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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin
wohnern sind 23038 Militärpersonen und 2710:; Reichsausländer. Am 1. Jan. 1895 gab es 31599 leer siebende Wohnungen mit einem Mietswert von 14081615 M. Die Zahl der Geburten betrug 1896: 51792 (einschließlich 1741 Totgeburten), der Eheschließungen 18642 und der Sterbefälle 30578. Das 4. Garderegiment zu Fuß und das Königin-Augusta-Gardegrenadierregiment Nr. 4 sind nach B. verlegt. - Der Fremdenverkehr betrug 1895: 578579, 1894: 560903 Personen. Von den größern Vororten hatten 1895: Vorhagen-Rummelsburg 16427, Weißensee mit Neu-Weißensee 27001, Stralau 1750, Lichtenberg 30314, Tegeler Forst und Plötzensee 4079, Friedrichsfelde 6829, Tegel 2740, Reinickendorf 10677, Hohen-Schönhausen 1861, Pankow 11932, Nieder-Schönhausen 3385, Biesdorf 915 6. und links von der Spree Charlottenburg 132 377, sodann Schöneberg 62695, Treptow 2835, Tempelhof 6520, Schmargendorf 2223, Deutsch-Wilmersdorf 14351, Rixdorf 59945, Steglitz 16528, Friedenau 7852, Britz 6844 und Nieder-Schönweide 1978 E., so daß das Weichbild von Groß-Berlin insgesamt 2112366 E. zählte, also 265014 mehr als 1890. B. selbst hat eine Zunahme von nur 98510 Personen oder 6,24 Proz. Die rasche Bevölkerungszunahme ist jetzt auf die Vororte übergegangen, ohne daß die Lösung der immer dringender werdenden Frage der Einverleibung derselben Fortschritte machte.
Der 1. Reichstagswahlkreis hatte 1893: 20169 Stimmberechtigte und wurde allein von der Freisinnigen Volkspartei gegen die Socialdemokraten behauptet. Im 2. Kreise gab es 75347, im 3.: 32570, im 4.: 93036, im 5.: 31244 und im 6. Kreise 121564 Stimmberechtigte. In den vier Landtagswahlkreisen siegte die Freisinnige Volkspartei. Nach der Volkszählung von 1895 hatte der 1. Reichstagswahlkreis 90657, der 2. 328753, der 3. 123607, der 4. 409934, der 5.137427, der 6. 586926 Wahlberechtigte.
Gebäude. Die Kurfürsten- oder Langebrücke wurde erweitert, Schlüters Denkmal des Großen Kurfürsten mit neuem Marmorsockel verseben, und die 1893 umgebaute Friedrichsbrücke erhielt vier in Kupfer getriebene Fackelträger von K. Begas und Piper. Umgebaut sind die Bendlerbrücke mit Figuren von Herter, die Oberbaumbrücke mit der Überführung für die im Bau begriffene elektrische. Hochbahn, die Weidendammer und die Potsdamer Brücke. Vor dem Kriminal-Justizamt in Moabit ist eine Bronzegruppe von A. Wolff, Löwe im Kampfe mit einer Schlange, an der Fischerbrücke Standbilder Albrechts des Bären und des Markgrafen Waldemar errichtet. Vor dem Schönhauser Thore steht seit 1892 das Marmordenkmal von A. Senefelder von Pöble, auf dem Opernplatze seit 1895 das Kaiserin-Augusta-Denkmal von Schaper, und hinter der Universität seit 1894 das Bronzestandbild des Chemikers Mitscherlich von Hartzer. 1895 wurde das Lutherdenkmal von Otto und Toberentz auf dem Neuen Markt, 1896 die Berolina von Hundrieser auf dem Alexanderplatz und die Frau Gertraudt von Siemering auf der Gertraudtenbrücke enthüllt, und 22. März 1897 ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der frühern Schloßfreiheit enthüllt worden. Am Kreuzberg wurde 1891-93 der Victoriapark (mit Wassersturz) angelegt. Die Dom-Interimskirche ist 1892 im Monbijougarten errichtet worden; die Gruftgewölbe bergen die früher im Dom befindlichen Särge. Die Domkirche wurde 1894 abgebrochen und zum Neuen Dom 19. Juni 1894 der Grundstein gelegt. Von Kirchen wurden geweiht die Himmelfahrtskirche (1893) am Humboldthain, ein kreuzförmiger Ziegelrohbau in Renaissanceformen mit roman. Anklängen, die Gethsemanekirche (1893) an der Schönhauser Allee, eine Hallenkirche in Ziegelrohbau in romanisierenden Formen, und die Emmauskirche (1893), ein Ziegelrohbau mit Rundbogenfenstern, die geräumigste Kirche der Stadt (für 2600 Personen), sämtlich von Orth, die kath. Sebastiankirche (1893) auf dem Gartenplatz, ein got. Sandsteinbau, die Lutherkirche (1894) am Dennewitzplatz von Otzen und die kath. Piuskirche (1894) in der Pallisadenstraße, in got. Backsteinformen, beide von Hasack, hie Gnadenkirche (1895) im Invalidenpart, zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta gebaut, ein roman. Sandsteinbau von Spitta, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (2. Sept. 1895) am Kurfürstendamm, eine Centralanlage in Form eines lat. Kreuzes in spätroman. Stil von Schwechten, die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche (1895) an der Lessingstraße, ein got. Bau in Backsteinen mit Sandsteinarchitektur von Vollmer, die Auferstehungskirche (1895) am Friedrichshain, eine dreischiffige Hallenkirche in Backsteinen mit roman. Anklängen, von Blankenstein und Menken, und die Versöhnungskirche (1895) in der Bernauer Straße, ein got. Ziegelrohbau von Mockel. Im Bau sind (1897) die Auferstehungs-, Samariter- und Simeonskirche. Von weltlichen Gebäuden wurden in den letzten Jahren erbaut das Theater Unter den Linden im Barockstil von Fellner und Helmer, das Neue Theater am Schiffbauerdamm und das Goethe-Theater (1896) an der Kant- und Fasanenstraße (von Sebrina), die Deutsche Bank (1891) von Ende und Böckmann, teils von Martens, das Haus des Klubs von B. in der Jägerstraße (1893), mit vornehmer Sandsteinfaçade von Kayser und von Großheim, die neue Urama in der Taubenstraße (1896), das Reichsversicherungsamt von Busse, das Gebäude der königlich preuß. Eisenbahndirektion (1895) am Tempelhofer Ufer, das Reichstagsgebäude (5. Dez. 1894 eingeweiht, s. Parlamentsgebäude, Bd. 12) von Wallot, das Palasthotel (1892/93) am Potsdamer Platz, die kaiserl. Oberpostdirektion (1897) neben dein Reichspostamt, das neue Abgeordnetenhaus in der Prinz-Albrecht-Straße von F. Schulze u. a. Auf der Stelle des frühern Reichstagsgebäudes und des Herrenhauses soll ein neues Herrenhalls nebst Wohnungen für die Präsidenten der beiden preuß. Kammern errichtet und mit dem neuen Abgeordnetenhause zu einer Baugruppe verbunden werden. Das königl. Schauspielhaus ist 1893 im Innern durchgreifend erneuert worden, das königl. Opernhaus, dem jetzt Krolls Theater als Zweiginstitut dient, ist 1895 im Innern renoviert, ein Neubau der Charité beschlossen. Die Gebäude des königl. Marstalls werden (1897) einem umfangreichen Umbau (durch Ibne) unterzogen. Der Verein Berliner Künstler läßt ein in der Bellevuestraße angekauftes Gebäude zu einem Künstlerhaus umbauen. Auf dem großen Gemeindefriedhofe von B. in Friedrichsfelde ist eine Urnenhalle für Feuerbestattung (Kolumbarium, s. Tafel: Leichenverbrennung I, Fig. 4) errichtet worden. Eine wichtige Veränderung stobt bevor durch die Verlegung des botan. Gartens von Schöneberg nach Dahlem bei Steglitz.
Die Verwaltung führen Oberbürgermeister Helle und Bürgermeister Kirschner: Stadtverordnetenvorsteher ist Dr. Langerhans. Von den Stadt-^[folgende Seite]