Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

627
Japan
Vertragshäfen Einfuhr Wert Proz. Ausfuhr Wert Proz.
Jokohama 56062583 45,67 84477407 62,58
Hiogo-Osaka 65222746 52,23 33770795 28,80
Nagasaki 5413747 4,34 3558711 2,64
Hakodate 55420 0,04 668472 0,49
Der größte Teil der Ein- und Ausfuhr von Hakodate wird durch Jokohama und andere japan. Häfen vermittelt. Deshalb ist der wirkliche Verkehr und Warenumsatz dieses vortrefflichen Hafens weit bedeutender, als man aus vorstehenden Zahlen schließen sollte. Derselbe repräsentierte 1894 einen Einfuhrwert von insgesamt 15932396 Yen und einen Ausfuhrwert von 11486104 Yen.
Verkehrswesen. 1894/95 bestanden 3814 Postanstalten, 535 Agenturen und 26158 Briefkasten. Es wurden im Inlandverkehr befördert: 288583494 Briefe und Postkarten, 80415519 Zeitungen, 6964103 Bücher, Pakete und andere Poststücke, im ganzen also 375963116 Gegenstände. Hierzu kommen noch 3227166 Postsendungen im Verkehr mit dem Auslande. Auch in der Einrichtung von Postsparkassen ist J. nicht zurückgeblieben. Am 31. März 1895 gab es deren 3027 mit 25901324 Yen Einzahlungen. Der Telegraphendienst entwickelte sich in überraschender Weise. Alle größeren Orte sind telegraphisch mit der Landeshauptstadt und untereinander verbunden. Die Gesamtlänge der Leitungen des großen Netzes betrug 1894/95 etwa 45600 km; Stationen gab es 760, befördert wurden für das Inland allein 7730076 Depeschen. Am 1. April 1895 besaßen die verschiedenen Mittelpunkte bereits 2874 Telephonanschlüsse. Zuerst hielt sich das neue Verkehrsmittel innerhalb einzelner Städte; aber schon 1893/94 hatte man Jokohama an Tokio und Kobe an Osaka angeschlossen. Jetzt kann die Zahl der Gesuche um Anschluß und Ausdehnung der Verbindungen zum Teil erst nach Jahren befriedigt werden. Auch findet man in einigen japan. Städten elektrische Beleuchtung und Straßenbahnen.
J. besaß 1895: 517 Handelsdampfer mit 321522 Registertons, davon gehörten der Nippon Yûsen (Jusen) Kaisha, d. h. Japanischen Postdampfschiff-Gesellschaft, 57 mit 101342 Registertons. Sie hat nicht bloß den ganzen japan. Küstenhandel in Händen, sondern unterhält auch einen regelmäßigen Verkehr mit Wladiwostok, den Häfen von Korea, Shang-hai, Hong-kong, Manila, Bombay und Honolulu. Beim Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges vermehrte die Gesellschaft ihre Flotülle durch Ankäufe ganz beträchtlich, stellte alle 59 Schiffe in den Dienst der Regierung und trug zu den großen Erfolgen wesentlich bei. Als dann der Friede geschlossen war und die Gesellschaft für soviel Fahrzeuge keine Verwendung mehr hatte, beschloß sie im Einvernehmen mit der Regierung und um die Schiffe für künftige Fülle bereit zu halten, sie teilweise bei der Errichtung dreier interoceanischer Postdampferlinien nach Europa, Nordamerika und Australien zu verwenden. Diese neuen Linien werden sich zunächst nicht rentieren; deshalb hat die Gesellschaft zur Deckung der Verluste vorerst einen Überschuß von 2 1/2 Mill. Yen aus dem Kriegsjahre bereit gestellt. Auch hofft man, daß die alte Erfahrung der Engländer sich auch bei J. bewähren und der Handel feiner Flagge folgen werde. Die Schiffe, die die Gesellschaft in den interoceanischen Post- und Handelsverkehr eingestellt hat und durch neue Bestellungen in England vermehren wird, sind nach Bauart, Einrichtung und Größe wohl geeignet, im Weltverkehr mit den bereits bestehenden Linien in Wettbewerb zu treten. Auf der europ. Route sollte monatlich ein Schiff abgehen; doch hat man bereits nach den ersten günstigen Fahrten die Einrichtung eines vierzehntägigen Dienstes beschlossen. Als Pionierschiff diente der Tosa Maru, der 15. März 1896 Jokohama verließ. Mit Ausnahme des engl. Kapitäns besteht seine Bedienung aus Japanern.
Das Eisenbahnnetz von J. hatte 1. Jan. 1895 eine Ausdehnung von 3600 km, darunter 1574 km Staatsbahnen. Während der Eisenbahnbau zunächst ausschließlich mit Hilfe engl. Ingenieure erfolgte, die auch für Beschaffung der Bau- und Betriebsmaterialien aus England sorgten, haben die Japaner nach und nach ihre eigenen Ingenieure ausgebildet, und 1895 befanden sich nur noch sechs engl. Ingenieure in japan. Diensten. Auch mit dem Bau eigener Lokomotivwerkstätten ist neuerdings begonnen. In der Werkstätte von Kobe ist 1893 die erste, sehr leistungsfähige Lokomotive hergestellt worden. Die Eisenbahnen auf der Insel Kiushiu sind unter Leitung deutscher Ingenieure angelegt, die auch für die Verwendung deutschen Materials auf diesen Linien gesorgt haben. Die Spurweite der Eisenbahnen ist die schmale von 3' 6" engl. (= 1,067 m); das Anlagekapital der Staatsbahnen belief sich 1895 auf rund 226 Mill. M., die durchschnittlichen Anlagekosten aller Eisenbahnen betrugen rund 170000 M. für das Kilometer. Die Haupteinnahmen bringt der Personenverkehr. Der Güterverkehr wird durch die Küstenschiffahrt stark beeinflußt, so daß die Einnahmen hieraus nur etwa 20 Proz. der Gesamteinnahmen darstellen. 1894/95 wurden im ganzen 36641113 Personen befördert, und zwar 14883986 auf den Staats-, 21757127 auf den Privatbahnen. Die Betriebsmittel, insbesondere die Personenwagen, sind wesentlich nach amerik. Muster gebaut. Aus den Überschüssen wurde das Anlagekapital der Staatsbahnen 1893/94 mit 8,7, 1894/95 mit 8,5 Proz. verzinst. Auch die Privatbahnen werfen reiche Erträge ab. Der Bau neuer Eisenbahnen ist unter dem Einfluß des Chinesisch-Japanischen Krieges 1895 langsam fortgeschritten, doch sind neuerdings wieder zahlreiche neue Strecken in Angriff genommen. Auf der dem japan. Reiche infolge des Friedens von Simonoseki zugefallenen Insel Formosa ist eine Bahn von dem Hafen Ki-lung der Westküste entlang (etwa 80 km) vorhanden, deren Verlängerung um etwa 90 km geplant wird. - Vgl. Railways of J., Nr. 390, der dem engl. Parlament 1896 vorgelegten Konsulatsberichte (Lond. 1896).
Verwaltung. Im April 1895 wurde ein Kolonialministerium (Shokutakumushō) geschaffen, das in eine Abteilung für den Norden (Hokkaido) und eine für Formosa nebst den Pescadores zerfällt.
Ordenswesen. An Orden bestehen: Der Chrysanthemum-Orden (s. d., Bd. 4); der Paulownia-Sonnenorden, gestiftet 3. Jan. 1888 in nur einer Klasse; der Orden der aufgehenden Sonne, gestiftet 10. April 1875 in acht Klassen; der Orden des Spiegels oder des glücklichen geheiligten Schatzes, gestiftet 3. Jan. 1888 in acht Klassen; der Verdienstorden der goldenen Weihe (s. Verdienstorden 6, Bd. 16), und ein Damenorden, der Kronenorden, gestiftet 3. Jan. 1888 in fünf Klassen. Außerdem bestehen eine Rettungsmedaille, die Dekoration der kaiserl. Japanischen Gesellschaft vom Roten Kreuz und die Verfassungserinnerungsmedaille.