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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin
verordneten gehören (1895) 50 der Linken, 27 der Fraktion von 1886, 25 der neuen Linken, 18 den Socialdemokraten, 1 der Bürgerpartei an. B. hat 18 Standesämter und wird in 12 Polizeibezirkshauptmannschaften und 99 Polizeireviere geteilt, mit 1600 (einschließlich der 250 berittenen) Schutzleuten. Die Stadt beschäftigt 800 Beamte und 550 Unterbeamte.
Die fünf städtischen Gasanstalten (die 5. wurde 1893, eröffnet) erzeugten 1896/97 aus 378601 t Kohle 110,131 Mill. cbm Gas (außerdem lieferten Privatwerke 31,529 Mill. cbm), wovon zur Straßenbeleuchtung (24366 Flammen) 16,262 Mill. cbm und von Privaten 82,176 Mill. cbm (dazu 31,616 Mill. von der engl. Gasgesellschaft) gebraucht wurden. Die vier Centralen der Elektricitätswerke versorgten 1896: 11783 Bogen-, 251169 Glühlampen, 1383 Apparate und Motoren. Das große Pumpwerk bei Tegel und das Wasserwerk bei Friedrichshagen am Müggelsee lieferten 1896/97: 41,5 Mill. cbm filtriertes Wasser, ihr Wert wird auf 63,758 Mill. M. geschätzt. Dagegen ist das große Pump- und Druckwerk vor dem Stralauer Thore seit Nov. 1893 außer Betrieb. Die Straßenreinigung beschäftigte 1897: 952 Personen und kostete 3224486,97 M., sie erstreckte sich auf 8982561 qm Fläche, davon waren 5379003 qm Fahrdämme. Für die Kanalisation waren 1895: 590864,34 m Thonrohrleitung und 157392,15 m Kanäle hergestellt.
Geschlachtet wurden aus dem Centralvieh- und Schlachthof 1896/97: 146612 Rinder, 141869 Kälber, 395769 Schafe, 694170 Schweine, zusammen 1378410 Tiere. Nachdem auf dem Marheineke- und Weddingplatz sowie in der Grünthaler-Wörther-Straße noch Markthallen errichtet worden sind, werden durch die Centralmarkthalle im ganzen 14 Markthallen mit 8000 Ständen versorgt.
Die Kosten der öffentlichen Armenpflege betragen nach dem Etat 1896/97, abzüglich 655500 M. Einnahme für zurückerstattete Kurkosten, insgesamt 7286500 M., darunter 5230000 M. Almosen- und Pflegegelder, außerordentliche Unterstützungen 720000 M., Kur- und Verpflegungskosten 915000 M. Die Zahl der Almosenempfänger betrug durchschnittlich 1895/96: 25460, die zusammen 4142285 M. erhielten. 1895 betrugen die Stiftungen und Legate der Stadt zu Wohlthätigkeitszwecken 34,846 Mill. M. Waisenkinder wurden 1897: 4811 (2542 Knaben, 2269 Mädchen) verpflegt.
Die Einnahmen und Ausgaben der Stadt betragen (1897/98) 88110481 M. Das Vermögen beträgt (1. April 1896) 548,874 Mill. M., die Schulden 279,834 Mill. M. Die Mietsteuer ist abgeschafft. An indirekten Staatsabgaben gingen 1895/96 ein: Branntweinsteuer 10775904, Tabaksteuer 30579,85, Abgabe für Tabaksurrogate 2l7,95, Salzsteuer 1360083, Spielkartenstempel 1597, Brausteuer 2160651,70, Stempel der Wertpapiere 22735325, Stempelsteuern 5190048,50, Erbschaftssteuern 1538836, Brücken-, Strom- und Hafengelder 269513 M., zusammen 44062756 M. oder 26,28 M. auf den Kopf der Bevölkerung. Die direkten Abgaben betrugen 1894/95: Staatseinkommen- und Klassensteuer 22125747,31 M., Gebäudesteuer 8951038,37, Gewerbesteuer 3994800, Grundsteuer 8277,45 M., zusammen 35079863,13 M., d. i. 21,4 M. auf den Kopf der Bevölkerung.
Die städtischen Abgaben waren für 1897/98 veranschlagt mit 16356000 M. Gemeindegrundsteuer, 454380 Hundesteuer, 22820000 Gemeindeeinkommensteuer, 7020000 Gewerbesteuer, 275000 Betriebssteuer, 2420000 Umsatzsteuer, 650000 M. Braumalzsteuerzuschlag, zusammen 50015880 M., mithin 28,9 M. auf den Kopf. Die Gemeindeeinkommensteuer zahlten 328669 Personen, sie betrug 100 Proz. der Staatssteuer. Die Hundesteuer ist auf 20 M. erhöht. Die städtischen Werke haben 1894/95: 6228290 M. Überschüsse ergeben, wozu 4147590 M. die Gaswerke, 1700900 die Wasserwerke, 327500 der Centralviehhof, 52300 M. die Schlachthofverwaltung beitrugen.
Am 1. April 1897 hatte die städtische Sparkasse 209 701632 M. Gesamtvermögen, die Guthaben betrugen 194871293 M., die Zahl der Sparkassenbücher 577064, also durchschnittlich 337,69 M.
Behörden. Das Kammergericht hat außer dem Präsidenten 12 Senatspräsidenten, 63 Räte, das Landgericht 1: 1 Präsident, 34 Direktoren, 113 Richter (Räte und Landrichter) und 25 Staatsanwälte, das Landgericht II: 1 Präsident, 5 Direktoren, 23 Richter und 8 Staatsanwälte. Beim Amtsgericht I sind 1 Präsident und 145 Richter (Räte und Amtsrichter) und beim Amtsgericht II: 23 Richter thätig. Die königl. Eisenbahndirektion B. hat seit 1895 nur noch 569,13 km Linien in Verwaltung, da der größte Teil an die neuen Eisenbahndirektionen Halle, Posen und Stettin übergingen.
Unterrichtswesen. Die Universität hat (1896/97) 85 ord., 13 ord. Honorar-, 85 außerord. Professoren, 173 Privatdocenten, 4 Lektoren, 2 Lehrer der Zahnheilkunde und 17 Sprachlehrer. Immatrikuliert waren 5620 Studenten (4012 Preußen, 764 andere Deutsche, 585 andere Europäer, 259 Nichteuropäer), davon 454 der theol., 1872 der jurist., 1313 der mediz. und 1981 der philos. Fakultät. Außerdem waren noch 4363 Personen (93 Damen) zum Hören berechtigt. An Instituten sind ferner errichtet: die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (s. d., Bd. 13), die Chemisch-Technische Versuchsanstalt und das kaiserl. Deutsche Archäologische Institut, sodann ein Staatswissenschaftlich-Statistisches Seminar und 1893 ein Mädchengymnasium. Für das höhere Unterrichtswesen waren 1. Febr. 1896 vorhanden 27 Vollanstalten mit neunjährigem, 12 höhere Schulen mit sechsjährigem Lehrgang (17 Gymnasien, 8 Realgymnasien, 2 Oberrealschulen, 12 Realschulen) mit zusammen 18521 Schülern. Das Lehrerpersonal bestand aus 39 Direktoren, 618 Oberlehrern, 205 wissenschaftlichen Hilfslehrern und 130 technischen Lehrern. An höhern Mädchenschulen besaß B. 9 (3 königlichen, 6 städtischen Patronats), welche 1895 von 5362 Schülerinnen besucht wurden. Außerdem bestanden 22 höhere Privat-Mädchenschulen, deren Schülerinnenzahl auf etwa 6000 zu veranschlagen ist. Die Gemeindeschulen wurden 1895 von 91903 Knaben und 93426 Mädchen besucht.
Anfang 1896 erschienen 741 Zeitungen und Zeitschriften, davon etwa 125 täglich, 64 sind amtlich, 67 politisch, 207 für Kunst und Wissenschaft, 284 für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, 43 religiöse und 75 sonstige.
Industrie und Gewerbe. Nach den Berichten des Gewerberats gab es 1894 für Berlin und Charlottenburg 4392 Fabriken mit 136520 Arbeitern (94931 männl., 34210 weibl. und 7379 jugendliche, darunter 2971 weibl.). Von den Fabriken sind 503 mit elektrischen Motoren versehen. In den Maschinenanlagen verunglückten 1894: 4287 Personen.