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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Beringmeer - Berlin
von ibm in der Berichtigung, nickt aber den im be- ^
ricktigten Artikel angegebenen Wortlaut gebabt. !
Nach dem österreichischen Presigesetz vom !
17. Dez. 1802 (8- U>) in Verbindung init Art. 2
des Gesetzes vom 15). Ott. 1868 ist die'Berichtiguug
in das nach gestelltem Begebren zunäckst erscheinende ^
oder zwcitfolgende Blatt aufzuuehmen und zwar!
gegenüber amtlichen Berichtigungen in jedem Um- ^
sang und ganz unentgeltlich und ohne in derselben !
Nummer Zusätze oder Bemerkungen über den In- !
balt der Berichtigung zu bringen. Auch hier giebt ^
es keine Verjährung der B. Bei Verweigerung der !
Ausnahme hat der Rickter (Bezirksgericht) ohne Ver-
zug über das Begehren zu erkennen. Die Einlegung ^
vou )1iechtsinitteln gegen dessen Entscheidung bat!
teine aufschiebende Wirlung. Neben Anordnung der !
Aufuahme kann gegen den sich grundlos weigernden ^
'Redacteur aus Geldstrafe von 20 bis 2l)0 Fl. erkannt
werden.
^Vcringmocr. Die Frage, inwieweit das B.
Staatsgebiet der Vereinigten Staaten von Amerika
oder offenes, d. h. unter der Herrschaft keines Staa-
tes, daher im freien Gemeingebrauch aller Staaten
stebendes Aleer ist (Beringmeerfrage), wurde ^
gelost durch Schiedvspruch vonl 15. Aug. 18!>3, ge-
fällt von einem aus Grund eines Schiedsvertrages
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
England vom 2ll. Febr. 18l)2 in Paris zusammen-
getretenen, aus sieben hervorragenden Juristen ge-
bildeten internationalen ^ckiedsgerickt, zu welchem
die Nordamerikanischc Union und England je 2,
Frankreich, Italien und Schweden und Norwegen >
je 1 Mitglied ernannt hatten. Dieses Schiedsgericht !
hat die Frage im Einklang mit den Grundsätzen des i
modernen Völkerrechts dabin eutsckieden, das; nur !
diejenigen Teile des B. Staatsgewässer der Nord- l
amerikanischen Union sind, welche nickt weiter als
drei Seemeilen von der Mste von Alaska oder von
den Inseln, welche die Nordamerilaniscke Union im !
B. besitzt, entfernt sind, mit andern Worten nur die- ^
jenigcn Teile des B., welche im Sinne des Völker- ^
rechts Küstengewässer sind, unter Staatsboheit der ^
Nordameritanischen Union stehelt. Die Frage war
praktisch wichtig, weil das B. und insbesondere dessen !
östl. Teil den Anfeutbalt der Pelzrobbeu bildet, deren
Felle einen hohen handelswert repräsentieren. Diese !
Pclzrobben finden fich bauptsäcklick in dcr Umge- ^
bung der zil der Nordamerikaniscken Union geboren- !
den Inselgruppe Prilwlow. War der ganze Teil!
des B., in welchem diese Inselgruppe liegt, Gebiet -
der Union, dann war diese berecktigt, die Unter- !
tbanen aller andern Staaten, insbesondere die daran "
interessierten Angehörigen von Britisck-Nordamerika !
Kanada), von dem Robbenfang ailszilschließen. Die ^
tbatsächlichen Verhältnisse waren nun die: bis 1867 ^
war die Ostküstc des B., Alaska und die vorliegen- !
dcu Inseln, rnsf. Gebiet, cs bildete da-5 sog. ))iussisck- >
Amerika, das Rußland se'tt 17'.>!> kolonisiert hatte; !
die Ausübung der Pelzjagd in demselben war pacht-
weise als Monopol einer .vandelsgesellsckaft, der
Nussisch-Amerikanischen Compagnie, übertragen.
Im Interesse dieser Compagnie erklärte Nußlaud !
durck Utas vom Kl. Sept. ^.^_!l auch das ganze ^
große B. für rnss. Gebiet, so daß die nordamerik.
und eanad. Iischer vont ))iobbenfang ausgescklossen
gewesen wären. Der Streit wurde durch Zurück- ^
nabme dieses Ukases, d. b. dadurck gelöst, daß Ruß- !
land in zwei Verträgen vou 1^24 und 1^25) den !
Unterthanen dcr Nordameritanischen Union und!
Englands "in jedem Teile des Stillen Oceans" außer-
halb der.Mstengewasser das Recht der Schisfahrt
und der Iisckerei zuerkannte. Durch Vertrag von
1^7 trat Rußland alle Rechte über Alaska und im
B. östlick einer astron. ^iltie, die ungefähr etwas
westlicker als die Atitte des B. von Norden nacb
Süden läuft, an die Nordamerikanische Union ab,
weiche das Reckt des Pelzrobbenfangs in der Um-
gebuug der Pribylowiuseln bis zu KXXAX) Stück
jäbrlich an eine Handelsgesellschaft, die ^la^c^
(<"mmei(ül1 l oin^nnv, 1870 zu ausschließlicher
Befugnis verpachtete. Die Nordamerikanische Union
batte eben in Rücksicht auf diesen Robbenfang für
Erwerb von Russisch-Amerika an Rußland 7 2000(X>
Doll. gezahlt. Die canad. Fischer ließen sich durck
dies Monopol nicht beeinträchtigen. Da sie aber
im Gcgeusatz zu jener Handelsgesellschaft den Rob-
benfang raubartig, d. h. in einer die Forterhaltung
der Pelzrobben gefährdenden Weise betrieben, ging
die Regierung der Vereinigten Staaten 1886 dazu
über, durch ihre ^ollkutter mitten im B., also außer-
balb der amerik. .Nüftengewässer, drei engl. Schoner,
Carolina, Onward und Thornton, die mit ^Robben-
fang besckäftigt waren, aufzuheben, ein Vorgehen,
das allgemein in der öffentlichen Meinung als eine
grobe Verletzung des Völkerrechts angesehen, von
den amerik. Prisengerichten aber als rechtmäßig an-
erkannt wurde. Trotz Protestes der engl. Regierung
fanden weitere Wegnahmen canad. Schiffe 1887 und
1889 statt. Die Regierung dcr Vereinigten Staaten
recktfertigte ihr Vorgehen durch die Behauptung,
unter dem Stillen Ocean, für welchen Rußland in
dem Vertrage von 1825 England freie Schiffahrt
und Fischerei eingeräumt habe, sei das V. nicht mit-
verstanden. O bwohl kein Zweifel darüber sein konnte,
daß jene Auslegung des Vertrages von 1825 un-
ricktig war, ging England doch aus dem Grunde
auf cin Schiedsgericht ein, weil es selbst die Erhal-
tung der Pelzrobben im freien B., also das Verbot
aller Raubsisckerei für sehr notwendig hielt, Maß-
regeln bierfür aber, weil es sich nm staatenloses Ge-
wässer handelte, nur im Wege völkerrechtlichen Ver-
trages möglick waren und die Aufstellung derselben
sich leichter durch Schiedsspruch als durch unmittel-
bare Vereinbarnng erreichen ließ. Demgemäß sprack
das Sckicdsgcricht auch aus, daß dcr Robbenfang
innerbalb einer Zone von 60 Seemeilen im Umkreis
der Pribnlowinseln schlechthin und außerdem im
freien B. östlich jener im I. 1867 zwischen Rußland
und der Nordamerikaniscken Union vereinbarten
astron. ^inie in der Zeit zwischen 1. Mai und ."1. Juli
verboten sein solle. Die Frage der Entsckädigungs-
pslickt der Noroamerikanischen Union hinsichtlich der
Wegnahme von Schiffen eugl. Uuterthanen wurde be-
sonderer Vereinbarung vorbehalten.- Vgl. Barclay,
(in der "Kovn" d" dioit int"i'n"l1onli1 6t) <1v
I^iMtion c'ompai'(56", Bd. 25, Vrüss. 18l)Z).
^Berlepsch, Hans Herrn., Freiherr von, erhielt
Ende Juni ^>"; die nachgesnchte Entlassnng als
preuß. Haudelsmiuistcr. Sein Nachfolger wnrde
der Unterstaatssekretär im Ministerium der dfsent-
licken Arbeiten Brefeld (s. d.).
* Verlitt dat l1805) 1677.^0^ (797306 männl.,
879l>l)8 weibl.) E., darunter 1420833 Evangelische,
155363 .Natboliken, 13582 andere Christen und
86152 Israeliten, ferner 2l) 172 bewohnte Wohn-
bäuser, 15)53 andere bewwhnte Gebäude, 40i)70l)
Haushaltungen und 1076 Anstalten. Unter den Ein-