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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feldbinde - Ferienkolonien
land (6. April 1893) die "Feldbefestigungsvorschrift";
in Osterreich-Ungarn (1894) der "Technische Unter-
richt für die Infanterie- und Iägertruppe".
* Feldbinde, ein neues, 1896 eingeführtes Aus-
rüstungsstück für Offiziere der deutschen Armee. Die
F. besteht aus gefüttertem Schärpenband (ohne die
Quasten der Schärpe) mit (je nach^der Farbe der
Knöpfe) bronzenem oder silbernem schloß zum Zu-
haken und wird von den Offizieren der Infanterie
lIäger), Fußartillerie, des Ingenieurkorps und der
Pioniere, der Eisenbahntruppen u. s. w., des Kriegs-
ministeriums, Generalstabs u. s. w. zum Dienstan-
zug stets getragen, während die Schärpe nur noch
zum Paradeanzug gehört.
^ Felder, Cajetan, Freiherr von, starb 30. Nov.
1894 in Wien.
* Feldmarschall. Die deutsche Armee hat (1896)
sünf Generalfeldmarschülle: Graf Blumeuthal, Kö-
nig Albert von Sachsen, Prinz Georg von Sachsen,
Prinz Albrecht von Preußen und Kaiser Franz
Joseph von Asterreich. - Die österr.-ungar. Armee
hat seit dem Tode des Erzherzogs Albrecht (1895)
keinen F.
^Feldstecher, Bezeichnung eines Modells der
Ieißschen Prismendoppelfernrohre (f. Fernrohr).
Fellhammer, Dorf im Kreis Waldenburg des
preuß. Rcg.-Bez. Vreslau, an den Linien Breslau-
Halbstadt und Görlitz -Hirschbcrg - Niedersalzbrunn
der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 4205 E., Post
und Telegraph.
Fellittn, Feraxolm, s. Geheimmittel.
^Ferdinand, Fürst von Bulgarien, ver-
mählte sich 20. April 1893 mit Marie Luise von
Bourbon, geb. 17. Jan. 1870, der ältesten Tochter
des Herzogs von Parma, die ihm zwei Söhne ge-
bar, Boris, Prinz vonTirnova, geb. 30. Jan. 1894,
und Kyrill, Prinz von Preslav, geb. 17. Nov. 1895.
Er kam seinem Ziel, sich Rußland geneigt zu machen,
durch den Rücktritt Stambulows (29. Mai 1894)
und den Tod des Kaisers Alexander III. (1. Nov.
1894), dem Stambulows Ermordung^18. Juli 1895)
folgte, immer näher, und als er 14. Febr. 1896 den
Übertritt des Prinzen Boris zur griech. .Kirche ver-
anlaßte, erfolgte 14. März durch zwei Fennane des
Sultans seine Ernennung zum Fürsten von Bul-
garien und zum Statthalter von Ostrumelien, der
die Anerkennung der übrigen Staaten alsbald
folgte. (S. Bulgarien, Gefchichte.)
s Ferdinand, Victor Albert Mainrad, Prinz
von Rumänien. Aus feiner Ehe gingen zwei Kin-
der hervor: Prinz Karl, geb. 15.'Okt. 1893, und
Prinzessin Elisabeth, geb. 11. Okt. 1894.
^Ferienkolonien, über die Veranstaltungen
für Sommerpflege armer kränklicher Schulkinder in
gröftern Städten liegen genaue statist. Angaben seit
1885 vor, die von der "Centralstelle der Vereini-
gungen für Sommerpflege" in Berlin zusammen-
gestellt worden sind. Es geht aus deren letztem, 1895
erstatteten Berichte hervor, daß die Sache der F. in
diesem Zeitraum erfreuliche Fortschritte gemacht hat.
Die Zahl der Vereine, Komitees u. s. w., die sich
ihr in Deutschland widmen, beträgt gegenwärtig
126 in 95 Orten. Es wurden im ganzen verpflegt:
1885: 13907, 1890: 25 827, 1894: 29 295, 1895:
28 723 Kinder; im ganzen Zeitraum von 1885 bis
1895 zusammen 260334. Im I. 1894 allein ist
eine Summe von 604339 M., 1895 eine solche von
651258 M. für die Sommerpflege ausgegeben
worden.
Über die Art der Unterbringung der Kinder lie-
gen folgende Daten vor:
a- In geschlossenen F. ist seit 1885 eine Ver-
mehrung der Kinderzahl um mehr als 100 Proz. zu
verzeichnen. Während 1885 erst 4400 Kinder in
dieser Weise untergebracht waren, war die Zahl der-
selben 1890 auf 7271 und 1894 auf 8945 gestiegen,
wogegen sie 1895 wieder auf 8091 gefunken ist.
d. In Familien wurden 1885:1833,1890: 2893,
1894: 2709, 1895: 2707 Kinder verpflegt. Die
höchste Zahl ist 1890 erreicht gewesen; seitdem ist sie
wieder etwas zurückgegangen. Es hat dies zum Teil
seinen Grund darin, daß in verschiedenen Orten,
namentlich in Mittel- und Süddeutschland, die Fa-
milienpflege wegen der Schwierigkeit der Kontrolle
Hanz wieder aufgehoben worden ist. Man bat sie
mehrfach durch andere Einrichtungen erfctzt. So hat
der Verein für F. in Leipzig ein eigenes Grundstück
in Grünhaide im Erzgebirge erworben, in dem 1895
503 Kinder verpflegt wurden. Auch Hamburg, Bre-
men, Regensburg, Landsberg haben in den letzten
Jahren eigene Heimstätten für F., zum Teil aus
hochherzigen Schenkungen, errichtet.
c. In Stadtkolonien wurden 1885: 2500, 1890:
7603, 1892 sogar 9091, 1894: 7788, 1895: 7267
Kinder verpflegt. Der Rückgang seit 1892 ist be-
sonders durch Dresden und Leipzig und 1895 auch
durch Gotha und Mühlhausen veranlaßt. Dresden
hat die Etadtkolonien in Rücksicht auf die weniger
reichlichen Mittel 1894 eingehen lassen, um nicht "die
wichtigere und nutzbringendere Aussendung in Land-
pflege zu schädigen", und Leipzig verpflegt Kinder
den ganzen Sommer hindurch in seinem "Kinder-
heim" in Grünhaide zu einem verhältnismäßig so
billigen Preise, daß es mit Recht diese Verpflegung
vorzieht; in Gotha hat der Frauenhilfsverein im I.
1894 noch 144,1895 dagegen gar keine Kinder mehr
verpflegt, und in Mühlhaufen hat sich der Magistrat
und der Verein für freiwillige Armenpflege auf
Verpflegung von 18 Kindern in Solbädern be-
schränkt, während er 1894 noch 361 Kinder in Stadt-
kolonien versorgte.
ä. Die Verpflegung in Sol- und Seebädern weist
einen stetigen Fortschritt auf. Es waren unter-
gebracht: 1885 in Solbädern 4574, in Seebädern
600, 1890: 6241 und 1819, 1894: 7430 und
2423, 1895: 8182 und 2476 Kinder.
Folgende Kinderheilstätten in Solbädern sind
1895 belegt worden: Altstaden (200 Kinder), Kol-
berg, Kinderheilstätte Siloah (129), Kolberg, israel.
Kurhospital (65), Kolberg, Kaiser und Kaiserin
Friedrich Berliner >Hommerheim, dem Berliner
Verein für häusliche Gesundheitspflege von Herrn
Simon 1895 gefchenkt (152), Dürkheim, pfälz.
Kinderheilstätte (111), Dürrheim, Ameliebad (167),
Elmen (300), Frankenhausen i. Th. (275), Gotschalko-
witz (350), Harzburg (200), Inowrazlaw (64), Iagst-
fcld<345),BadKissingen<126),KönigsbornbeiUnna,
Kinderkurhaus derBarmerF. (495), Bad Kosen (225),
Kreuznach (692), Lüneburg (217), Bad Nauheim
(415), Oldesloe (153), Orb (311), Rappenau (160),
Rothenfelde bei Osnabrück (310 und 256), Salzdett-
furth (403), Salzuften (519), Sassendorf (537),
Sooden i443), Sülze bei Ludwigslust (279), Stadt-
sulza (283).
Ebenso haben folgende Seebäder einer Anzahl
armer Kinder zugänglich gemacht werden können:
Kolberger Deep (66), Duhnen bei Curhaven (477),
Groß-Müritz (255), Heringsdorf (61), Norderney,