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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Norwegische Eisenbahnen - Nosophen
aber der König nach vergeblichen Verhandlungen
mit den Führern der Linken ersuchte, im Amte zu
bleiben, nahm Stang 27. April das Entlassungs-
gesuch in aller Form zurück. Diese energische Hal-
tung und die Maßnahmen des schwed. Reichstags,
der 1895 beschloß, das sog. Zwischenreichsgcsetz, wo-
durch die Handelsbeziehungen beider Länder ge-
regelt werden, zu kündigen und die für außerordent-
liche Vorfälle angewiesenen Geldsummen bedeutend
zu erhöhen, veranlaßten endlich das Storting, um
die Sache nicht bis zum Äußersten zu treiben, zu
dem Beschluß, das auswärtige Budget zu bewilligen
und zu erklären, daß die schwebenden Streitfragen
durch Verhandlung auf möglichst breiter Basis ge-
löst werden sollten. Daneben wurden bedeutende
Summen, die durch Anleihen beschafft werden soll-
ten, für die Stärkung der norweg. Seemacht be-
willigt. Diese Nachgiebigkeit bewog auch den König
zum Entgegenkommen, und 14. Okt. 1895 gelang es,
ein Koalitionsministerium unter der Leitung Hage-
rups (s. d.) zu bilden, worauf 13. Nov. eine schwed.-
norweg. Unionskommission ernannt wurde, die mit
der Ausarbeitung von Vorschlägen zur Beseitigung
der bestehenden Differenzen beauftragt wurde und
ihre Arbeit wohl erst im Herbst 1897 abschließen
dürfte. Gleichzeitig tagte eine zweite aus Mitgliedern
beider Länder bestehende Kommission zur Ausarbei-
tung eines neuen Zwischenreichsgesetzcs, doch löste
sich diese 1896 auf, nachdem alle Versuche, zu einer
Verständigung zu gelangen, gescheitert waren.
Wenn sich das Storting so auch zu Verhandlun-
gen bereit zeigte, so behielt es doch im allgemeinen
seine abweisende Haltung bei und lehnte die Er-
höhung der Apanagen des Königs und des Kron-
prinzen auf ihren frühern Betrag ab. Nicht ganz
ohne Eindruck im Lande blieb eine Reise des Kö-
nigs, die er im Sommer 1896 durch N. machte,
wobei er jede Gelegenheit wahrnahm, auf die Not-
wendigkeit eines friedlichen Zufammenwirkens bei-
der Völker hinzuweisen. Heftige Kämpfe im Storting
veranlaßte ein neues Kommunalwahlgesetz mit all-
gemeinem Stimmrecht und (event.) Proportional-
wahlsystem, das endlich mit geringer Mehrheit an-
genommen und 27. Juli 1896 vom König sanktio-
niert wurde. Die Rückkehr Nansens (s. d.) von sei-
ner Nordpolerpedition wurde im ganzen N. als eine
große nationale Feier begangen.
^NorwegischeGifenbahnen.DieN.E. hatten
1. Juli 1896 eine Ausdehnung von 1752 km, davon
730 mit normaler Spur, 996 mit Schmalspur von
1,067 m und 26 km von 0,75 m. Das Anlagekapital
betrug (1. Juli 1896) 145 482 775 Kronen oder 83 048
Kronen für 1km Bahn. Befördert wurden (1895/96)
6772681 Personen (160124336 Personenkilometer)
und 1569 690 t Güter (109 645 083 Tonnenkilometer).
Die Betriebseinnahmen betrugen 10 642 845 Kronen,
die Betriebsausgaben 7 899 253 Kronen.
"^Norwegisches Heerwesen. Nach dem Re-
organisationsplan von 1887, welcher allerdings nur
ganz allmählich in Kraft tritt, soll das Heer in drei
Aufgebote: Linie, Landwehr und Landsturm,
gegliedert werden. Bei allen drei Aufgeboten in
allen Waffengattungen soll eine gleichmäßige Zu-
sammenstellung erreicht werden, doch so, daß die
Landwehr eine zahlreichere Ausstattung mit wehr-
pflichtigen Offizieren, Unteroffizieren und Korpora-
len erhält als die Linie, während für den Landsturm
kein fest angestelltes Vorgesetztenpersonal in Aussicht
genommen ist.
Im Frieden giebt es keine höhern Truppeneinheiten
aus gemischten Waffen. Die Infanterie zählt zwei
Compagnien der Garde des Königs und in jedem
Aufgebot 20 Bataillone; die Kavallerie 3 Korps
mit zusammen 8 Eskadrons in jedem der drei Auf-
gebote, außerdem in jedem Aufgebot eine Ordonnanz-
abteilung; die Feldartillerie 3 Korps aus je einem
Linien-, Landwehr- und Landsturmbataillon zu je
3 Batterien zu 6 Geschützen und einer Parkcompagnie.
Die Festungs- und Gebirgsartillerie umfaßt 1 Korps,
in jedem Aufgebot aus 1 Bataillon zu 2 Festungs-
artilleriecompagnien und 2 Gcbirgsbatterien zu 6 Ge-
schützen bestehend, und außerdem ein Detachement
auf der Festung Vardöhus im nördlichsten Teil des
Reichs. Genie: 1 Korps, in jedem Aufgebot aus
5 Compagnien (2 Sappeur-, 1 Pontonier-, 1 Tele-
graphen-und 1 Parkcompagnie) bestehend. Der Train
wird in 3 Compagnien zusammengestellt, ohne Tren-
nung nach Aufgeboten. Endlich giebt es noch 1 Sa-
nitätskorps zu 3 Compagnien in jedem Aufgebot.
Alles in allem: 60 Bataillone Infanterie und 2 Garde-
compagnien, 24 Eskadrons Kavallerie und 3 Ordon-
uanzabteilungen, 27 Batterien Feldartillerie (162
Geschütze) und 3 Parkcompagnien, 6 Festungsartil-
leriecompagnien, 6 Gebirgsbatterien (36 Geschütze)
und 1 Dctachement, 15 Gcniecompagnien, 3 Train-
compagnien und 9 Sanitätscompagnien.
Die Stärke dieser Friedensformationen teilt sich
in das Cadreperfonal und Wehrpflichtige; ersteres
zählt zusammen in allen Waffen und Branchen 629
Offiziere, 1807 Unteroffiziere, 1200 Spielleute und
Mannschaften; von letztern werden jährlich durch-
schnittlich 8000 Mann in den aktiven Dienst einge-
stellt; zeitweilig, gelegentlich der grötzern Übungen,
erhöht sich diese Ziffer auf 12000. Landsturmcadres
sind für den Frieden zur Zeit noch nicht aufgestellt,
auch haben die Landwchrformationen der Kavallerie
und Artillerie im Frieden keine Pferde.
Im Kriege treten die drei Aufgebote in gemischte
Verbände über; es sollen ein Armeekorps und eine
selbständige Brigade sowohl für die Linie als für die
Landwehr gebildet werden. Jedes Armeekorps hat
2 Divisionen Infanterie (zu 2 Brigaden zu 4 Ba-
taillonen zu 12 Compagnien), 2 Korps Kavallerie
(mit je 3 Eskadrons), 1 Bataillon Feldartillerie (mit
3 fahrenden Batterien), 1 Bataillon Genie (mit
4 Compagnien) und 1 Korps Train sowie Sanitäts-
truppen. Die selbständige Brigade soll 4 Bataillone
--- 16 Compagnien Infanterie, 1 Korps Kavallerie
^ 2 Eskadrons, 1 Bataillon Feldartillerie -- 3 fah-
rende Batterien, 1 Compagnie Genie und je 1 Train-
und Sanitätskorps erhalten. Die Festungs- und
Gebirgsartillerie und dieIngenieurformationen wer-
den ebenso wie die Gardecompagnien der Infanterie
nach Bedürfnis zugeteilt. Eine Kriegsorgamsatiou
des Landsturms steht 1896 bevor.
Die Kriegsstärke wird von 1896 ab berechnet ans
25000 Mann Linientruppen, 24000 Mann Land-
wehr und 23 000 Mann Landsturm, zusammen
72000 Mann.
Nofophen, Tetrajodphenolphthale'in, ein
gelbes, geruch- und geschmackloses, in Wasser unlös-
liches, in Alkohol schwer, in Äther und Chloroform
leicht lösliches Pulver ((^Hi"^^), das man durch
Einwirkung von Jod auf Lösungen von Phenol-
phthalem erhält. Seine Verbindung mit Natrium
(Antinosin) und Wismut (Eud orin) dient äußer-
lich als Ersatzmittel des Jodoforms, innerlich zur
Desinfektion bei Darmkatarrhen.