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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marktpreis - Marseille
reien, Granit- und Syenitschlciferei, Handel mit
Getreide (Hafer), Kartoffeln, Beeren und Kräutern.
Marktpreis, der Preis, den Sachen, die Gegen-
stand eines regelmäßigen Umsatzes find, an den
Orten diefes Umsatzes (auf Märkten, Börsen, in
Läden, Comptoirs u. s. w.) zu haben pflegen. Den
Gegensatz bildet der Gelegenheitspreis. Einen
M. haben nnr vertretbare Sachen (nicht individuell
bezeichnete, z. B. Pferde). Als M. ist in Ermangelnng
amtlicher Feststellung, wie solche insbesondere an der
Börse üblich ist, der mittlere Preis zu verstehen,
welcher sich aus der Vergleichung der an dem Orte
des maßgebenden Umsatzes geschlossenen Kaufver-
träge ergiebt. Das Bürgert. Gefetzbuch enthält den
auch Art. 353 des Handelsgesetzbuches ersetzenden
Rechtssatz (§.453), daß, wenn als Kaufpreis der
M. bestimmt ist, als folcher im Zweifel der für
den Erfüllungsort zur Erfüllungszeit maßgebende
M. gilt. über Berechnuug des M. beim Selbst-
eintritt des Kommissionärs enthalten §. 71 des neuen
Börsengesetzes (s. Börse) und ß. 374 des Entwurfs
des neuen Handelsgesetzbuches gleichlautende Be
stimmmMn; danach kann insbesondere der Kom-
missionär in solchem Falle bei Wertpapieren und
Waren, für welche der Börsen- oder Marktpreis
amtlich festgestellt wird, dem Kommittenten keinen
ungünstigern als den amtlichen Preis berechnen.
^ Marokko. Der Sultan Abd ul-Asis hat sich im
Besitz der Herrschaft behauptet, aber im Innern des
Landes dauern die Kämpfe gegen unbotmäßige
Stämme noch fort und zwingen zu häufigen Kriegs-
zügen. Im Nov. 1894 wurde der Deutsche Franz
Neumann in der Nähe von Casablanca ermordet,
worauf ein deutfches Kriegsschiff dorthin ging und
die Bestrafung der Mörder erzwang. Am 9. April
1895 wurde der deutsche Geschäftsreisende Nockstroh
zwischen Safi und Mogador ebenfalls ermordet; der
deutsche Gefandte Graf Tattenbach begab sich fofort
an Bord eines Kricgsfchiffs nach Safi, um die Be-
strafung der Mörder und Zahlung einer Entschädi-
gung Zu verlangen, und landete 12 deutsche Matrosen,
worauf der Sultan diese Forderungen bewilligte. Als
er jedoch mit der Erfüllnng feiner Verpflichtungen
zögerte, zog Deutfchland im Herbst 1895 vor Tanger
eine Kriegsflotte zufammen und drohte mit der Be-
schießung Tangers, woranf sich der Snltan znr Be-
strafung der schuldigen und zur Zahlung bequemte.
Ein Jahr darauf (Dez. 1896) wurde noch ein dritter
deutscher Kaufmann, der in Tanger anfäfsige Ban-
kier Hähner, unmittelbar vor den Thoren diefer
Stadt das Opfer eines Raubmordes, und wenn
sich auch die marokkan. Negierung zu jeder Genug-
thuung bereit zeigte und fofort mehrere des Mordes
Verdächtige verhaften ließ, so bewies diese Unthat
doch von neuem die dringende Notwendigkeit einer
Reform des marokkan. Polizciwcsens, die, wie ver-
lautet, auf Veranlassung der in M. beglaubigten Ge-
fandten demnächst in Angriff genominen werden foll.
Im I. 1895 veranlaßte der Sultan die engl.
Handelsgesellschaft Mackenzie, welche 1885 am Kap
Iul eine Handelsniederlassung gegründet hatte,
gegen 50000 Pfd. St. Entschädigung zur Aufgabe der
Handelsstation und schaffte sich dadurch einen ge-
fährlichen Konkurrenten im Karawanenhandel mit
dem Sudan vom Halse. Von größern wissenschaft-
lichen Reisen unternahm nur Delbrel 1893 eine
solche von Fes über den Großen Atlas nach Tafilet
und über M. zurück nach der .Küste. In den acht
Haupthäfen liefen 1894 ein: 2285 (1893: 2299)
Schiffe mit 964013 t (873316 t); aus: 2280 (1893:
2290) Schiffe mit 965 614 t (873 345 t). Die Aus-
fuhr wertete 1894: 1549 541 (1893: 1449051)
Pfd. St., die Einfuhr 1908629 (1863183) Pfd. St.
- Vgl. Diercks, Marokko (Berl. 1894); Harris, 1k6
lanä ol Hii ^ kriegn 8u1tan: tiavels in Norocc"
(Lond. 1896).
Marosthalbahn, auchUugarischeSüdost-
bahn, zur Verbindung derungar.Staatsbahnstrecken
spurige Privatbahn, von welcher die 45,3 km lange
Teilstrecke Versecz - Gattaja bereits seit 3. Juli 1896
eröffnet ist. Die Fortsetzung geht.über Lugos nacb
der Etation Maros-Illye der Strecke Arad-Predeal.
Marriot, Emil, Pseudonym, s. Mataja, Emilie.
"Marschall von Bieberstein, Adolf Her-
mann, Freiherr von, wurde 30. Okt. 1894 unter
Belassung in seiner bisherigen Stellung zum preuß,
Staatsminister ernannt, trat jedoch 1897 von seinen
> Ämtern zurück und wurde im Nov. 1897 zum Bot-
^ scbafter in Konstantinopel ernannt.
! " Marseille hat nach der Zählung vom 29. März
1896: 447 344 E. in 36352 Hänsern. Der General-
! Handel zeigte 1895 in Einfuhr 2673583 t im Werte
! vou 1084 Mill. Frs., in Ausfuhr 1713005 t für
! 764 Mill. Frs.; im Specialhandel betrug die Ein-
! fuhr 1917132 t für 764 Mill. Frs., die Ausfuhr
! 1025759 t für 443 Mill. Frs. M. steht also immer
noch an der Spitze aller franz. Seehäfen; es ist dem
nächstgrößten, Le Havre, um 103 Mill. Frs. Um-
satzwert voraus. Während die Ausfuhr des Jahres
1895 sowohl in der Masse wie an Wert eine Ver-
mehrung aufweist, zeigt die Einfuhr zwar e'me Ver-
minderung der Masse aber eine Erhöhung des Wer-
tes. An der Verminderung der Einfubr waren haupt-
sächlich beteiligt: Zucker (1895: 137 873 t gegen
1894: 146937 t), Kaffee (16361 gegen 19128 t),
Pfeffer (1275 gegen 1774 t), Ölsaat (3672 gegen
4355 t), Baumwolle (54807 gegen 59619 Ballen),
Vieh (1538417 gegen 1822282 Stück, hauptfächlick
Hammel), Olivenöl (9940 gegen 13750 t); dagegen
bob sich die Einfuhr von Wolle (71711 gegen 65533
Ballen), Petroleum (162945 gegen 123089 Fässer),
Schweineschmalz (8271 gegen 5974 t) und besonders
Wein (122655 gegen 95157 Kl). Die Ausfuhr er-
litt eine beträchtliche Verminderung nur im Vieh-
! handel(1538417 gegen 1822282 Stück); dem stehen
aber bedeutende Vermehrungen gegenüber, so in der
Ausfuhr von Wolle (85 385 gegen 68254 Ballen),
Geweben aller Art (35000 gegen 29000 t), Samen-
und Fruchtöle (33000 gegen 30000 t), Wein und
Spirituosen (374462 gegen 285273 Kl, welche Er-
höhung sich aus dem gesteigerten Bedarf in den Kolo-
nien erklärt), Bier (66553 gegen 45773 KI), Talg,
Schweineschmalz u. s. w. (3129 gegen 2657 t) u. a.
Aus Deutschland kamen 4419415 kF, hauptsächlich
Düngersalze (990t), Bier (3403KI), Fayence(133 t),
Maschinen, Eisenwaren und -Geräte (161 t), Garn
und Gewebe (190 t), Glaswaren (132 t), Tabak-
blätter (243 t) u. a.; ausgeführt wurden nach Deutscb-
land 76 757 554 kf?, besonders Ölkuchen (48 396 t),
Gries und Nudeln (3202 t), Ricinusöl (891 t),
Olivenöl (456 t), Sefamöl (382 t), Kokosnußöl
(240 t), Ölsaaten (210 t), Ölsäure (187 t) u. s. w.
1895 liefen in M. im ganzen 7955 Schiffe mit
4860023 Registertons ein; die Wareneinfuhr zur
See betrug 3209922 t; es liefen 1895 aus 8003
Schiffe mit 4 839 868 t, die zufammen 1 713 372 t
Waren ausführten. Der Gesamtverkehr verteilte