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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gaultier - Geburtsstatistik
Washington, um an des letztern Stelle zu treten, ge-
langte aber nicht zu seinem Ziele. Im Aug. 1780
verlor er gegen Lord Cornwallis die Schlacht bei
Camden in Südcarolina und wurde des Oberbefehls
entsetzt. Nach dem Frieden Zu Versailles (1783) zog
er sich auf seine Pflanzung in Virginien und von
hier 1790 nach Neuyork zurück, wo er 10. April
1807 starb.
Gaultier (spr. gotleh), Dcnis, franz. Lauten-
virtuose, geb. nach 1600 in Marseille, gest. gegen
1664 in Paris, verfaßte zwei Sammlungen von
Lautenkompositionen: "I>iöc68 ä6 Intli" (1660) und
"I^ivi-6 äs tadlawre" (nach G.s Tode veröffentlicht
von seiner Witwe und Jacques G.). Zum Unter-
schiede von seinem Vetter Jacques G., genannt
I'ancisn oder 1o vimix (^. (geb. um 1600 in Lyon,
gest. um 1670 in Paris), der ebenfalls als Lauten-
spieler berühmt war, bezeichnete man ihn als 1e.s6iin6
oder 1'i11u8ti-6 6. - Vgl. O. Fleischer in der "Vicrtcl-
jahrsschrift für Musikwissenschaft') (Lpz. 1886).
Gautier (fvr. gotleh), Judith, franz. Schrift-
stellerin, Tochter von Theophile G., geb. 1850 zu
Paris, gab 1867 u.d.T. "I^vi-s äoMäo" einige Über-
setzungen aus dem Chinesischen heraus. Ferner schrieb
sie die Romane: "1^" äi'a^on imp^ri^i" (1869), der
chines. Geschichte entnommen, "I^uZurMeiii'" (preis-
gekrönt, 2 Bde., 1875; neue Ausg. 1887 u. d. T.
"1.3, 8wur ä6 8016Ü"), der in Japan spielt, "I^u-
cienne" (1877), "I^Ä eon^uöts än I^lii'^äiL" (in zwei
Folgen, 1887), "1^9 vikux äo 1a inontaFiie" (1893);
außerdem "1^63 p6upi68 ^ti'HNF63" (ethnogr. Studien,
1879), "Kickarä ^a^üsr 6t 8ttn wnvi'6 p06ti<iu6"
(1882; deutsch Vtinden 1883), "I.a lsmms äs ruti-
pliai'" (1884), "I86u1t" (1885), "I8ii6näüi'" (eine
pers. Geschichte, 1886), "I^aniarodanäO ä6 80iii'ii'63"
(dramat. Versuch aus dem Japanischen, 1888), "1^68
ii0c68 ä<3 ^in^i" (lyrisches Libretto, 1888) u. a.
Sie war vermählt mit Catulle Mendcs, von dem sie
sich jedoch bald wieder trennte.
* Gautfch von Frankenthurn, Paul, Freiherr
von, trat mit Taaffe im Nov. 1893 zurück und wurde
darauf zum Kurator der Theresianischen Akademie,
imIan. 1895 zum lebenslänglichen Mitglied des Her-
renhauses ernannt. Im Kabinett Vadeni übernahm
er 2. Okt. 1895 wieder das Unterrichtsministerium.
Gautzsch, Dorf in der fächf. Kreis- und Amts-
bauptmannschaft Leipzig, an der Elster und der
Linie Gaschwitz-Leipzig der Sächs. Staatsbahnen,
mit Vorortverkehr nach Leipzig, hat (1895) 1907 E.,
Post und Telegraph (Ötzsch-G.), evang. Kirche,
zahlreiche Villen und Sommerwohnungen, ein Ritter-
gut; Kammgarnspinnerei, Schokoladen-, Kohlen-
staub- und Nurstfabrik.
^Gayette-Georgens, Ieanne Sophie Marie
von, starb 14. Juni 1895 in Leipzig.
^ Gebäudesteuer. Das preuß. Gesetz vom
14. Juli 1893, das die G. als Staatssteuer aufhebt
und den Gemeinden vorbehält, ist 1. April 1895 in
Kraft getreten. Für die Zwecke der Gemeindebe-
steuerung behält der Staat die Veranlagung und
Verwaltung der G. nach Maßgabe der bisherigen
Vorschriften. Der Ertrag der G. war 1894/95 in
Preußen auf 40,44 Mill. M. veranschlagt; in Würt-
temberg stellte er sich auf etwas über 2 Mill. M.,
in Bayern auf etwa 5^/4 Mill. M.
In Elsaß-Lothringen ist unter dem 14. Juli
1895 ein neues Gebäudesteucrgesetz ergangen. Hier-
nach wird von dem jährlichen Nutzungswert der
Wohn- und gewerblichen Betriebsgebäude vom
1. April 1896 ab eine Steuer von 4^ Proz. er-
hoben, während die bisher vom bebauten Grund-
eigentnm erhobene G. nebst Thür- und Fenstersteuer
von demselben Tage an fortfällt. Der jährliche
Mietzinswert der Gebäude ist auf Grund des Ge-
setzes über die Bereinigung des Katasters vom
6. April 1892 neu abgeschätzt. Hierbei diente in
Orten mit hinreichend großer Zahl von Vermietungen
der mittlere Mietwert'der letzten fünf Jahre als An-
halt; in andern Orten wurden die Bevölkerungs-
und Verkehrsverhältnisse, Größe, Bauart, Bauwert
und Beschaffenheit der Gebäude, Größe und Be-
schaffenheit der zugehörigen Höfe und Hausgärten
und Kaufpreise und Sterbefallscrklärungen als An-
halt benutzt. Die Einschätzung wurde bewirkt von
Kommissionen, deren Mitglieder von den Kreis-
tagen oder Gemeindcräten gewählt wurden und an
deren Spitze je ein vom Ministerium ernannter
Ausführungskommissar stand. Nach Maßgabe des
Nutzungswertes wurden die Gebäude in einen Tarif
eingeschätzt, der ebenfalls durch das Gesetz vom
6. April 1892 festgestellt ist und bis zum jährlichen
Nutzungswert von 6000 M. 48 Stufen vorsieht.
Die wcitern Stufen steigen um je 500 M. jährlichen
Nutzungswertes. Die Revision der Veranlagung,
erfolgt spätestens alle 15 Iabre.
Die österreichische G. ist durch die Gesetze vom
1. Juni 1890 und 9. Febr. 1892 für gewisse Ge-
bäude, insbesondere für Neubauten mit Arbeiter-
wohnungen erleichtert worden. Diefen wird für 24
Jahre Steuerfreiheit gewährt, wenn die Gebäude ge-
wissen Anforderungen in Bezug auf Größe, Höhen-
lage und Mietpreis der Wohnungen entsprechen.
Der Begünstigung werden nur solche Gebäude teil-
haftig, welche in den ersten zehn Jahren nach In-
krafttreten des Gesetzes errichtet werden.
*Gebirgsvereine, s. Touristik.
* Geburtsstatistik. Wie die beiden andern
Zweige der Bevölkerungsbewegung, die Ehestatistik
und Sterb lichkeitsstatistik, ist die G. verhältnis-
mäßig früh gepflegt worden, schon deshalb, weil
an ihr außer den sonstigen Interessenten der Sta-
tistik die Physiologie einen hervorragenden Anteil
nimmt, außerdem aber, weil ihre Aufstellung keine
nennenswerten Schwierigkeiten bereitet. In einer
ganzen Reihe von Staaten wird darum auch die G.
sorgfältig gehandhabt, beruhen doch viele Lebens-
fragen eines Volks (man denke an Wehrkraft einer-
seits, Übervölkerung andererseits) auf seiner natür-
lichen Vermehrung. Bei einer Zusammenstellung der
Geborenen in verschiedenenLändern ist es notwendige
die Totgeborenen mit einzurechnen. Denn obgleich
sie keinen Zuwachs an Volkskraft bedeuten, werden
sie nicht in allen Ländern gleichmäßig vonden Lebend-
geborenen getrennt. Die Gesamtzahl der Geborenen
betrug (in Tausenden):
Staaten
1891
1892
1893
1894
Deutsches Reich . . .
1903
1857
1928
1904
Frankreich.....
866
856
875
855
England^ ....


914
898
915
689
Schottland* . . .


126
125
127
124
Irland* ....


108
104
106
105
Österreich ....


947
897
951

Ungarn.....


756
728
774

Belgien.....


190
186
190
190
Niederlande ...

162
156
167
162
Dänemark.....

70
67
70
70
Schweden u. Norwegen
201
195
198
-
Italien.....


1176
1155
1173
1149
* Ohne Totgeborene.