscheidungen werden gemacht:
1) Bestandteil fällt unter den Begriff des Z.
im weitesten Sinne. Bei Grundstücken versteht
man unter Bestandteilen zunächst örtliche Unter-
adgrenzungen und redet so von Pertinenzien eines
Landguts und, bei Geschlossenen Gütern (s. d.),
von Pertinenzverband. Ferner bezeichnet man als
Bestandteil bei Grundstücken den Pflanzenwuchs
und die mit dem Boden verbundenen Bauwerte
(s. Superfizies). Bei selbständigen beweglichen
Sachen bezeichnet man als Bestandteile die Teile,
aus denen die ganze Sache zusammengesetzt ist,
z. B. Ring und Stein, Wagen und Räder, Deichsel,
u. s. w. (Deutsches Bürgerl. Gesetzb. §§. 93-96).
2) Unter Z. im engern Sinne versteht man
selbständige (also nicht einen Bestandteil bildende)
bewegliche Sachen, welche einer Hauptsache bleibend
zu dienen bestimmt und in ein dieser Bestimmung
l entsprechendes räumliches Verhältnis gebracht sind,
wie die Ruder des Schiffs, das Inventar des Land-
guts u. s. w. M 97, 98). Die Zubehoreigenschajt
bat im allgemeinen nur die Folge, daß bei einem
! die Sache betreffenden Rechtsgeschäft der Ver-
! fügungswille als auch aus den Z. gevichM K^ft^ea5
! wird li;. 926); doch kommen auch weitere Wirkungen