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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Japan
Vcrtragshäfen
Einfuhr
Ausfuhr

Wert
Proz.
Wert
Proz.
Iokohama.... Hiogo-Osaka. . . Nagasaki .... Hakodcne ....
56 062 583 65 222 746 5 413 747 55 420
45,67 52,23 4,34 0,04
84 477 407 33 770 795 3 558 711 668 472
62,58 28,80 2,64 0,49
Der größte Teil der Ein- und Ausfuhr von Hako-
date wird durch Iokohama und andere japan. Häfen
vermittelt. Deshalb ist der wirkliche Verkehr und
Warenumsatz diefes vortrefflichen Hafens weit be-
deutender, als man aus vorstehenden Zahlen schließen
sollte. Derselbe repräsentierte 1894 einen Einfuhr-
wert von insgesamt 15932396 Uen und einen Aus-
fuhrwert von 11486104 Jen.
Verkehrswesen. 1894/95 bestanden 3814 Post-
anstaltcn, 535 Agenturen und 26158 Briefkasten.
Es wurden im Inlandverkehr befördert: 288 583 494
Briefe und Postkarten, 80415519 Zeitungen,
6964103 Bücher, Pakete und andere Poststücke, im
ganzen also 375963116 Gegenstände. Hierzu kom-
men noch 3227166 Postfendungen im Verkehr mit
dem Auslande. Auch in der Einrichtung von Post-
sparkassen ist I. nicht zurückgeblieben. Am 31. März
1895 gab es deren 3027 mit 25901324 Jen Ein-
zahlungen. Der Telegraphendienst entwickelte
sich in überraschender Weise. Alle größeren Orte sind
telegraphisch mit der Landeshauptstadt und unter-
einander verbunden. Die Gesamtlänge der Leitungen
des großen Netzes betrug 1894/95 etwa 45600kin;
Etationen gab es 760, befördert wurden für das
Inland allein 7 730076 Depeschen. Am 1. April
1895 besaßen die verschiedenen Mittelpunkte bereits
2874 Telephon an schlüsse. Zuerst hielt sich das
neue Verkehrsmittel innerhalb einzelner Städte;
aber schon 1893/94 hatte man Iokohama an Tokio
und Kobe an Osaka angeschlossen. Jetzt kann die
Zahl der Gesuche um Anschluß und Ausdehnung
der Verbindungen zum Teil erst nach Jahren be-
friedigt werden. Auch findet man in einigen japan.
Städten elektrische Beleuchtung und Straßenbahnen.
I. besaß 1895: 517 Handelsdampfcr mit 321522
Registertons, davon gehörten der ^ippon Vü8en
(<Iu86n) I^iLda, d. h. Japanischen Postdampfschiff-
Gescllschaft, 57 mit 101342 Registertons. Sie hat
nicht bloß den ganzen japan. Küstenhandel in Hän-
den, sondern unterhält auch einen regelmäßigen
Verkehr mit Wladiwostok, den Häfen von Korea,
Shang-Hai, Hong-kong, Manila, Bombay und
Honolulu. Beim Ausbruch des Chinesisch-Japa-
nischen Krieges vermehrte die Gesellschaft ihre Flot-
ülle durch Ankäufe ganz beträchtlich, stellte alle 59
Schiffe in den Dienst der Regierung und trug zu
den großen Erfolgen wesentlich bei. Als dann der
Friede geschlossen war und die Gesellschaft für so-
viel Fahrzeuge keine Verwendung mehr hatte, be-
schloß sie im Einvernehmen mit der Regierung und
um die Schiffe für künftige Fülle bereit zu halten,
sie teilweise bei der Errichtung dreier interoccani-
schcr Postdampferlinien nach Europa, Nordamerika
und Australien zu verwenden. Diefe neuen Linien
werden sich zunächst nicht rentieren; deshalb hat die
Gefellschaft zur Deckung der Verluste vorerst einen
Überschuß von 2^ Mill. Jen aus dem Kriegsjabre
bereit gestellt. Auch hofft man, daß die alte Erfah-
rung der Engländer sich auch bei I. bewähren und
der Handel feiner Flagge folgen werde. Die Schiffe,
die die Gesellschaft in den interoceanischen Post- und
Handelsverkehr eingestellt hat und durch neue Bestel-
lungen in England vermehren wird, sind nach Bau-
art, Einrichtung und Größe wohl geeignet, im Welt-
verkehr mit den bereits bestehenden Linien in Wett-
bewerb zu treten. Auf der europ. Route sollte mo-
natlich ein Schiff abgehen; doch hat man bereits
nach den ersten günstigen Fahrten die Einrichtung
eines vierzehntägigen Dienstes beschlossen. Als Pio-
nierschiff diente der ^033. Naru, der 15. März 1896
Iokohama verließ. Mit Ausnahme des engl. Kapi-
täns besteht feine Bedienung aus Japanern.
Das Eifenb ahnnetz von I. hatte 1. Jan. 1895
eine Ausdehnung von 3600 km, darunter 1574 km
Staatsbabnen. Während der Eifenbahnbau zunächst
ausschließlich mit Hilfe engl. Ingenieure erfolgte, die
auch für Beschaffung der Bau- und Betriebsmateria-
lien aus England forgten, haben die Japaner nach
und nach ihre eigenen Ingenieure ausgebildet, und
1895 befanden sich nur noch fechs engl. Ingenieure
in japan. Diensten. Auch mit dem Bau eigener Lo-
komotivwerkstätten ist neuerdings begonnen. In der
Werkstätte von Kobe ist 1893 die erste, sehr leistungs-
fähige Lokomotive hergestellt worden. Die Eisen-
bahnen auf der Insel Kiushiu sind unter Leitung deut-
scher Ingenieure angelegt, die auch für die Verwen-
dung deutschen Materials auf diesen Linien gesorgt
haben. Die Spurweite der Eisenbahnen ist die schmale
von 3^ 6" engl. (^ 1,067 m); das Anlagekapital der
Staatsbahnen belief sich 1895 auf rund 226 Mill. M.,
die durchfchnittlichen Anlagekosten aller Eisenbahnen
betrugen rund 170000 M. für das Kilometer. Die
Hauptcinnahmcn bringt der Personenverkehr. Der
Güterverkehr wird durch die Küstenschiffahrt stark be-
einflußt, fo daß die Einnahmen hieraus nur etwa
20 Proz. der Gesamteinnahmen darstellen. 1894/95
wurden im ganzen 36 641113 Personen befördert,
und zwar 14 883 986 auf den Staats-, 21757127
auf den Privatbahnen. Die Betriebsmittel, ins-
besondere die Personenwagen, sind wesentlich nach
amerik. Muster gebaut. Aus den Überschüssen wurde
das Anlagekapital der Staatsbahnen 1893/94 mit
8,7, 1894/95 mit 8,5 Proz. verzinst. Auch die Pri-
vatbahnen werfen reiche Erträge ab. Der Bau neuer
Eifenbahnen ist unter dem Einfluß des Chinesisch -
Iapanischcn Krieges 1895 langsam fortgeschritten,
doch sind neuerdings wieder zahlreiche neue Strecken
in Angriff genommen. Auf der dem japan. Reiche
infolge des Friedens von Simonoseki zugefallenen
Insel Formosa ist eine Bahn von dem Hafen Ki-lung
der Westküste entlang (etwa 80 Km) vorhanden, deren
Verlängerung um etwa 90Kin geplant wird. - Vgl.
RHi1^Ä)'3 ok ^s., Nr. 390, der dem engl. Parlament
1896 vorgelegten Konsulatsberichte (Lond. 1896).
Verwaltung. Im April 1895 wurde ein Kolomal-
ministerium (NiokutakumuLiiö) geschaffen, das in
eine Abteilung für den Norden (Hokkaido) und eine
für Formofa nebst den Pescadores zerfällt.
Ordenswesen. An Orden bestehen: Der Chry-
santhemum-Orden (s. d., Bd. 4); der Paulownia-
Sonnenorden, gestiftet 3. Jan. 1888 in nur einer
Klasse; der Orden der aufgehenden Sonne, gestiftet
10. April 1875 in acht Klassen; der Orden des Spie-
gels oder des glücklichen geheiligten Schatzes, ae-
stiftet 3. Jan. 1888 in acht Klassen; der Verdienst-
orden der goldenen Weihe (f. Verdienstorden 6,
Bd. 16), und ein Damenorden, der Kronenorden,
gestiftet 3. Jan. 1888 in fünf Klassen. Außerdem
bestehen eine Rettungsmedaille, die Dekoration der
kaiserl. Japanischen Gesellschaft vom Roten Kreuz
und die Verfassungserinnerungsmedaille.
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