Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

650
Kaspisches Meer - Katholikentag
des von Denecke in faulendem Käse gefundenen
Käsespirillnms gedacht, welches einige Ähnlich-
keit mit dem Choleravibrio hat, von diesem aber ohne
weiteres, z.B. schon dnrch den Mangel jedes Wachs-
tnms auf der Kartoffel, zu unterscheiden ist und einen
ganz harmlofen Saprophyten darstellt.
^Kaspifches Meer. Im Handel thätig waren
1893: 123 Dampfer mit 73590 Negistertons nnd
350 Segelschiffe mit 103 950 Negistertons. Dar-
anf wnrden in demselben Jahre verfrachtet 190 Mill.
Pud Waren und 200000 Passagiere. Die Schiff-
fahrtsbewegung in den Häfen des K. M. gestaltete
sich 1892 folgendermaßen:
Angekommen
Abgegangen
Dampfschiffe im ganzen ....
7705
7708
Davon in Bakn......
3525
3521
" " Astrachan. . . ,
2843
2848
" '> Petrowsk. , . ,
385
28"
Segelschiffe im ganzen.....
5024
5072
Davon in Bakn......
2167
2159
" Astrachan . , , ,
1917
1978
" " Petrowsk. , , ,
124
123
Die rnss. Regierung unterhält auf den: K. M.
16 Leuchttürme, darunter 3 schwimmende, sowie an-
dere Seezeichen zum Schutze der Seefahrer vor
Klippen, Untiefen u. s. w.
Kastl, Flecken im Bezirksamt Neumarkt des bayr.
Neg.-Bez. Oberpfalz, Sitz eines Amtsgerichts (Land-
gericht Amberg), hat (1895) 881 meist kath. E.,
Posterpedition, Telegraph, ein Schloß, ein ehe-
maliges Benediktinertloster mit dem Grabmal des
Feldhauptmanns Schweppermann; Hopfellbau.
Katarrhbrödchen, Katarrhpastillen vou
Ihleib, s. Geheimmittel.
Katernberg, Dorf im Landkreis Essen des preuß.
Reg.-Vez.Düsseldorf, hat(1895) 10261 (5575männl.,
4086 weibl.) E., evang. Kirche; Ziegelei und Stein-
kohlenbergbau (Zechen Zollverein und Dahlbusch).
Ratharöl, s. Gehenmnittel.
^Kathodenstrahlen. Die durch elektrische Ent-
ladungen in verdünnten Gasen erzeugten elektrischen
Lichterscheinungen gestalten sich besonders eigen-
artig, wenn man die Verdünnung in den sog. Gciß-
lerschen Röhren sehr weit treibt, so daß der Druck
etwa nur noch 1 Milliontel Atmosphäre beträgt.
Es treten dann Erscheinungen anf, die man einer
besondern Art von Strahlen zuschreibt, die man K.,
auch wohl Kath ödenlicht nennt. Sie wurden
von W. Hittorf 1869 entdeckt, dann anch von W.
Crookes, E. Goldstein .u. a. untersucht, über ihr
eigentliches Wesen ist man noch im Unklaren; die
insbesondere von Crookes vertretene Ansicht, daß
man es mit der "im vierten Aggregatzustand" be-
findlichen Strahlenden Materie (s.d., Bd. 15) zu
thun habe, ist wohl kaum haltbar. Ihren Namen
haben die K. daher, daß sie von der Kathode aus-
gehen, dem in die Glaswand eingeschmolzenen Me-
tallstück (Platin oder Aluminium), das den Aus-
tritt der elektrischen Entladung aus dem gasver-
dünnten Raum vermittelt. Ihre bisher bekannten
Eigenschaften sind die folgenden: Sie breiten sich
von der Kathode her im verdünnten Gas geradlinig
aus, bis sie auf ein Hindernis, d. h. einen dichten
Körper, treffen: ist dies die Glaswand der Röhre,
so zeigt sich hier eine lebhafte Fluorescenz, die
überhaupt das einfachste Mittel liefert, das Auf-
treten von K. nachzuweifen. Die geradlinige Aus-
breitung der K. zeigt sich auch darin, daß dichte
Artikel, die man nnter K ver
Körper, z. B. Metallscheiben, die in ihren Gang ein-
geschaltet werden, auf der sonst hell fluorescierenden
Glaswand einen scharfen Schatten werfen. (S. Elek-
trische Schatten, Bd. 5; anch Fig. 6 der Tafel: Elek-
tricität, Bd. 5, S. 986.) Wie das Glas werden,
auch andere Körper zum Flnorescieren, ferner phos-
phorescenzfähige Körper zu hellem Phosphorescieren
angeregt. Auch chem. Wirkungen haben die K.
mit den Lichtstrahlen gemein, so daß sie auch auf
photogr. Wege nachgewiefen werden können. Kon-
zentriert man mittels einer hohlspiegelförmigen Ka-
thode die K. auf ein Platinblech, so kann dies zur
hellen Glut erhitzt werdeu. Auch mechan. Wirkun-
gen hat Crookes nachgewiesen: ein kleines Schaufel-
rüdchen wird in dem gasverdünnten Raum von den
auffallenden K. in Bewegung versetzt. Eine merk-
würdige Eigenschaft der K. ist ferner die, daß ihre
Ausbreitung von magnetischen Kräften beeinflußt
wird. Ein der Glasröhre genäherter Magnet be-
wirkt eine Ablenknng der K. zu krummliniger Bahn.
Für die Anschauungen vom Wesen der K. besonders
wichtig wnrde die Entdeckung von H. Hertz sowie
E. Wiedemann und H. Ebert'(1892), daß die K. ge-
nügend dünne Schichten auch von Metallen zu
durchdringen vermögen. Danach gelang es PH. Le-
nard, durch Einfügung eines "Fensterchens" aus
Aluminiumfolie in die Wand der Glasröhre die
K. aus diefer heraus in die atmosphärische Luft
überzuführen; hier konnten dann ihre Eigenschaf-
ten weiter untcrsncht werden; Lenard verglich die
Schwächungen (Absorptionen), welche die K. beim
Durchgänge durch verschiedene Körper (Gase, Pa-
pier, Glas, Metalle u. s. w.) erfahren, und fand sie
merkwürdigerweise nahezu proportional der Dich-
tigkeit der betreffenden Körper (ihrem specifischen
Gewicht). Durch Beobachtung der K. wurde Röntgen
znr Entdeckung einer neuen Strahlenart (s. Röntgen-
strahlcn) geleitet.
Kathodoluminescenz, s. Luminescenz.
Katholikentag, Deutscher, gewöhnlich Be-
zeichnnng für die im 1.1818 unter Zustimmung der
deutschen Bischöfe und mit dem Segen des Papstes
ins Leben gerufene alljährliche "Generalversamm-
lnng der deutschen Katholiken". Abwechselnd in den
verschiedenen Gegenden Deutschlands veranstaltet,
von Geistlichen und Laien, von Bischöfen und vom
Adel stark besucht, hat der K. zur Hebung des An-
sehens und der Machtstellung der röm. Kirche und
ihrer parlamentarischen Vertretung in der Centrums-
partei sehr viel beigetragen. Von Anfang an ver-
folgte er mit Beharrlichkeit und Geschick dieselben
Ziele: Ausbreitung des Katholicismus, besonders
auch in prot. Gegenden, Umgestaltung der Staats-
gesetze und Volkssittcn nach den Lehren des Papst-
tums, Beherrschnng der Volksschule durch die Geist-
lichkeit, Beeinflussung der Gymnasien und alles
höhern Unterrichts, Begründung einer vom Staat
unabhängigen kath. Universität, Verdrängung des
prot. Übergewichts in der Presse, Litteratur, Kunst
und Wissenschaft, kirchliche Leitung aller polit., ge-
werblichen, ständischen und beruflichen Vereinigun-
! geil unter streng konfessioneller Scheidung der Be-
völkerung. Seit 1870 ist dazu getreten der Eifer
nm die Wiederherstellung der weltlichen Herrfchaft
des Papstes und um die allgemeine Anerkennung
der päpstl. Unfehlbarkeit, seit dem Ende des Kultur-
kampfes die Bemühung um Rückkehr der Jesuiten
und um Verbreitung der Orden und Klöster. Hinter
dem K. steht als dessen festeste Stütze die Organisa-
mißt, sind nnter C anfznsnchen.