Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

638
Kaffern-Cirkus - Kaiser
schlössen werden und ist fürHolzseuerung eingerichtet.
Hei dem größern Apparat in Fig. 7, der eine mit
Maschinenkraft anzutreibende Röstmaschine dar-
stellt, werden die in einem horizontalen Cylinder be-
findlichen Bohnen durch Gas erwärmt, welches
innerhalb des Cylinders, mit Luft gemischt, also
mit blauer Flamme, brennt, wodurch ein sparsamer
Betrieb erzielt wird. Der Dunst wird schon wäh-
rend des Betriebes durch einen Dunstabzug entfernt.
Die auf der Tafel abgebildeten Maschinen sind
Konstruktionen der Firmen: John Gordon & Co.
in London (Fig. 1 u. 3); Friedr. Krupp, Grusonwerk,
in Magdeburg (Fig. 2); Mayer & Co. in Kalk,
Rheinland (Fig. 4 u. 5); Emmcricher Maschinen-
fabrik und Eisengießerei in Emmerich a. Rhein
(Fig. 6 u. 7).
Neuere Ziffern über die Produktion von K. liegen
nicht vor oder beruhen nur auf mehr oder weniger
unsichern Schätzungen. Die Großhandelspreise be-
trugen 1895 im Durchschnitt für 100 1(F in:
Bremen, Rio, gut ordinär......156,7? M.
Hamburg, Santos, reell ordinär. . . 157,29 "
" Rio, reell ordinär.....156,06 >>
Köln, Java, gut mittet........237,26 "
Eingeführt wurden 1895 in Deutschland 122390 t
roher und 114 t gebrannter K. im Gesamtwerte von
203,i Mill. M., in Frankreich 72170 t (Wert 151,8
Mill. Frs.), in Österreich-Ungarn 38104 t (40,8
Mill. Fl.), in Großbritannien 38 922 t (3,8 Mill.
Pfd. St.). - Vgl. noch Hensel und Haenert, Der
K. und seine Behandlung vor, während und nach
der Nöstung (3. Aufl., Halle 1895).
Kaffern-Cirkus, s. Goldaktie.
Kafilldesinfektor, ein 1882 von de la Croir in
Antwerpen konstruierter, seit 1891 auch von Riet-
schel & Henneberg in Berlin fabrizierter Apparat zur
unschädlichen Beseitigung und gleichzeitigen Ver-
wertung der Kadaver gefallener oder kranker Tiere.
Der Apparat besteht aus drei Cylindern, dessen
erster, der eigentliche Desinfektor, mit einem Dampf-
mantel umgeben ist und oben einen leicht abnehm-
baren Deckel zur Einfüllung der Kadaver besitzt.
Der zweite Cylinder nimmt die aus den Kadavern
extrahierten flüssigen Teile (Fett und Leimbrühe)
auf, während der dritte als Kondensator für die aus
den vorgenannten Gefäßen abziehenden Dämpfe
und Gafe dient. Alle drei Cylinder sind miteinander
durch Rohrleitungen, der Desinfektor außerdem
durch besondere Rohre mit dem Betriebsdampfkessel
verbunden. Die nach Abziehung des Fettes und
Leimes verbleibenden festen Bestandteile werden auf
einer Darre getrocknet und auf einem Kollergang
gemahlen und liefern ein an Stickstoff und Phosphor
reiches Düngepulver. Als mittlere Ausbeute werden
nach Henneberg 25-30 Proz. des Kadavergewichts
in Form getrockneten Düngepulvers gewonnen, wo-
sür 14-16 M. pro 100 K3 erlöst werden. Es liegt
aber kein Bedenken vor, das Pulver weit gewinn-
bringender als Viehfutter zu verwenden. Eine
wesentliche Verbesserung des Systems ist von den
Podewilschen Fäkal-Extrakt-Fabriken in München
erreicht und in einer besondern Broschüre als "System
Vodewils zur Verarbeitung von Tierkadavern und
Schlachthausabfällen" bekannt gegeben worden.
Das Princip und der hauptsächliche Fortschritt des
Podewilschen Apparats besteht darin, daß alle
Phasen der Verarbeitung des Kadavermaterials,
nämlich Dämpfung und Sterilisierung mittels hoch-
gespannten Dampfes, vollständige Eintrocknung
und schließlich Zermahlung der Abfälle zu Dünge-
pulver, in einem und demselben Apparat vorgenom-
men werden. Der Hauptteil des Apparats stellt
eine wagerecht liegende rotierende Trommel mit
doppelter Wandung und Mantelraum dar: Innen-
raum und Mantel können gesondert mit gespanntem
Dampf gefpeist werden, so daß der Apparat zuerst
zur Dämpfung, dann zum Trocknen verwendet wer-
den kann. Endlich wird die Trommel in rasche Ro-
tation versetzt und hierbei durch eine im Innern
derselben hefindliche Walze die Pulverisierung der
Abfälle beforgt. Fett und Düngepulver werden als
fertige Produkte erhalten. Der Betrieb ist geruch-
los, weil die gesamte Verarbeitung unter hermeti-
schem Luftabschluß erfolgt und die übelriechenden
Dämpfevollständig kondensiert werden. Das System
ist bereits mehrfach, so z. V. in Hamburg, München
u. a. O., ausgeführt und hat sich gut bewährt. -
Vgl. Henneberg, Der K. (Berl. 1892); Wehmer, Ab-
deckereiwesen (2.Lfg. des "Handbuchs der Hygieine",
von Weyl, Jena 1893).
Kagera, Fluß, s. Alexandra-Nil.
Kahl, Wilhelm, Jurist, geb. 17. Juni 1849 in
Kleinheubach (Unterfrankcn), studierte in Erlangen
und München Rechtswissenschaft, habilitierte sick
1876 in München für Kirchenrecht, Staatsrecht und
Strafrecht, wurde 1879 außerord. Professor in
Rostock, noch in demselben Jahre zum ord. Professor
ernannt, 1883 nach Erlangen, 1888 nach Bonn,
1895 nach Berlin berufen. Im Nebenamt bekleidet
er eine Stelle als vortragender Rat im preuß. Kul-
tusministerium. Er schrieb namentlich: "Die Selb-
ständigkeitsstellung der prot. Kirche in Bayern" (Er-
langen 1874), "Über die Temporaliensperre" (ebd.
1876), "Die deutschen Amortisationsgefetze" (Tüb.
1879), "Das obere Kirchengericht für die Groß-
herzoatümer Mecklenburg" (ebd. 1880), "Lehrsystem
des Kirchenrcchts und der Kirchenpolitik", Bd. 1
(Freib. i. Vr. 1894), "Die Konfession der Kinder aus
emischtenEhen" (1894), "Ebenbürtigkeit und Thron-
olgerecht der Grafen zur Lippe-Biesterfeld" (1896).
* Kahle, Richard. Seine Gemahlin Marie
Kahle-Kehler starb 10. Aug. 1896 in Berchtes-
gaden.
Kaiparahafen, vielfach verzweigter, fjordartig
tief in die Westküste der Nordinsel Neuseelands ein-
dringender Meerbusen. Das am südl. Ende liegende
Helensville ist durch Bahn mit Auckland verbunden,
die nördlich bis zum östlichsten Arme bei Port-Albert
fortgesetzt wird. Auch eine Bahnverbindung müder
ähnlichen Mündungsbucht des Hokianga-Rivcr im
Norden ist teilweise fertig.
Kaiser, Friedrich, Schlachtenmaler, geb. 21. Jan.
1815 zu Lörrach in Baden, kam mit geringer künst-
lerischer Vorbildung nach Paris, wo das Studium
der großen Schlachtcnbilder des Horace Vernet für
seine Richtung entscheidend war. Nach Deutfchland
zurückgekehrt, lebte er zuerst in München und Karls-
ruhe, seit 1850 in Berlin. Das Nevolutionssahr
1848 (in Baden), der dän., böhm., franz. Feldzug,
deren Schauplatz er besuchte, lieferten ihm die Stofte
zu seinen Geschichtsbildern in Aquarell- und Öl-
malerei. Wenige Jahre vor seinem Tode folgte er
einem Rufe des Fürsten Karl nach Bukarest, um den
Krönungsfcierlichkeiten beizuwohnen behufs späterer
Darstellung. Er starb 13. Okt. 1889 in Charlotten-
burg. Von seinen mehr durch Zeichnung und Kom-
position als durch Farbengebung bemerkenswerten
Schlachtengemälden sind zu nennen: Das preuß.
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.