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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zwischenvorhang - Zwölf Tafeln
über den Grund deo Ansprnchs, z. B. darüber ent-
scheidet, daß der Kläger einen Anspruch auf Schaden-
ersatz hat, während noch unentschieden bleibt, wie hoch
der Schaden ist. Dieses Z. wird rechtskräftig, wenn
es nicht für sich durch ein Rechtsmittel angegriffen
wird (Deutsche Civilprozeftordnnng 8- 276 und Österr.
Civilprozeßordnung 8- ^W). ('S. auch Interlokut."
Zwischenvorhang, s. Akt und Theatervorhaug.
Zwischenweichen, s. Eisenbahnbau.
Zwischenwerke, sturmfreie Infanterieposten
zwischen den Forts einer modernen Fortfcstuug;
sie dienen zur taktischen Sicherung größerer Inter-
valle, sollen also die Stellungen im Zwischenfeld
namentlich durch flankierende Wirkung unterstützen.
Mere Z. haben meist den Grundriß der Halbredonte,
neuere Dreiecksform (s. vorstehende Figur). Neben der
Infanterie (halbeKompagnien) erhalten sie meist nnr
Schnellfeuergefchütze (in Senkpanzern, H der Figur);
in einzelnen Fällen, z. B. in Bukarest, wurden auck
schwere Geschützpanzer in ihnen aufgestellt. Not-
wendig sind stets gepanzerte Beobachtuugsstände
Zwischenzahnlaute, s. Laut. ^(d der Figur).
Zwischenzolllinie, die imInnern eines Staats-
gebietes errichtete Zolllinie, bei deren Überschreitung
ein Binnenzoll (s. d.) erhoben wird. Eine solche be-
stand bis 1851 zwischen den österr. und ungar. Pro-
vinzen des damaligen Kaisertums Österreich.
Zwischgold, s. Blattgold.
Zwiseialp (Zwiesel alpe), s. Gosau.
Zwittau, slaw. 8vit^vll, Stadt in der österr.
Vezirkshauptmannschaft Mährisch-Trübau in Mah-
ren, auf einem Platean des böhm.-mähr. Scheide-
gebirges, an der Zwittawa, der Linie Wien-Brünn-
Prag-Bodenbach der Österr.-Ungar. Staatsbabn
und der Lokalbahn Z.-Politschka (21 km), Sitz
eines Bezirksgerichts (154,22 ^kin, 24445 E.) und
Steneramtes, bat (1890) 1647, als Gemeinde 7787
meist deutsche E., fünf Kirchen, darunter die schöne
nene Marienkirche und die neue St. Iosefkirche der
Redemptoristen, Landesoberrealschule, zwei Bürger-
schulen, eine k. k. Webefachfchule, Volb?bioliothek,
davor ein Brunneil (von Donndorf), Gasanstalt,
elektrische Centrale, ein 1886 erbautes Armen- und
Waisenhaus, Krankenhaus; Baumwollspinnerei,
Baumwoll-, Barchent-, Leinen-, Tuck- ilnd Iut^
Weberei, Stärkesirup- und k. k. Tabatfabrik, zwei
Dannsägewerte, Flachs- und Getreidebandel.
Zwitter, s. Herniaphroditisnius.
Zwitterbildung, s. Geschlechtsorgane.
Zwitterblüte, s. Blüte.
Zwittermünzen (frz. n^äailisg K^driäeß),
Münzen, die zwei nicht zusammengehörige Gepräge
in sich vereinigen.
Zwölf, neben der Zehn als der Grundzahl nnsers
dekadischen Systems ebenfalls eine besonders auv-
gczcichuetc Zahl, weil sie sich leicht in zwei, drei,
vier oder sechs Teile zerlegen läßt, was bei der
Zehn nickt der Fall ist. (S. Dnodecimalsystem.)
Zwölfapostelgruppe, s. Crozctinseln.
Zwölf Artikel, s. Bauernkrieg.
Zwölfender, Zwölfer, ein Edelhirsch, dessen
Geweih im Normalzustande an jeder Stange sechs
Enden (Aug-, Eis-, Mittelsprosse und dreiendige
Krone) trägt. (S. Geweih, Fig. 7.)
Zwölffeder (^wcita kLXÄcwctvIa, 2^., s. Tafel:
Schmetterlinge II, Fig. 12), ein bis 16 mm klaf-
ternder, zur Familie der Federmotten oder Geistchen
gehörender zierlicher Schmetterling, der seine Flügel,
von denen jeder sechstcilig ist, in der Ruhe nach Art
der Spanner hält. Das zarte, granbraune Tierchen
stiegt im Mai, seine Raupe lebt an den Blüten-
knospen des Geißblattes.
Zwölffingerdarm, s. Darm und Tafel: Die
Baucheina,cweide des Menschenl, 5n.II, 10.
Zwölfflächner, s. Dodekaeder und Tafel:
Krystalle I, Fig. 3, 19, 21.
Zwölf Götter, eine wohl ursprünglich nur in
Rücksicht ans die Bedeutung der Zahl 12 als Grund-
zahl des aus Babylonien stammenden Zahlensystems
gebildete Zusammenstellung von Gottheiten, deren
einzelne Glieder eben deshalb anfänglich nicht ganz
fest bestimmt waren. Die älteste Spur dieser Vor-
stellung findet sich im Homerischen Hymnus auf
Hermes, da dieser als Opferherold das Fleisch des
^ Opfertieres in 12 Teile zerlegt. Der erste Altar
wurde ihnen, soviel bekannt, von dem jüngern Pisi-
stratus, dem Sobne des Hippias, auf den: Markte
von Athen errichtet, doch sollten der Sage nach
schon Deukalion, Herakles, Iason oder die Söhne des
Phriros Zwölf-Götter-Altäre und -Kulte geweiht
haben. Später waren solche zu Megara, Thelpusa,
in einigen Städten Kleinasiens, in Leontini und be-
sonders zu Rom auf dem Forum, wo 12 vergoldete
Bildsäulen in einer Halle beim Aufgang vom Forum
nach dem Kapitol aufgestellt waren. Die Z.G. galten
als Schwurgötter und sollten als Schiedsrichter in
dem Streite zwischen Athena und Poseidon sowie zwi-
schen letzterm und Ares aufgetreten fein. In Athen
bestand die Grnppe wahrscheinlich aus Zeus, Hera,
Poseidon, Demeter, Hephaistos, Athena, Apollon,
Artemis, Ares, Aphrodite, Hermes und Hestia;
wenigstens fand diese Zusammenstellung in Rom,
wo sie Oon86nt68 äii (die vereinigten Götter) Hiesien,
und dem übrigen Italien Verbreitung, auch wurde
dieselbe zu den 12 Monaten in Beziebung gesetzt,
i Erbalten ist mit den Bildern dieser Götter, ausier
! einem im Kerameikos zu Athen geftmdenen Nruch-
! stück, besonders die sog. Ara Borghesc und ein Ge-
! mälde zu Pompeji.- Vgl. Chr. Petersen, Das
Zwölfgöttersystem der Griechen und Römer (Hamb.
1853 u. 1867); E. von Schmidt, Die Z. G. der
Griechen lIena 1859).
Zwölfmännig, s. Dodckandrisch.
ZwölfNächte oder dieZwölften, auch R auch-
nächte, die durch mancherlei abergläubische Vor-
stellungen und Bräuche auch als Lostage (s. d.) aus-
gezeichnete Zeit von Weihnachten bis Dreikönigstag
(25. Dez. bis 6. Jan.). Sie ging dem groften Iulfest
der Germanen voran und war namentlich dem Sturm-
und Totengott geweiht. (S. auch Klöpfelnächte.)
Zwölf Tafeln il^x slnos^eim wduliirnm). Die
Willkür, mit der die Konsuln gegen die Plebejer ver-