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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zweig - Zweikampf
wohnlich stärker gefärbten Haut bedeckt wird. Die
Larven leben von faulenden tierischen und pflanz-
lichen Stoffen, als Schmarotzer in andern Tieren,
oder in Pflanzen, oder jagen andere Tiere. Bei der
Verpuppung bleibt die letzte Larvenbaut entweder
erhalten und umgiebt in Form einer kleinen Tonne
die Puppe, oder sie wird, wie bei den übrigen In-
sekten, abgestreift und die Puppe liegt frei. - Die
Z. werden dem Menschen durch schmerzhafte Stiche
lästig, ihre Larven richten zum Teil an Kulturge-
wächsen Schaden an oder erzeugen Krankheiten bei
den Haustieren, zum Teil nützen sie aber auch durck
Vertilgung schädlicher Insekten. - Die Ordnung zer-
fällt in die Unterordnungen derMücken, Fliegen,
L^us fliegen und Flöhe. (S. die betreffenden
Zweig, s. Ast und 3tip68. ^Artikel.)
Zweigbahnen, s. Eisenbahnen.
Zweigbruch, s. Bruch (in der Mathematik).
Zweigdorn, ein dorniger, an der Spitze nicht
fortwachsender Zweig.
Zweigestrichen, s. Eingestrichen.
Zweigniederlassung, s. Handelsniederlassung.
Zweigstollen, s. Verteidigungsminen.
Zweigstrom, s. Hauptstrom.
Zweihänder, Bim anen (Nimluiu), nannte
Linne' die Menschen, die er als Familie von den Vier-
bändern oder Affen ((jualli'umlli^) unterschied. Die
Naturforscher haben über die Stellung des Menschen
in zoolog. Hinsicht viel diskutiert, und die Mei-
nungen sind sehr auseinander gegangen; denn wäh-
rend die einen ihn sogar als Repräsentanten eines
besondern Naturreichs, gleichwertig dem Tier-, Pflan-
zen- oder Mineralreiche, ansehen, die andern ihn
als eine besondere Klasse den übrigen Säugetieren
gegenüberstellen wollten, faßten andere ihn bald
als eigene Ordnung gegenüber den Affen, bald nur
als Familie oder Gattung innerhalb der Ordnung
der Primaten auf. Jedenfalls bezeichnet der von
Linne'gewählteName einen der auffallendsten äußern
Unterschiede der beiden Typen, indem der Mensch
nnr zwei vordere Hände mit entgegenstellbarem
Daumen besitzt, während bei den Affen Vorder- und
Hinterglieder als Greiferpaar entwickelt sind und
sogar die Hände der Hinterfüße meist besser aus-
gebildet, bei einigen auch die Daumen an den Vor-
dergliedern verkümmert sind oder ganz fehlen.
Zweihänder, eine Art Schwert (s. d.).
Zweihäusig, f. Violen".
Zweihufer oder SpaltHufer heißen die Wie-
derkäuer (s. d.) wegen der Bildung ihrer Füße, an
denen nur die zwei mittelsten Zeben ausgebildet er-
scbeinen, während zwei Außenzehen, zu Afterzehen
verkümmert, den Boden nicht berühren. Der Name
ist ziemlich außer Gebrauch.
Zweihonnschaften, Gemeinde im Landkreis
Esien des preuß. Reg.-Vez. Düsseldorf, hat (1805)
Zweijährig, s. Biénnis. 14049 E.
Zweikammerbremsen, s. Eisenbahnbremsen.
Zweikammersystem, s. Landtag und Reprä-
sentativsystem.
Zweikampf, Duell, ein nach bestimmten her-
kömmlichen Regeln mit tödlichen Waffen staltfin-
dender Kampf zwischen zwei Personen. Der üblicke
Hergang des Z. ist folgender. Der Beleidigte fordert
entweder auf der Stelle nach gefallener Beleidigung
oder er behält sich seine Schritte vor. Er sckictt als-
dann einen Kartelltrüger (s. d.) zu dem Beleidiger und
läßt ihn ausfordern, die Beleidigung zuzugestehen
(Koramagc) und siezn revozieren. Im Weigerungs-
Prockhans' Konversations-L?xikon. 14. NuN.. XVI.
fall stellt der Kartellträger die Forderung namens sei-
nes Auftraggebers. Im Falle einer Realinjurie wird
die Forderung ohne weiteres gestellt. Der Offizier
hat nun die Pflicht, die Forderung dem Ehrenrat fei-
nes Truppenteils zu melden, welcher nach Ergänzung
der Einführungsorder zu der Verordnung über
Ehrengericht lvom 2. Mai 1874) durch die Kabinetts-
order vom 1. Mai 1897 bei Ehrenhändeln zwischen
Offizieren möglichst einen für die Beteiligten verbind-
lichen Ausgleichsvorschlag anzustreben, und, wenn
der Vorschlag nicht befolgt wird, ehrengerichtliches
Verfahren zu veranlassen hat; in andern, befonders
in den akademischen oder akademisch gebildeten Kreisen
ist ein Ehrengericht (s. d.) üblich, das zu entscheiden hat,
ob die Forderung angeniesten ist. Nichtannahme einer
Forderung unter Verweigerung der Ehrenerklärung,
aber auch das Unterlassen der ^orderuug seitens des
Beleidigten hat die Erklärung der Satisfaktionsun-
fähigkeit, auf Universitäten den Verruf zur Folge.
Nach Annahme der Forderung, die beim Z. oder Duell
im engern Sinn lim Gegensatz zur Mensur) in Deutsch-
land auf Säbel oder Pistolen lautet, wird der Mo-
dus des Z. durch die beiderseitigen Sekundanten festge-
setzt. Zur bestimmten Stunde erscheinen die Parteien
iDuellant, Sekundant, Zeuge, von denen letzterer
beim Pistolenduell fehlt) mit dem Unparteiischen
und dem Arzt am Duellplatz. Das Säbelduell pflegt
obne Binden und Bandagen vor sich zu gehen.
Es ist zu Ende, wenn eine sog. Abfuhr herausge-
kommen ist. Pistolenforderungen lauten entweder
auf Distanz l gewöhnlich 10 -15 Schritte) oder
Barriere <3, 5 oder 10 Schritte). Bei ersterer For-
derung bleiben die Duellauten auf den abgemessenen
Endpunkten stehen und schießen gleichzeitig ans das
Kommando "Fertig, Los" oder "1, 2,3" des Unpar-
teiischen. Bei der Varriereforderung wird die be-
stimmte Anzahl Schritte dreimal in gerader Linie
abgemessen, an den Endpunkten der beiden äußern
Teile stehen die Duellanten beim Beginn des Z.; sie
dürfen sich während des langsamen Zählens des
Unparteiischen (gewöhnlich bis 5) den Endpunkten
des mittlern Teils, die durch Stöcke, Steine u. dgl.
markiert sind, nähern und während derselben Zeit
nack Belieben schießen. Bei allen Pistolenduellen ist
meist ein- bis dreimaliger Kugelwechsel und der Ge-
brauch glatter Pistolen ohne Stecher verabredet.
Die gewöhnlichen Schlägerduelle (Mensuren) der
Studeuten gehen ähnlich den Säbelduellen vor sich,
jedock mit den üblichen Schutzmitteln und verhäng-
ter Auslage ls. Gang und Mensur). Die Waffen
sind Korb- oder Glockenschlüger (s. Schläger).
Der Z., dem röm. Rechte uubelaunt, ist ent-
! sprungen nach herrschender Ansicht aus dem german.
! ^ehderecht, nach von Below aus span.-roman.
Turnierspielen, und kommt in Deutschland etwa seit
der zweiten Hälfte des 10. Jahrh. vor. Das Deutsche
Reich^strafgesetzbuch sM.101-110) bestraft nur den
Z. mit tödlichen Waffen, ein Z. mit nichttödlichen
Waffen, z. B. Stöcken, würde straflos sein. Das
Reichsgericht hat angenommen, daß Studentenmen-
suren mit geschliffenen Schlägern als Z. zu bestrafen
seien', von anderer Seite wird dies mit Rücksicht
auf die üblichen Sicheruugsmaßregeln verneint und
die völlige Straflosigkeit nach geltendem Strafrecht
bebauptet, weil die Mensuren auch als Körperver-
letzungen nicht in Betracht kommen können. Gegen-
stand der akademischen Disciplinargesetzgebung kann
der Z.noch jetzt sein, die akademischen Kriunnalstrafen
für Studentenduelle sind aber durch das Neichsstraf-
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