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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaffern-Cirkus - Kaiser

schlossen werden und ist für Holzfeuerung eingerichtet. Bei dem größern Apparat in Fig. 7, der eine mit Maschinenkraft anzutreibende Röstmaschine darstellt, werden die in einem horizontalen Cylinder befindlichen Bohnen durch Gas erwärmt, welches innerhalb des Cylinders, mit Luft gemischt, also mit blauer Flamme, brennt, wodurch ein sparsamer Betrieb erzielt wird. Der Dunst wird schon während des Betriebes durch einen Dunstabzug entfernt.

Die auf der Tafel abgebildeten Maschinen sind Konstruktionen der Firmen: John Gordon & Co. in London (Fig. 1 u. 3); Friedr. Krupp, Grusonwerk, in Magdeburg (Fig. 2); Mayer & Co. in Kalk, Rheinland (Fig. 4 u. 5); Emmericher Maschinenfabrik und Eisengießerei in Emmerich a. Rhein (Fig. 6 u. 7).

Neuere Ziffern über die Produktion von K. liegen nicht vor oder beruhen nur auf mehr oder weniger unsichern Schätzungen. Die Großhandelspreise betrugen 1895 im Durchschnitt für 100 kg in:

Bremen, Rio, gut ordinär 156,77 M.

Hamburg, Santos, reell ordinär 157,29 "

" Rio, reell ordinär 156,06 "

Köln, Java, gut mittel 237,26 "

Eingeführt wurden 1895 in Deutschland 122390 t roher und 114 t gebrannter K. im Gesamtwerte von 203,1 Mill. M., in Frankreich 72170 t (Wert 151,8 Mill. Frs.), in Österreich-Ungarn 38104 t (40,8 Mill. Fl.), in Großbritannien 38922 t (3,8 Mill. Pfd. St.). - Vgl. noch Hensel und Haenert, Der K. und seine Behandlung vor, während und nach der Röstung (3. Aufl., Halle 1895).

Kaffern-Cirkus, s. Goldaktie.

Kafilldesinfektor, ein 1882 von de la Croix in Antwerpen konstruierter, seit 1891 auch von Rietschel & Henneberg in Berlin fabrizierter Apparat zur unschädlichen Beseitigung und gleichzeitigen Verwertung der Kadaver gefallener oder kranker Tiere. Der Apparat besteht aus drei Cylindern, dessen erster, der eigentliche Desinfektor, mit einem Dampfmantel umgeben ist und oben einen leicht abnehmbaren Deckel zur Einfüllung der Kadaver besitzt. Der zweite Cylinder nimmt die aus den Kadavern extrahierten flüssigen Teile (Fett und Leimbrühe) auf, während der dritte als Kondensator für die aus den vorgenannten Gefäßen abziehenden Dämpfe und Gase dient. Alle drei Cylinder sind miteinander durch Rohrleitungen, der Desinfektor außerdem durch besondere Rohre mit dem Betriebsdampfkessel verbunden. Die nach Abziehung des Fettes und Leimes verbleibenden festen Bestandteile werden auf einer Darre getrocknet und auf einem Kollergang gemahlen und liefern ein an Stickstoff und Phosphor reiches Düngepulver. Als mittlere Ausbeute werden nach Henneberg 25-30 Proz. des Kadavergewichts in Form getrockneten Düngepulvers gewonnen, wofür 14-16 M. pro 100 kg erlöst werden. Es liegt aber kein Bedenken vor, das Pulver weit gewinnbringender als Viehfutter zu verwenden. Eine wesentliche Verbesserung des Systems ist von den Podewilschen Fäkal-Extrakt-Fabriken in München erreicht und in einer besondern Broschüre als "System Podewils zur Verarbeitung von Tierkadavern und Schlachthausabfällen" bekannt gegeben worden. Das Princip und der hauptsächliche Fortschritt des Podewilschen Apparats besteht darin, daß alle Phasen der Verarbeitung des Kadavermaterials, nämlich Dämpfung und Sterilisierung mittels hochgespannten Dampfes, vollständige Eintrocknung und schließlich Zermahlung der Abfälle zu Düngepulver, in einem und demselben Apparat vorgenommen werden. Der Hauptteil des Apparats stellt eine wagerecht liegende rotierende Trommel mit doppelter Wandung und Mantelraum dar: Innenraum und Mantel können gesondert mit gespanntem Dampf gespeist werden, so daß der Apparat zuerst zur Dämpfung, dann zum Trocknen verwendet werden kann. Endlich wird die Trommel in rasche Rotation versetzt und hierbei durch eine im Innern derselben befindliche Walze die Pulverisierung der Abfälle besorgt. Fett und Düngepulver werden als fertige Produkte erhalten. Der Betrieb ist geruchlos, weil die gesamte Verarbeitung unter hermetischem Luftabschluß erfolgt und die übelriechenden Dämpfe vollständig kondensiert werden. Das System ist bereits mehrfach, so z. B. in Hamburg, München u. a. O., ausgeführt und hat sich gut bewährt. - Vgl. Henneberg, Der K. (Berl. 1892); Wehmer, Abdeckereiwesen (2. Lfg. des "Handbuchs der Hygieine", von Weyl, Jena 1893).

Kagera, Fluß, s. Alexandra-Nil.

Kahl, Wilhelm, Jurist, geb. 17. Juni 1849 in Kleinheubach (Unterfranken), studierte in Erlangen und München Rechtswissenschaft, habilitierte sich 1876 in München für Kirchenrecht, Staatsrecht und Strafrecht, wurde 1879 außerord. Professor in Rostock, noch in demselben Jahre zum ord. Professor ernannt, 1883 nach Erlangen, 1888 nach Bonn, 1895 nach Berlin berufen. Im Nebenamt bekleidet er eine Stelle als vortragender Rat im preuß. Kultusministerium. Er schrieb namentlich: "Die Selbständigkeitsstellung der prot. Kirche in Bayern" (Erlangen 1874), "Über die Temporaliensperre" (ebd. 1876), "Die deutschen Amortisationsgesetze" (Tüb. 1879), "Das obere Kirchengericht für die Großherzogtümer Mecklenburg" (ebd. 1880), "Lehrsystem des Kirchenrechts und der Kirchenpolitik", Bd. 1 (Freib. i. Br. 1894), "Die Konfession der Kinder aus gemischten Ehen" (1894), "Ebenbürtigkeit und Thronfolgerecht der Grafen zur Lippe-Biesterfeld" (1896).

*Kahle, Richard. Seine Gemahlin Marie Kahle-Keßler starb 10. Aug. 1896 in Berchtesgaden.

Kaiparahafen, vielfach verzweigter, fjordartig tief in die Westküste der Nordinsel Neuseelands eindringender Meerbusen. Das am südl. Ende liegende Helensville ist durch Bahn mit Auckland verbunden, die nördlich bis zum östlichsten Arme bei Port-Albert fortgesetzt wird. Auch eine Bahnverbindung müder ähnlichen Mündungsbucht des Hokianga-River im Norden ist teilweise fertig.

Kaiser, Friedrich, Schlachtenmaler, geb. 21. Jan. 1815 zu Lörrach in Baden, kam mit geringer künstlerischer Vorbildung nach Paris, wo das Studium der großen Schlachtenbilder des Horace Vernet für seine Richtung entscheidend war. Nach Deutschland zurückgekehrt, lebte er zuerst in München und Karlsruhe, seit 1850 in Berlin. Das Revolutionsjahr 1848 (in Baden), der dän., böhm., franz. Feldzug, deren Schauplatz er besuchte, lieferten ihm die Stoffe zu seinen Geschichtsbildern in Aquarell- und Ölmalerei. Wenige Jahre vor seinem Tode folgte er einem Rufe des Fürsten Karl nach Bukarest, um den Krönungsfeierlichkeiten beizuwohnen behufs späterer Darstellung. Er starb 13. Okt. 1889 in Charlottenburg. Von seinen mehr durch Zeichnung und Komposition als durch Farbengebung bemerkenswerten Schlachtengemälden sind zu nennen: Das preuß.

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