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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Japan
Finanzen. Die Einnahmen und Ausgaben be-
liefen sich 1892/93 auf 101461911 und 76 734740,
1893/94 auf 113643129 und 84 559700, 1894/95
auf 88045234 und 80140500 Yen.
Budget 1895/96:
Einnahmen
Yen
Ausgaben
Yen
Grundsteuer. . .
38 353 928
Öffentliche Schuld
23 344 575
Einkommensteuer
1287 536
Civilliste und

Banklicenzen . .
220 730
Shintotempel.
3 206 810
Stcmpelgebühren
821 884
Ministerien und

Sake-, Malz- und

andere Central"

Sojasteuer . .
18 711281
behörden . . .
41972 101
Tabaksteuer . . .
2 904 423
Provinzialregie-

Andere Inland-

rung.....
4 825 024
steuern ....
3 229 919
Regierung des

Zölle......
5 372 641
Holkaido . . .
1839 519
Post u. Telegraph
7 718 353
Pensionen . . .
1937 902
Andere Einnahmen
11573 963
Rücklauf von Pa-


piergeld . . .
1 000 000

Außerordentliche
11 149 943
Zusammen
90 194 658
Zusammen
89 275 874
Die Staatsschuld belief sich 31. März 1895 auf
329 327 801 Yen (einschließlich 35020517 Yen
Papiergeldschuld), wovon aber 4540256 Yen als
vorhandene Deckung in Abzug zu bringen sind.
Die Einnahmen und Ausgaben der Fu und Ken
wurden 1894/95 auf 18985143 Yen geschätzt, die
der Gemeinden betrugen 1892/93: 24617320 und
23035390 Yen.
Geschichte. Der Konflikt zwischen der japan. Ne-
gierung und dem Landtag verschärfte sich Ende 1893
immer mehr und führte zu einer Auflösung des
letztern, als er die Regierung zwingen wollte, die
mit den fremden Mächten abgeschlossenen Verträge
strenger zu handhaben, worin die Regierung eine
Gefahr für die guten Beziehungen zum Auslande
erblickte. Der neue Landtag trat 15. Mai 1894
zusammen; seine Zusammensetzung war insofern
etwas günstiger, als die Dschijuto (liberale Partei),
die über 120 Mitglieder zählte, ihre principielle Op-
position gegen die Regierung aufgab, um endlich voll-
ständig Regierungspartei zu werden; ihr langjähriger
Führer Graf Itagaki trat sogar als Minister des In-
nern in das Kabinett ein. Trotzdem wurde auch
dieser Landtag zwei Tage vor Schluß der Session
aufgelöst, da er eine Adresse an den Thron beschloß,
in der die innere und äußere Politik des Mini-
steriums gemißbilligt wurde. Erst die inzwischen ein-
getretenen Verwicklungen in Korea (s. d., Geschichte)
führten zur Beilegung des Konflikts und zu ein-
mütigem Handeln. In Korea war nämlich ein Auf-
stand ausgebrochen, zu dessen Unterdrückung China
sowohl wie I. Truppen absandten. Dies führte zu
einem Zusammenstoß und zur Kriegserklärung von
seiten I.s 1. Aug. 1894, nachdem es die Vermitte-
lung fremder Mächte zurückgewiesen hatte. Die
Kriegserklärung wurde in I. mit großer Begeisterung
aufgenommen, und freiwillige Beiträge liefen von
allen Seiten ein. Der Kaiser hatte sich Anfang Sept.
1894 nach Hiroshima begeben, um dem Kriegsschau-
platz näher zu sein. Dort berief er auch 15. Okt. den
Landtag zu einer außerordentlichen Session, in der
eine Anleihe von 100 Mill. Yen zur Bestreitung der
Kriegskosten bewilligt wurde. Der Verlauf des Chi-
nesisch-Japanischen Krieges (s. d.) war der denkbar
günstigste für I. Zweimalige Versuche Chinas,
Friedensverhandlungen anzuknüpfen, wurden von
I. zurückgewiesen, da die Abgesandten nicht genügend
beglaubigt waren, und erst nach dem Eintreffen Li-
hung-tschangs (s. d.) kam 17. April 1895 der Frie-
densvertrag zu Simonoseki (s. China, Geschichte) zu
stände, durch den I. die Halbinsel Liau-tung, For-
mosa und die Pescadores und eine Kriegsentschädi-
gung von 200 Mill. Taels erhielt. Die Ratifikation
dieses Vertrags erfolgte 8. Mai in Tschi-fu, doch
hatten inzwischen Rußland, Deutschland und Frank-
reich gegen die Abtretung der Halbinsel Liau-tung
protestiert, und I. muhte 10. Mai förmlich darauf
verzichten, wofür es 30 Mill. Taels erhielt. Der
Protest der fremden Mächte rief im Volke wie in der
Presse große Erbitterung speciell gegen Rußland her-
vor, was die Suspendierung vieler Zeitungen zur
Folge hatte. Die Besitznahme von Formosa machte
einige Schwierigkeiten, da chines. Banden, "Schwarz-
flaggen", den Japanern Widerstand entgegensetzten.
Erst Ende Oktober waren die Japaner im Besitz
der Insel (s. Formosa, Geschichte). Mitte Oktober
brachen neue Unruhen in Korea aus, infolgedessen die
Königin, angeblich durch einen Japaner, ermordet
wurde. Der Vertreter I.s in Korea, Miura, und
andere Japaner wurden der Mitwissenschaft an dem
Morde beschuldigt, nach Tokio berufen, jedoch frei-
gesprochen. In der That ist aber der Einfluß I.s in
Korea in stetem Sinken begriffen, da sich der König
völlig den Russen in die Arme geworfen und sich in
die russ. Gesandtschaft geflüchtet'hat. Indessen scheint
I. nicht gewillt, die Unabhängigkeit Koreas antasten
zu lassen, worauf bedeutende Verstärkungen des
Heers und der Marine hindeuten, die 1895 und
1896 im Parlament sogar von der sonst unversöhn-
lichen Shimpoto-(Fortschritts-) Partei mit großer
Mehrheit beschlossen wurden.
I. ist der Erfüllung seines Wunsches, den Vertrags-
mächten gleichberechtigt zu werden, nahegekommen.
Die schon seit Anfang der siebziger Jahre geplante,
oft unternommene und wieder vereitelte Vertrags-
reviston ist endlich ihrem Abschlüsse nahe. Nachdem
früher schon Portugal, Mexiko und Hawaii auf die
Konsularg erichtsbarkeit und das Recht der Exterri-
torialität verzichtet hatten, hat I. auch mit verschie-
denen andern Mächten, darunter die Vereinigten
Staaten von Amerika, England (1894), Frankreich,
Italien, Rußland, Belgien (1895), Deutschland,
Schweden und Norwegen, die Schweiz (1896), neue
Verträge abgeschlossen, worin es den Unterthanen
der betreffenden Staaten als Ersatz für den Ver-
zicht auf die Konsulargerichtsbarkcit das Recht im
ganzen Lande Handel zu treiben und Grundbesitz zu
erwerben gewährt. Diese Verträge sollen jedoch
erst in Kraft treten, wenn die moderne Strafgesetz-
gebung in I. mindestens ein Jahr hindurch in
Kraft gewesen ist. Der größte Teil der jetzt für die
japan. Rechtspflege zur Grundlage dienenden Ge-
setze, wie die Konkurs- und Gesellschaftsordnung, das
Civilprozehverfahren, das Kriminalrecht u. s. w. sind
bereits in Funktion und zum Teil auf deutschem, franz.
und engl. Recht aufgebaut. I. hat während der letzten
Jahre einen großen kommerziellen und industriellen
Aufschwung genommen (s. oben), doch wurde es in
der Nacht zum 15. Juni 1896 von einer schweren
Katastrophe betroffen. Infolge eines Seebebens,
das seinen Mittelpunkt im Stillen Ocean, nicht weit
von der Ostküste I.s gehabt zu haben scheint, über-
schwemmte eine ungeheure Flutwelle das Land auf
viele Meilen weit, zerstörte Städte und Dörfer
und vernichtete gegen 30000 Menschenleben.
Die Nachgiebigkeit, die der Ministerpräsident,
Marquis Ito, in der Liau-tung-Frage den europ.