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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chinoxalin - Cholera
Chinoxalin, eine dem Chinolinss.d., Vd.4) nahe
stehende organische Base von der Zusammeusetzung
(^IIeX.2, deren chem. Konstitution durch die Formel
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dargestellt wird. Durch Ersatz der Wasserstossatome
durch andere Atome oder Atomgruppen leiten sich
die zahlreichen Chinoralindcrivate ab, die, wie das
C. selbst, ausnahmslos auf künstlichem Wege er-
halten worden sind. Zu diesen Derivaten gehören
auch eine Reibe von Farbstoffen, die man als Chin -
oxalinfarbstoffe b ezeichnet.
Chiromo, afrik. Ort, s. Tschiromo.
Ehloralose, ein Kondensationsprodukt von
Traubenzucker und Chloral, das in seinen farblosen,
bei 184-186° schmelzenden, in warmem Wasfer
leicht löslichen, bitter schmeckenden Nadeln krystalli-
siert und als beruhigendes und schlaferzcugendcs
Mittel mediz. Anwendung findet.
*Chlumecky, Johann, Freiherr von, wurde
im März 1893 nach dem Rücktritt Franz Emolkas
zum Präsidenten des o'sterr. Abgeordnetenhauses
gewählt.
*Eholera. Die Cholerabacillen bilden in Rein-
kulturen in Gelatineplatten schon innerhalb 16 Stun-
den außerordentlich charakteristische Kolonien, die sich
bei Betrachtung mit schwacher Vergrößerung durch
ihre unregelmäßige, körnig-höckerige Struktur und
ihren intensiven Glanz auszeichnen und den Kenner
in den allermeisten Füllen schon an und für sich die
richtige Diagnose bei der Untersuchung choleraver-
dächtigcr Objekte ermöglichen. Die eigenartige Form
dieici Kolonien auf Gelatincplatten bildet auch
eines der wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale
gegenüber den zahlreichen, besonders im Flußwasfer
gefundenen choleraähnlichen Vibrioncn. Eine
eigentümliche Farbenreaktion, die fog. Cholera-
rot- oder Nitrosoindolreaktion, tritt in Kul-
turen in Bouillon, Peptonlösung u. s. w. bei Zusatz
von Schwefel- oder Salzsäure in Gestalt einer Rot-
färbung ein; sie beruht auf der Anwesenheit zweier
Stoffwechselprodukte der Cholerabacillcn, Indol
und Nitrite, kommt übrigens nicht dem Cholera-
bacillus ausschließlich, sondern auch verwandten
Arten zu. Auch auf den meisten andern natürlichen
und künstlichen Nährsubstraten vermögen die Cho-
lerabacillen zu wachsen, wenn gewisfe allgemeine
Existenzbedingungen gegeben sind; zu letztern ge-
hören vor allem eine Temperatur von etwa 16 bis
40°, reichlicher Luftzutritt und Abwesenheit von
Säuren. Freie Säuren wirken höchst verderblich
auf die Cholerabacillen; auch der normale saure
Magensaft vernichtet sie in kurzer Zeit, wodurch ein
wirtsamer Schutz des gesunden, normal funktio-
nierenden Verdannngsapparates gegenüber einer
Cholerainfektion zu stände kommt. Sehr empfind-
lich sind die Cholerabacillen gegen Erhitzuug; schon
bei einer 10 Minuten lang dauernden Erhitzung
auf 60° 0. sind sie abgestorben; dasselbe wird durch
ganz kurzes Aufkochen erreicht. Gegen chem. des-
infizierende Mittel sind sie ebenfalls sehr wenig
widerstandsfähig; durch 2prozentige Carbolsäure
oder Sublimat 1: 2000 werden sie binnen wenigen
Minuten sicher abgetötet. Auck dem einfachen Aus-
trocknen vermögen sie keinen Widerstand entgegen
zu setzen; in dünner Schicht vollständig angetrock-
net, sind sie binnen 2-24 Stunden abgestorben;
an der menschlichen Zand sterben sie binnen etwa
2 Stunden, an glattem Papier binnen 24 Stunden,
auf trocknen Waren, Kleidungsstoffen n. s. w. binnen
24-48 Stunden ab. Diese Thatsache ist deshalb von
besonderer praktischer Wichtigkeit, weil hiernach eine
Verbreitung der Choleraerreger in staubförmigem
trocknen Zustande durch die Luft, wie sie früher
vielfach angenommen wurde, völlig ausgeschlossen
ist; besondere Versuchsreihen haben die Unmöglich-
keit einer solcbcn Verbreitung durch die Luft in ein-
wandsfreier Weise dargethan. Dagegen vermögen
sich die Cholerabacillen auf feuchten: Substrat in
der natürlichen Umgebung des Menschen sehr lange
lebensfähig und infektionstüchtig zu erhalten; in
Dejektionen Cholcrakranker, im Trinkwasser sind sie
tage- bis wochenlang haltbar, ganz besonders lange
im Innern von Bündeln feuchter Wüsche oder Lum-
pen, weshalb die Gefahr einer Verschleppung der
Infektionsträger durch diese Effekten ganz beson-
ders groß ist. Die specifischen Giftstoffe der
Cholcrabacillcn, zu deren Annahme bereits die kli-
nische Betrachtung des Choleraprozesses nötigte, hat
R. Pfeiffer in der Lcibessubstanz der Bacillen selbst
nachgewiesen; dieselben (die sog. primären To-
rine) stellen eine außerordentlich leicht zersetzliche
Substanz von hochkomplizicrter, nicht näher ge-
kannter chem. Zusammensetzung dar und liefern bei
ihrem Zerfall minder giftige sog. sekundäre To-
xine.Vonden in den Zellleibern mancher verwandten
Arien choleraähnlicher Vibrionen enthaltenen ähn-
lichen Giften unterscheiden sie sich durch ihre absolut
specifische Wirkung auf den Tierkörper, so daß sie mit
hoher Wahrscheinlichkeit als das wahre, auch beim
menschlichen Cholcraprozeß wirksame Gift anzusehen
sind. Die von frühern Antoren aus Cboleraknlturen
gewonnenen giftigen Eiweißkörper hingegen sind
wegen des Mangels einer solchen specifischen Wir-
kung nur als Nebenprodukt aufzufassen.
Die Erzeugung eines der C. gleichenden Krank-
heitsbildes bei Tieren durch die Vacillen gelingt bei
gesunden Tieren bei einfacher Verfütterung nicht.
Dieses negative Ergebnis stimmt mit der Erfahrung
überein, daß die C. eine eben nur beim Menschen vor-
kommende Krankheit ist. Werden die Bacillen nach
vorangegangener Lähmung der Darmmuskulatur
mittels Opiums direkt in den Darm oder durch
den Magen nach vorheriger Alkalisicrung desselben
eingebracht, so entsteht zwar eine etwas choleraähn-
liche Darmentzündung, doch fehlen die Durchfälle
und die übrigen für den menschlichen Choleraprozeß
charakteristischen klinischen Symptome; die Tiere
sterben nntcr Erscheinungen einer Vergiftung. In
einfacherer Weise läßt sich bei Meerschweinchen der-
selbe Effekt dnrch Injektion von Cholcrakulturen in
die Bauchhöhle erreichen. Die Tiere erfahren an-
fangs eine deutliche fieberhafte Temperaturstcige-
runa, auf die nach einigen Stunden starkes Absinken
mit Kräfteverfall, Lähmungserfchcinungen und töd-
lichen: Ausgang erfolgen; auch hier fehlen die Diar-
rhöen vollständig. Dieser beim Meerschweinchen
künstlich hervorgerufene Choleraprozeß unterscheidet
sich also in seinem klinischen Verlauf wesentlich von
der menschlichen, durch den natürlichen Infektions-
modus hervorgerufenen Krankheit; er entspricht nur
dem letzten Teil des menschlichen Choleraprozesses,
dem sog. Kältestadium, das ja auch lediglich als
Vergiftung durch die Torine der Cholerabacillen
aufgefaßt werden mnß. Der bemerkenswerte Unter-
fchied beider Prozesse besteht darin, daß der Cho-
Artikel, die man unter C vcrn'.ißt, sind unter K aufzusuchen.