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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zwinglianer - Zwirn
den gegen Novara und 1515 sicher die Schlacht bei Marignano mit. 1516 wurde er Prediger im Kloster Maria-Einsiedeln, wo er namentlich an dem Klosterverwalter Diebold von Geroldseck einen gesinnungsverwandten Freund fand. Hier fing Z. an, gegen manche in der Kirche eingerissene Mißbrauche zu predigen; auch forderte er die Bischöfe von Sitten und Konstanz auf, zur Verbesserung der Kirche nach Anleitung des göttlichen Wortes zu wirken. 1518 wurde Z. nach Zürich berufen und trat sein Amt als Leutpriester am Großmünster 1. Jan. 1519 mit einer Predigt an, in der er sich für das reine Evangelium erklärte. Seine kunstlosen, allgemein verständlichen Predigten machten großes Aufsehen und verschafften unmerklich der Reformation Eingang, so daß dem Ablaßkrämer Samson vom Rate das Betreten des Gebietes des Kantons Zürich verboten und 1520 ein Befehl erlassen wurde, wonach die Prediger das Wort Gottes ohne menschliche Zusätze lehren und predigen sollten. Auch Z.s mutiges Auftreten 1519 während der Pest, der er selbst beinahe erlegen wäre, gewann ihm vieler Herzen.
Den Anstoß zur praktischen Reformation gab 1522 das Übertreten der Fastengebote, das sich einige Freunde Z.s zu schulden kommen ließen, infolgedessen der Bischof von Konstanz eine protestierende Gesandtschaft nach Zürich sandte und Z. seine erste reform. Schrift "Von Erkiesen und Fryheit der Spysen" herausgab. Die Aufregung, in Zürich wurde immer größer, und der Rat veranstaltete ans den 29. Jan. 1523 ein Religionsgespräch auf dem Rathause in Zürich, dem an 600 geistliche und weltliche Personen beiwohnten. Z. verfaßte für dasselbe seine 67 Schlußreden, d. h. Thesen, die an Schärfe und Klarheit den Lutherschen ebenbürtig zur Seite stehen, und verteidigte sie namentlich gegen Joh. Faber, den nachmaligen Bischof von Wien, so glücklich, daß der Rat sich für die Reformation erklärte. Eine zweite Disputation, vom 26. bis 29. Okt. 1523, wobei Z. vor mehr als 900 Personen gegen den Bilderdienst und die Messe sprach, hatte die Entfernung aller Werke der bildenden Kunst aus den Kirchen der Stadt Zürich und ihres Gebietes sowie die völlige Durchführung der Reformation zur Folge. Die öffentlichen Wallfahrten wurden aufgehoben, letzte Ölung und Fronleichnamsfest abgeschafft, die Klöster in Schulen verwandelt, die Chorherren zu Lehrern und Professoren gemacht und 1525 zum erstenmal das Abendmahl in deutscher Sprache gefeiert. Schon das Jahr vorher hatte sich Z. mit Anna Reinhard, der Witwe des Junkers Meyer von Knonau, verheiratet und waltete nun in der einfachen Stellung eines Predigers fast wie ein antiker Volkstribun in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten in Zürich. In den reformatorischen Grundprincipien mit Luther und den deutschen Reformatoren durchaus einig, ist Z. freier, in liturgischer Beziehung radikaler als Luther, und stellt die ethische, sittlich-praktische Auffassung des Christentums in den Vordergrund.
Diese Verbindung der religiösen und ethischen Interessen und zugleich sein glühender Patriotismus trieben Z. früh auf das Gebiet der Politik. Schon seit Jahren eiferte er gegen das sog. Reislaufen (s. d.), das Pensionenwesen, die Bündnisse mit fremden Fürsten, gegen alles, was die Unabhängigkeit und Stärke der Schweiz irgendwie schädigte; er begann schon 1521 mit dieser polit. Reformation und zog dadurch sich und Zürich den Haß der innern Kantone zu. Als dann durch die Bemühungen Z.s 1528 auch Bern der Reformation beitrat, kam es 1529 zum ersten Kappeler Krieg, (s. Kappel, 1). Im gleichen Jahre veranstaltete der Landgraf Philipp von Hessen, um die Differenzen zwischen Luther und Z., besonders in betreff der Abendmahlslehre, in der man sich über die Art der Gegenwart Christi und die seines Genusses nicht einigen konnte, zu heben, zu Marburg im Oktober eine Zusammenkunft zwischen den sächs. und schweiz. Reformatoren. Doch wies Luther hier schroff die Anschauungen Z.s zurück. 1531 brach der Krieg zwischen Zürich, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug von neuem aus, und Z. mußte mit dem Banner des Kantons als Geistlicher zu Felde ziehen. Am 11. Okt. wurden die Züricher bei Kappel geschlagen, und Z. fiel. Kriegsknechte verbrannten seinen Leichnam auf einem Scheiterhaufen und zerstreuten die Asche in den Wind. 1838 wurde Z. zu Kappel ein Denkstein und 1885 in Zürich eine Bronzestatue errichtet. Z.s theol. Lehrbegriff ist dargestellt in seinen Hauptwerken: "De vera et falsa religione" (Zür. 1525), "Fidei ratio" (ebd. 1530) und "Christianae fidei brevis et clara expositio" (ebd. 1538). Seine "Sämtlichen Werke" erschienen zuerst in Folio (4 Bde., Zür. 1533, 1545 u. 1581); einen Auszug besorgten Usteri und Vögelin (2 Bde., ebd. 1819-21); seinen gesamten schriftlichen Nachlaß gaben Schuler und Schultheß heraus (8 Bde., ebd. 1828-42; Supplemente 1861).
Vgl. Hottinger, Z. und seine Zeit (Zür. 1842); Zeller, Das theol. System Z.s (Tüb. 1853); Sigwart, Ulrich Z. Der Charakter seiner Theologie (Stuttg. 1855); Tichler, TTTTT (2 Bde., Utr. 1857-58); Christoffel, Z.s Leben und ausgewählte Schriften (Elberf. 1857); Spörri, Zwingli-Studien (Lpz. 1866); Mörikofer, Zwingli (2 Bde., ebd. 1867-69); G. Volkmar, g., sein Leben und Wirken (Zür. 1870); Finster, Z., drei Vorträge (ebd. 1873); Z., Festschrift (ebd. 1883); Stähelin, Z. und sein Reformationswerk (Halle 1883); ders., Huldreich Z. Sein Leben und Wirken (Bd. 1-3, Bas. 1895-97); Wunderli, Huldrych Z. und die Reformation in Zürich (Zür. 1897); Schweizer, Z.s Bedeutung neben Luther (ebd. 1884); Aug. Baur, Z.s Theologie, ihr Werden und ihr System (2 Bde., Halle 1885-89). Eine Zwingli-Bibliographie (Verzeichnis der gedruckten Schriften von und über Z.) gab Finster heraus (Zür. 1897).
Zwinglianer, die Mitglieder der Reformierten Kirche (s. d.).
Zwirn, im allgemeinen Jeder Faden, der durch Zusammendrehen mehrerer Garnfäden gebildet ist; nach der Anzahl der vereinigten Garnfäden heißt der Z. zwei-, drei-, vier-, sechsdrähtig u. s. w.; guter Nähzwirn ist gewöhnlich dreidrähtig. Der Nähzwirn wird häufig mit arab. Gummi, Hausenblase u. dgl. appretiert. Die Z. kommen teils roh, teils gewaschen, halb oder ganz gebleicht, weiß oder gefärbt (am häufigsten schwarz oder blau) in den Handel. Maschinenzwirn, der zum Nähen mit der Nähmaschine benutzt wird, ist ein drei- bis sechsfädiger Baumwollzwirn mit starker Drehung und glatter Appretur. Mit einem gleich dicken einfachen Garnfaden verglichen, besitzt der Z. größere Glätte und Gleichmäßigkeit, Rundung und Festigkeit. Derselbe wird entweder in Strängen oder auf Rollen gewickelt zum Verkauf gebracht. Die Nummer steigt wie beim Garn entsprechend der Feinheit. Als der beste Z. galt früher der englische, doch wird jetzt auch von deutschen Fabriken ausgezeichneter Z. geliefert.