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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hessen
164486 t Rüben zu 18 520 t Rohzucker und 4053 t
Melasse. Der Abgabenertrag war 619 254 M.
Zuckersteuer und 143 460 M. Zölle. Eine vierte
Rübenzuckerfabrik, in der Provinz Starkenburg, ist
erst in ueuester Zeit errichtet worden. Die Zahl der
Brauereien betrug 1894/95: 218, davon 180 im
Betrieb; hiervon benutzten 73 maschinelle Kräfte,
darunter 62 Dampf; die Produktion betrug 1045155
KI, der Vrausteuerertrag 915 555 M. Die Zahl der
Branntweinbrennereien belief sich 1893/94 auf
466, davon 312 im Betrieb; die Branntweinsteuer-
einnahme betrug 1337 798 M.
Verkehrswesen. Die Zahl der Frachtschiffe von
10 t und mehr betrug Ende 1892: 290 Segel- und
37 Dampfschiffe, darunter 12 Personendampfer,
im ganzen 327 Schiffe, davon 321 mit einer Trag-
fähigkeit von 79 352 t. In den Zaupthäfen des
Landes liefen Schiffe ein und aus 1894: in Mainz
6761 (3 belgische und 1074 niederländische), dar-
unter 2716 Personendampfer, mit einer Tragfähig-
keit der Güter-(Dampf-) und Segelschiffe von
1014665 t, es kamen 207371 t Güter an und
36 643 t gingen ab; in Bingen 4767 Schiffe (1 bel-
gisches und 827 niederländische), darunter 3525 Per-
sonendampfer (ohne die Lokaldampfschiffc, Dampf-
trajekte u. s. w.>, mit einer Tragfähigkeit von
557667 t, angekommene Güter 51647 t, außerdem
Floßholz 3285 t, abgegangene Güter 7982 t; in
Oustavsburg 1637 Schiffe (335 niederländische),
Tragfähigkeit 983 016 t, angekommene Güter
467 316 t, abgegangene 32 076 t; in Worms ein-
aelausen 2846 Schiffe (1 belgifches und 629 nieder-
ländische), darunter 1150 Personendampfer, Trag-
fähigkeit 570523 t, angekommene Güter 153238 t,
außerdem Flohholz 2491 t, ausgelaufen 2520 Schiffe
(1 belgisches und 517 niederländische), darunter 892
Personendampfer, Tragfähigkeit 532 823 t, abge-
gangene Güter 17 438 t.
Im Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt, der das
Groftherzogtum umfaßt, waren 1894 vorhanden:
933 Postanstalten (darunter 641 PostHilfsstellen) mit
einem Gcsamtpersonal von 3125 Köpfen, darunter
1532 Beamte und 1216 Untcrbeamte. Briefe, Post-
karten, Drucksachen u. s. w. sind 1895 eingegangen
iausgcgeben) 39 372500 (37 212000), Pakete ohne
Wertangabe 2716495 (2618777), Briefe, Pakete
u. s.w. mit Wertangabe 204358 (204121). Der Be-
trag der Postanweisungen belief sich auf 112 874355
(116738531) M. Die Gesamtzahl der Reichstele-
graphenanstalten betrug 1894: 325; die Länge der
oberirdischen Linien ausschließlich der Stadtfern-
sprcchanlagen belief sich auf 2078 km, der Leitungen
auf 8309 km; Telegramme sind 1895 eingegangen
536523, aufgegeben 511321. Die Einnahme be-
trug 1894: 5360981 M. (darunter Porto- und Tc-
legraphcngebühren 4936 910 M.), die Ausgabe
4 096 239 M.
Finanzwesen. Das ordentliche Staatsbudget für
ein Jahr der Finanzperiode vom 1. April 1894/97
beläuft sich in Einnahme auf 27 652 964 M., in
Ausgabe auf 27 563 830 M. Zu den Einnahmen
tragen bei: die Domänen mit 6107 626 M., die
direkten Steuern (Grund-, Gewerbe-, Kapitalrenten-
und Einkommensteuern) mit 9 700186 M., die in-
direkten Auflagen mit 2 395 793 M., der Anteil an
den Reichscinnahmen mit 7 620 290 M. An Ma-
trikularbeiträgen zahlt H. 6 Mill. M. Die eigent-
liche Staatsschuld, größtenteils aus einer Eisen-
bahnschuld bestehend und durch Ankauf der oberhess.
Eisenbahnen entstanden, belief sich 1. April 1895
auf 40181846 M., hiervon ab die Aktiva mit
3 862 816 M., bleiben 36 319 030 M. Es beträgt
weiter die Staatsrentenablösungsschuld 4977 500
M., die Landeskulturrentenkasseschuld 490 700 M.,
die Landeskreditkasseschuld 2 891000 M. Den letzt-
genannten beiden Schuldbeträgen stehen Aktiva von
gleicher Höhe gegenüber.
Armenwesen. Seit 1896 besteht eine Irrenanstalt
in Gießen (zugleich psychiatrische Klinik der Univer-
sität). 1893 waren 981 Krankenkassen für Arbeiter
mit 182 868 Mitgliedern in Thätigkeit.
llnterrichtswesen. Von Unterrichtsanstalten sind
(1896) vorhanden: 9 Gymnasien, von denen 2 in
Verbindung mit pädagogischen Seminaren sind,
3 Realgymnasien, 16 Realschulen, davon 2 ver-
bunden mit Progymnasien, 1 mit einem Gymnasium
und 1 mit einer Landwirtschaftsschule. - Die Staats-
zuschüsse zum gesamten Unterrichtswcsen betrugen
1894/97 jährlich in runden Summen: für die Uni-
versität 555 000 M., für die Technische Hochschule
176 000 M., für die Gymnasien, Realgymnasien
und Nealfcknlen 485000 M., pädagogischen Semina-
rien 6000 M., Lehrerinnenseminar 4000 M., Volks-
scbulwesen 1251000 M., zusammen 2477000 M.
Geschichte feit 1893. Im Jan. 1893 traten die
Landstände zusammen. Die Gesetzesentwürfe be-
treffend die polizeiliche Beaufsichtigung der Woh-
nungen und Schlafstätten und über Grundeigen-
tum und Hypothckenwcsen in der Provinz Rhein-
Hessen wurden angenommen, ein Gesetzesentwurf
betreffend den Van und die Unterhaltung von Kunst-
straßen im Großherzogtum wurde abgelehnt, für
Deichbauten am 'Rhein wurden 1840000 M. be-
willigt, ferner die Mittel zum Bau einer Eisenbahn-
brüäc über den Rhein bei Worms. Die im Sommer
1893 in ganz Südwestdeutschland herrschende Dürre
und der in deren Folge eintretende Notstand der
ackerbautreibenden Bevölkerung veranlaßte die
Staatsregierung zur Einberufung eines außer-
ordentlichen Landtags, der reichliche Mittel zur
Unterstützung der Notleidenden bewilligte. Nach den
Wahlen vom 4. Okt. 1893 blieb die Majorität in
der Zweiten Kammer noch den Nationalliberalen,
doch verloren sie sechs Mandate. Zum erstenmal
traten (drei) antisemit. Abgeordnete in die Kam-
mer ein, auch die socialdemokratische Partei gewann
einige Sitze. Von dem 13. Dez. eröffneten 29. Land-
tage wurden Gesetzesentwürfe, betreffend die Städte-
ordnung, die Witwen- und Waisenkasse der Volks-
schullehrer, die Befreiung gemeinnütziger, auf die
Errichtung von Wohnungen für Unbemittelte ge-
richteter Unternehmungen von Gerichtsgebühren
und Stempel, angenommen. Im Jan. 1895 wur-
den die Mittel zur Erbauung einer Straßenbrücke
(neben der Eisenbahnbrücke) über den Rhein bei
Worms bewilligt. Mit 1. April 1895 trat eine
neue Organisation der Baubehörden und der Forst-
ämter in Kraft. Im Juni 1895 gelangte endlich das
längere Zeit einen Differenzpunkt zwischen der Ersten
und Zweiten Kammer der Landstände bildende Ge-
fetz über die allgemeine Einkommensteuer zur Ver-
absckiedung und trat 1. April 1896 in Kraft. Es
beruht auf Selbsteinfchätzung und steigender Pro-
gression für die höhern Einkommen. Das 11. April
1896 verkündete Gesetz, betreffend die Gehalte der
Volksschullehrer, setzt das Mindestgehalt eines jeden
Lehrers auf 1100, das Höchstgehalt auf 2000 M.
fest, wozu noch sonstige Einnahmen, Dienstwohnung
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