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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chinin

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Chinin

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Chinesisch-Japanischer Krieg'

18. Nov. fand ein leichtes Avantgardengefecht statt, 20. Nov. setzten sich die Japaner auf den Höhen nördlich von Port-Arthur fest, und am folgenden Tage begann das Bombardement. Die ersten chines. Werke wurden schon gegen 8 Uhr früh erobert, gegen 3 Uhr nachmittags waren sämtliche Küstenwerke östlich der Einfahrt zum Hafen genommen, 22. Nov. früh besetzten die Japaner auch die westl. Werke. Die Chinesen leisteten an keiner Stelle nennenswerten Widerstand, der größte Teil ihres Heers entkam glücklich, ihr Verlust betrug 2–3000 Mann, die Verluste der Japaner etwa 400 Mann.

Der chines. General Sung, der mit seinen früher am Jaluflusse stehenden Truppen den vor Port-Arthur beschäftigten Japanern in Flanke und Rücken fallen sollte, griff 21. Nov. die schwache japan. Besatzung in Kin-tschou, nordöstlich von Port-Arthur, an, mußte aber über Fu nach Norden zurückweichen, worauf eine Brigade der II. japan. Armee 5. Dez. Fu besetzte. Im übrigen bezog die II. Armee in Kin-tschou, Port-Arthur, Ta-lien-wan Winterquartiere. Die nach Fu marschierte Brigade sollte die Verbindung mit der I. Armee aufnehmen. Diese hatte 13. Dez. Hai-tsching erreicht, eine größere Stadt am Ausgange des mandschurischen Gebirges, wo sie 19. Dez. mit dem auf dem Rückmarsche von Fu begriffenen General Sung zusammentraf. Es kam zu einem harten Kampfe, der erst für die Japaner siegreich endete, als das Gros der 3. Division eintraf. Dagegen gelang es der 5. japan. Division nicht, Ljau-jang südlich von Mukden zu erreichen, weil die Wege durch das Gebirge gar zu schlecht waren. Die Division ging daher auf Föng-hwang-tsching zurück. Einige Tausend Chinesen griffen 13. Dez. diese Stadt ziemlich überraschend an, wurden aber 14. Dez. in vollständiger Auflösung nach Norden zurückgeworfen. Überall wurden jetzt die Winterquartiere aufgesucht, doch zogen die Chinesen fortgesetzt Verstärkungen nach der Liau-ho-Ebene. Ihre Flotte, soweit sie nicht vernichtet worden war, hatte sich in Wei-hai-wei vor den Japanern in Sicherheit gebracht; es waren dort noch 7 gute, einige veraltete Kriegsschiffe, 6 Kanonen- und 11 Torpedoboote versammelt. Die Besatzung von Wei-hai-wei zählte 10000 Mann, die Forts und Werke der Seeseite waren vorzüglich armiert, beinahe durchweg mit schweren Kruppgeschützen; die Landseite dagegen war recht schwach befestigt. Am 20. und 21. Jan. 1895 landeten die Japaner in einer Stärke von etwa 20000 Mann unter dem Marschall Ojama, dem Eroberer von Port-Arthur, in der Jung-tsching-Bai und begannen sogleich den Vormarsch gegen Wei-hai-wei. Obschon die Chinesen von der Landung der Japaner Kenntnis hatten, ließen sich die Ostfortsbesatzungen am 30. Jan. vollständig von den Japanern überraschen. Um die Mittagsstunde befanden sie sich sämtlich im Besitze der Japaner, und da die Chinesen nicht einmal die schweren Geschütze unbrauchbar gemacht hatten, so konnten die Japaner sofort den Kampf gegen das Itao-Fort und die chines. Flotte aufnehmen. Unterdessen war die 2. Division der Japaner gegen die Westforts von Wei-hai-wei vorgegangen, deren Besatzung sie freiwillig aufgab und nach Tschi-fu zurückging. In der Nacht zum 4. Febr. gelang es den Japanern, eine 50 m breite Lücke in der Balkensperre nördlich des Fort Lung-miau-tsui herzustellen, so daß ihre Torpedoboote nunmehr in den Hafen gelangen konnten, worauf sie in der folgenden Nacht einen ↔ Angriff gegen die chines. Flotte unternahmen. Das Panzerschiff Ting Juen wurde getroffen, konnte aber noch auf flaches Wasser dampfen und seine Besatzung retten. Die Japaner verloren zwei Torpedoboote, erneuerten aber in der folgenden Nacht ihre Torpedobootsangriffe und brachten zwei chines. Kriegsschiffe und einen Minenleger zum Sinken. Am 7. Febr. griff nun endlich die japan. Kriegsflotte ernsthaft in den Kampf ein. Das Itao-Fort wurde zum Schweigen gebracht, die chines. Torpedoboote entflohen in der Richtung nach Tschi-fu, jedoch wurden 7 gekapert, 2 vernichtet, so daß nur 2 glücklich entkamen. Ein weiteres chines. Kriegsschiff wurde zum Sinken gebracht, worauf Admiral Ting Selbstmord beging und 14. Febr. Wei-hai-wei gegen Zusicherung freien Abzuges der Truppen kapitulierte. Der ganze Rest der chines. Flotte fiel damit den Japanern in die Hände.

In der Mandschurei zwang die bis unter –20°R. fallende Temperatur des Winters die Japaner zu einer langen Ruhe. Die Chinesen sammelten 50–60000 Mann in der Liau-ho-Ebene und griffen mit Teilen dieser Truppenmasse 17. und 22. Jan. 1895 das befestigte Hai-tsching an, wurden aber blutig abgewiesen. Am 16. und 17. Febr. kam es zu neuen Kämpfen, die wiederum für die Japaner siegreich endeten, das Gleiche geschah 21. und 24. Febr. Am 28. Febr. ergriffen nun endlich die Japaner die Offensive, warfen die Chinesen in nördl. Richtung zurück und eroberten 4. März in erbittertem Straßenkampfe Niu-tschwang. Am 11. März nahmen die Japaner Jing-tze, am folgenden Tage das südlich der Stadt gelegene Küstenfort. Am 9. März brachte General Nodsu den Chinesen bei Tien-tschwang-tai eine empfindliche Niederlage bei.

Die japan. Flotte brachte 23. März die alten chines. Befestigungen des Hafens Makung auf der größten der Pescadoresinseln, Pong-hu, zum Schweigen; am 24. März früh landeten die Japaner noch in der Dunkelheit und nahmen die Werke von der Landseite.

Schon im Februar hatte China Friedensunterhändler nach Hiroshima geschickt, deren Vollmachten jedoch von den Japanern nicht als genügend anerkannt wurden, und erst als 19. März Li-Hung-tschang (s. d.) mit den weitesten Vollmachten versehen in Simonoseki eintraf, kamen die Verhandlungen in Fluß. Schon 31. März wurde der Waffenstillstand, der jedoch nur für Nordchina bis zum 20. April gelten sollte, unterzeichnet; am 17. April erfolgte der Abschluß der Friedenspräliminarien, die 8. Mai ratifiziert wurden. (S. China, Geschichte.)

Vgl. Jukichi Inouye, Der Japanisch-Chinesische Krieg (deutsch, Dresd. 1895); von Kunowski und Fretzdorff, Der Japanisch-Chinesische Krieg (2 Tle., Lpz. 1895); Liposcak, Der C. K. (Wien 1895); von Müller, Der Krieg zwischen China und Japan 1894–95 (3 Tle., Berl. 1895); F. de Villenoisy, La guerre sino-japonaise et ses conséquences pour l'Europe (Par. 1895); Vladimir, The china-Japan war (Lond. 1896); von Hanncken, Episoden aus dem C. K. (in der «Deutschen Rundschau», 1896).

*Chinin. Der Verbrauch von C. auf der ganzen Erde wird für 1895 auf 230000 kg geschätzt. Etwa 75 Proz. der Gesamtfabrikation, die 1894 rund 250000 kg betrug, werden in Deutschland produziert, aber nur 8 Proz. davon hier verbraucht. Der Preis für schwefelsaures C. war 1895 in London 40 M. für das Kilogramm.

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