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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Binsdorf - Birma
aber die Statistik die ihr zu Gebote stehenden Mittel zur Erforschung des Wesens der Wanderungen durchaus noch nicht völlig ausgenutzt hat, ist eine erhebliche Erweiterung unsers Wissens hierüber in nicht ferner Zeit mit Sicherheit zu erwarten.
Litteratur. Bücher, Zur Statistik der innern Wanderungen und des Niederlassungswesens lin der "Zeitschrift für schweiz. Statistik", Bern 1887); Rauchberg, Innere Wanderungen in Österreich (im "Statist. Archiv", Tüb. 1893); ders. Die Bevölkerung Österreichs (Wien 1895); Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 68, Neue Folge (Berl. 1894); Wirnünghaus, Stadt und Land unter dem Einfluß der B. (in den "Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik", Jena 1895); ferner die Veröffentlichungen der statist. Amter deutscher Städte (Berlin, Breslau, Magdeburg, Leipzig, Frankfurt a. M. u. s. w.).
Binsdorf, Stadt im Oberamt Sulz des württemb. Schwarzwaldkreises, auf dem Jura, hat (1895) 840 kath. E., Post, Telegraph und kath. Kirche.
Bioblasten (grch.) ,nach Altmann die in der homogenen Grundsubstanz einer Zelle auftretenden rundlichen Körnchen. Er sieht in ihnen die wahren Elementarorganismen und die letzten Sitze aller Erscheinungen des organischen Lebens. Eine Zelle ist im wesentlichen eine Kolonie von B. Freilebende B. sind die Bakterien. Diese Hypothese hat bis jetzt in der wissenschaftlichen Welt wenig oder keinen Anklang gefunden.
Biogēn (grch.), nach Verworn der Eiweißkörper, durch dessen Gegenwart sich die lebendige Zellsubstanz von der toten unterscheidet. Das tote Eiweißmolekül befindet sich in einem Zustande stabilen Gleichgewichts seiner Atome, das B. hat hingegen eine in hohem Grade labile Konstitution. Das B. kommt durch eine Gesamtheit von Umsetzungen des Stoffs zu stände, der die Assimilation ist, während die Dissimilation die Umsetzungen umfaßt, die vom Beginn des Zerfalls des B. bis zur abgeschlossenen Bildung der abgeschiedenen Produkte reichen. Das numerische Verhalten beider wechselt sehr und schwankt schon an und für sich ohne den Einfluß von Reizen stark. Das Verhältnis von Assimilation zu Dissimilation in der Zeiteinheit läßt sich durch den Bruch ^[Abbildung] wiedergeben und wird von Verworn Biotonus genannt. Auf den Schwankungen in der Größe dieses Bruchs beruhen bei allen Organismen die Wechsel ihrer Lebensäußerungen.
Biogeogrăphie (grch.), die Lehre von der geogr. Verbreitung der Lebewesen; sie zerfällt naturgemäß in Pflanzen-, Tier- und Anthropogeographie.
Biotŏnus (grch.), s. Biogen.
Bird (spr. börd), Isabella, verheiratete Bishop, engl. Reiseschriftstellerin, wurde 1834 zu Edinburgh geboren. Nach einem Besuche in Canada veröffentlichte sie anonym "The English woman" (1858). Diesem Werke folgten später Beschreibungen einer Reihe anderer, in mehrern Weltteilen von ihr unternommenen Reisen, die sie (unter ihrem Mädchennamen) in lebendiger Weise schilderte. Hervorzuheben sind: "Six months in the Sandwich Islands" (1876), "A lady’s life in the Rocky Mountains" (1879), "Unbeaten tracks in Japan" (1880; deutsch Jena 1886), "In the Golden Chersonese" (1883), "Journeys in Persia and Kurdistan" (1891), "Among the Tibetans" (1894). 1895/96 reiste sie in Korea und dem östl. Asien.
Birgus, s. Kokoskrebse.
Birkesdorf, Dorf im Kreis Düren des preuß. Reg.-Bez. Aachen, an der Ruhr, mit Dampfstraßenbahn nach Düren, hat (1895) 2896 E., darunter 55 Evangelische, Post, Telegraph, Bürgermeisterei, kath. Kirche, Krankenhaus; Maschinen-, Tuch-, Teppich-, Karton- und Kunstwollfabrikation, Bauschreinerei und Mühle.
*Birma zerfällt gegenwärtig in 8 Divisionen mit 36 Distrikten, davon entfallen auf Oberbirma 4 Divisionen (Nord-, Central-, Ost- und Süddivision) mit 17 Distrikten, auf Niederbirma ebenfalls 4 Divisionen (Arakan, Irawadi, Pegu und Tenasfcrimj mit 19 Distrikten. Über die Bevölkerung sind, da die Grenze im Norden noch nicht feststeht, keine bestimmten Daten zu geben; sie dürfte kaum (mit den Dependenzen) 9 Mill. überschreiten. Die größten Städte sind (1891): Mandate (188815 E.), Rangun (180324 E.), Malmen (55785 E.), Akjab (37938 E.), Bassein (30177 E.) und Prome (30022 E.). Dem Religionsbekenntnis nach wurden 1891 gezählte 6888075 Buddhisten, 253031 Mohammedaner, 171577 Hindu, 168449 Nat-Verehrer, 120768 Christen, 3164 Eith, 351 Juden, 96 Parßi.
Über den bedeutenden Binnenhandel, besonders auf dem Irawadi zwischen Ober- und Niederbirma, können nur Schätzungen gemacht werden. Im Außenhandel wurden 1893/94 Waren eingeführt für 98594375 Rupien, ausgeführt für 114058201 Rupien, davon 23 Mill. nach England, 20 Mill. nach Ägypten (hauptsächlich Reis), 0,9 Mill. nach Deutschland, 1/4 Mill. nach Frankreich u. s. w. Der deutsche Handel mit B. hat zugenommen, obgleich der deutsche Schiffsverkehr abnahm (1893/94: 42 Schiffe mit 56376 t gegen 81 Schiffe mit 83537 t im J. 1884/85). Es rührt dies daher, daß ein großer Teil der deutschen Waren unter engl. Flagge fährt. Haupteinfuhrartikel waren in B. Baumwollwaren und Garne (15 Mill. Rupien), Seidenwaren (7,9 Mill.), Eisenwaren, Maschinen und Roheisen (5,4 Mill.), Eßwaren (4,2 Mill.), Bier und Spirituosen außer Wein (2,2 Mill.); Hauptausfuhrartikel: Reis (58,9 Mill.), Teakholz (4,3 Mill.), Katschu (2,4 Mill.), Kautschuk (0,9 Mill.) u. s. w. An Eisenbahnen bestanden 1896 die Linien Rangun-Prome-Allan-mjo, Rangun-Pegu-Tungu-Mandate, Sagaing bei Mandale-Wuntho. Der Eröffnung nahe stehen die Linien Wuntho-Mogung, Manle-Katha. Geplant und zum Teil begonnen sind die Linien Mandate - Amarapura, Awa-Sagaing, Mogung-Mjitkina (zur Umgehung der Irawadistromschnellen), Katha-Bhamo, Mandale-Chines. Grenze bei Kunlong am Saluen, Malmen-Birman. Grenze bei Mjawadi imit Fortsetzung durch Siam und die nördl. Schanstaaten bis Szumao in Jün-nan). 1894 betrug die Länge der fertigen Bahnstrecken 1175 km, Ende 1896 dürften es ungefähr 1500 km sein. Telegraphenlinien giebt es (1893/94) 17189 km. Durch Anschluß des ind.-birman. Telegraphennetzes an das chinesische ist jetzt ein telegr. Verkehr auf dem Landwege zwischen Europa und Peking ermöglicht.
Geschichtliches. Durch einen Grenzvertrag mit China (1. März 1894) trat Oberbirma einen Teil der Schanstaaten (Muang-lim und Kiang-hung) an China unter der Bedingung ab, daß letzteres diese Gebiete nur mit Genehmigung Englands an eine andere Nation abtreten darf. Durch den engl.-franz. Vertrag vom 15. Jan. 1896 erhielt Niederbirma die Anwartschaft auf das kleine Neststückchen des Stromgebietes des Saluen, das noch zu Siam gehört.