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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Freie Bühne - Freisinnige Volkspartei
13143 Bienenstöcke. Die Industrie beschäftigte Ende
1893:1724Arbeiter in 5)0Fabriken mit 1103 Pferde-
stärken. 1895 waren 1852 Firmen mit 2240 Handel-
treibenden eingetragen. 1896 bestanden 469 km
Kantons-, 1276 wu Gemeindestraften und 142 km
Eisenbahnen.
Der im Herbst 1892 dem Volke gemachte Vor-
schlag einer Partialrevision der Verfassung sand
in der Abstimmung die erforderliche Mehrheit, und
bis Anfang 1894 kamen Verfassungsartitel zu
stände, die neben einigen Änderungen in der Ge-
richtsorganisation besonders die Durchführung der
Gemeindefreiheit und der Voltsinitiative in Ver-
fassungssachen (durch 6000 Aktivbürger) ermög-
lichten. Im Jan. 1894 wurden diese Artikel von
der Mehrheit des Volts angenommen. Im übrigen
blieb bis jetzt das System der repräsentativen
Demokratie fortbestehen; dagegen wurde für Ge-
meiudewahlen das Proportionalsystem eingefübrt.
Das Kantonsgericht zählt sieben Mitglieder. Die
Finanzlage hat sich im letzten Jahrzehnt bedeuteud
gehoben, so daß infolge glücklicher Finanzoperatio-
nen ein Universitätsfonds von mchrern Millionen
Franken gesammelt werden tonnte. Das Staats-
vermögen beträgt (1895) 44193 353, die Schulden
38 972 406 Frs. Die 1889 gegründete Universität
bat eine theol., jurist. und philos. Fakultät. Die
naturwissenschaftliche Fakultät wurde im Herbst 1896
eröffnet: die Gründung einer medizinischen, deren
Anfange schon in den Lehrstühlen für Physiologie
und vergleichende Anatomie gegeben sind, ist für
die nächsten Jahre in Anssicht genommen. Ferner
besitzt der Kanton 1 Priesterseminar, 1 Kollegium
St. Mchael, aus 6 paralleleir Gymnasial- und
2 Lycealtlassen sowie Industrie- und Handelsschule
bestehend, und 1 Gewerbeschule. - 2) F. im Ücht-
lande, Stadt, liegt an den Linien Lausanne-Bern
uud F.-Iverdon der Inra-Simplon-Bahn und hat
(1888) 12195 (5. (4523 Deutsche, 94 Italiener),
darunter 1607 Evangelische und 74 Israeliten. Von
Brücken sind ferner zu erwähnen die steinerne Mittel-
brücke (?mit lw im'1i6u) und die Berner Brücke. Die
Kollegiat(Dom-)kirche ist im 13. Jahrh, begonnen.
Freie Bühne für modernes Leben, Name
einer Zeitschrift, die, im Herbst 1889 ins Leben ge-
rufen, ähnliche Tendenzen verfolgte wie der Tbeater-
verein Freie Bühne (f. d., Bd. 7>. Sie wollte ein
Organ sein, das, frei von jeder ästbetischen Theorie,
allen ledendigen Gattungen und Formen der Litte-
ratnr diente, und sie hat sich mit Erfolg bemüht, der
modernen Litteratur die Wege zu ebnen. Begründer
und erster Heransgeber war Otto Brahm; von 1892
ab übernahm W. Völsche die Redaktion der Zeit-
schrift, die sich seitdem "Freie Bühne für den Ent-
wicklungskampf der Zeit" nannte. 1894 wurde sie
von Otto Julius Bierbaum als "Neue deutsche
Rundschau" fortgesetzt.
'"Freie Gemeinden. Im1.1891, wo die letzte
Zahlung stattfand, gehörten zum "Bunde freier
religiöser Gemeinden in Deutschland" 79 Gemeinden
mit 17 520 Seelen und 9 Vereine mit 850 Mit-
gliedern, von denen einzelne inzwischen eingegangen,
andere an ^eelenzahl bedeuteud gewachsen sind.
Die stärksten Gemeinden haben Berlin mit 4000,
Vreslau und Magdeburg mit je 1000, Offenbach
mit 1600 Seelen. Einige dieser Gemeinden bezeich-
nen sich noch immer als deutschkatholische, andere
als christkatholische, oder als freie evangelische und
freie protestantische, eine (in Weißensee) als wissen-
schaftliche F. G. Unter den Vereinen befinden sich
auch zwei Frcidenkervereine und ein religiöser Re-
formverein. Aus dieseu Bezeichnungen ist ersichtlich,
daß sich die einzelnen Gemeinden des Bundes auf
sehr verschiedenen religiösen Standpuukteu befinden,
indem die einen die Grundlagen des Christentums
samt Taufe und Abendmahl festhalten, andere eine
vom Christentum losgelöste Menschheitsreligion
suchen und pflegen, noch andere an Stelle der Reli-
gion die Moral, Bilduug und Wissenschaft setzen.
Ein gemeinsames Bekenntnis ist nicht vorhanden,
die Bekenntnisfrciheit ist leitender Gruudsatz, der
uicht nur von den einzelnen Gemeinden, sondern
auch vou jedem einzelnen Mitglied einer Gemeinde
für sich in Anspruch genommen wird. Die Bundes-
verfassung bezeichnet als Zweck: Förderung des
religiösen Lebens, womit freilich sehr verschiedene,
ja entgegengesetzte Anschauungen verbuuden wer-
den, wie sich auf der 15. Bundesversammlung zu
Nürnberg 1893 gezeigt hat, wo dem Verlangen
nach einem genieinsamen Programm oder Bekennt-
nis die lebhafte Scheu gegen alles Dogmatische ent-
gegentrat, während andererseits die einseitige Pflege
des gesundeil Menschenverstandes als unzureichend,
die Erneuerung des Herzens als das Notwendige
bezeichnet und der kalten Vernuuftreligion gegen-
über die Herzensreligion betont wurde. Neuerdings
bat der als Gewissensdruck empfundene Zwang von
Dissidentenkindern zur Teilnahme am evang. oder
kath. Religionsunterricht der öffentlichen Schulen
eine lebhafte Bewegung in den F. G. hervorgerufeu.
Die 9. und 10. Juni 1895 in Breslau veranstaltete
Bundesversammlung feierte zugleich das fünfzigjäh-
rige Jubelfest der erstell Gemeindegründungen. Organ
der F. G. sind die "Bundesblätter" (Königsberg).
Freienhagen, Stadt im Kreis der Eder des
Fürstentums 'Waldeck und Pyrmont, an der Wat-
ter, hat (1895) 815 evang. E., Postagentur, Fern-
sprechverbindung und evang. Kirche.
Freisenbruch, Baucrschaft im Kreis Hattingeir
des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, hat (1895) 4260 E.
und Steinkohlenbergbau (Grube Eintracht) mit
^ neuer Anlage zur Kokerei und Gewinnung von
Nebenprodukteu.
Freisinnige Vereinigung, Partei im Deut-
schen Reichstag und preuß. Abgeordnetenhaus, die
den Teil der Deutschen freisinnigen Partei (s. d.)
ausmachte, der sich 1893 dem Hueneschen Kom-
promiß in der Militärvorlage geneigt zeigte und
meistens aus ehemaligenSecei'sionisten (s. d., Bd. 14)
^ bestand. Sie trennten sich 8. Mai 1893 unter Füh-
l rung Rickerts von den Anhängern Richters, die sich
zurFreisiunigen Voltspartei (s.d.) zusammenschlössen,
uud setzten 1893 bei den Neuwahlen zum Reichstag
13, zum preuß. Abgeordnetenhaus 6 Vertreter durch.
Ibre Hauptorgane sind die "Danziger Zeitung",
dao "Berliner Tageblatt", die "Weserzeitung" und
die Wochenschrift "Nation".
Freisinnige Volkspartei, eine Parteigruppe
im Deutscken Reichstag und im preuß. Abgeord-
netenhaus, die aus der Spaltung der Deutschen frei-
sinnigen Partei ls. d.) 8. Mai 1893 hervorging und
den Teil der Partei unter Führuug Eugen Rich-
ters bildete, der gegen das Hueuesche Kompromiß
in der Militärvorlage stimmte. Sie erhielt 1893
bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag 23, bei
denen zum preuß. Abgeordnetenhaus 14 Mandate.
Auf dcm vom -21. bis 23. Sept. 1894 in Eisenach ab-
gehaltenen Parteitag wurde eiu ueues Programm