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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zubuße - Zuchtwahl
vor. z.,O. daß der Z. eines Grundstücks der Hypo-
thek nüt unterliegt (§.1120), das Vermächtnis
einer Sache im Zweifel auch auf das zur Zeit des
Elbfalls vorbandene Z. sich erstreckt (§. 2304).
Zybuße, der Beitrag, den die Gewerke zur
Unterhaltung eines Bergwerks bezahlen müssen, bei
dem die Ausbeute den Anfwand nicht deckt. (S. Ge-
werkschaft.)
Iuccaruli, Ios. Gerhard, Botaniker, geb. 17W
in München, gest. daselbst als Professor der Botanik
18. Febr. 1848, schrieb: "Charakteristik der deutschen
Holzgewächse im blattlosen Znstande" (Heft 1 n. 2,
Münch. 1829 - 31), "Flora der Gegend um Mün-
chen" (1. Tl., ebd. 1829); ferner war er Vtitarbeiter
von Siebolds "I^ioi-g, Mponicü" (Leid. 1835^^70).
Zuccaro (Zucchero), Federigo, ital. Maler,
geb. um die Mitte des 1<i. Jahrh, zu Saut' Angelo
iil Vado im Herzogtum Urbino, folgte der manie-
ristischen Richtung der nachraffaelifcben Schule. Ur-
sprünglich Schüler seiues Bruders Taddeo, nahnl
er an dessen Arbeiten teil. In Florenz vollendete
er die von Vasari begonnenen Fresken der Dom-
kuppel, das Jüngste Gericht darstellend, die aber
vielfach ungünstig beurteilt wurden. In Rom trug
ihm Papst Gregor XIII. die Vollendung der von
Michelangelo geschaffenen Malereien in der Pauli-
nischen Kapelle anf. Z. geriet indes in Ungnade
wegen eines Spottbildes, ging auf mehrere Jahre
nach Flandern, Holland und England, wo er be-
sonders viele Bildnisse, darunter das mehrmals
wiederholte der Königin Elisabeth und der Maria
Stuart, malte. 1582 wurde er uach Venedig bc-
rufeu, wo er den Dogenpalast mit Gemälden zierte
(unter andern: Friedrich Barbarossa vor Papst
Alexander III. kniend). Hierauf vollendete er im
Auftrage des versöhuten Papstes in Rom die Ma-
lereien in der Kapelle. Er war einer der Stifter der
Akademie von ^anLuea nud mit Aufdeckungen an-
tiker Überreste beschäftigt. Philipp II. berief Z. 1588
nach Spanien, um das Escorial auszumalen, er
gefiel aber dort mit seinen Werken nicht und tebrte
nach Italien znrück. Er starb nm IW9 zu Ancona.
Sein Bruder Taddeo Z., geb. 1529, gest. 15<i<;
zu Rom, kam als Iüugling nach Rom, wo er sich
an Raffaels Vorbild anschloß. Auck er entging der
Manier nicht, der fast alle Zeitgenossen anbeimfielen,
aber er übertraf die meisten derselben an Erfinduug
uud einer gewissen Großartigkeit der Gruppierung,
durch welche sich vor allem seine (jedoch unvollende-
ten) Wandgemälde, die Thaten der Faruesen, in
deren Palast zu Caprarola auszeichnen. Auch findet
man in vielen ital. Städten große Freskomalereien
von ihm, dagegen wenig Tafelgemälde.
Sucht, das Heranziehen von Tieren, besonders
Zum Zweck der Fortpflanzung.
Zuchthausstrafe, s. Freiheitsstrafen, Gefäug-
niswesen, Einzelhaft. Über die bauliche Einrichtung
der Zuchtbäuser s. Strafanstalten. Bei militär. Ver-
brechen, z. B. wegen Mißhandlung Untergebener
mit schwerer Körperverletzung, Fahnenflucht u. s. w.,
ist gegen Offiziere wie gegen Gemeine und Unter-
offiziere auf Zuchthausstrafe zu erkennen; sie wird
nicht mebr in eine andere Strafart umgewandelt
umd bedingt die Entfernung aus dem Heere u. s. w.
Züchtigung, körperliche, als Kriminal- oder
D'lsc'lpünariirase, i. Prügelstrafe. Ein Züchtigung^-
recht steht den Eltern, Vormündern, Lehrern und
Lehrherren (jedoch nnr bei gewerblichen, nicht bei
Handluugslehrlingen), in Preußen nicht dem Ehe-
mann gegen die Ebefrau (wohl aber nach Bayrischen!
Landrecht) und nicht der Herrschaft gegen das Ge-
sinde zu, jedoch unter Beschränkung auf ein Maß,
dessen Überschreitung strafgerichtliche Verfolgung
zur Folge haben kann. (S. Körperverletzung.)
Iuchtlähme, Infektionskrankheit der Pferde,
s. Beschälseuche.
Zuchtpolizeigericht, in Frankreich das stet5
mit mehrern Richtern besetzte Gericht, das in allen
Fällen der sog. Z uchtpolizei (polio" eori'ectiou-
noilß), d. h. wegen aller d"1it3 (Vergehen von
mittlerer Schwere im Sinne des franz. Rechts),
zu erkennen hat. Diese Bezeichnung bezieht sich
auf die Art, wie die franz. Strafgesetzgebung alle
unerlaubten Handlungen nach ihrer Schwere in
drei Klaffen, in ei'ini68, <I61it^ und ^onti-Hvßutim^
(Verbrechen, Vergehen und Übertretungen), scheidet.
Die der mittelsten Etnfe, welche mit sog. xowk5
< ori6eti0iiii0N^8 (korrektionellen Strafen) bedroht
sind, gehören vor das Z., während die schweren
Verbrechen der erstell Klasse vor den Assisen, die
leichtern Übertretungen der dritten Klasse vor den
einfachen Polizeigerichten (ti-ilnnmux <Is! 8im^I^
1>o1ieo) abgeurteilt werden.
Iuchtrennen, Wettrennen, zu denen nur Hengste
und Stuten zugelasseu werden, deren Zuchttauglich-
keit durch eiue besondere Kommission beurteilt wird.
Die größten Z. sind für dreijährige, seltener für
zwei- und vierjährige offen. Die Anmeldungen (Nen-
nuugeu) gescheheu vor der Geburt oder im ersten
Jahre. Gewichte, etwaige Pönalitäten und Erlaub-
nisse werden ebenfalls vorher angemeldet.
Iuchtftammbuch, s. Herdbuch.
Züchtung, der Vorgang, der durch die Zucht-
wahl (s. d.) zu staude tommt; mau unterscheidet eine
künstliche und eine natürliche Z.
Zuchtwahl (86wetio) heißt das Princip, nack
dem der Mensch (bei der künstlichen Z., seioctio
!ntiü^i^1i8) mit bestimmter Absicht und zu einem
bestimmten Zweck, die Natur aber (bei der natür-
lich en Z., "oic^tio nlUuraiis) unab.sichtlick inl
Kampf ums Dafeiu verfährt, unr uuter Anwenduug
uud Eiufluß der Gesetze der Vererbung (s. Erblich-
keit) und Anpassuug (s. d.) Organismen mit neuen
Eigentümlichkeiten der Gestalt und Lebensthätigkeit
aus den vorhandenen hervorgehen zu lassen. In der
natürlichen Z. unterscheidet man die geschlechtliche
oder seruelle (s. Darwinismus), die nachahmende
(oder Nimici'x, s. d.), die gleichgestaltcndc, durck
lvelche sebr verschiedeue Geschöpfe durch Anpassuug
an äbnliche Lebenvbedinguugen einander gleichfalls
ähnlich werden (f. Äbnlichkeit). Bei der na ch a h in e n -
den Z. (f. Tafel: Zuchtwahl I) ahmeu Tiere leb-
lose Gegenstände nach (z. B. weiße hochnordischc Tiere
den Schnee, andere Steine, Dung, z. V. Fig. 6) oder
Pflanzen, z. B. Flechten (Fig. 5), ineift aber nur
Pflanzenteile, z. B. Blätter (Fig. 1a bis ä, Fig. 2),
Rinde (Fig. 4), Stengel (Fig. 3), Dornen (Fig. 7),
oder harmlofe Tiere, kopieren übelschmeckende (z. B.
Fig. 17 u. 18) oder gefährliche, stechende, besonders
Wespen und Bienen (z. B. Fig. 8 u. '.>, 10 u. II,
12 u. n;, 14, 15 u. 16). (S. auch Echreckfarben.)
Die geschlechtliche Z. (s. Taf. Il) bringt den
sog. geschlechtlichen Dimorphismus (s. d.) hervor.
Sie zeichnet die Männchen den Weibchen gegenüber
aus:,durch prächtigere Färbung (Fig. 1, 6,1^/), durä?
Kopfzierate (Fig. 12), bessere Bewegungsorgane (Fig.
2, 7, 8, !>, 14, 15), durch stärkere Entwicklung der
Geruchsorgaue, die bei Insekten in den Fühlern