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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Japanische Kunst - Japanische Mythologie und Religion
Mächten gegenüber gezeigt hatte, hatte ihm die
Feindschaft der altjapan. Partei zugezogen, und als
sich der Minister des Auswärtigen, Graf Mutsu,
Krankheit halber genötigt sah, sein Amt niederzu-
legen, gab dies im Sept. 1896 den Anstoß zu einer
Kabinettskrisis, die den Sturz des ganzen Ministe-
riums zur Folge hatte. Zum Nachfolger des
Marquis Ito und gleichzeitig zum Finanzminister
wurde Graf Matsukata, der bedeutende Finanz-
politiker I.s, ernannt, während die Leitung der aus-
wärtigen Angelegenheiten Graf Okuma, der Führer
der Fortschrittspartei, übernahm.
Litteratur. Nippold, Wanderungen durch I.
(Jena 1893); Naumann, Neue Beiträge zur Geolo-
gie und Geographie I.s (Ergänzungsheft Nr. 108
von "Petermauns Mitteilungen", Gotha 1893);
Loonen, 1^6 ^apoii moäei-nß (Par. 1894); Vertin,
1.68 8ran(i68 3U6rr68 civÜ68 äu ^apon (ebd. 1891);
Dalton, Auf Missionspfaden in I. (Bremen 1895);
R. Lindau, Aus China und I. Reiscerinnerungen
(Berl. 1896); Münsterberg, I.s auswärtiger Handel
von 1512 bis 1854 (Stuttg. 1896); Wenckstern, ^
didlioAi'apk^ ol tiis ^apHQ686 Ninpire 1859-93
(Leid. und Lond. 1895). Von der Landesaufnahme
(Imp6i-ill1 (?60i0ZicHi 8UI-V6X ol ^.) ist die geolog.
Specialkarte 1:200000 ganz fertig; von der Über-
sichtskarte 1:1000000 fehlt noch eins der fünf
Blätter, nur die topogr. (agronomischen) Detail-
karten 1:100 000 sind erst zum kleinen Teil erschienen.
"Japanische Kunst. Der I. K. eigentümliche
Formen sind in der Malerei: das Xakemono,
hängende Rolle <s. Tafel: Japanische Kunst I,
Fig. 3, Bd. 9, S. 868); Nakimono, Rolle, nicht zum
Aufhängen. Im Kunstgewerbe: Inrö, Medizin-
büchse, in Teilen, von einer seidenen Schnur zu-
sammengehalten, meist lackiert, jetzt außer Gebrauch;
Okimono, geschnitzte, gegossene oder geschmiedete
kleine Kunstgegenstände zum Aufstellen; ^6t?üko,
Schnitzereien aus Holz, Elfenbein, Korallen, Nephrit,
Metall u.s.w., bestimmt zur Befestigung des Tabaks-
beutels, Schreibzeugs, der inrö, am Gurt (s. Taf. II).
Sie stellen Götter und Dämonen dar, Sagen und Le-
genden, bürgerliche Scenen, Tiere, Pflanzen, Masten
und sind in Japan wie außerhalb als Kunstwerke von
Liebhaber und Sammlern hoch geschätzt. Seit 1680
bekannt, zählen sie zu ihren Verfertigern die bedeutend-
sten Künstler, unter andern Shiuzan in Udji bei
Nara, Riükei, Miwa (1700), Sensai, Tadatoshi,
Ikkö, Masanao (18. Jahrh.), Norisane, Ittan, Masa-
tami, Ikkuan, Masahiro (19. Jahrh.). Ferner: Xorö,
Räuchergefäß aus Porzellan oder Bronze; ^8iidÄ,
Stoßblech am Schwert, aus Eisen, Legierungen
(8diwiicki und sliakuäö genannt) oder Cloisonne;
Nenuki, kleine Ornamente am Degengriff. In der
Architektur: Tempel (shintöistische, mi^, bud-
dhistische, tora); lori-i, das Eingangsthor des
Shintötempels (s. Tafel: Buddhismus I, Fig. 7);
OKiFi, eigenartige Vorsprünge der Tempcldach-
svarren; I^atLuo^i, cigarrenförmige Verzierungen
des EhnNörempeldachs; lalio-to, pagodenähnliche
buddhistische Neliquienhäuser; Xoro, buddhistischer
Trommclturm; 60-M110 tö, die Pagode; l8^i-äöi-0,
steinerne oder bronzene Votivlaternen. In der
Musik: das guitarreattige 8aiui86n, Xoto, Xokiü,
3Iia1iniia0ki u. a., die fast alle aus China stammen.
Japanische Mythologie und Religion. Die
Quellen der japan. Mythologie sind das XoMi (708
n. Chr.; übersetzt von Chamberlain, 1ran8Hction3
ol ll^6 ^äiiitic societv, Suppl. X) und ^idonki
(713 n. Chr.). Als Grenze zwischen Mythologie
und Geschichte wird von den meisten Japanern die
in das I. 600 v. Chr. verlegte Thronbesteigung des
ersten Kaisers Dschimmu angesehen, doch ist nach
neuern Forschungen auch die Zeit etwa bis zum
6. Jahrh, legendenhaft.
Das Schöpferpaar von Japan ist Izanagi und
Izanami, ein Geschwisterpaar, welches als End-
glied zahlloser Generationen von Göttern auftritt
und einen Ehebund eingeht. Nach einem fruchtlosen
Besuch in der Unterwelt, aus der Izanagi seine bei
der Geburt des Feuergottes gestorbene Gemahlin
zurückholen will, reinigt er sich in einem Flusse, und
aus seinen Gliedern und Kleidern entstehen neue
Gottheiten, so die Sonnengöttin Amateras' aus dem
linken Auge, der Mondgott aus dem rechten und
aus der Nase Susanoo, der bald als Gott des Mee-
res, bald der Unterwelt auftritt. Das ungestüme
Betragen des letztern bewegt die Sonnengöttin, sich
in einer Felsenhöhle zu verbergen, so daß Finsternis
eintritt. Durch Gesang und Tanz der übrigen vielen
Myriaden Gottheiten und den Blick in einen Spiegel,
in dem sie eine neue Sonne zu erkennen glaubt, wird
sie wieder herausgelockt. Ein Nachkomme der
Sonnengöttin steigt auf dem Berge Takachiho der
Insel Kiushiu zur Erde hernieder. Sein Urenkel
Kamu Mamato Iwarebiko wird unter dem post-
Humen Namen Dschimmu Tennö als erster Kaiser
von Japan angesehen. Diese mytholog. Vor-
stellungen bilden die Unterlage für den Ahnen- und
Naturkultus der Japaner, der unter dem Namen
Shintö, d. h. Weg der Götter, bekannt ist.
Der Shintoismus hat verschiedene Phasen
durchgemacht, ist sogar im Mittelalter eine Verbin-
dung mit dem Buddhismus eingegangen (unter dem
Namen Ryöbushintö). Die archaistischen Arbeiten
und Forschungen großer Gelehrter, wie Motoori
Norinaga u. a., im 19. Jahrh, trugen zur Reinigung
des Shintoismus von buddhistischen Elementen und
Wiederbelebung desselben bei, und Anfang der sieb-
ziger Jahre dieses Jahrhunderts wurde er nach der
Restauration des Kaisertums zum Staatskultus
erhoben. Verehrt werden in demselben zahllose
Gottheiten, Repräsentanten der Naturkräfte, der
Nahrung, der Berge, Flüsse, Krankheiten u.s. w.;
an der Spitze steht die Sonnengöttin (auch
Tenshokodaijin genannt). Ihr Zaupttempel be-
findet sich in der Provinz Ise, nahe dem Städtchen
Iamada, der jährlich von vielen Tausenden von
Pilgern besucht wird. Ferner genießen göttliche Ver-
ehrung die Kaiser als Abkömmlinge der Sonnen-
göttin und hervorragende Männer, wie der Minister
Sugawara Michizane (gest. 903 v. Chr.), der
unter dem Namen Tenjin, "Himmelsgott", als Gott
der Schreibkunst und Gelehrsamkeit verehrt wird.
Manche Gottheiten genießen nur lokale Verehrung.
Über das ganze Land verbreitet ist auch der Kultus
der Gottheit der Nahrung, Inari, deren Begleiter
der Fuchs ist und der überall größere oder kleinere
Tempel errichtet sind. In letzter Zeit sind viele
Shintötempel, deren Architektur und innere Aus-
schmückung durch den Buddhismus beeinflußt war,
von allem buddhistischen Beirat gereinigt worden,
und die größten und wichtigsten erhalten Zuschüsse
vom Staate. Der Shintötempel ist in seiner ur-
sprünglichen Gestalt sehr einfach, von ungefärbtem
Holz des Hinoki und mit der Rinde dieses Baumes
gedeckt. Er liegt meist in einem .Hain; die größern
sind mit Zäunen, Galerien u. s. w. umgeben, die