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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Englisches Schul- und Universitätswesen
schließlich der finanziellen Förderung dcrVoluntai'x
3c1i00i8 dienen sollte, versprochen wurde.
In Bezug auf den sog. sekundären Unterricht
wird das Bedürfnis einer Reform von allen Seiten
^?e55c???nt, und es wurde daher 1894 eine Kommis-
sion unter dem Vorsitz von James Vryce ernannt,
die eine Anzahl von Sachverständigen vernahm und
sich durch Versendung von Fragebogen u. s. w. weitere
Auskunft verschaffte, wobei auch über ausländisch?
Verhältnisse Erkundigungen eingezogen wurden.
Endlich wurden Hilfsarbeiter ernannt, die beauf-
tragt wurden, über einzelne Landesgebiete Bericht
zu erstatten. Die Konnnission hat über ihre Arbeiten
9 Bände veröffentlicht: Bd. 1 enthält den Gesamt-
bericht, Bd. 2, 3 und 4 die Protokolle über die Ver-
nchmuugen der Sachverständigen, Bd. 5 die Beant-
wortung der Fragebogen, Specialbcrichte und Aus-
kunft über ausländische Einrichtungen, Bd. 6 und 7
die Berichte der Hilfsarbeiter, Bd. 8 eine Zusammen-
stellung der Aussagender Sachverständigen und Bd. 9
statist. Tabellen. Die in dem Gesamtbericht enthal-
tenen Vorschläge bezwecken hauptsächlich: 1) die Ein-
setzung einer neuen Zentralbehörde, welche die Funk-
tionen verschiedenartiger jetzt bestehender Behörden
übernimmt, namentlich des ^äu^ition Department,
des 3ci6nc(i ^nä ^rt I)6Mrtni6nt und der ^Ii^rit)'
^oillmi88i0N6i'8, insoweit sie sich auf Sckundärunter-
richt beziehen und nicht an die neu zu begründenden
Provinzialbehördcn übergehen; 2) die Einsetzung
besonderer Provinzialbehördcn, welche die Ein-
richtung und Überwachung des Sekundärschulwcsens
innerhalb des Gebietes ihrer örtlichen Zuständigkeit
übernehmen sollen; 3) die Einführung gesetzlicher
Bestimmungen, nach denen die Provinzialbehörden
ermächtigt und verpflichtet werden, an den Orten,
wo die bestehenden schulen nicht genügen, unter
Inanspruchnahme der^durch die Kommunalsteuern
beschafften Mittel neue Sekundärschulen zu errichten;
4) die Beaufsichtigung und event, die Umgestal-
tung der existierenden Sekundärschulen, insoweit sie
über Stiftungsvermögcn verfügen oder aus öffent-
lichen Mitteln unterstützt werden; 5) die Beaufsich-
tigung der existierenden Privatschulen, die in der
Weise erfolgen soll, daß bei solchen Schulen, die als
Sekundärschulen einer bestimmten Klasse anerkannt
sein wollen, die Einrichtungen der schulen und die
Qualifikation der Lehrer gewissen Anforderungen
genügen müssen und regelmäßige Inspektion statt-
zufinden hat, während bei solchen, die eine derartige
Anerkennung nicht beanspruchen, nur die gesund-
heitlichen Einrichtungen zu prüfen wären; 0) die Er-
nennung von Prov'inzialinspettoren; 7) eine Um-
gestaltung des Stipendienwesens, über die Aus-
sichten dieser Vorschläge läßt sich vorläufig noch
nichts sagen, da das große Publikum sich wenig
für diesen Gegenstand interessiert.
Das tcchnisch e Untcrri chtsw csen ist seit dem
1'6e1iiiiclil Inätruction ^Vct von 1889 und dem I^oc^i
^axation ^Vct von 1890 in annähernd befriedigender
Weise für das gesamte Königreich qelöst. Danach ist
es den einzelnen Städten, resp. den'Ic^vn und ^ouiit^
(^uneilZ überlassen, die für ihren Distrikt notwen-
digen Unterrichtsfächer selber zu bestimmen und die
notwendigen Klassen und Schulen einzurichten.
Das einzige Erfordernis ist, daß das 'I'o^vn oder
^ount^ ^ouncii bei Einrichtung einer neuen Klasse
vom Zcisiico ^nä ^i-t DoMltmeiit die Erlaubnis
einholt, das Erträgnis des I^ocal I^xation ^ct für
diesen Unterrichtsgegenstand verwenden zu dürfen.
1894 beliefen sich die Erträgnisse des I^ocal i'axH-
tion ^ct auf 750000 Pfd. St., und davon wur-
den 600000 Pfd. St. für die technische Erziehung
verwandt. Hierzu kommen noch die von Körper-
schaften, Privaten u. s. w. für diefen Zweck bewillig-
ten, nicht unbeträchtlichen Summen.
DicHauptbeweaung für technische Erziehung ging
und geht von London aus. Die von dem Oit/anä
(sui1ä3 In3titnt6 eingerichteten Erannua, zu denen
von übemll her aus dem Vereinigten Königreich
sich die Schüler stellen, haben der technischen Er-
ziehung trotz aller Decentralisation einen gewissen
einheitlichen Charakter aufgedrückt und ihr eine be-
stimmte Richtuna, gegeben. 1894 waren auf dem
Register des Instituts 891 Klassen verzeichnet. Die
Schülcrzahl betrug 27 583, von denen sich 11594
zu den Prüfungen stellten. 65 Unterrichtsgegen-
ständc wurden gelehrt, darunter namentlich Chemie,
Brauen, Destillieren, Baumwoll-, Woll-, Seiden-
weberei und -Färberei, Papier- und Buchgewerbe
aller Branchen, Ingenieurwissenschaft, Minieren
und Bergbau, Eisen- und Holzindustrie, Lederbear-
beitung, Telegraphie, Elektricität mit Rücksicht auf
Beleuchtung, Verkehr, Maschinenbau u. s. w.
Die größten und am besten geleiteten Anstalten be-
finden sich naturgemäß in den größten Industrie-
städten. Keine von ihnen ist ohne eine Handwerker-
schule und ein ^ocnnoIoFicÄi (^oIIsgL. Den ersten
Rang unter allen nimmt aber London ein. Außer
den einzelnen überall dort bestehenden Fachklassen
befinden sich hier die von dem lüit^ gM (luiläZ Inäti-
Wt6 geleiteten drei Hochschulen:
I. Das (^nti-Hi Inätiwt6 in South Kensington,
1884mit einem Kostenaufwand von 100 000 Pfd. St.
eröffnet. Lehrer, Ingenieure, Fabrikleiter aller
Branchen erhalten hier ihre Ausbildung.
II. Für die praktische Ausübung der Industrie
ist das lüit^ imä (iniiä ^6cknica1 <üoIl6F6 in Fins-
bury für Schüler beiderlei Geschlechts bestimmt.
III. Im Modellieren,Zeichnen, Holzschnitzenu.s.w.,
kurz in allen im gewerblichen Leben angewandten
Künsten unterrichtet die soutii I^o^äon Zoliool ol
^rt in Kennington Park Road.
Außer diesen Anstalten haben die Buchdrucker
eine Hochschule in 8t. Vi-iä6'8 ^onnclation Iii8tiwt6.
Für die Leder-Industrie besteht die I^atkki- Ii-aäs^
80I100I in Vethnal Green Road. Schreinerei und
Holzschnitzen wird in sechs verschiedenen Fachklassen
in London gelehrt. - Außer diesen mehr oder minder
mit dem Oit^ knä (^ui1(i8 In3titut6 in Verbindung
stehenden Fachschulen haben die verschiedenen Poly-
techniken (Fortbildungsinstitute für Kaufleute und
Arbeiter) sowie das UniverÄt^ O0II6F6, Xin^'3>
<üo11c;ss6 und Privatschulen, wie das Lii-Kd6cl5ln8ti-
tuto, (^it^ ot l^onäon (^oiwFo, technische Fachklassen
eingerichtet, die vom Londoner ^ouut^ (^onncii
einen jährlichen Zuschuß erhalten. Von den übri-
gen großen Städten zeichnet sich durch seine techni-
schen Erziehungsanstalten aus: Manchester, das
auf Grund des Whitworth-Vermächtnisses eine
großartige technische Schule in Sackville-Street
mit einem Kostenaufwand von 100000 Pfd. St.
errichtete. Der Unterricht in der Textilindustrie
nimmt hier einen hervorragenden Platz ein. Bir-
mingham eröffnete 1891 ein großes ^eednical
(^0U6F6, in dem der Unterricht in Herstellung sei-
nerer Metallwaren besonders gelehrt wird. Liver-
pool besitzt außer den übrigen technischen Klassen
ein Aautical O0II6F6 zum Unterricht in dem Schiff-